Statistiken zur Bevölkerung und zum Bevölkerungswachstum – Statistics Explained
    

Statistiken zur Bevölkerung und zum Bevölkerungswachstum

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Datenauszug vom Juli 2017. Neueste Daten: Weitere Informationen von Eurostat, Haupttabellen und Datenbank. Die deutsche Sprachversion dieses Artikels wird im September 2018 archiviert.
Abbildung 1: Gesamtbevölkerung, EU-28, 1960-2017
(Stand: 1. Januar, in Mio.)
Quelle: Eurostat (demo_gind)
Abbildung 2: Bevölkerungswachstum nach Komponenten
(jährliche rohe Ziffern), EU-28, 1960-2016
(pro Tsd. Einwohner)
Quelle: Eurostat (demo_gind)
Abbildung 3: Geburten und Sterbefälle, EU-28, 1961-2016
(in Mio.)
Quelle: Eurostat (demo_gind)
Tabelle 1: Bevölkerungsbilanz, 2016
(in Tsd.)
Quelle: Eurostat (demo_gind)
Tabelle 2: Rohe Bevölkerungswachstumsziffern, 2014-2016
(pro Tsd. Einwohner)
Quelle: Eurostat (demo_gind)
Tabelle 3: Beitrag von natürlichem Bevölkerungswachstum und (korrigiertem) Wanderungssaldo zum Bevölkerungswachstum, 2016
Quelle: Eurostat (demo_gind)

Dieser Artikel vermittelt einen Überblick über die Entwicklung der Statistiken zur Bevölkerung der Europäischen Union (EU). Dabei wird auf die beiden Komponenten des Bevölkerungswachstums eingegangen: das natürliche Bevölkerungswachstum und den (korrigierten) Wanderungssaldo. Nähere Informationen zum Wanderungssaldo enthält der Artikel über Statistiken zu Wanderungen und Migrantenbevölkerung.

Wichtigste statistische Ergebnisse

Die Bevölkerung der EU-28 wächst weiter

Die gegenwärtige demografische Situation in der EU-28 ist durch anhaltendes Bevölkerungswachstum gekennzeichnet. Die EU-28 insgesamt verzeichnete 2016 einen Bevölkerungsanstieg, obwohl 10 EU-Mitgliedstaaten rückläufige Zahlen meldeten. Interessant ist auch ein Blick auf die jüngsten verfügbaren Daten. Daraus geht hervor, dass 2016 in der EU-28 zum zweiten Mal (seit Beginn der Zeitreihen 1961) ein leichter natürlicher Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen war. Folglich war die Entwicklung (Zunahme um 1,5 Mio.) ausschließlich auf die Nettowanderung zurückzuführen.

Zum 1. Januar 2017 wurde die Bevölkerung der EU-28 auf 511,8 Millionen geschätzt und damit auf 1,5 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Der Bevölkerungsanstieg der EU-28 fiel 2016 geringer aus als der Bevölkerungszuwachs von 1,7 Millionen im Jahr 2015.

Über einen längeren Zeitraum wuchs die Einwohnerzahl der EU-28 von 406,7 Millionen im Jahr 1960 auf 511,8 Millionen im Jahr 2017 und damit um 105,1 Millionen (siehe Abbildung 1). In den letzten Jahrzehnten hat sich das Bevölkerungswachstum nach und nach verlangsamt. So erhöhte sich die Bevölkerungszahl der EU-28 im Zeitraum 2005 bis 2017 durchschnittlich um etwa 1,5 Millionen pro Jahr, während der Anstieg in den 1960er Jahren noch durchschnittlich etwa 3,3 Millionen pro Jahr betragen hatte.

2016 überstieg die Zahl der Sterbefälle die der Lebendgeburten in der EU-28 (zum zweiten Mal seit Beginn der Zeitreihen 1961). Hieraus ergab sich der oben genannte leichte natürliche Bevölkerungsrückgang. Das 2016 verzeichnete Bevölkerungswachstum der EU-28 war daher vollständig auf den (korrigierten) Wanderungssaldo zurückzuführen. Auf die unterschiedlichen Entwicklungen in den EU-Mitgliedstaaten wird weiter unten eingegangen. 2016 fiel der (korrigierte) Wanderungssaldo mit einem Plus von 1,5 Millionen Menschen geringer aus als 2015 (1,8 Millionen). Seit 1992 ist diese Komponente die wichtigste Determinante des Bevölkerungswachstums in der EU-28 (siehe Abbildung 2).

