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Daten von September 2011. Neueste Daten: Weitere Informatonen von Eurostat, Haupttabellen und Datenbank

Europa blickt im Innovationsbereich auf eine lange Tradition zurück, allerdings sind Beobachter vielfach der Meinung, dass es Europa an unternehmerischer Initiative mangelt und dass dies ein Grund dafür ist, dass sich manche Produkte oder Dienstleistungen am Markt nicht durchsetzen oder dass Ideen für neue Prozesse nicht umgesetzt werden, so dass die Chance zur Effizienzsteigerung in der Produktion oder in Betrieben nicht genutzt wird. Dieser Artikel befasst sich mit dem Stand der Innovationin der Europäischen Union (EU); er präsentiert Daten darüber, wo in Europa Innovation stattfindet und wie viele Unternehmen daran beteiligt sind.

Wichtigste statistische Ergebnisse

Abbildung 1: Anteil der innovativen Unternehmen, 2008 (1)
(in % aller Unternehmen) – Quelle: Eurostat (inn_cis6_type)
Abbildung 2: Umsatz durch neu auf dem Markt eingeführte neue oder merklich verbesserte Produkte, 2008 (1)
(in % des Gesamtumsatzes der innovativen Unternehmen) – Quelle: Eurostat (inn_cis6_prod)
Tabelle 1: Anteil der innovativen Unternehmen, die Produkte neu am Markt einführten oder selbst entwickelte Prozessinnovationen einführten, 2008
(in % der Unternehmen der Größenklasse oder der Unternehmen insgesamt) - Quelle: Eurostat (inn_cis6_prod)
Tabelle 2: Innovationen mit Umweltvorteilen – Anteil innovativer Unternehmen, die Innovationen mit spezifischen Vorteilen einführten, 2008
(in % der innovativen Unternehmen) – Quelle: Eurostat (inn_cis6_eco)
Tabelle 3: Anteil innovativer Unternehmen, die Innovationen mit verringertem Energieverbrauch einführten, 2008
(in % der innovativen Unternehmen) – Quelle: Eurostat (inn_cis6_eco)
Tabelle 4: Motivation für die Einführung von Umweltinnovationen – Anteil der innovativen Unternehmen, die spezifische Motivationen angaben, 2008
(in % der innovativen Unternehmen) – Quelle: Eurostat (inn_cis6_ecomot)

Umfang der Innovation

Bei den EU-Mitgliedstaaten wies 2008 Deutschland mit 79,9 % aller Unternehmen die größte Innovationsfreudigkeit auf (siehe Abbildung 1), an zweiter Stelle folgte Luxemburg mit 64,7 %. Diese beiden Länder waren die einzigen Mitgliedstaaten, in denen sich mehr als 60 % der Unternehmen innovativ zeigten – der Durchschnitt der EU-27 (ohne Griechenland) lag bei 51,6 %. Die geringste Innovationsneigung bestand bei den Unternehmen in Lettland (24,3 %), Polen (27,9 %) und Ungarn (28,9 %) – diese Länder waren allerdings die einzigen, in denen der Anteil der innovativen Unternehmen unter 30 % blieb. Bei den Ländern, die 2004 der EU beitraten, verzeichneten lediglich Estland, Zypern und die Tschechische Republik eine überdurchschnittliche Innovationstätigkeit ihrer Unternehmen. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass große Unternehmen im Allgemeinen innovativer sind als kleine und mittlere Unternehmen (KMU), so dass die Zahlen – zumindest in gewissem Umfang – die Unternehmensstrukturen der betreffenden Volkswirtschaften widerspiegeln.

Neue oder merklich verbesserte Produkte hatten 2008 nur einen relativ geringen Anteil am Gesamtumsatz der innovativen Unternehmen – 15 der 25 Mitgliedstaaten, für die Daten vorliegen, meldeten in diesem Bereich einstellige Umsatzanteile (siehe Abbildung 2). Deutlich höhere Umsatzanteile erreichten diese Produkte allerdings in Malta (24,7 %), Bulgarien (17,0 %), Ungarn (16,6 %), der Tschechischen Republik (16,1 %) und der Slowakei (14,9 %).

Die großen Unternehmen (mit 250 und mehr Beschäftigten) brachten 2008 mehr Produktinnovationen auf den Markt als die mittleren Unternehmen (50 bis 249 Beschäftigte) oder die kleinen Unternehmen (10 bis 49 Beschäftigte). Diese Aufteilung traf auf alle Mitgliedstaaten zu, für die Daten vorliegen – siehe Tabelle 1. Litauen war der einzige Mitgliedstaat, in dem kleine Unternehmen einen höheren Anteil an Produktinnovationen meldeten als die Unternehmen des Landes insgesamt.

