Statistiken über europäische Städte

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Datenauszug vom März 2018.

Aktualisierung des Artikels geplant: November 2019.

Im Fokus

Der höchste Jugendabhängigkeitsquotient bei Städten in der EU wurde mit 58,4 % in der Communauté d’agglomération Val de France (in der Nähe von Paris gelegen) gemessen.

Über ein Fünftel der Gesamtbevölkerung der belgischen Hauptstadt Bruxelles / Brussel waren Staatsangehörige anderer EU-Mitgliedstaaten.

Quelle: Eurostat

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Großstadtgebieten und Städte ziehen nach wie vor eine wachsende Zahl von Menschen auf der Suche nach Arbeit und besserer Lebensqualität an. Städte werden häufig als Zentren des wirtschaftlichen Wachstums betrachtet, die Lern-, Innovations- und Beschäftigungschancen bieten. Als Pole wirtschaftlicher Aktivitäten sind sie für verschiedenste Menschen (nationale ebenso wie internationale Migranten) attraktiv. Dies trifft besonders auf Hauptstädte zu, die sich oftmals durch ein hohes Niveau an Wirtschaftstätigkeit, Beschäftigung und Wohlstand auszeichnen.

Vollständiger Artikel

Und doch besteht häufig die paradoxe Situation, dass Städte zugleich einige der höchsten Anteile an Einwohnern, die von sozialer Ausgrenzung, Arbeitslosigkeit und Einkommensunterschieden betroffen sind, aufweisen. Darüber hinaus sind Städte oft mit Problemen wie Kriminalität, Verkehrsüberlastung und Umweltverschmutzung konfrontiert. In ein und derselben Stadt können darüber hinaus Menschen, die einen sehr hohen Lebensstandard genießen, in unmittelbarer Nachbarschaft von Menschen leben, die erhebliche Existenzsorgen haben — dies wird als das „städtische Paradoxon“ (auf Englisch) bezeichnet.

Ein wachsender Anteil der Bevölkerung in der Europäischen Union (EU) lebt und arbeitet in der Nähe von Städten, und dies dürfte aller Erwartung nach auch künftig so bleiben, da sich die Wirtschaftstätigkeit in und um städtische Gebiete konzentriert. In der EU besteht jedoch eine große Vielfalt an Städten. Zum einen gibt es die globalen Metropolen London und Paris (mit fast 10 Millionen Einwohnern), zum anderen hat etwa die Hälfte der Städte in der EU ein relativ kleines urbanes Zentrum mit 50 000 bis 100 000 Einwohnern. Bei den Einwohnerzahlen in einigen der größten Städte in der EU und ihrem Umland ist zwar ein rasches Wachstum zu beobachten, insbesondere wenn man die Vorstädte im Umland berücksichtigt, aber es gibt auch andere Städte in der EU, beispielsweise Städte in einstigen industriellen Kerngebieten mit rückläufigen Einwohnerzahlen.

Mit dieser — mitunter als Zersiedelung bezeichneten — Expansion der Bevölkerungszahlen sowohl innerhalb als auch außerhalb einiger der Hauptmetropolen der EU geht eine Reihe komplexer Herausforderungen einher, die unter anderem die Nachhaltigkeit, den sozialen Zusammenhalt, die ausreichende Versorgung mit Wohnraum oder die Bereitstellung effizienter Verkehrsdienstleistungen betreffen. Der Schwerpunkt dieses Artikels liegt auf drei Hauptbereichen: demografische und sozioökonomische Entwicklungen (unter besonderer Berücksichtigung der Migration), Bildungs- und Arbeitsmärkte (einschließlich einer Analyse des Übergangs von der Arbeitslosigkeit in die Beschäftigung) und Lebensbedingungen von Städtern (mit Informationen über die Quote der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Personen und die Quote der Überbelastung durch Wohnkosten).

Bevölkerung

Die Bevölkerungsstatistiken für Städte beziehen sich auf die Bevölkerung an ihrem üblichen Aufenthaltsort, also dem Ort, an dem eine Person normalerweise, ungeachtet vorübergehender Abwesenheit, wohnt. Das ist generell der Ort des rechtmäßigen oder eingetragenen Wohnsitzes. Die Bevölkerungszahl ist eine Bezugsgröße für die Messung der allgemeinen Größe einer städtischen Gebietseinheit und wird als Nenner für viele abgeleitete Indikatoren verwendet.

Jugendabhängigkeitsquotienten

Karte 1 liefert Informationen zur Altersstruktur von über 925 Städten in der EU sowie in Norwegen und der Schweiz. Die Größe der Kreise zeigt jeweils an, wie viele Einwohner die betreffende Stadt insgesamt hat, während die Farbschattierung den Jugendabhängigkeitsquotienten angibt, also das Verhältnis zwischen der Zahl der Personen im Alter von 0 bis 19 Jahren und der Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter (hier als Personen im Alter von 20 bis 64 Jahren definiert).

Im Durchschnitt der EU-28 lag der Jugendabhängigkeitsquotient im Jahr 2016 bei 34,7 %. Die Altersstruktur in den Städten der EU war insofern ungleichmäßig, als 552 Städte niedrigere Jugendabhängigkeitsquotienten als im Durchschnitt der EU-28 meldeten, während dieser Quotient in 356 Städten über dem Durchschnitt lag. Diese Zahlen unterliegen, zumindest in einem gewissen Grad, dem Einfluss von Fertilitätsmustern, wobei fallende Bruttogeburten- und Fruchtbarkeitsziffern häufig mit der Entscheidung für eine spätere Elternschaft, eine kleinere Familie oder den Verzicht auf Kinder zusammenhängen. Dieses Muster kann im Fall von Städten, für die große Studentenpopulationen typisch sind, oder von Städten, die hochqualifizierte Arbeitskräfte anziehen, besonders verbreitet sein, weil bei diesen Gruppen junger Menschen eine höhere Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie eine spätere Elternschaft wählen, um sich zunächst eine Karriere aufzubauen.

