Todesursachenstatistiken

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Datenauszug vom Juli 2019.

Aktualisierung des Artikels geplant: November 2020.

Im Fokus

Ungarn meldete 2016 bei Lungen- und Darmkrebs die höchsten standardisierten Sterberaten aller EU-Mitgliedstaaten.

Die niedrigsten standardisierten Sterberaten aufgrund von Selbstmord wurden 2016 in Zypern und Griechenland verzeichnet.

EU-weit waren die standardisierten Sterberaten bei fast allen Haupttodesursachen im Jahr 2016 bei Männern höher als bei Frauen.

Todesursachen – standardisierte Sterberate, EU-28, 2016
(pro 100 000 Einwohner)
Quelle: Eurostat (hlth_cd_asdr2)


Dieser Artikel gibt einen Überblick über aktuelle Statistiken zu Todesursachen in der Europäischen Union (EU). Das Risiko, an einer bestimmten Krankheit oder aufgrund anderer Ursachen zu sterben, lässt sich ermitteln, indem man alle Todesfälle in der Bevölkerung zu den zugrunde liegenden Todesursachen ins Verhältnis setzt. Anhand standardisierter Sterberaten können die ermittelten Zahlen nach Alter, Geschlecht, Land, in dem sich der Todesfall ereignete/Wohnort des Verstorbenen, und Region (NUTS-Ebene 2) weiter aufgeschlüsselt werden.

Vollständiger Artikel

Hauptergebnisse

Die jüngsten geschätzten Zahlen zu Todesursachen für die EU-28 liegen für den Bezugszeitraum 2016 vor. Tabelle 1 zufolge waren Erkrankungen des Kreislaufsystems und Krebs (bösartige Neubildungen) die bei weitem häufigsten Todesursachen in der EU.

Tabelle 1: Todesursachen — standardisierte Sterberate, 2016
(pro 100 000 Einwohner)
Quelle: Eurostat (hlth_cd_asdr2)

Entwicklungen von 2006 bis 2016

Standardisierte Sterberaten bei Krebs, ischämischen Herzerkrankungen und Verkehrsunfällen zwischen 2006 und 2016 rückläufig

Zwischen 2006 und 2016 verringerten sich in der EU-28 die standardisierten Sterberaten für Krebs bei Männern um 10,5 % und bei Frauen um 5,2 % (siehe Abbildungen 1 und 2. Größer war der Rückgang bei Todesfällen durch ischämische Herzkrankheiten: Hier gingen die Sterberaten von Männern um 29,1 % und jene von Frauen um 35,2 % zurück. Bei Verkehrsunfällen fielen die Rückgänge mit 41,8 % (Männer) bzw. 42,7 % (Frauen) noch stärker aus. Die standardisierte Sterberate bei Brustkrebs sank um 8,0 % bei Frauen und damit in noch stärkerem Ausmaß als insgesamt bei Krebs. Dagegen stiegen die Sterberaten aufgrund von Erkrankungen des Nervensystems bei Männern um 29,6 % und bei Frauen um 33,1 %. Die standardisierten Sterberaten für Lungenkrebs (auch Luftröhren- und Bronchialkrebs) sind sowohl bei Männern als auch bei Frauen angestiegen, jedoch in ganz unterschiedlichem Ausmaß: Während die standardisierte Sterberate von Männern um 3,9 % zugenommen hat (bei einem rückläufigen Trend seit 2009), ist sie bei Frauen um 52,0 % gestiegen.

Abbildung 1: Todesursachen — standardisierte Sterberate pro 100 000 Einwohner, Männlich, EU-28, 2006-2016
(2006 = 100)
Quelle: Eurostat (hlth_cd_asdr) und (hlth_cd_asdr2)
Abbildung 2: Todesursachen — standardisierte Sterberate pro 100 000 Einwohner, Frauen, EU-28, 2006-2016
(2006 = 100)
Quelle: Eurostat (hlth_cd_asdr) und (hlth_cd_asdr2)

Todesursachen in EU-Mitgliedstaaten 2016

Die standardisierte Sterberate bei ischämischen Herzkrankheiten lag 2016 in der EU-28 bei 119 Todesfällen pro 100 000 Einwohner