Die entsprechende Aufschlüsselung nach Größenklassen ergab bei den Prozessinnovationen, die in den Unternehmen entwickelt werden, dass innovative große Unternehmen in der Regel auch mehr Prozessinnovationen einführten. Die wichtigste Ausnahme ist Zypern, wo Prozessinnovationen viel eher in kleinen oder mittleren Unternehmen als in großen Unternehmen eingeführt wurden, was – wenn auch in geringerem Umfang – ebenso auf Bulgarien und Litauen zutraf; in Rumänien, Polen, Portugal und Finnland wurden Prozessinnovationen eher in kleinen als in großen Unternehmen eingeführt, während in Italien und Slowenien am ehesten mittlere Unternehmen Prozessinnovationen einführten.

Innovationen mit Umweltvorteilen

Die Umweltvorteile einer Innovation können sich während der Produktion einer Ware oder einer Dienstleistung oder auch während der Nutzung einer Ware oder einer Dienstleistung nach dem Erwerb durch den Endnutzer ergeben. Tabelle 2 zeigt den Anteil innovativer Unternehmen, die Innovationen mit Umweltvorteilen einführten, wobei zwischen Vorteilen, die sich aus der Produktion und Vorteilen, die sich bei der Nutzung des innovativen Produkts ergeben, unterschieden wird. Es werden sechs Vorteile im Zusammenhang mit der Produktion und drei Vorteile in Verbindung mit der Nutzung dargestellt. Die am häufigsten verzeichneten Vorteile im Zusammenhang mit der Produktion bestanden in der Regel in einer Verringerung des Energieverbrauchs oder einem verstärkten Recycling. Zu den wichtigsten Ausnahmen zählten: Estland und Litauen, wo der am häufigsten verzeichnete Vorteil in einem verringerten Materialverbrauch bestand; Lettland, Österreich und Polen (sowie Kroatien), hier war eine geringere Umweltverschmutzung der am häufigsten verzeichnete Vorteil; sowie die Niederlande, wo der am häufigsten verzeichnete Vorteil in der Nutzung weniger umweltschädlicher oder gefährlicher Materialien bestand. Zu den Vorteilen in Verbindung mit der Nutzung nach dem Erwerb zählten am häufigsten Energieeinsparungen; eine verringerte Umweltverschmutzung wurde häufiger in Zypern, Lettland und Polen (sowie Kroatien) festgestellt, während in Irland und Portugal ein verbessertes Recycling nach Ablauf der Gebrauchsphase des Produkts am häufigsten war.

Tabelle 3 gibt Aufschluss über Innovationen mit einem verringerten Energieverbrauch und enthält eine Analyse nach der Größenklasse der innovativen Unternehmen. In allen Mitgliedstaaten, für die Daten vorliegen, führten große Unternehmen eher Innovationen mit verringertem Energieverbrauch während der Produktion ein, als kleine oder mittlere Unternehmen. Ähnliches gilt für Innovationen, die zu einer Energieeinsparung beim Endnutzer führen, obschon es einige Ausnahmen gibt. So wurden in Litauen solche Innovationen häufiger in kleinen Unternehmen beobachtet, in Litauen häufiger in mittleren Unternehmen.

In Tabelle 4 liegt der Schwerpunkt auf der Motivation für die Einführung von Umweltinnovationen. Die häufigsten Gründe für die Einführung von Umweltinnovationen scheinen zum einen geltende Umweltschutzbestimmungen und Abgaben auf Umweltverschmutzung und zum anderen freiwillige Kodizes oder Abkommen für gute Umweltpraxis zu sein. In den Niederlanden und Finnland wurde allerdings eine aktuelle oder erwartete Marktnachfrage der Kunden als häufigste Motivation verzeichnet. Häufig wurde auch die erwartete Einführung von Umweltschutzbestimmungen oder von Abgaben als Motivation angegeben, beispielsweise in Malta. Von den fünf in der Erhebung untersuchten Gründen wurde in allen Mitgliedstaaten die Bereitstellung finanzieller Anreize des Staates am seltensten als Motiviation genannt.

Datenquellen und Datenverfügbarkeit

Im Rahmen der Innovationserhebung der Gemeinschaft (CIS) werden Informationen sowohl über Produkt- und Prozessinnovation als auch über Innovationen im Bereich Organisation und Marketing erfasst. Die Rechtsgrundlage für die Erhebung dieser Statistiken bildet die Verordnung (EG) Nr. 1450/2004 vom 13. August 2004 zur Durchführung der Entscheidung Nr. 1608/2003/EGüber die Erstellung und Entwicklung von Gemeinschaftsstatistiken über Innovation.