Typisch für die Städte mit den höchsten Jugendabhängigkeitsquotienten waren häufig große Populationen an gewerblichen Arbeitnehmern und/oder Migranten

Die Jugendabhängigkeitsquotienten waren in den meisten Städten in den Benelux-Ländern, in Frankreich und im Vereinigten Königreich relativ hoch. Die niedrigsten Quotienten wurden dagegen eher in Städten im Osten und Süden der EU sowie in Deutschland und Österreich verzeichnet.

Eine genauere Analyse zeigt, dass die Städte mit besonders hohen Anteilen junger Menschen (im Verhältnis zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter) als Vorstadtregionen um einige der größten Städte der EU bezeichnet werden konnten, oder aber als eher kleinstädtische Gebiete mit vergleichsweise hohen Anteilen gewerblicher Arbeitnehmer bzw. einer hohen Nettozuwanderung. Es gab elf Städte in der EU, die Jugendabhängigkeitsquotienten von mindestens 50,0 % verzeichneten, d. h. ihre Bevölkerungsstruktur war so beschaffen, dass jedem jungem Menschen unter 20 weniger als zwei Personen im erwerbsfähigen Alter gegenüberstanden. Acht dieser Städte lagen in Frankreich (Daten von 2014), die anderen drei im Vereinigten Königreich (Daten von 2016).

Der höchste Jugendabhängigkeitsquotient (58,4 %) wurde in der nördlich der französischen Hauptstadt gelegenen Communauté d’agglomération Val de France gemessen, wobei auch die restlichen französischen Städte relativ nahe bei der Hauptstadt lagen, nämlich Saint-Denis und Creil (beide im Norden von Paris), Communauté d’agglomération Lacs de l’Essonne, Sénart en Essonne und Evry (im Süden) sowie Mantes-en-Yvelines und Communauté de communes des Coteaux de Seine (im Westen). Im Vereinigten Königreichs wurde der höchste Jugendabhängigkeitsquotient in Bradford (Yorkshire; 51,1 %) gemessen, während die anderen Städte, in denen weniger als zwei Erwachsene im erwerbsfähigen Alter auf einen jungen Menschen unter 20 Jahren kamen, Blackburn with Darwen (nördlich von Manchester) und Slough (westlich von London) waren. Viele dieser Städte in Frankreich und im Vereinigten Königreich zeichneten sich durch einen relativ hohen Anteil von Migranten an ihrer Gesamtbevölkerung aus.

Diese Entwicklungen entsprachen insofern allgemeineren Mustern, als die 52 Städte mit den höchsten Jugendabhängigkeitsquotienten in der EU (wenn man den atypischen Fall der autonomen spanischen Stadt Melilla ausklammert) sämtlich in Frankreich oder im Vereinigten Königreich lagen. Außerhalb dieser 52 Städte in Frankreich oder im Vereinigten Königreich verzeichnete der Ballungsraum Ede (östlich von Utrecht in den Niederlanden) den höchsten Jugendabhängigkeitsquotienten.

Am anderen Ende der Skala, den 307 Städten mit Jugendabhängigkeitsquotienten von weniger als 30,0 %, lag die überwiegende Mehrheit dieser Städte in Deutschland (88 Städte), Polen (50), Italien (45), Rumänien (35) und Spanien (32), wobei Bulgarien der einzige weitere EU-Mitgliedstaat mit einem zweistelligen Wert (11 Städte) war.

Bei eingehenderer Betrachtung ist festzustellen, dass die niedrigsten Jugendabhängigkeitsquotienten der EU in zwei deutschen Universitätsstädten, nämlich Greifswald (im Nordosten Deutschlands, 21,7 % im Jahr 2014) und Würzburg (Nordbayern, 21,7 %, 2015) erfasst wurden. Ihnen folgten zwei Städte in Rumänien — Brasov (Zentralrumänien, 22,1 %, 2015) und Braila (Ostrumänien, 22,3 %, 2015) — sowie die italienische Stadt Cagliari (an der Südküsten Sardiniens, 22,6 %, 2015). In diesem Zusammenhang interessant sind mehrere atypische Fälle, beispielsweise waren die Universitätsstadt Leuven (29,6 %, 2015) die einzige Stadt in Belgien, die Hauptstadt København die einzige Stadt in Dänemark (27,7 %, 2013) und die schottischen Städte Aberdeen und Edinburgh die einzigen Städte im Vereinigten Königreich, die Jugendabhängigkeitsquotienten von weniger als 30,0 % meldeten.
Karte 1: Jugendabhängigkeitsquotient, ausgewählte Städte, 2016
(in %)
Quelle: Eurostat (urb_cpopstr), (urbcpop1) und (demo_pjanind)

Hauptstadtbewohner

Abbildung 1 zeigt die Struktur der Wohnbevölkerung in vier Hauptstädten der EU (Stand: 1. Januar 2015). In diesen Bevölkerungspyramiden wird der Anteil der in den jeweiligen Stadtzentren lebenden Menschen mit der umfassenderen Messgröße der Bewohner des umliegenden Pendlereinzugsgebiets (auch als funktionales städtisches Gebiet bezeichnet) verglichen.