Zu den Krankheiten des Kreislaufsystems zählen Krankheiten, die auf Bluthochdruck, Cholesterin, Diabetes und Rauchen zurückzuführen sind. Was diese Gruppe von Erkrankungen des Kreislaufsystems betrifft, so führten ischämische Herzkrankheiten und zerebrovaskuläre Krankheiten am häufigsten zum Tod. 2016 starben in der EU-28 119 von 100 000 Einwohnern an ischämischen Herzkrankheiten. Die EU-Mitgliedstaaten mit den höchsten standardisierten Sterberaten für ischämische Herzkrankheiten waren mit jeweils zwischen 359 und 561 Todesfällen pro 100 000 Einwohner Litauen, Lettland, Ungarn und die Slowakei. Dagegen verzeichneten Frankreich, die Niederlande, Spanien, Portugal, Belgien, Dänemark, Luxemburg, Italien, Griechenland und Slowenien 2016 mit weniger als 100 Todesfällen pro 100 000 Einwohner die niedrigsten standardisierten Sterberaten für ischämische Herzkrankheiten; ebenso niedrig waren die Sterberaten in Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz.

Ungarn meldete die höchsten standardisierten Sterberaten aufgrund von Lungen- und Darmkrebs

Krebs war 2016 mit durchschnittlich 259 Sterbefällen pro 100 000 Einwohner eine der Haupttodesursachen in der EU-28. Zu den am häufigsten auftretenden Krebsarten zählten mit einer standardisierten Sterberate von jeweils mehr als 10 pro 100 000 Einwohner bösartige Neubildungen von folgenden Organen: Luftröhre, Bronchien und Lunge, Dickdarm, Übergangsstelle des Colon sigmoideum in das Rektum, Rektum, Anus und Afterkanal, Brust, Bauchspeicheldrüse, Prostata, Magen sowie Leber und Gallengänge.

Ungarn, Kroatien, die Slowakei und Slowenien waren 2016 mit 300 oder mehr Sterbefällen pro 100 000 Einwohner am stärksten von Krebserkrankungen betroffen. In Polen, Lettland und Dänemark sowie Serbien erreichten die Sterberaten fast die gleiche Höhe. Ungarn verzeichnete 2016 von allen EU-Mitgliedstaaten die mit Abstand höchste standardisierte Sterberate für Lungenkrebs (90 Sterbefälle pro 100 000 Einwohner), gefolgt von Polen (69 Sterbefälle pro 100 000 Einwohner), Dänemark (67 pro 100 000 Einwohner), den Niederlanden (66 pro 100 000 Einwohner) und Kroatien (66 pro 100 000 Einwohner). Serbien meldete ebenfalls eine relativ hohe standardisierte Sterberate von 71 pro 100 000 Einwohner. Die höchste standardisierte Sterberate für Darmkrebs wurde ebenfalls in Ungarn (54 Sterbefälle pro 100 000 Einwohner) festgestellt, während Kroatien und die Slowakei standardisierte Sterberaten von 52 bzw. 50 Sterbefällen pro 100 000 Einwohner verzeichneten.

Atemwegserkrankungen dritthäufigste Todesursache in der EU-28

Nach Kreislauferkrankungen und Krebs waren 2016 Atemwegserkrankungen mit durchschnittlich 83 Sterbefällen pro 100 000 Einwohner die dritthäufigste Todesursache in der EU-28. Innerhalb dieser Krankheitsgruppe waren chronische Erkrankungen der unteren Atemwege vor anderen Erkrankungen der unteren Atemwege und Lungenentzündung die häufigste Todesursache. Die meisten Todesfälle infolge von Atemwegserkrankungen traten bei Personen ab 65 Jahren auf.

Die EU-Mitgliedstaaten mit den höchsten standardisierten Sterberaten für Atemwegserkrankungen waren das Vereinigte Königreich (136 pro 100 000 Einwohner), Irland (134 pro 100 000 Einwohner), Portugal (123 pro 100 000 Einwohner), Dänemark (117 pro 100 000 Einwohner) und Griechenland (109 pro 100 000 Einwohner).

Niedrigste standardisierte Sterberaten durch Suizid in Zypern und Griechenland

In diese Kategorie fallen unter anderem Todesfälle durch vorsätzliche Selbstbeschädigung (Selbstmord) und Verkehrsunfälle. Selbstmord ist zwar keine häufige Todesursache, und in einigen EU-Mitgliedstaaten dürften auch nicht alle Fälle erfasst werden. Allerdings wird die Selbstmordrate oft als ein wichtiger Indikator für gesellschaftliche Probleme aufgefasst. In der EU-28 kamen 2016 durchschnittlich zehn suizidbedingte Sterbefälle auf 100 000 Einwohner. Die niedrigsten standardisierten Suizid-Sterberaten meldeten 2016 Zypern und Griechenland (jeweils 4 pro 100 000 Einwohner). Relativ niedrige Werte mit weniger als 8 Sterbefällen pro 100 000 Einwohner verzeichneten auch Malta, Italien, das Vereinigte Königreich, Spanien und die Slowakei. Unter den EFTA- und Kandidatenländern wies die Türkei eine besonders niedrige Sterberate auf (3 Sterbefälle pro 100 000 Einwohner). In Litauen war die standardisierte Sterberate für Suizid mit 28 Sterbefällen pro 100 000 Einwohner fast dreimal so hoch wie im EU-28-Durchschnitt.