Innovationen basieren auf den Ergebnissen neuer technologischer Entwicklungen, neuer Kombinationen existierender Technologien oder der Verwendung anderen Wissens, das (von dem betreffenden Unternehmen) erworben wurde. Für die Zwecke der Innovationserhebung der Gemeinschaft ist Innovation definiert als Einführung eines neuen oder merklich verbesserten Produkts (Ware oder Dienstleistung) auf dem Markt oder die Einführung eines neuen oder merklich verbesserten Prozesses in einem Unternehmen; hierzu gehören auch Innovationen im Bereich Organisation und Marketing, einschließlich neuer Verfahren im Bereich Logistik und Vertrieb. Innovationen können vom innovativen Unternehmen oder einem anderen Unternehmen entwickelt werden. Der reine Vertrieb von Innovationen, die vollständig von anderen Unternehmen entwickelt und hergestellt werden, gilt jedoch nicht als Innovationstätigkeit, ebenso die Einführung von Produkten mit rein ästhetischen Änderungen. Die Innovation sollte also neu für das betreffende Unternehmen sein – Produktinnovationen müssen nicht unbedingt eine Marktneuheit darstellen und Prozessinnovationen müssen nicht unbedingt zuerst von dem betreffenden Unternehmen eingeführt worden sein.

Als innovativ gelten Unternehmen, die eine Innovationstätigkeit aufweisen. Unter diesen Begriff fallen alle Arten von Innovationen, d. h. Produktinnovationen, Prozessinnovationen sowie Unternehmen, die lediglich laufende und/oder eingestellte Innovationstätigkeiten aufweisen. Im Rahmen einer Innovationstätigkeit können die Unternehmen mit anderen Beteiligten zusammenarbeiten (z. B. Lieferanten, Wettbewerbern, Kunden, Bildungs-/Forschungseinrichtungen). Der Anteil der Unternehmen, die innovativ tätig sind, kann auch als Innovationsneigung bezeichnet werden.

Bei einer Umweltinnovation handelt es sich um eine Innovation, die im Vergleich zu anderen Alternativen Umweltvorteile schafft. Die Umweltvorteile können das primäre Ziel der Innovation oder die primäre Motivation für die Innovation sein oder aber das Ergebnis anderer Innovationsziele.

Der früher zur Bewertung der Innovationsleistung in den Mitgliedstaaten verwendete Europäische Innovationsanzeiger wurde dahingehend überarbeitet, dass die internationale Vergleichbarkeit verbessert und einige forschungsorientierte Indikatoren zur Überwachung der Umsetzung der Innovationsunionaufgenommen wurden.

Kontext

Europa bringt zwar seit jeher neue Ideen (Erfindungen) hervor, doch sind einige der Auffassung, dass sich die Mitgliedstaaten schwer damit tun, diese Ideen zur Marktreife zu führen. Daher verfolgt die EU-Politik auf diesem Gebiet zunehmend das Ziel, die an den Bedürfnissen der Wirtschaft orientierte angewandte Forschung und Entwicklung (FuE) stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Als ein weiterer Schlüssel für die Entwicklung einer innovationsorientierten Gesellschaft wird der Bildungsbereich gesehen – hier soll der Erwerb von Unternehmer- und Managerkompetenzen und von Kenntnissen in den Bereichen Wissenschaft, Mathematik und Fremdsprachen sowie von Digitalkompetenz verstärkt gefördert werden. Dabei gilt die Sorge der politischen Entscheidungsträger der Zahl der Absolventen wissenschaftlicher und technischer Studiengänge, die ihre im Studium erworbenen Kenntnisse nach dem Eintritt in den Arbeitsmarkt unmittelbar anwenden, außerdem der mangelnden Arbeitsplatzmobilität zwischen dem Hochschulbereich und der Wirtschaft, durch die der Ideentransfer möglicherweise behindert wird, worunter wiederum die Innovationsleistung der EU leiden könnte (siehe FuE-Personal).

Im Oktober 2006 nahmen das Europäische Parlament und der Rat den Beschluss Nr. 1639/2006/EG zur Errichtung eines Rahmenprogramms für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (2007-2013) an. Dieses Rahmenprogramm, das speziell auf die KMU ausgerichtet ist, soll zur Förderung von Innovationen und insbesondere Öko-Innovationen beitragen, den Zugang zu Finanzmitteln erleichtern und Unternehmensdienstleistungen in den Regionen bereitstellen. Es soll die Verbreitung von Informations- und Kommunikationstechnologien fördern und die Entwicklung der Informationsgesellschaft erleichtern. Außerdem werden die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz unterstützt. Horizon 2020 ist geplant als Rahmenprogramm für Forschung und Innovation für die Zeit nach 2013 – weitere Informationen enthält der Artikel Wissenschaft und Technologie - Einführung.