Die slowenische und die britische Hauptstadt scheinen auf relativ junge Menschen im erwerbsfähigen Alter eine beträchtliche Anziehungskraft auszuüben; darin spiegeln sich möglicherweise Chancen für Beschäftigung und Lebensstandard wider

Ein funktionales städtisches Gebiet besteht aus einer Stadt und ihrem umliegenden Pendlereinzugsgebiet. Auf dieser Basis war London (die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs) mit 12,1 Millionen Einwohnern im Jahr 2015 die bei weitem bevölkerungsreichste Stadt in der EU. In der italienischen Hauptstadt Roma und ihrem umliegenden Pendlereinzugsgebiet lebten zum Vergleich 4,5 Millionen Menschen. In Bratislava (Slowakei) und London bestand ein relativ hoher Anteil der Bevölkerung aus Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 25 und 44 Jahren, während in Rom die größten Altersgruppen etwas älter zu sein schienen und zwischen 35 und 54 Jahren lagen.

Eine genauere Analyse der Bevölkerungsstruktur zeigt, dass über die Hälfte der gesamten Einwohnerschaft der belgischen Hauptstadt Bruxelles / Brussel im umliegenden Pendlereinzugsgebiet lebte. Die Situation in London war dagegen ganz anders, dort wohnten über 70 % der Bevölkerung im Ballungsraum London. Interessant ist auch, dass es in Bratislava und Roma bei der älteren Generation relativ verbreitet war, in den Stadt zu leben, während in Bruxelles / Brussel die älteren Menschen eher im Pendlereinzugsgebiet wohnten.
Abbildung 1: Bevölkerungspyramiden, ausgewählte Hauptstädte, 2015
(Anteil der Bevölkerung in %)
Quelle: Eurostat (urb_cpop1) und (urb_lpop1)

In Städten lebende Migranten

Das Phänomen der Migration besteht schon lange, aber erst seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts trat in Europa eine Verschiebung von einem Nettoabwanderungsgebiet zu einem Nettozuwanderungsgebiet ein. Viele europäische Städte mit ihrem Mix aus multikulturellen, von ethnischer Vielfalt geprägten Bevölkerungen spielen hinsichtlich der Wahrnehmung von Migranten eine wichtige Rolle.

Städte werden oft als Orte beschrieben, in denen Migranten und Nicht-Migranten durch die Arbeit, das Studium oder die Erziehung ihrer Kinder miteinander interagieren. Städte können Migranten zwar wesentliche Chancen bieten, andererseits aber im Hinblick auf Integration bzw. Inklusion mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert sein. Zu den Hauptschwerpunkten der Arbeit der Europäischen Kommission zählt in diesem Zusammenhang ein besseres Management der Migration. Hier ist die Integration und soziale Eingliederung der wachsenden Zahl von Migranten, die sich in Europa niederlassen, entscheidend, unabhängig davon, ob sie aus anderen EU-Mitgliedstaaten oder weiter entfernten Ländern stammen.

Über ein Fünftel der Gesamtbevölkerung von Bruxelles / Brussel (der belgischen Hauptstadt) waren Staatsangehörige anderer EU-Mitgliedstaaten

Abbildung 2 bietet eine alternative Analyse der Struktur von Stadtbevölkerungen. In dieser Abbildung werden die Städte und funktionalen städtischen Gebiete in der EU mit den höchsten Anteilen von EU- und Nicht-EU-Ausländern im Jahr 2016 gezeigt (man beachte, dass bei den jeweils letzten verfügbaren Bezugsjahren in einigen EU-Mitgliedstaaten erhebliche Unterschiede bestehen können).

In Derry and Strabane (Northern Ireland, Vereinigtes Königreich) handelte es sich bei fast der Hälfte (44,7 %) der Einwohner im urbanen Zentrum um Staatsangehörige anderer EU-Mitgliedstaaten. Im weiteren funktionalen städtischen Gebiet (also einschließlich des umliegenden Pendlereinzugsgebiets) dagegen betrug der Anteil der Migranten aus anderen EU-Mitgliedstaaten an der gesamten Einwohnerzahl gerade einmal 2,1 %. Dieses Muster war insofern recht weit verbreitet, als Migranten eher in Kernstädten (Stadtzentren) leben.

Der zweithöchste Anteil von Bürgern anderer Mitgliedstaaten der EU wurde ebenfalls in Northern Ireland, in der Hauptstadt Belfast, verzeichnet; dort stammte einer von vier Einwohnern der Stadt (25,4 %, Daten von 2011) aus einem anderen EU-Mitgliedstaat. Der relativ hohe Anteil von in der südspanischen Stadt Fuengirola (22,5 %, Daten von 2016) lebenden Bürgern aus anderen EU-Staaten lässt sich zumindest zum Teil auf eine hohe Zahl von Ruheständlern zurückführen. Die nächsthöchsten Anteile verzeichnete man in der belgischen Hauptstadt Bruxelles / Brussel (22,2 %, Daten von 2015) und der in der Mitte Deutschlands gelegenen Stadt Offenbach am Main (18,8 %, Daten von 2015). In Offenbach lebten relativ viele griechische, rumänische, polnische und italienische Migranten (sowie eine große Zahl an Migranten von außerhalb der EU). Es ist zu beachten, dass der hohe Anteil nicht aus der EU stammender Migranten in den baltischen Mitgliedstaaten zumindest teilweise auf Bürger der früheren Sowjetunion zurückzuführen ist, die hier ihren ständigen Wohnsitz haben.
Abbildung 2: Städte und funktionale städtische Gebiete in der EU mit den höchsten Anteilen von EU- und Nicht-EU-Ausländern, 2016
(Bevölkerungsanteil in %)
Quelle: Eurostat (urb_cpopcb) und (urb_lpopcb)

Bildung und Beschäftigung

Die Strategie Europa 2020 ist die EU-Strategie für Wachstum und Beschäftigung im laufenden Jahrzehnt, mit der ein intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum angestrebt wird. Im Kontext von Bildung und Beschäftigung ist in der Strategie eine Steigerung der Beschäftigungsquote in der EU-28 bei den 20- bis 64-Jährigen auf 75 %, eine Reduzierung des Anteils frühzeitiger Schul- und Ausbildungsabgänger auf weniger als 10 % und eine Erhöhung des Anteils der 30- bis 34-Jährigen mit einem tertiären Bildungsabschluss auf mindestens 40 % vorgesehen.