Standardisierte Sterberaten aufgrund von Verkehrsunfällen im Vereinigten Königreich, in Schweden, Irland und Dänemark am niedrigsten

Obwohl sich täglich Verkehrsunfälle ereignen, starben 2016 in der EU-28 weniger Menschen bei Verkehrsunfällen (standardisierte Sterberate 5,6 pro 100 000 Einwohner) als durch Suizid. In Rumänien, Lettland, Polen, Bulgarien, Kroatien und Griechenland wurden 2016 die höchsten standardisierten Sterberaten für Verkehrsunfälle registriert (9,0 oder mehr Todesfälle pro 100 000 Einwohner), während das Vereinigte Königreich, Schweden, Irland und Dänemark zwischen 2,7 und 3,7 Verkehrstote pro 100 000 Einwohner meldeten; Bei den EFTA-Ländern wurden in Liechtenstein und der Schweiz ähnlich niedrige Sterberaten verzeichnet.

Todesursachen 2016, nach Geschlecht

Standardisierte Sterberaten bei fast allen Haupttodesursachen bei Männern höher als bei Frauen

Bei allen Haupttodesursachen (ausgenommen Brustkrebs) fielen die Sterberaten bei Männern in der EU-28 im Jahr 2016 höher aus als bei Frauen (siehe Abbildung 3). Die standardisierten Sterberaten durch Alkoholmissbrauch und Drogenabhängigkeit waren bei Männern etwa viermal und durch vorsätzliche Selbstbeschädigung sowie HIV drei- bzw. viermal so hoch wie bei Frauen.

Abbildung 3: Todesursachen — standardisierte Sterberate, EU-28, 2016
(pro 100 000 Einwohner)
Quelle: Eurostat (hlth_cd_asdr2)

Männer sterben im Allgemeinen häufiger an Krebs als Frauen. Es gibt jedoch einige Krebsarten, die, wie Brustkrebs bei Frauen, vorwiegend bei einem Geschlecht oder, wie Gebärmutterkrebs bei Frauen und Prostatakrebs bei Männern, ausschließlich bei einem Geschlecht auftreten. 2016 verursachte Brustkrebs 32,9 Sterbefälle pro 100 000 Einwohnerinnen in der EU-28. Die höchsten standardisierten Sterberaten meldeten Kroatien (40,4 pro 100 000 Einwohnerinnen), Irland (40,3 pro 100 000 Einwohnerinnen), Ungarn (39,4 pro 100 000 Einwohnerinnen) und Slowakei (38,9 pro 100 000 Einwohnerinnen). Weniger als 30,0 Sterbefälle durch Brustkrebs pro 100 000 Einwohnerinnen verzeichneten 2016 dagegen Spanien, Schweden, Finnland, Portugal, Litauen, Zypern und Estland, unter den EFTA-Ländern traf dies für Liechtenstein und Norwegen und unter den Kandidatenländern für die Türkei zu.

Inzidenz ischämischer Herzkrankheiten bei Männern und Frauen in Litauen, Lettland, Ungarn und der Slowakei am höchsten

Die standardisierten Sterberaten für ischämische Herzkrankheiten bei Männern und bei Frauen waren in Litauen, Lettland, Ungarn und der Slowakei am höchsten. Die niedrigsten standardisierten Sterberaten für Männer und Frauen verzeichneten hingegen Frankreich und die Niederlande. Die Zahl der Todesfälle durch ischämische Herzkrankheiten war in allen EU-Mitgliedstaaten bei Männern systematisch höher (siehe Abbildung 4); am stärksten ausgeprägt waren die geschlechtsspezifischen Unterschiede – in absoluten Zahlen – in den drei baltischen Mitgliedstaaten.

