Abfallstatistik

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Datenauszug vom Juni 2019.

Aktualisierung des Artikels geplant: März 2021.

Im Fokus

2016 wurden 5,0 Tonnen Abfall pro Einwohner der EU erzeugt.

2016 wurden in der EU 45,7 % des Abfalls in Deponien entsorgt und 37,8 % recycelt.

Abfallaufkommen, 2016


Dieser Artikel vermittelt einen Überblick über die Entwicklung des Aufkommens und der Behandlung von Abfällen in der Europäischen Union (EU) und in einigen Drittstaaten. Die Erhebung aller zugrunde liegenden Daten erfolgte nach Maßgabe der Verordnung (EG) Nr. 2150/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates zur Abfallstatistik.

Abfall bezeichnet nach Artikel 3 Absatz 1 der Richtlinie 2008/98/EG „jeden Stoff oder Gegenstand, dessen sich sein Besitzer entledigt, entledigen will oder entledigen muss“. Damit kann ein erheblicher Verlust von Ressourcen in Form von Material und Energie verbunden sein. Darüber hinaus können die Bewirtschaftung und die Beseitigung von Abfall bedeutende Auswirkungen auf die Umwelt haben. Deponien haben beispielsweise einen hohen Flächenverbrauch, und sie können zu Luft-, Wasser- und Bodenverunreinigungen führen. Bei der Verbrennung können Luftschadstoffe ausgestoßen werden.

Ziel der Abfallbewirtschaftungsmaßnahmen der EU ist es, Umwelt- und Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Abfälle zu reduzieren und die Ressourceneffizienz der EU zu verbessern. Langfristig soll das Abfallaufkommen gesenkt werden. Wo die Entstehung von Abfällen nicht zu vermeiden ist, sollen die Abfälle verstärkt als Ressource genutzt werden, die Recyclingquote soll erhöht und die sichere Beseitigung von Abfall gewährleistet werden.

Vollständiger Artikel

Abfallaufkommen insgesamt

2016 belief sich das gesamte Abfallaufkommen aller Wirtschaftszweige und Haushalte in der EU-28 auf 2 538 Mio. Tonnen.

Erwartungsgemäß besteht ein gewisser Zusammenhang zwischen der Abfallmenge und der Bevölkerungszahl und der Wirtschaftskraft eines Landes. Wie aus Tabelle 1 hervorgeht, verzeichneten die kleinsten EU-Mitgliedstaaten durchweg die geringsten und die größeren Mitgliedstaaten die höchsten Abfallmengen. Dabei war das Abfallaufkommen in Bulgarien und Rumänien aber relativ hoch und in Italien relativ gering.

Tabelle 1: Abfallaufkommen nach Wirtschaftszweigen und Haushalten, 2016
(%)
Quelle: Eurostat (env_wasgen)

Abbildung 1 zeigt den Anteil der einzelnen Wirtschaftszweige und der Haushalte am gesamten Abfallaufkommen im Jahr 2016. In der EU-28 entfielen auf Bau- und Abbruchabfälle 36,4 % der Gesamtmenge im Jahr 2016. Dahinter rangierten Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden (25,3 %), verarbeitendes Gewerbe (10,3 %), Abfall- und Wasserwirtschaft (10,0 %) und private Haushalte (8,5 %). Die restlichen 9,5 % stammten aus anderen Wirtschaftszweigen, insbesondere aus den Bereichen Dienstleistungen (4,6 %) und Energieversorgung (3,1 %).

Abbildung 1: Abfallaufkommen nach Wirtschaftszweigen und Haushalten, EU-28, 2016
(in %)
Quelle: Eurostat (env_wasgen)

In Abbildung 2 wird das Abfallaufkommen in standardisierter Form im Verhältnis zur Bevölkerungszahl analysiert. Hieraus geht deutlich hervor, dass die Abfallmengen in einigen der kleineren EU-Mitgliedstaaten hoch ausfielen. Besonders groß war das Abfallaufkommen in Finnland mit durchschnittlich 22,4 Tonnen Abfall je Einwohner im Jahr 2016, was über viermal so hoch wie der EU-28-Durchschnitt von 5,0 Tonnen je Einwohner war. In einigen Mitgliedstaaten mit besonders hohem Abfallaufkommen je Einwohner stammte ein sehr großer Anteil aus dem Bereich Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, während in anderen Mitgliedstaaten die hohen Anteile auf den Bereich Bau und Abbruch zurückzuführen waren.