Studierende im Tertiärbereich

Moderne, durch digitale Technologien, hohe berufliche Qualifikationen und Innovation geprägte Volkswirtschaften werden in den kommenden Jahren wahrscheinlich eine wachsende Zahl qualifizierten Personals benötigen, doch bereits heute klaffen in einigen Mitgliedstaaten und in speziellen Branchen Qualifikationslücken. Der künftige Wohlstand Europas hängt zumindest bis zu einem gewissen Grad davon ab, dass wir mehr dynamische Leistungsträger heranziehen, die innovative Produkte und Prozesse entwickeln können.

Über die Hälfte der Einwohner von Cerdanyola del Vallès in der Nähe von Barcelona waren tertiäre, an Hochschuleinrichtungen eingeschriebene Studierende

Karte 2 zeigt den Anteil der Studierenden in tertiären Bildungseinrichtungen im Verhältnis zur gesamten Einwohnerzahl in 810 Städten in der gesamten EU. Im Jahr 2015 studierten von 100 Einwohnern im Durchschnitt jeweils 3,8 Personen an höheren Bildungseinrichtungen in der EU-28 (in tertiären Bildungsgängen). Dabei überrascht es wenig, dass bei der Anzahl der Studierenden an tertiären Bildungseinrichtungen ein Ungleichgewicht zugunsten von Städten bestand, wobei dieses Verhältnis in vielen der berühmtesten Universitätsstädte der EU häufig erheblich höher war. Diese Städte mit vergleichsweise hohen Studierendenpopulationen waren weit über das Gebiet der EU verstreut, von Coimbra und Porto in Portugal über Innsbruck in Österreich bis nach Kraków und Rzeszów in Polen oder von Oxford im Vereinigten Königreich über Gent und Leuven in Belgien und Heidelberg in Deutschland bis nach Cluj-Napoca in Rumänien.

In 23 Städten in der EU machte die Population der Studierenden an tertiären Bildungseinrichtungen mindestens ein Viertel der gesamten Einwohnerzahl aus. Diese Städte lagen vorwiegend in Deutschland (sieben Städte), Spanien (vier), Italien (drei), Belgien, Portugal und dem Vereinigten Königreich (je zwei Städte), wobei diese Liste von jeweils einer Stadt in Österreich, Polen und der Slowakei vervollständigt wurde. Bei eingehenderer Betrachtung ergibt sich, dass in drei Städten das Verhältnis von Studierenden an Hochschulen zur Gesamtwohnbevölkerung mindestens 50,0 % betrug. Dies waren Cerdanyola del Vallès in Spanien (Standort der Universitat Autònoma de Barcelona), Leuven in Belgien (Standort der Katholieke Universiteit und technischer Universitäten) und Milton Keynes im Vereinigten Königreich (unter anderem Standort der Open University und der Cranfield University). Hier ist darauf hinzuweisen, dass nur ein sehr kleiner Anteil der an der Open University eingeschriebenen Studierenden tatsächlich in Milton Keynes wohnt.
Karte 2: Anzahl der Studierenden an tertiären Bildungseinrichtungen im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße, 2016
(für ein Studium in den ISCED-Bereichen 5-8 eingeschriebene Studierende pro 100 Einwohner)
Quelle: Eurostat (urb_ceduc), (urbcpop1), (educ_uoe_enrt01) und (demo_pjan)

Der Übergang von der Arbeitslosigkeit in die Beschäftigung

In den meisten östlichen EU-Mitgliedstaaten bestand bei den Städten im Allgemeinen die Tendenz zu einer höheren wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit gegenüber ländlichen Gebieten; Städte verzeichneten oft die höchsten Wachstumsraten bei ihrer Wirtschaftsleistung. Im Gegensatz dazu waren in einigen westlichen Mitgliedstaaten — beispielsweise Belgien, Frankreich oder dem Vereinigten Königreich — „Globalisierungsverlierer“ unter den Städten durchaus nicht selten. Dabei handelte es sich um Orte, die in der Zeit der industriellen Revolution frühzeitig industrialisiert worden waren, sich aber nicht vollständig anpassten, als ihre traditionellen Tätigkeitsfelder an andere Orte verlagert oder durch neue Technologien ersetzt wurden. Typisch für diese Städte sind Gebiete mit einer anhaltend hohen Langzeitarbeitslosenquote, einem großen Verbreitungsgrad von Armut sowie sozialer Ausgrenzung.