Seit Mitte der 1980er Jahre ist der Wanderungssaldo in der EU-28 beträchtlich gestiegen. Zugleich ist die Zahl der Lebendgeburten zurückgegangen und die Zahl der Sterbefälle gestiegen. Die Differenz zwischen Lebendgeburten und Sterbefällen in der EU-28 hat sich seit 1961 beträchtlich verringert (siehe Abbildung 3). In den letzten Jahren war die Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen (natürliches Bevölkerungswachstum) sehr gering. Seit 2015 erstmals mehr Sterbefälle als Geburten registriert wurden, ist ein natürlicher Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen. Voraussichtlich wird die Zahl der Sterbefälle mit der Alterung der geburtenstarken Jahrgänge zunehmen. Falls die Fruchtbarkeitsziffer weiterhin relativ niedrig bleibt, könnte sich daher das negative natürliche Bevölkerungswachstum (mehr Sterbefälle als Geburten) fortsetzen. In dem Fall dürfte es weitgehend von der Migration abhängen, ob die Bevölkerung der EU-28 insgesamt zu- oder abnimmt.

Bevölkerungswachstum auf nationaler Ebene

Die Bevölkerungszahlen der einzelnen EU-Mitgliedstaaten betrugen am 1. Januar 2017 zwischen 0,4 Millionen in Malta und 82,8 Millionen in Deutschland. Auf die vier Länder Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich und Italien entfiel am 1. Januar 2017 mehr als die Hälfte (54,0 %) der Gesamtbevölkerung der EU-28 (siehe Tabelle 1).

Die Bevölkerungszahl der EU-28 erhöhte sich 2016 um 1,5 Millionen. In den einzelnen EU-Mitgliedstaaten fiel der Bevölkerungszuwachs unterschiedlich aus. Während 18 Mitgliedstaaten einen Anstieg verzeichneten, entwickelte sich die Einwohnerzahl in den übrigen 10 Mitgliedstaaten rückläufig. Luxemburg, Schweden, Malta, Irland und Österreich verzeichneten 2016 die höchsten Bevölkerungszuwächse um jeweils mehr als 9,0 pro 1 000 Einwohner; das war mehr als das Dreifache des EU-28-Durchschnitts von 3,0 pro 1 000 Einwohner (siehe Tabelle 2). Von diesen fünf EU-Mitgliedstaaten registrierte Luxemburg mit 19,8 pro 1 000 Einwohner den schnellsten Anstieg. Den stärksten Rückgang ihrer Bevölkerungszahlen verzeichneten Litauen (-14,2 pro 1 000 Einwohner), Lettland (-9,6) und Kroatien (-8,7).

Eine Analyse der beiden Komponenten des Bevölkerungswachstums auf nationaler Ebene ergibt acht Typen von Bevölkerungswachstum, je nach Zuwachs oder Rückgang und nach Anteil der natürlichen Bevölkerungsentwicklung und des Wanderungssaldos. Tabelle 3 zeigt die vollständige Typologie. 2016 wurden die höchsten rohen Ziffern für das natürliche Bevölkerungswachstum in Irland verzeichnet (7,1 pro 1 000 Einwohner), gefolgt von Zypern (4,7) und Luxemburg (3,6). 13 EU-Mitgliedstaaten wiesen ein negatives natürliches Bevölkerungswachstum aus, wobei es deutlich mehr Sterbefälle als Geburten insbesondere in Bulgarien (-6,0 pro 1 000 Einwohner), Litauen (-3,7), Rumänien (-3,5), Kroatien und Lettland (jeweils -3,4) sowie Ungarn (-3,2) gab. Relativ gesehen wurden die höchsten positiven Werte für den rohen Wanderungssaldo 2016 in Luxemburg (16,2 pro 1 000 Einwohner), Schweden (11,9), Malta (11,2), Deutschland (9,4) und Österreich (8,7) und die höchsten negativen Werte in Litauen (-10,5 pro 1 000 Einwohner), Lettland (-6,2), Kroatien (-5,4) und Rumänien (-2,7) registriert.