Bei Abfällen aus den Bereichen Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden sowie Bau und Abbruch handelt es sich weitgehend um dominante mineralische Abfälle. In Abbildung 2 werden dominante mineralische Abfälle von allen anderen Abfällen getrennt dargestellt. Knapp zwei Drittel (64 % oder 3,2 Tonnen je Einwohner) der gesamten in der EU-28 im Jahr 2016 erzeugten Abfallmenge waren dominante mineralische Abfälle. Ihr relativer Anteil am gesamten Abfallaufkommen fiel in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten ganz unterschiedlich aus, was zumindest teilweise durch unterschiedliche wirtschaftliche Strukturen bedingt sein könnte. In der Regel war in den EU-Mitgliedstaaten mit umfangreicher Wirtschaftstätigkeit im Bereich Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, z. B. in Bulgarien, Schweden, Rumänien und Finnland, und/oder im Bereich Bau und Abbruch, z. B. in Luxemburg, der Anteil dominanter mineralischer Abfälle besonders hoch. In diesen Mitgliedstaaten machte er mindestens 85 % des gesamten Abfallaufkommens aus, was auch für Liechtenstein (91 %) zutraf.

Abbildung 2: Abfallaufkommen, 2016
(in kg je Einwohner)
Quelle: Eurostat (env_wasgen)

Abfallaufkommen ohne dominante mineralische Abfälle

2016 wurden 905 Mio. Tonnen Abfälle (ohne dominante mineralische Abfälle) in der EU-28 erzeugt; dies entsprach 36 % des gesamten Abfallaufkommens (Abbildung 2). Gemessen an der Bevölkerungsgröße fielen 2016 je Einwohner der EU-28 im Durchschnitt 1,8 Tonnen Abfälle (ohne dominante mineralische Abfälle) an (Abbildung 3).

In den EU-Mitgliedstaaten bewegte sich das Abfallaufkommen (ohne dominante mineralische Abfälle) 2016 in der Größenordnung von durchschnittlich 9,0 Tonnen je Einwohner in Estland und 0,8 Tonnen je Einwohner in Zypern und Kroatien. Die großen Abfallmengen in Estland hängen mit der Energieerzeugung aus Ölschiefer zusammen.

Abbildung 3: Abfallaufkommen, ohne dominante mineralische Abfälle, 2006 und 2016
(in kg je Einwohner)
Quelle: Eurostat (env_wasgen)

In Tabelle 2 ist die Entwicklung des Abfallaufkommens ohne dominante mineralische Abfälle in der EU-28 nach Wirtschaftszweigen aufgeschlüsselt. 2016 wurden die höchsten Abfallaufkommen für die Abfall- und Wasserwirtschaft (228 Mio. Tonnen), die privaten Haushalte (209 Mio. Tonnen) und das verarbeitende Gewerbe (191 Mio. Tonnen) registriert. Ihre Entwicklung im zeitlichen Verlauf folgte unterschiedlichen Mustern: Zwischen 2004 und 2016 stieg das Abfallaufkommen (ohne dominante mineralische Abfälle) in der Abfall- und Wasserwirtschaft um 105,7 %, während es bei den privaten Haushalten ziemlich stabil blieb (+1,8 %) und im verarbeitenden Gewerbe deutlich abnahm (-29,6 %).

Tabelle 2: Abfallaufkommen, ohne dominante mineralische Abfälle, EU-28, 2004-2016
(in Mio. Tonnen)
Quelle: Eurostat (env_wasgen)

Aufkommen gefährlicher Abfälle

Gefährliche Abfälle können die menschliche Gesundheit und die Umwelt gefährden, wenn sie nicht sicher behandelt und beseitigt werden. 100,7 Mio. Tonnen (4,0 % der Gesamtmenge) der 2016 in der EU-28 erzeugten Abfälle wurden als gefährlich eingestuft.