Abbildunge 3 zeigt eine Analyse nach Verstädterungsgrad, in der ein bestimmter Aspekt der Flexibilität des Arbeitsmarkts veranschaulicht wird, nämlich der Anteil der erwachsenen Bevölkerung (Menschen in Alter von 15 bis 74 Jahren), dem es gelang, im Laufe des Jahres 2016 aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen und eine Stelle anzutreten. In den meisten Volkswirtschaften im Westen und Süden der EU waren die Einwohner von Städten mit den meisten Schwierigkeiten beim Verlassen der Arbeitslosigkeit und Eintritt in eine Beschäftigung konfrontiert. Im Vergleich zu den Bewohnern ländlicher Gebiete war dieser Unterschied in Österreich, Frankreich, Portugal, Spanien, Griechenland sowie Slowenien besonders ausgeprägt.
Abbildung 3: Übergang arbeitsloser Personen von der Arbeitslosigkeit in die Beschäftigung, nach Verstädterungsgrad, 2016
(Anteil der Arbeitslosen im Alter von 15 bis 74 Jahren in %)
Quelle: Eurostat (lfsi_long_e03)

Arbeitslosigkeit in Städten

Im Mittelpunkt der Abbildung 4 steht die Arbeitslosigkeit ausschließlich in Städten sowie eine Analyse nach Geburtsland. 2016 betrug die Arbeitslosenquote in der EU-28 insgesamt 9,1 %, mit einer geringfügig niedrigeren Quote bei im Berichtsland geborenen Personen (8,4 %) und bei in einem anderen EU-Mitgliedstaat geborenen Personen (8,6 %). Die in der EU-28 erfasste Arbeitslosenquote bei außerhalb der EU geborenen Menschen war dagegen viel höher (15,4 %).

In Irland, Italien, Zypern, Portugal und dem Vereinigten Königreich war in den Städten die Arbeitslosenquote bei in einem anderen EU-Mitgliedstaat Geborenen niedriger als bei Inländern

Dieses Muster — höhere Arbeitslosenquoten in Städten bei außerhalb der EU Geborenen — wiederholte sich in der überwiegenden Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten, für die Daten zur Verfügung stehen. Im Jahr 2016 bildeten Kroatien und die Tschechische Republik die einzigen Ausnahmen. In Kroatien war die Arbeitslosenquote unter außerhalb der EU Geborenen (8,0 %) niedriger als die Quote bei in Kroatien Geborenen (11,3 %). In der Tschechischen Republik war die Arbeitslosenquote unter außerhalb der EU Geborenen (5,8 %) niedriger als die Quote bei in anderen EU-Mitgliedstaaten Geborenen (6,2 %).

Die größten Differenzen (nach Prozentpunkten) zwischen den in Städten erfassten Arbeitslosenquoten bei außerhalb der EU Geborenen und im jeweiligen Berichtsland Geborenen bestanden in Belgien, Frankreich und Schweden. An dem unter Stadtbewohnern in einigen nördlichen und westlichen EU-Mitgliedstaaten beobachteten, relativ hohen Grad sozialer Ausgrenzung könnte zumindest teilweise die mangelnde Fähigkeit zur Assimilierung von Migranten aus Drittstaaten in den Arbeitsmarkt erkennbar werden.

Ebenfalls interessant zu beobachten ist, dass in fünf EU-Mitgliedstaaten — Italien, Zypern, Vereinigtes Königreich, Irland und Portugal — die in Städten erfasste Arbeitslosenquote bei in einem anderen EU-Mitgliedstaat Geborenen niedriger war als bei den im jeweiligen Berichtsland Geborenen.
Abbildung 4: Analyse der Arbeitslosenquote in Städten nach Geburtsland, 2016
(Anteil an den Arbeitskräften in Alter von 15-74 Jahren in %)
Quelle: Eurostat, Arbeitskräfteerhebung

Lebensbedingungen

Mit einem der fünf Kernziele der Strategie Europa 2020, der Armutsbekämpfung, wird die Verringerung der Zahl der von Armut oder sozialer Ausgrenzung gefährdeten Personen bis 2020 um 20 Millionen angestrebt. Dieser Indikator wird auch im Rahmen der Nachhaltige Entwicklung (SDG) und zur Mitverfolgung der Fortschritte verwendet, die hinsichtlich der europäischen Säule sozialer Rechte erzielt wurden, mit der eine inklusivere und gerechtere EU errichtet werden soll.

Von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohte Menschen

Im Jahr 2016 war fast ein Viertel (23,5 %) der Bevölkerung der EU-28 von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Eine Analyse nach Grad der Verstädterung (siehe Abbildung 5) zeigt, dass die Bewohner von kleineren Städten und Vorstädten am wenigsten von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht waren (21,6 %). Mit 23,6 % war dieser Anteil bei Stadtbewohnern viel höher und erreicht mit 25,5 % unter Einwohnern ländlicher Gebiete seinen höchsten Stand. An diesen Zahlen lässt sich ablesen, dass immer mehr Menschen in Vorstadtregionen leben, also in relativ kurzer Entfernung zu den urbanen Zentren, aber potenziell mit mehr Platz, weniger Lärm, weniger Umweltverschmutzung und weniger Kosten.

In den westlichen EU-Mitgliedstaaten war die Bedrohung durch Armut und soziale Ausgrenzungen in den Städten eher höher, während dies in östlichen Mitgliedstaaten eher in ländlichen Gebieten der Fall war

Bei genauerer Prüfung ergibt sich, dass in der Hälfte (14) der EU-Mitgliedstaaten der höchste Anteil von durch Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Menschen in ländlichen Gebieten erfasst wurde. In Bulgarien und Rumänien war über die Hälfte der ländlichen Bevölkerung 2016 von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Daneben lag in acht Mitgliedstaaten (Griechenland, Litauen, Lettland, Kroatien, Spanien, Zypern, Ungarn und Italien) der Anteil der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Bevölkerung in der Größenordnung von 30,0 bis 40,0 %. So gesehen lagen die Mitgliedstaaten mit vergleichsweise hohen, von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Bevölkerungsanteilen ausschließlich im Baltikum sowie den östlichen oder südlichen Teilen der EU.

