Aktionsplan für digitale Bildung (2021-2027)

Allgemeine und berufliche Bildung für das digitale Zeitalter neu aufstellen

Der Aktionsplan für digitale Bildung (2021-2027) enthält die Zukunftsvorstellungen der Europäischen Kommission für eine hochwertige, inklusive und zugängliche digitale Bildung in Europa. Er ist ein Aufruf zu einer stärkeren Zusammenarbeit auf europäischer Ebene, um

  • aus der COVID-19-Krise zu lernen, in der die Technologie eine beispiellose Rolle in der allgemeinen und beruflichen Bildung spielt, und
  • die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung an das digitale Zeitalter anzupassen.

Von Juni bis September 2020 fand eine öffentliche Konsultation zum Aktionsplan statt.

Die zwei strategischen Prioritäten des neuen Aktionsplans

1. Förderung der Entwicklung eines leistungsfähigen digitalen Bildungsökosystems

Dies erfordert:

  • Infrastruktur, Konnektivität und digitale Ausstattung
  • Eine effiziente Planung und Entwicklung digitaler Kapazitäten, einschließlich entsprechender organisatorischer Fähigkeiten
  • Lehrkräfte und Personal im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung mit sicheren digitalen Kompetenzen
  • Hochwertige Lerninhalte, benutzerfreundliche Tools und sichere Plattformen, die die Privatsphäre und ethische Standards wahren

Was wird die Kommission tun?

  • Aufnahme eines strategischen Dialogs mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union, um bis 2022 einen Vorschlag für eine Empfehlung des Rates zu den grundlegenden Faktoren für eine erfolgreiche digitale Bildung auszuarbeiten
  • Vorschlag einer Empfehlung des Rates zum Online- und Fernunterricht für die Primar- und Sekundarbildung: Der Schwerpunkt sollte ein EU-weites Verständnis davon sein, wie der Fern- und Onlineunterricht sowie der Unterricht mit gemischten Lernformaten bis Ende 2021 wirksam, inklusiv und motivierend gestaltet werden kann.
  • Entwicklung eines europäischen Rahmens für digitale Bildungsinhalte, der auf der kulturellen und kreativen Vielfalt Europas aufbaut, sowie Durchführung einer Machbarkeitsstudie zur Einrichtung einer europäischen Austauschplattform, um zertifizierte Online-Ressourcen zu teilen und bestehende Bildungsplattformen zu vernetzen
  • Förderung der Gigabit-Netzanbindung von Schulen sowie der Konnektivität in Schulen, Aufklärung über Finanzierungsmöglichkeiten im Rahmen von Connectivity4Schools und Aufforderung an die Mitgliedstaaten, die EU-Unterstützung in Bezug auf den Zugang zum Internet, die Anschaffung von digitaler Ausstattung, E-Learning-Anwendungen und -Plattformen optimal zu nutzen
  • Nutzung von Erasmus-Kooperationsprojekten, um die Pläne für den digitalen Wandel auf allen Ebenen der allgemeinen und beruflichen Bildung zu fördern: Unterstützung der digitalen Pädagogik und des Fachwissens über die Nutzung von digitalen Tools für Lehrkräfte durch Erasmus Teacher Academies sowie Einführung des Selbstbewertungsinstruments für Lehrkräfte SELFIE
  • Entwicklung ethischer Leitlinien für Lehrkräfte über die Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) und Daten für Lehr- und Lernzwecke sowie Unterstützung von Forschungs- und Innovationsmaßnahmen im Rahmen von Horizont Europa

2. Ausbau digitaler Kompetenzen und Fertigkeiten für den digitalen Wandel

Dies erfordert:

  • Grundlegende digitale Kompetenzen und Fertigkeiten von früher Kindheit an
    • Digitale Kompetenz, einschließlich Wissen über den Umgang mit Desinformation
    • Informatikunterricht
    • Gute Kenntnisse und gutes Verständnis von datenintensiven Technologien wie künstlicher Intelligenz
  • Fortgeschrittene digitale Kompetenzen, durch die mehr IT-Fachkräfte hervorgebracht werden und sichergestellt wird, dass Mädchen und junge Frauen in Studiengängen und Berufen der IT-Branche entsprechend vertreten sind

Was wird die Kommission tun?