Gegenüber 2010 wurden 2016 in der EU-28 um 4,9 % mehr ungefährliche Abfälle erzeugt, was mengenmäßig einem Anstieg von 96,0 auf 100,7 Mio. Tonnen entspricht. 2016 betrug der Anteil gefährlicher Abfälle in allen EU-Mitgliedstaaten weniger als 10,0 %. Die einzige Ausnahme waren Estland und Bulgarien mit Anteilen von 39,9 % bzw. 11,1 % am Gesamtaufkommen (siehe Abbildung 4). Der sehr hohe Anteil in Estland ist vor allem auf die Energieerzeugung aus Ölschiefer zurückzuführen. Von den in Abbildung 4 aufgeführten Drittländern verzeichnete Serbien den höchsten Anteil gefährlicher Abfälle am Gesamtabfallaufkommen (mit 35,2 %), was auf eine intensive Tätigkeit in den Bereichen Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden zurückzuführen ist; dahinter rangierten Montenegro (19,4 %) und Norwegen (14,6 %).

Abbildung 4: Aufkommen gefährlicher Abfälle, 2010 und 2016
(Anteil am Abfallgesamtgewicht in %)
Quelle: Eurostat (env_wasgen)

Abfallbehandlung

2016 wurden etwa 2312 Mrd. Tonnen Abfall in der EU-28 behandelt; exportierte Abfälle sind in diesem Wert nicht enthalten, die Behandlung von in die EU eingeführten Abfällen ist darin aber berücksichtigt. Die angegebenen Mengen sind mit den Angaben zum Abfallaufkommen nicht direkt vergleichbar.

In Abbildung 5 ist die Entwicklung der Abfallbehandlung in der EU-28 insgesamt und für die beiden wichtigsten Behandlungskategorien – Verwertung und Beseitigung – im Zeitraum von 2004 bis 2016 dargestellt. Die Menge der verwerteten Abfälle, d. h. der Abfälle, die dem Recycling zugeführt oder zur Verfüllung (von Abgrabungen zum Neigungsausgleich, aus Sicherheitsgründen oder zur Landschaftsgestaltung) genutzt oder mit energetischer Verwertung verbrannt wurden, nahm um 28,2 % von 960 Mio. Tonnen im Jahr 2004 auf 1231 Mio. Tonnen im Jahr 2016 zu. Der Anteil dieser Art von Abfallverwertung an der gesamten Abfallbehandlung stieg deshalb von 45,4 % im Jahr 2004 auf 53,2 % im Jahr 2016. Die Menge des beseitigten Abfalls sank von 1154 Mio. Tonnen im Jahr 2004 auf 1081 Mio. Tonnen im Jahr 2016, was einer Abnahme von 6,3 % entspricht. Der Anteil der Beseitigung an der Abfallbehandlung insgesamt ging von 54,6 % (2004) auf 46,8 % (2016) zurück.

Abbildung 5: Abfallbehandlung, EU-28, 2004-2016
(Index 2004 = 100)
Quelle: Eurostat (env_wastrt)

Wie bereits erläutert, wurde in der EU-28 im Jahr 2016 etwas mehr als die Hälfte (53,2 %) der Abfälle einer Rückgewinnung – Recycling (37,8 % des gesamten behandelten Abfalls), Verfüllung (9,9 %) oder energetische Verwertung (5,6 %) – zugeführt. Von den verbleibenden 46,8 % wurden 38,8 % in Deponien entsorgt (1,0 %) ohne energetische Verwertung verbrannt und 7,0 % durch andere Verfahren beseitigt. Die jeweiligen Behandlungsmethoden wurden in den EU-Mitgliedstaaten ganz unterschiedlich angewandt. So wiesen einige Mitgliedstaaten (wie Italien und Belgien) besonders hohe Recyclingquoten auf, während andere (Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Finnland und Schweden) die Deponierung bevorzugten (siehe Tabelle 3).