In Deutschland, dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden, sowie in Belgien, Dänemark, Österreich und Malta (hier ist zu beachten, dass die Daten für ländliche Gebieten von geringer Zuverlässigkeit sind) war dagegen bei den ländlichen Bevölkerungen einer Bedrohung durch Armut oder soziale Ausgrenzung viel unwahrscheinlicher als bei Stadtbewohnern. Westeuropäische Städte waren also häufig insofern durch ein städtisches Paradoxon geprägt, als sie einerseits hohen Wohlstandhervorbrachten, andererseits aber auch meldeten, dass relativ große Anteile ihrer Bevölkerungen ein von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohtes Leben führen.
Abbildung 5: Anteil der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Personen, nach Verstädterungsgrad, 2016
(Bevölkerungsanteil in %)
Quelle: Eurostat (ilc_peps13) und (ilc_peps01)

Wohnkosten

Immobilienpreise und Mieten variieren nicht nur zwischen den einzelnen EU-Mitgliedstaaten erheblich, sondern können auch innerhalb der Mitgliedstaaten sowie auf lokaler/regionaler Ebene erheblich voneinander abweichen. Wohnen ist nichtsdestotrotz häufig der größte Einzelposten bei den Ausgaben, die ein Haushalt zu bestreiten hat, ungeachtet dessen, ob eine Hypothek oder ein Darlehen abbezahlt oder Miete für eine Immobilie gezahlt wird.

Stadtbewohner zahlten häufig einen Aufpreis für Wohnlagen im Zentrum oder in einem bestimmten Stadtteil/Bezirk; dies bedeutete, dass bei ihnen eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine beträchtliche Belastung durch die Kosten für ihre Wohnung bestand

Die Quote der Überbelastung durch Wohnkosten ist definiert als der Anteil der in privaten Haushalten lebenden Bevölkerung, bei dem sich die Nettowohnkosten insgesamt auf mehr als 40 % des verfügbaren Einkommens belaufen. In der EU-28 betrug die Quote der Überbelastung durch Wohnkosten 2016 im Durchschnitt 11,1 %. Eine Analyse nach Verstädterungsgrad zeigt, dass diese Belastung in ländlichen Gebieten am niedrigsten war (8,6 %). Etwas höher fiel die Quote für die Einwohner von kleineren Städten und Vororten aus (10,2 %), während sie für die Einwohner von Städten am höchsten war (13,5 %). Hier ist zu beachten, dass Menschen, die in Städten leben, häufig bereit sind, mehr Geld für weniger Platz auszugeben, um zentral oder in einem beliebten Stadtteil/Bezirk wohnen zu können. Dieses Muster hat in manchen Innenstädten zur Gentrifizierung (zur Verdrängung von Familien mit niedrigerem Einkommen aufgrund steigender Immobilienpreise) und zu erheblichen Veränderungen der demografischen und sozialen Zusammensetzung geführt. Junge aufstrebende Berufstätige ziehen in sanierte Altbauwohnungen und verdrängen dabei oftmals die alteingesessene Bevölkerung. Ebenso können auch in ländlichen oder an Küsten gelegenen Gebieten die Immobilienpreise sprunghaft ansteigen, vor allem, wenn das Immobilienangebot durch lokale Planungsbehörden, die den ursprünglichen Charme eines Gebiets bewahren wollen, begrenzt wird.

In fünf Mitgliedstaaten — Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Deutschland und dem Vereinigten Königreich — bewegte sich der Anteil der durch Wohnkosten überbelasteten ländlichen Bevölkerung 2016 im zweistelligen Bereich (10 % oder höher), wobei in Griechenland und Bulgarien besonders hohe Quoten beobachtet wurden.

Im Gegensatz dazu war in sieben EU-Mitgliedstaaten ein zweistelliger Anteil der Bewohner kleinerer Städte und Vorstädte durch Wohnkosten überlastet, wobei Griechenland auch hier einen besonders hohen Anteil aufwies. Der Anteil der durch Wohnkosten überbelasteten Stadtbewohner lag in verschiedenen Mitgliedstaaten über 10 %, unter anderem in allen fünf Mitgliedstaaten, die auch bei ihren ländlichen Bevölkerungen Anteile im zweistelligen Bereich vermeldeten, wobei Griechenland auch hier an der Spitze lag. Hinzu kamen Dänemark, Belgien, die Tschechische Republik, Luxemburg, die Niederlande, Italien, Österreich, Spanien, die Slowakei (Daten von 2015) und Schweden.
Abbildung 6: Quote der Überbelastung durch Wohnkosten nach Verstädterungsgrad, 2016
(Anteil der in privaten Haushalten lebenden Personen, bei denen die gesamten Wohnkosten mehr als 40 % des verfügbaren Einkommens betragen in %)
Quelle: Eurostat (ilc_lvho07d) und (ilc_lvho07a)

