In Deutschland getestete intelligente Technologie ermöglicht älteren Menschen, eigenverantwortlich zu leben

Die Städte Dortmund, Duisburg und Arnsberg dienen als Testumgebungen für neue fernunterstützte Wohnbetreuungstechniken, die es älteren Menschen ermöglichen, so lange wie möglich eigenverantwortlich zu Hause zu leben, in dem Wissen, dass medizinische Betreuung und andere Hilfe niemals zu weit weg ist. Die Tests zeigen, wie ein solches System ein nachhaltiges Geschäftsmodell darstellen kann.

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Smart Service Power erhält für seine Leistungen eine Auszeichnung. © Smart Service Power Smart Service Power erhält für seine Leistungen eine Auszeichnung. © Smart Service Power

" Dieses Projekt hilft uns dabei, Gemeinschaften, Pflegedienste, Krankenversicherungen, Wohnungsbaugesellschaften und ältere Bürger sowie ihre Verwandten davon zu überzeugen, dass intelligente Technologien ein wesentlicher Teil ihrer Lösung sein können. "

Bettina Horster, Vorstand Business Development, VIVAI Software AG

Die alternde Bevölkerung in Europa – und die erforderlichen Dienstleistungen für jene Menschen, die nicht vollständig für sich sorgen können – üben einen immensen finanziellen Druck auf die Gemeinschaften und Gesundheitsdienste aus. Experten schätzen, dass sich die Kosten der Städte für die Bereitstellung von Gesundheitsleistungen für ältere Menschen bis 2030 mehr als verdoppeln werden. Ein Mangel an Pflegekräften für ältere Menschen erschwert ebenfalls das Anbieten von Gesundheitsdiensten.

Der Bau von weiteren Altenpflegeheimen ist eine Lösung, aber kostspielig. Eine andere Lösung wurde vom EU-finanzierten Projekt Smart Service Power vorgestellt und auf einer Internetplattform entwickelt, die in erster Linie über eine Sprachassistenz-Software zugänglich ist – sie ist über Sensortechnik mit dem Internet verbunden und hilft älteren Menschen, so lange wie möglich eigenverantwortlich zu Hause zu wohnen.

Die Plattform kann den Zustand einer Person aus der Ferne in Echtzeit überwachen, eine Verschlechterung der Gesundheit vorhersehen, einen medizinischen Notfall erkennen und Notfalldienste benachrichtigen, wenn Hilfe benötigt wird. Die Technologie sichert den Nutzern medizinische Hilfe zu, wenn sie gebraucht wird. Das System kann sogar voraussagen, wann es für eine Person möglicherweise besser wäre, in ein Altenpflegeheim zu ziehen.

Das Projektteam ist der Ansicht, dass die „Smartifizierung“ des Wohnraums eines Menschen über mit dem Internet verbundene Technologien das Potenzial hat, einige Lücken, die aufgrund des Mangels an Pflegepersonal entstanden sind, zu schließen. Außerdem kann so der Wunsch vieler älterer Menschen erfüllt werden, länger zu Hause zu bleiben. Weiterhin werden die Sorgen vieler Angehöriger über die Pflege ihrer Eltern gemildert und in den Gemeinden und bei Gesundheitsdiensten Kosten eingespart.

Medizinische Überwachung online

Die Plattform beinhaltet Fernunterstützungsfunktionen in den Bereichen e-Gesundheit, intelligente Haustechnik, umgebungsunterstütztes Wohnen, Notrufsysteme, Pflege- und Hausmeisterdienste. Sie erhält z. B. Informationen von einer Kombination mit dem Internet verbundener Sensoren, die Bewegung, Körpertemperatur, Gewicht und Feuchtigkeitshaushalt messen.

Zu den Beispielen gehören spezielle Hautpflaster, mit denen der Feuchtigkeitshaushalt über die Hautspannung überwacht und an die Plattform übermittelt wird. Der Teilnehmer oder ein Gesundheitsdienst werden alarmiert, falls die Person nicht genug Wasser trinkt oder unter Austrocknung leidet. Der Sensor einer Waage sammelt Daten und bewertet jegliche ungewöhnliche Veränderungen des Gewichts einer Person – ein plötzlicher Anstieg des Gewichts zeigt eine Wassereinlagerung an, die wiederum auf ein Herzproblem zurückzuführen sein könnte.

Ein verbundener Medikamentendosierer ermöglicht es der Plattform, jeden Tag die Medikation einer Person zu dosieren, und sorgt dafür, dass die Medikamenteneinnahme nicht vergessen und zum richtigen Zeitpunkt vorgenommen wird. Da Menschen tendenziell vergessen, einen Sensor zu tragen, überwacht das System die Person über einen „Laufzeitsensor“ an der Decke, der Probleme erkennt und überwacht, ob eine Person sich schnell regeneriert oder Notfallhilfe in Anspruch nehmen muss.

Die Teilnehmer können mithilfe des Dienstes auch ihre kognitiven Fähigkeiten trainieren, denn er stellt auch interaktive Spiele für die Gedächtnisschulung zur Verfügung.

Innovation für echte Bedürfnisse

Eine der wichtigsten Innovationen des Projekts ist die automatische Aufzeichnung aller Daten der verschiedenen mit dem Internet verbundenen Sensoren auf einer gemeinsamen Plattform, mit der eine proaktive Unterstützung der Teilnehmer bereitgestellt und ihr Gesundheitszustand mithilfe von „Massendatentechniken“ und Musteranalysen überwacht wird. Die intelligenten Algorithmen erkennen Notfälle vor Ort und sind in der Lage, individuelle Bedürfnisse zu ermitteln.

Das System nutzt natürliche Sprache, was die intuitivste Möglichkeit für die interaktive Kommunikation mit den Nutzern darstellt. Die Nutzer können außerdem auswählen, auf welche Weise Anbieter Zugriff auf ihre personenbezogenen Daten haben dürfen.

Im Rahmen des Projekts wurden zudem innovative Sensoren entwickelt, die Teilnehmer überwachen und signalisieren, ob sie vorbeugende Pflege benötigen. Geschäftsmodelle finanzieren die Dienste nachhaltig. Die Entwicklung umfasste innovative Software und ein neuartiges Konzept für die ethische Verwendung personenbezogener Daten.

Einige Projektmitglieder planen, eine öffentlich-private Partnerschaft einzugehen, um die Forschungsergebnisse in reale Dienste umzusetzen, die an Gemeinden, Krankenversicherungen, Wohnungsbaugesellschaften, ihre Bewohner und deren Angehörige verkauft werden können. Das System wurde in Dortmund, Duisburg und Arnsberg getestet, da diese Städte den Bedarf an Dienstleistungen abbilden, der in Europa für die fernunterstützte und überwachte Pflege älterer Menschen vorhanden ist.


Gesamtinvestition und EU-Finanzierung

Die Gesamtinvestition für das Projekt „Smart Service Power“ beläuft sich auf 2 808 606 EUR, an der sich der Europäische Fonds für regionale Entwicklung mit 1 404 303 EUR im Rahmen des operationellen Programms „Nordrhein-Westfalen EFRE 2014-2020“ für den Programmplanungszeitraum 2014-2020 beteiligt.

 


Datum des Entwurfs

23/08/2017