Tabelle 3: Abfallbehandlung, 2016
(in % der Gesamtmenge)
Quelle: Eurostat (env_wastrt)

Behandlung gefährlicher Abfälle

2016 wurden in der EU-28 als Ganzes 76,8 Mio. Tonnen gefährliche Abfälle behandelt, davon mehr als die Hälfte allein in den drei EU-Mitgliedstaaten Deutschland (28,0 %), Bulgarien (17,2 %) und Estland (12,5 %), siehe Abbildung 6.

Abbildung 6: Behandlung gefährlicher Abfälle, 2016
(in 1 000 Tonnen)
Quelle: Eurostat (env_wastrt)

Im Jahr 2016 wurden 33,9 % der in der EU-28 behandelten gefährlichen Abfälle deponiert, also auf dem oder im Boden abgelagert oder an Land behandelt und in Gewässer eingetragen. Die Menge entsprach 51 kg je Einwohner (Abbildung 7). 5,9 % aller gefährlichen Abfälle (9 kg je Einwohner) wurden ohne energetische Verwertung verbrannt. Weitere 7,7 % (12 kg je Einwohner) wurden einer energetischen Verwertung zugeführt. Mehr als ein Drittel (35,4 %) der gefährlichen Abfälle in der EU-28 wurde 2016 durch Recycling oder Verfüllung verwertet, was 53 kg je Einwohner entspricht.

Abbildung 7: Behandlung gefährlicher Abfälle, 2016
(in kg je Einwohner)
Quelle: Eurostat (env_wastrt)

Quelldaten für die Tabellen und Abbildungen

Datenquellen

Damit die Umsetzung der Abfallpolitik und insbesondere die Einhaltung der Grundsätze der Verwertung und der sicheren Entsorgung überwacht werden kann, bedarf es zuverlässiger Statistiken über die Erzeugung und die Bewirtschaftung von Gewerbe- und Haushaltsabfällen. 2002 wurde die Verordnung (EG) Nr. 2150/2002 zur Abfallstatistik erlassen, die den Rahmen für harmonisierte Gemeinschaftsstatistiken auf diesem Gebiet vorgibt.

Nach Maßgabe dieser Verordnung sind die EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, ab dem Bezugsjahr 2004 alle zwei Jahre Daten zum Aufkommen, zur Verwertung und zur Beseitigung von Abfällen zu liefern. Daten zum Abfallaufkommen und zur Abfallbehandlung stehen derzeit für alle geraden Bezugsjahre von 2004 bis 2016 zur Verfügung.

Kontext

Ziel der Abfallbewirtschaftung in der EU ist es, die ökologischen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Abfälle zu reduzieren und die Ressourceneffizienz in Europa zu verbessern. Auf längere Sicht soll Europa zu einer Recycling-Gesellschaft werden, die auf Abfallvermeidung setzt und nicht zu vermeidende Abfälle so weit wie möglich als Ressource nutzt. Angestrebt werden sehr viel höhere Recyclingquoten und eine drastische Reduzierung des Verbrauchs weiterer natürlicher Ressourcen. Eine adäquate Abfallbewirtschaftung ist ein Schlüsselelement, wenn es darum geht, für Ressourceneffizienz und für ein nachhaltiges Wachstum der europäischen Volkswirtschaften zu sorgen. Für weitere Informationen wird auf die Strategie Europa 2020 verwiesen.

Mit der 2008 überarbeiteten Abfallrahmenrichtlinie wurde eine fünfstufige Abfallhierarchie eingeführt. Danach ist Abfallvermeidung die beste Option, gefolgt von Wiederverwendung, Recycling und anderen Verwertungsarten, während Deponierung erst als letzte Möglichkeit in Betracht kommt. Nach dieser Hierarchie wurden im 7. Umweltaktionsprogramm die folgende vorrangigen Ziele für die Abfallbewirtschaftung in der EU festgelegt:

  • Reduzierung des Abfallaufkommens;
  • Maximierung von Recycling und Wiederverwendung;
  • Beschränkung der Abfallverbrennung auf nicht verwertbare Stoffe;
  • Beschränkung der Deponierung auf nicht recycelbare und nicht verwertbare Abfälle;
  • vollständige Umsetzung der abfallpolitischen Ziele in allen EU-Mitgliedstaaten.
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