Sicherheitsgefühl in Hauptstädten

In der letzte Analyse in diesem Abschnitt geht es um Informationen aus einer Wahrnehmungsumfrage. In Abbildung 7 werden Daten, die in Hautstädten in der EU erhoben wurden, und Einzelheiten der Antworten dargestellt, die Umfrageteilnehmer auf die Frage, wie sicher sie sich in ihrer Wohngegend fühlen, gaben. 2015 wurden die höchsten Anteile positiver Antworten (Personen, die stark oder zu einem gewissen Grad zustimmten, dass ihre Gegen sicher sei) in den nordischen Hauptstädten Stockholm (96 %), København (95 %) und Helsinki / Helsingfors (ebenfalls 95 %) gemessen. Hier ist zu beachten, dass in den Hauptstädten zweier nordischer Drittstaaten, die in der Abbildung ebenfalls erscheinen, etwas höhere Anteile erfasst wurden, denn in Oslo fühlten sich 98 % sicher und in Reykjavik 97 %. In der überwiegenden Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten stimmten mindestens drei Viertel der Bevölkerung zu, dass sie sich in ihrer Wohngegend sicher fühlten, was auch in der türkischen Hauptstadt (Ankara) der Fall war. In der griechischen, der bulgarischen und der italienischen Hauptstadt wurden jedoch niedrigere Anteile verzeichnet. In Athina (64 %), Sofia (63 %) und Roma (60 %) fiel der Anteil der Menschen, die sich sicher fühlten, auf weniger als zwei Drittel der Bevölkerung.
Abbildung 7: Antworten der Umfrageteilnehmer auf die Frage: „Fühlen Sie sich in der Gegend, in der Sie leben, sicher?“, Hauptstädte, 2015
(Anteil an der Gesamtzahl in %)
Quelle: Eurostat (urb_percep)

Quelldaten für die Abbildungen und Karten

Datenquellen

Die Eurostat-Datenerhebung über Städte (zuvor als Urban Audit bezeichnet) wird von den nationalen statistischen Ämtern, der Generaldirektion Regionalpolitik und Stadtentwicklung (GD REGIO) und Eurostat durchgeführt. Sie liefert Statistiken zu einer großen Bandbreite sozioökonomischer Indikatoren, die die meisten Aspekte der Lebensqualität in Städten abdecken, nämlich Demografie, Wohnungssituation, Gesundheit, Wirtschaftstätigkeit, Arbeitsmarkt, Einkommensunterschiede, Bildungsabschlüsse, Umwelt, Klima, Reiseverhalten, Tourismus und kulturelle Infrastruktur. In der letzten Datenerhebung wurden in fast 1 000 europäischen Städten (in allen EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen, der Schweiz und der Türkei) mit mindestens 50 000 Einwohnern in den jeweiligen urbanen Zentren Informationen eingeholt. Dabei ist zu beachten, dass es hinsichtlich des für die einzelnen Städte verfügbaren jüngsten Bezugszeitraumes erhebliche Unterschiede geben kann.

Die in diesem Artikel vorgestellten Städtestatistiken nehmen Bezug auf drei Konzepte. Die meisten dargestellten Daten beziehen sich auf Städte (eine oder mehrere lokale Verwaltungseinheiten (LAU), in denen die Mehrheit der Bevölkerung in einem urbanen Zentrum mit mindestens 50 000) Einwohnern lebt, obgleich die Begriffe Ballungsraum (bei dem sich das urbane Zentrum über die Verwaltungsgrenzen der Stadt hinaus erstreckt) und funktionales städtisches Gebiet (eine Stadt und das umliegende Pendlereinzugsgebiet) ebenfalls verwendet werden. Die vorgelegten Informationen wurden überarbeitet, um den jeweils zweckdienlichsten Definitionen Rechnung zu tragen. So beziehen sich die Angaben in Fällen, in denen ein relativ hoher Anteil der Bevölkerung außerhalb der Verwaltungsgrenzen des urbanen Zentrums lebt (beispielsweise in der griechischen Hauptstadt Athina), vorzugsweise auf den Ballungsraum.

Die Generaldirektion Regionalpolitik und Stadtentwicklung führt alle drei Jahre eine Umfrage über die Lebensqualität in einer Reihe von Städten in den EU-Mitgliedstaaten, Island, Norwegen, der Schweiz und der Türkei durch; die letzte Umfrage dieser Art fand im Juni 2015 in 79 Städten statt. Im Rahmen dieser Umfragen werden eine Reihe von Themen wie Beschäftigung, Umwelt, Wohnen, Verkehr, Kultur, kommunale Dienstleistungen und Zuwanderung behandelt.

Weitere Informationen:

Kontext

Die Strategie Europa 2020 ist die Wachstumsstrategie der EU bis zum Jahr 2020. Sie soll durch intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum zur Überwindung der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise beitragen. Die politischen Entscheidungsträger haben erkannt, dass es zur Erreichung der Ziele von Europa 2020 (auf Englisch) durch wirtschafts- sozial- und umweltpolitische Initiativen in Städten und städtischen Gebieten der Mobilisierung der Leitungsstrukturen auf vielen Ebenen bedarf, damit sich lokale und regionale Akteure Seite an Seite mit zentralen Regierungsbehörden in die Gestaltung und Umsetzung politischer Strategien einbringen. Die Europa-2020-Monitoringplattform (auf Englisch) ist ein Netz von 178 Städten und Regionen, das vom Europäischen Ausschuss der Regionen koordiniert wird und die Einbindung der lokalen und regionalen Gebietskörperschaften der EU in das Europäische Semester und die Strategie Europa 2020 beobachtet.

Die Generaldirektion Umwelt (GD Umwelt) der Europäischen Kommission ist unter anderem in folgenden Bereichen bestrebt, die Umweltbedingungen in Städten zu verbessern:

  • Die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (UN), insbesondere das Ziel 11, das darauf ausgerichtet ist, Städte inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig zu gestalten;
  • die EU-Umweltgesetzgebung, die gewährleisten soll, dass die europäischen Bürger in Städten leben und arbeiten können, in denen es saubere Luft und sauberes Wasser gibt, in denen sie keiner übermäßigen Lärmbelastung ausgesetzt sind, in denen Abfall angemessen entsorgt wird und in denen Natur und Biodiversität geschützt sowie eine grüne Infrastruktur gefördert werden;
  • die Initiative Grüne Hauptstadt Europas; diese Initiative bietet Städten die Möglichkeit, ihre Leistungen im Bereich Umwelt einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren, indem sie die Anstrengungen von Städten zur Verbesserung ihrer Umwelt, Wirtschaft und Lebensqualität würdigt und auszeichnet (2018 wurde der Titel an die niederländische Stadt Nijmegen vergeben);
  • die Initiative Grünes Blatt Europas; Ziel dieser Initiative ist es, kleinere Städte (mit 20 000 bis 100 000 Einwohnern) für ihre Bemühungen um eine bessere Umweltbilanz auszuzeichnen. Hier geht insbesondere um die Förderung grünen Wachstums und die Schaffung neuer Arbeitsplätze (2018 erhielten die belgische Stadt Leuven und die schwedische Stadt Växjö gemeinsam diesen Titel).