Abbildung 4: Todesfälle durch ischämische Herzkrankheiten — standardisierte Sterberate, 2016
(pro 100 000 Einwohner)
Quelle: Eurostat (hlth_cd_asdr2)

Auch die standardisierten Sterberaten durch Suizid waren bei Männern systematisch höher als bei Frauen (siehe Abbildung 5). Am größten waren die geschlechtsspezifischen Unterschiede 2016 in Litauen mit einer suizidbedingten Sterberate von 54,5 bei Männern gegenüber 7,8 bei Frauen pro 100 000 Einwohner. Wenn man das Verhältnis zwischen den Sterberaten von Männern und Frauen ermittelt, so zeigt sich, dass in Polen und Rumänien 7,6 Mal so viele Männer wie Frauen Suizid begingen. Am geringsten war der Unterschied zwischen den Geschlechtern in Luxemburg, Belgien, Schweden und in den Niederlanden, wo die standardisierten Sterberaten durch Suizid für Männer die entsprechenden Sterberaten für Frauen um höchstens das Dreifache überstiegen.

Abbildung 5: Todesfälle durch Selbstmord — standardisierte Sterberate, 2016
(pro 100 000 Einwohner)
Quelle: Eurostat (hlth_cd_asdr2)

Todesursachen bei Personen unter 65 Jahren – 2016

Bei Personen unter 65 Jahren fiel die relative Rangfolge der häufigsten Todesursachen etwas anders aus (siehe Tabelle 2). Krebs war 2016 mit einer durchschnittlichen standardisierten Sterberate von 76 Todesfällen pro 100 000 Einwohner in der EU-28 die häufigste Todesursache in dieser Altersgruppe, gefolgt von Krankheiten des Kreislaufsystems (44 Todesfälle pro 100 000 Einwohner). Anders als bei den Daten für die Gesamtbevölkerung zählten Atemwegserkrankungen nicht zu den drei häufigsten Todesursachen bei Personen im Alter bis zu 65 Jahren. Hier war die standardisierte Sterberate bei Atemwegserkrankungen nicht nur niedriger als die Sterberate bei Krebs und Krankheiten des Kreislaufsystems, sondern auch niedriger als bei Krankheiten des Verdauungssystems (nicht in Tabelle 2 dargestellt) und nur geringfügig höher als die suizidbedingte Sterberate.

Tabelle 2: Todesursachen — standardisierte Sterberate, 2016
(pro 100 000 Einwohner unter 65 Jahren)
Quelle: Eurostat (hlth_cd_asdr2)

Zwischen 2006 und 2016 gingen die Sterberaten in der EU-28 für alle in Abbildung 6 aufgeführten Haupttodesursachen außer Lungenkrebs (aufgrund eines starken Anstiegs im Jahr 2009) bei den unter 65-Jährigen zurück. Im Bezugszeitraum fiel dieser Rückgang mit 45,8 % bei den Todesfällen durch Verkehrsunfälle und 32,4 % bei den Todesfällen durch ischämische Herzkrankheiten besonders stark aus.

Abbildung 6: Todesursachen — standardisierte Sterberate pro 100 000 Einwohner unter 65 Jahren, EU-28, 2006-2016
(2006 = 100)
Quelle: Eurostat (hlth_cd_asdr) und (hlth_cd_asdr2)

Quelldaten für die Tabellen und Abbildungen

Excel.jpg Todesursachen: Tabellen und Abbildungen

Datenquellen

Statistiken über Todesursachen stützen sich auf zwei Säulen – zum einen auf die medizinischen Angaben im Totenschein, dem die Todesursache zu entnehmen ist, und zum anderen auf die Codierung der Todesursachen nach dem ICD-System der WHO. Bei allen Sterbefällen in der Bevölkerung wird das Grundleiden bestimmt, das heißt „jene Krankheit oder Verletzung, die den Ablauf der direkt zum Tode führenden Krankheitszustände auslöste bzw. die Umstände des Unfalls oder der Gewalteinwirkungen, die den tödlichen Ausgang verursachten“ (von der Weltgesundheitsversammlung) (WHA) angenommene Definition).

Die Validität und Zuverlässigkeit der Todesursachenstatistiken hängen bis zu einem gewissen Grad von der Qualität der Angaben der den Tod feststellenden Ärzte ab. Hier kann es aus verschiedenen Gründen zu Ungenauigkeiten kommen, etwa wegen

  • Fehlern beim Ausstellen des Totenscheins;
  • Problemen bei der medizinischen Diagnose;
  • der Bestimmung der Haupttodesursache;
  • der Codierung der Todesursache.

