Transparente Abfallbewirtschaftung
- 01 January 2004
Erstmals in einem ISPA-Projekt hat eine litauische Nichtregierungsorganisation an der Vorbereitung eines Projekts zur Bewirtschaftung des städtischen Festmülls der Region Vilnius mitgewirkt.
Die litauische Region Vilnius ist im Hinblick auf die Sammlung und Behandlung von städtischem Festmüll mit erheblichen Problemen konfrontiert. In manchen – vor allem ländlichen – Gebieten gibt es keine organisierte Abfuhr. Die vorhandenen städtischen Müllhalden verfügen über keinerlei Umweltschutzsysteme, mit Ausnahme der Deponie Kariotiskes, die für den Abfall von Vilnius zuständig ist und an den Nationalpark von Trakai angrenzt. Aber selbst dort haben Analysen eine Verschlechterung des phreatischen Grundwassers ergeben. Aus den insgesamt 125 Müllhalden der Region sickern jährlich 350 000 m³ Abwässer in den Boden.
Das derzeit laufende ISPA-Projekt zur Abfallbewirtschaftung in der Region Vilnius beinhaltet unter anderem die Schließung von fünf städtischen Deponien, darunter auch die von Kariotiskes, und den Bau einer den nationalen und europäischen Normen entsprechenden regionalen Müllhalde auf dem Gelände des ehemaligen Steinbruchs von Kazokistes in der Gemeinde Elektrenai. Die neue Anlage soll mit einer Umfassungsmauer, einem System zum Abpumpen der Abwässer, zehn Brunnen für die Analyse des phreatischen Grundwassers und einem Biogas-Kollektor für die Erzeugung von Elektrizität ausgestattet werden. Im Endeffekt wird sich die Versickerung von Abwässern durch dieses Projekt um 4/5 verringern lassen.
Ein bemerkenswerter Aspekt des Projekts – und eine „Premiere“ im Rahmen des ISPA – ist die Tatsache, dass eine Nichtregierungsorganisation (NRO), das Lithuanian Green Movement (LGM), in die vorbereitenden Diskussionen einbezogen wird. Das LGM wurde vom Kontrollausschuss des Projekts eingeladen, während der gesamten Dauer des Verfahrens zur Bewertung der Umweltfolgen der verschiedenen Optionen als Beobachter an den öffentlichen Anhörungen teilzunehmen. Nach Vorlage eines Gutachtens konnte das LGM beispielsweise den Bau einer regionalen Müllverbrennungsanlage verhindern, nicht zuletzt wegen der zu hohen Kosten. Ein weiterer Knackpunkt war der künftige Standort der Deponie: Der Protest der ansässigen Bevölkerung und von Gruppen und Vereinen, der zu der fundierten Stellungnahme des LGM hinzukam, bewog die Behörden, von der Idee, eine Grünfläche der Gemeinde zu benutzen, Abstand zu nehmen und sich für das stillgelegte Industriegelände von Kazokistes zu entscheiden.
NRO haben oft den Ruf eines „Spielverderbers“, aber diese ausgesprochen positive Erfahrung zeigt, dass sie maßgeblich dazu beitragen können, die Qualität eines Projekts und gleichzeitig seine öffentliche Transparenz zu gewährleisten. Überdies macht sie die Vorteile geteilter Kompetenzen deutlich, da die Vereinigungen, die Praktiker und die Behörden bei der Umsetzung derart komplexer Projekte alle eine Rolle zu spielen und alle noch etwas zu lernen haben.