Das Europäische Innovations- und Technologieinstitut wurde im März 2008 mit dem Ziel gegründet, nachhaltiges Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit durch Stärkung der Innovationskapazität und – am allerwichtigsten – der Innovationswirkungen in der EU zu fördern. Es soll Hochschulen, Forschung und Innovation in „Wissens- und Innovationsgemeinschaften“ zusammenzuführen.

Im September 2009 veröffentlichte die Europäische Kommission die Mitteilung ‘Überarbeitung der Innovationspolitik der Gemeinschaft in einer Welt im Wandel’ (KOM(2009) 442). Im Oktober 2010 verabschiedete die Europäische Kommission als eine der sieben Leitinitiativen der Strategie Europa 2020 für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum die Mitteilung über eine Innovationsunion (KOM(2010) 546). Darin wird eine umfassende Innovationsstrategie für Europa dargestellt, mit der die großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Klimawandel, Energieeffizienz und Gesundheit angegangen werden sollen. Dazu wird die Verfolgung eines umfassenden Innovationskonzeptes angestrebt, das sowohl Innovationen im technischen Bereich als auch Innovationen von Geschäftsmodellen, Gestaltung, Markenpolitik und Dienstleistungen einbezieht, sofern sich daraus Vorteile für die Nutzer ergeben. Neben Innovationen im öffentlichen Sektor und sozialer Innovation sieht das Konzept auch Innovation in der Wirtschaft vor. Alle Akteure und alle Regionen sollen in den Innovationszyklus einbezogen werden. Mit den Maßnahmen der Innovationsunion soll Dreierlei erreicht werden:

  • Europa soll zu wissenschaftlichen Höchstleistungen befähigt werden;
  • die Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor soll – insbesondere durch Innovationspartnerschaften – auf eine völlig neue Basis gestellt werden und
  • Engpässe wie kostspielige Patentierung, die Zersplitterung der Märkte, zu langsame Normungsprozesse und Qualifikationsdefizite, die derzeit verhindern, dass gute Ideen rasch auf den Markt gelangen, sollen beseitigt werden.

Europäische Innovationspartnerschaften (EIP) sind Bestandteil der Innovationsunion; sie sollen bei der Bewältigung wichtiger gesellschaftlicher Herausforderungen als Rahmen dienen, indem sie Tätigkeiten und politische Konzepte von der Grundlagenforschung bis hin zu marktorientierten Lösungen zusammenbringen. Bei der im Februar 2011 angekündigten ersten EIP handelt es sich um eine Partnerschaft für Aktivität und Gesundheit im Alter mit folgenden drei Hauptzielen:

  • die Bürgerinnen und Bürger der EU sollen im Alter ein gesundes, aktives und unabhängiges Leben führen können;
  • die Nachhaltigkeit und die Effizienz der Sozialfürsorge- und Gesundheitsversorgungssysteme sollen verbessert werden;
  • als Antwort auf die Herausforderung des Alterns der Gesellschaft soll die Wettbewerbsfähigkeit der Märkte für innovative Produkte und Dienstleistungen gefördert werden.

Der Schwerpunkt der Partnerschaft für Aktivität und Gesundheit im Alter liegt auf den Bereichen Prävention und Gesundheitsförderung, integrierte Pflege sowie unabhängiges Leben älterer Menschen. Ihr übergreifendes Ziel besteht darin, für die Bevölkerung in der EU-27 die durchschnittliche Zahl der gesunden Lebensjahre bis 2020 um zwei Jahre zu verlängern.

Weitere Informationen von Eurostat

Veröffentlichungen

Haupttabellen

Gemeinschaftlichen Innovationserhebung (t_inn)
Umsatz durch Innovation (tsdec340)

Datenbank

Gemeinschaftlichen Innovationserhebung (inn)
Ergebnisse der zweiten gemeinschaftlichen Innovationserhebung (inn_cis2)
Ergebnisse der dritten gemeinschaftlichen Innovationserhebung (inn_cis3)
Ergebnisse der vierten gemeinschaftlichen Innovationserhebung (inn_cis4)
Ergebnisse der gemeinschaftlichen Innovationserhebung 2006 (CIS2006) (inn_cis5)
Resultate der ersten Gemeinschaftserhebung der Innovation 'light' 2002/2003 - CIS light (inn_cisl)

Methodik / Metadaten

Quelldaten für die Tabellen, Abbildungen und Karten (MS Excel)

Weblinks

Siehe auch