Mitunter lässt sich die Todesursache nicht eindeutig feststellen. Die medizinischen Angaben auf dem Totenschein sollten nicht nur über die unmittelbar zum Tod führende Krankheit, sondern auch über die mit dem Leiden des Verstorbenen zusammenhängende Kausalkette Aufschluss geben. Außerdem können weitere maßgebliche Erkrankungen angeführt werden, die zwar mit der Krankheit, die unmittelbar zum Tod geführt hat, nicht im Zusammenhang stehen, jedoch den Verlauf einer Krankheit nachteilig beeinflusst und somit zu deren tödlichen Ausgang beigetragen haben könnten. Tatsächlich wird zuweilen Kritik laut, dass die Angabe (Codierung) nur einer Krankheit als Todesursache angesichts der steigenden Lebenserwartung und damit einhergehender Veränderungen hinsichtlich der Morbidität immer unrealistischer erscheint. Bei der Mehrzahl der Verstorbenen im Alter ab 65 Jahren könnte die Angabe nur einer von mehreren möglichen Todesursachen etwas irreführend sein. Daher wird in einigen EU-Mitgliedstaaten jetzt überlegt, mehrere Todesursachen anzugeben. Eurostat unterstützt die EU-Mitgliedstaaten bei der Entwicklung des gemeinsamen elektronischen Kodiersystems IRIS, mit dem die Qualität der Daten zu Todesursachen und ihre Vergleichbarkeit in Europa verbessert werden sollen.

Überarbeitete europäische Standardbevölkerung

Es ist möglich, die Zahl der durch eine bestimmte Ursache bedingten Todesfälle im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße auszudrücken. Man kann eine standardisierte (statt einer rohen) Sterberate erstellen, die von der Alters- und Geschlechtsstruktur unabhängig ist. Da bei den meisten Todesursachen erhebliche alters- und geschlechtsbedingte Unterschiede bestehen, ermöglicht die Standardisierung einen besseren Vergleich der Werte im Zeitverlauf und zwischen den Ländern.

Da die zur Standardisierung von Bruttosterberaten herangezogene europäische Standardbevölkerung auf das Jahr 1976 zurückgeht, musste sie an die Veränderungen der Altersstruktur angepasst werden, zu denen es in der Bevölkerung der EU seit Mitte der 1970er Jahre gekommen war. Mit Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten wurde eine Überarbeitung der europäischen Standardbevölkerung (ESP) vorgenommen. Sie umfasst die 28 EU-Mitgliedstaaten und die EFTA-Länder. Als Grundlage der Berechnung dienten die auf dem Jahr 2010 basierenden Bevölkerungsvorausschätzungen für den Zeitraum 2011-2030. Seit Sommer 2013 wird diese überarbeitete Standardbevölkerung zugrunde gelegt.

Kontext

Statistiken über Todesursachen gehören zu den ältesten verfügbaren medizinischen Statistiken. Sie geben über Entwicklungen im Zeitverlauf und über Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten Aufschluss. Diesen Statistiken kommt eine extrem wichtige Rolle im allgemeinen Informationssystem zur Gesundheitssituation in der EU zu. Sie ermöglichen Rückschlüsse auf die Vorsorgemaßnahmen, medizinischen Heilbehandlungen oder Forschungsinvestitionen, die zu einer höheren Lebenserwartung der Bevölkerung führen könnten.

Da es keine umfassende europäische Morbiditäts- oder Krankheitsstatistik gibt, werden Daten über Todesursachen häufig zur Bewertung der Gesundheitssysteme in der EU herangezogen. Zudem können sie auch für eine evidenzbasierte Gesundheitspolitik genutzt werden.

Die EU fördert einen umfassenden Ansatz zur Bekämpfung schwerer und chronischer Erkrankungen durch integrierte, bereichsübergreifende Maßnahmen, die auf bestimmte Risikofaktoren ausgerichtet sind. Gleichzeitig wird im Rahmen der Gesundheitssysteme daran gearbeitet, die Prävention und Kontrolle zu verbessern durch:

  • möglichst zuverlässige und vergleichbare Statistiken, die brauchbare Anhaltspunkte für eine effiziente Politik liefern;
  • die Förderung von Sensibilisierungs- und Präventionskampagnen, die auf Hochrisikogruppen und -personen zugeschnitten sind;
  • die systematische Integration sämtlicher Maßnahmen gegen Ungleichheiten im Gesundheitswesen;
  • die Einrichtung von Partnerschaften für bestimmte Krankheiten wie Krebs.
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