Städte und städtische Gebiete stehen im Mittelpunkt der Kohäsionspolitik der EU. Mindestens die Hälfte der Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) wird im Zeitraum 2014-2020 in städtische Gebiete investiert werden. Eines der Hauptgebiete betrifft ganzheitliche Strategien für eine nachhaltige Stadtentwicklung (der ca. 10 Milliarden EUR zugewiesen wurden), mit deren Hilfe etwa 750 Städte in der gesamten EU die Mittel und Möglichkeiten zur Umsetzung von Strategien erhalten werden, die verschiedene Dimensionen des städtischen Lebens berühren, u. a. Stadterneuerung, Bildung, wirtschaftliche Entwicklung, soziale Eingliederung und Umweltschutz. Diese Initiativen sollen Anreize bieten, Probleme wie demografische Herausforderungen, die Schaffung von Arbeitsplätzen, soziale Eingliederung oder die Auswirkungen des Klimawandels anzugehen, die sämtlich von entscheidender Bedeutung für die Verwirklichung der mit der Strategie Europa 2020 angestrebten intelligenten, nachhaltigen und integrativen Gesellschaft sind.

Die Städteagenda (auf Englisch) der EU wurde im Mai 2016 durch den Pakt von Amsterdam ins Leben gerufen. Ihr Fundament bilden die drei Säulen bessere Rechtsetzung, bessere Finanzierung und besseres Wissen. Die Zusammenarbeit zwischen Städten, EU-Mitgliedstaaten, der Europäischen Kommission und anderen Interessenträgern bildet die Grundlage der Städteagenda. Ziel ist es, in den europäischen Städten das Wachstum zu fördern, den Lebensstandard und die Lebensqualität zu heben und die Innovation voranzubringen. Um diese Ziele erreichen zu können, wurden zur Koordinierung der Maßnahmen zwölf Partnerschaften festgelegt- Im Kontext dieses Artikels sind folgende Partnerschaften am relevantesten:

  • die Inklusion von Migranten und Flüchtlingen (auf Englisch) (Vorschlag und Umsetzung von Möglichkeiten für ein besseres Management der Integration von Migranten und Flüchtlingen, wobei den Herausforderungen und Erfordernissen von Städten besondere Bedeutung beigemessen wird);
  • Arbeitsplätze und Qualifikationen in der lokalen Wirtschaft (auf Englisch) (Befassung mit Wirtschaftsleistung und Wirtschaftsförderung auf lokaler Ebene als wesentlichen Bausteinen für nachhaltige Entwicklung und sozialen Zusammenhalt);
  • städtische Armut (auf Englisch) (Beitrag zu einer Politik, die sich auf die Inklusion von Risikogruppen und die Sanierung benachteiligter Stadtviertel auswirkt);
  • Wohnraum (auf Englisch) (denn bezahlbarer Wohnraum ist ein grundlegendes Menschenrecht und fördert den sozialen Zusammenhalt; Ziel dieser Partnerschaft ist es, durch bessere politische Strategien und Rahmen den Zugang zu angemessenem Wohnraum zu fördern).

In der europäischen Migrationsagenda (COM(2015) 240 final) der Europäischen Kommission wird dargelegt, wie Europa mit Sofortmaßnahmenauf das Leid Tausender von Migranten, die 2015 und 2016 bei der Überfahrt über das Mittelmeer ihr Leben aufs Spiel setzten, reagiert. In der Agenda ist auch eine Reihe längerfristiger politischer Lösungskonzepte für eine bessere Steuerung der Migration vorgesehen, deren Grundlage die Reduzierung der Anreize für irreguläre Migration, Grenzmanagement – Menschenleben retten und Außengrenzen sichern —, eine gemeinsame Asylpolitik und eine neue Politik für legale Migration bilden.

Mit dem EFRE wird die Integration von Migranten durch verschiedene Maßnahmen wie Infrastrukturinvestitionen im Sozial- und Gesundheitsbereich, in der Bildung, im Wohnungswesen und in der Kinderbetreuung, durch die Sanierung benachteiligter Stadtviertel und durch Maßnahmen zur Verringerung räumlicher und bildungsbezogener Isolierung von Migranten oder durch Initiativen rund um Start-up-Unternehmen für Migranten gefördert. Finanzmittel des EFRE wurden auch eingesetzt, um durch Nothilfemaßnahmen wie der Unterstützung bei der Einrichtung von Aufnahmezentren und Unterkünften für Migranten und Asylsuchende bei der Bewältigung von Herausforderungen auf dem Gebiet der Migration zu helfen.

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Städte und Ballungsräume (urb_cgc)
Funktionale städtische Gebiete (urb_luz)
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Mittels des Statistischen Atlasses von Eurostat können Sie alle Karten interaktiv verwenden (siehe user manual) (auf Englisch).

Dieser Artikel ist Bestandteil der wichtigsten jährlichen Veröffentlichung von Eurostat, des Eurostat Jahrbuchs der Regionen.