18 Mitgliedstaaten verzeichneten 2016 einen Anstieg ihrer Bevölkerungszahlen, der in 14 dieser Staaten sowohl auf natürliches Wachstum als auch auf die Nettowanderung zurückzuführen war. In Deutschland, Spanien, Polen und Finnland kam der Anstieg dagegen ausschließlich durch die Nettowanderung zustande, während das natürliche Bevölkerungswachstum negativ war.

In 10 EU-Mitgliedstaaten waren die Bevölkerungszahlen 2015 rückläufig. In drei Ländern (Kroatien, Lettland und Litauen) war dies vor allem auf einen negativen Wanderungssaldo zurückzuführen (bei relativ niedrigen negativen Werten für das natürliche Bevölkerungswachstum). Dagegen wurde der Bevölkerungsrückgang in Bulgarien, Griechenland, Ungarn, Portugal und Rumänien im Wesentlichen durch das negative natürliche Bevölkerungswachstum bewirkt (bei relativ niedrigen negativen Werten für die Nettowanderung). In Estland und Italien war der Bevölkerungsrückgang ausschließlich auf das negative natürliche Bevölkerungswachstum zurückzuführen, während der Wanderungssaldo positiv ausfiel.

Datenquellen und Datenverfügbarkeit

Die Bevölkerungsbilanz vermittelt einen Überblick über die jährlichen Bevölkerungsentwicklungen in den EU-Mitgliedstaaten. Statistische Daten zum Bevölkerungswachstum sind in absoluten Zahlen und als rohe Ziffern verfügbar.

Das Bevölkerungswachstum in einem bestimmten Jahr ist die Differenz zwischen der Bevölkerungsgröße am 1. Januar des betreffenden Jahres und am 1. Januar des Vorjahres. Es setzt sich aus den beiden Komponenten natürliches Bevölkerungswachstum und (korrigierter) Wanderungssaldo zusammen. Das natürliche Bevölkerungswachstum ist die Differenz zwischen der Zahl der Lebendgeburten und der Zahl der Sterbefälle. Ein positiver Wert bedeutet einen natürlichen Zuwachs der Bevölkerung. Der Wanderungssaldo ist die Differenz zwischen der Zahl der Zuwanderer und der Zahl der Abwanderer. Im Rahmen der jährlichen Bevölkerungsbilanz errechnet Eurostat die Differenz zwischen dem Bevölkerungswachstum insgesamt und dem natürlichen Bevölkerungswachstum und ermittelt so den Wanderungssaldo; dies ist der sogenannte korrigierte Wanderungssaldo.

Kontext

Statistiken zum Bevölkerungswachstum und zur Bevölkerungsstruktur werden in zunehmendem Maße zur Unterstützung politischer Entscheidungsprozesse herangezogen. Sie ermöglichen die Beobachtung des demografischen Verhaltens im politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Kontext. Hierbei sind demografische Entwicklungen wie der voraussichtliche Rückgang des Anteils der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter und der entsprechende Anstieg der Zahl älterer Menschen von besonderem Interesse. Die Statistiken können ganz unterschiedliche Analysen unterstützen, z. B. Untersuchungen über die Bevölkerungsalterung und ihre Auswirkungen auf die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen und der Sozialleistungen, die Bewertung der Geburtenentwicklung als Grundlage für familienpolitische Entscheidungen oder die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen des Bevölkerungswachstums.

Siehe auch

Weitere Informationen von Eurostat

Veröffentlichungen

Haupttabellen

Datenbank

Bevölkerungsstand (demo_pop)
Regionale Daten (demopreg)

Spezieller Bereich

Methodik / Metadaten

  • Fertility (ESMS metadata file — demo_fer_esms) (auf Englisch)
  • Mortality (ESMS metadata file — demo_mor_esms) (auf Englisch)
  • Population (ESMS metadata file — demo_pop_esms) (auf Englisch)

Quelldaten für die Tabellen und Abbildungen (MS Excel)

Weblinks