  • Entwicklung gemeinsamer Leitlinien für Lehrkräfte und Bildungspersonal zur Förderung digitaler Kompetenzen und zur Bekämpfung von Desinformation im Rahmen der allgemeinen und beruflichen Bildung. Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft, europäischen Technologieunternehmen und -trägern, Rundfunkanstalten, Journalistinnen und Journalisten, der Sachverständigengruppe „Medienkompetenz“, der europäischen Beobachtungsstelle für digitale Medien, nationalen Behörden, Eltern, Lehrenden und jungen Menschen
  • Aktualisierung des Europäischen Referenzrahmens für digitale Kompetenzen im Hinblick auf die Einbeziehung von KI-Kompetenzen und Datenkompetenz sowie Unterstützung der Entwicklung von KI-Lernressourcen für Schulen, Einrichtungen der beruflichen Aus- und Weiterbildung und andere Berufsbildungseinrichtungen
  • Entwicklung eines europäischen Zertifikats für digitale Kompetenzen, das von Regierungen, Arbeitgebern und anderen Interessenträgern in ganz Europa anerkannt und akzeptiert wird
  • Vorschlag einer Empfehlung des Rates für eine bessere Vermittlung digitaler Kompetenzen in der allgemeinen und beruflichen Bildung: Dazu gehören der Einsatz von EU-Instrumenten, mit denen die berufliche Weiterbildung von Lehrkräften gefördert wird, der Austausch bewährter Verfahren in Bezug auf Lehrmethoden in einer hochwertigen Informatikausbildung und die Zusammenarbeit mit der Industrie, um neue und sich abzeichnende Kompetenzanforderungen zu ermitteln und aktualisieren.
  • Förderung der Teilnahme an der internationalen Studie zur Messung der Computer- und Informationskompetenzen (ICILS), in der länderübergreifende Daten über digitale Kompetenzen von Lehrenden gesammelt werden, und Einführung eines EU-Ziels für die digitale Kompetenz von Schülerinnen und Schülern, um den Anteil der 13- und 14-jährigen Lernenden, die in den Bereichen Computer- und Informationskompetenz unterdurchschnittlich abschneiden, bis 2030 auf unter 15 % zu senken
  • Förderung der Entwicklung fortgeschrittener digitaler Kompetenzen durch Maßnahmen wie die Ausweitung des Praktikumsprogramms „Digitale Chance“ auf Lernende im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung und Auszubildende sowie Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte, Ausbildende und sonstiges Bildungspersonal
  • Förderung der Teilhabe von Frauen an MINT-Fächern (Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften und Technologie) in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Innovations- und Technologieinstitut (EIT); Förderung der EU STEM Coalition zur Entwicklung neuer Hochschullehrpläne, um Frauen für das Ingenieurwesen und für Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) auf der Grundlage des MINKT-Ansatzes (Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften, Kunst und Technologie) zu gewinnen

Warum mehr getan werden muss

  • Viele Haushalte mit niedrigem Einkommen haben keinen Zugang zu Computern und der Zugang zum Breitbandinternet ist in der EU abhängig vom Haushaltseinkommen sehr unterschiedlich (Eurostat 2019).
  • Mehr als ein Fünftel der jungen Menschen in Europa verfügen nicht über grundlegende digitale Kompetenzen.
  • Eine Erhebung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahr 2018 ergab, dass sich weniger als 40 % der Lehrkräfte in der EU auf den Einsatz digitaler Technologien in ihrer täglichen Arbeit vorbereitet fühlten, wobei erhebliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten bestehen.
  • Die COVID-19-Krise führt zu einem beispiellosen Wandel, bei dem auf Online-Unterricht und auf die Nutzung digitaler Technologien umgestellt wird.

Ergebnisse der öffentlichen Konsultation 2020

  • Fast 60 % der Befragten hatten vor der Krise keinen Fern- oder Onlineunterricht genutzt.
  • 95 % der Befragten sehen in der COVID-19-Krise einen Wendepunkt für den Einsatz von Technologie in der allgemeinen und beruflichen Bildung.
  • Den Befragten zufolge müssen Online-Lernressourcen und -inhalte relevanter, interaktiver und benutzerfreundlicher sein.
  • Über 60 % der Befragten gaben an, ihre digitalen Kompetenzen während der Krise verbessert zu haben, und mehr als 50 % der Befragten möchten künftig mehr daran arbeiten.

Stärkung der Zusammenarbeit und des Austauschs in der digitalen Bildung auf EU-Ebene

Die EU kann eine aktivere Rolle spielen, unter anderem bei

  • der Ermittlung, dem Austausch und der Ausweitung bewährter Verfahren,
  • der Unterstützung der Mitgliedstaaten und des Bildungs- und Ausbildungssektors durch Instrumente, festgelegte Rahmen, Leitlinien, Fachwissen und Forschung sowie
  • der Förderung der Zusammenarbeit zwischen allen Interessenträgern.

Sie richtet eine neue europäische Plattform für digitale Bildung ein, um

  • nationale und regionale Initiativen und Akteure im Bereich der digitalen Bildung miteinander zu verknüpfen und
  • die sektorübergreifende Zusammenarbeit und neue Modelle für den Austausch digitaler Lerninhalte unter Berücksichtigung unterschiedlicher Bereiche wie Interoperabilität, Zugänglichkeit und Qualitätssicherung sowie gemeinsamer Standards für digitale Bildung zu fördern.

Mit der Plattform als Denkfabrik sollen die Entwicklung von Politik und Praxis unterstützt und der Ausbau der digitalen Bildung in Europa, einschließlich der Umsetzung des neuen Aktionsplans für digitale Bildung, überwacht werden. Außerdem werden mit der Plattform nutzergetriebene Innovationen und die Beteiligung im Rahmen des Hackathons im Bereich digitale Bildung gefördert.

Was im Bereich der digitalen Bildung schon getan wurde

Der Aktionsplan für digitale Bildung 2021-2027 baut auf dem Aktionsplan 2018-2020 auf, der folgende Schwerpunktbereiche umfasste:

  1. Bessere Nutzung digitaler Unterrichts- und Lerntechnologien
  2. Entwicklung digitaler Fertigkeiten und Kompetenzen
  3. Verbesserung der allgemeinen und beruflichen Bildung durch bessere Datenanalyse und -antizipierung