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Der OLAF-Bericht 2025
Petr Klement, Director-General of OLAF

Vorwort

Als kürzlich ernannter Generaldirektor des Europäischen Amtes für Betrugsbekämpfung (OLAF) ist es mir eine Ehre, diesen OLAF-Jahresbericht für den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2025 vorzulegen. 

Auch wenn ich neu in dieser Funktion bin, das OLAF selbst ist kein Neuling. Seit seiner Gründung vor 26 Jahren - als Reaktion auf die klare Forderung, die EU-Institutionen und die Verwaltung öffentlicher Mittel an den höchsten ethischen und finanziellen Standards zu messen - ist das OLAF ein unerschütterlicher Hüter des EU-Haushalts. 

Im Jahr 2025 empfahl das OLAF die Wiedereinziehung von 597 Millionen Euro und verhinderte, dass 18 Millionen Euro zu Unrecht ausgegeben wurden. Das Amt hat 254 neue Fälle eröffnet, 209 Untersuchungen abgeschlossen und hat derzeit 414 aktive Fälle. Im vergangenen Jahr wurden Einnahmen in Höhe von fast 1 Milliarde Euro gesichert. In den letzten zehn Jahren hat das OLAF bereits dabei geholfen, rund 6,8 Mrd. EUR einzuziehen oder zu schützen. Dies sind jedoch nicht nur Zahlen. Vielmehr geht es dabei um Schulen, die gebaut, Forschungsprojekte, die finanziert und Grenzen, die geschützt wurden. Die Arbeit des OLAF ist nichts Abstraktes und auch nichts weit Entferntes. Sie unterstützt die Mitgliedstaaten direkt und kommt den Bürgerinnen und Bürgern zugute. 

Wir untersuchen auch mutmaßliche Fälle von Fehlverhalten in den EU-Institutionen, und mit diesem Mandat geht eine moralische Verpflichtung einher: Die EU-Institutionen müssen sich der Transparenz verschreiben. Unsere internen Untersuchungen sind nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil des Rechenschaftsrahmens der EU und tragen dazu bei, dass die Mitglieder und Bediensteten der Institutionen die höchsten Standards in Bezug auf berufliches Verhalten und finanzielle Integrität einhalten. Unabhängigkeit, Zugang zu relevanten Informationen und die Möglichkeit, Vor-Ort-Kontrollen durchzuführen, sind für das OLAF unverzichtbar, um diese Aufgabe zu erfüllen. 

Die Landschaft der Betrugsbekämpfung in der EU entwickelt sich weiter, insbesondere durch die Schaffung der Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA), die eine entscheidende Lücke in der Strafverfolgung geschlossen hat. Wir können das System jedoch nicht allein durch strafrechtliche Verfolgung in Ordnung bringen – die Bürger wollen auch, dass missbräuchlich verwendete Mittel eingezogen und in den EU-Haushalt zurückgeführt werden. Das OLAF spielt hier eine entscheidende Rolle. Betrüger agieren zunehmend grenzüberschreitend, nutzen digitale Instrumente und passen sich schnell an. Das müssen wir auch. Durch die laufende Überprüfung der EU-Betrugsbekämpfungsarchitektur, tragen wir aktiv dazu bei, ein zweckmäßiges System zu schaffen. In diesem Zusammenhang wurde die OLAF-Verordnung evaluiert und könnte zeitgleich mit den Rechtsgrundlagen einiger unserer Partner im Bereich der Betrugsbekämpfung überarbeitet werden. Dies ist eine einmalige Gelegenheit, sowohl unsere tägliche Zusammenarbeit als auch unsere zugrunde liegenden Mandate zu bewerten und gegebenenfalls neu auszurichten.  

Im Jahr 2025 führte das OLAF neue KI-Tools ein, um unsere Untersuchungen weiter zu verbessern. Diese helfen dabei, betrugsbezogene Kommunikationen in großen Datensätzen aufzudecken, Berichte zu anonymisieren und Fallunterlagen zu verwalten. Das OLAF leistete zudem Pionierarbeit in der digitalen Zusammenarbeit, indem es den ersten technischen Workshop zu digitalen Instrumenten in der Betrugsbekämpfung in Bukarest veranstaltete. Investitionen in KI und Datenanalyse sind unerlässlich, um Betrügern immer einen Schritt voraus zu sein, während unsere grenzüberschreitende Erfahrung es uns ermöglicht, Verbindungen zwischen Mitgliedstaaten, Institutionen und Sektoren herzustellen, wie es anderen nicht möglich ist. 

Dieser Mehrwert zeigte sich im Jahr 2025 deutlich. Zum Beispiel spielte das OLAF eine Schlüsselrolle bei der Unterstützung einer koordinierten Razzia gegen ein Netzwerk, das mit gefälschten Zigaretten handelte und zwischen Italien und Rumänien operierte. In Irland trug unsere Arbeit zur Beschlagnahmung von über 4.000 illegal importierten E-Bikes bei, bei denen Zölle umgangen worden waren, während wir in der Ukraine eine Schlüsselrolle bei der Aufdeckung einer illegalen unterirdischen Pestizidproduktion spielten, was zur Beschlagnahmung von mehr als 175 Tonnen gefälschter Agrochemikalien sowie der Rohstoffe für deren Herstellung führte. Weitere wichtige Untersuchungen werden in diesem Bericht ausführlich beschrieben. In jedem Fall sammelte das OLAF Informationen aus verschiedenen Ländern und koordinierte seine Arbeit mit Partnern, um sicherzustellen, dass die finanziellen Interessen der EU geschützt wurden. 

Angesichts immer neuer Herausforderungen leistete das OLAF konkrete und greifbare operative Unterstützung, unter anderem bei der Verhinderung der Umgehung von EU-Sanktionen gegen Russland und Belarus, wo unsere Analyse von Handelsströmen und Lieferketten zur Aufdeckung mehrerer Machenschaften führte, bei denen sanktionierte Güter über Zwischenländer umgeleitet wurden. 

Unsere Arbeit geht über die reine Untersuchungstätigkeit hinaus. Prävention ist ebenso wichtig. Im Jahr 2025 führten OLAF-Experten spezielle Schulungen für ukrainische Zoll- und Strafverfolgungsbehörden durch. Gemeinsam mit CEPOL haben wir Weiterbildungen im Bereich der fortgeschritten Betrugsbekämpfung angeboten und wie jedes Jahr zum Jahresbericht der Kommission über den Schutz der finanziellen Interessen der EU (dem sogenannten PIF-Bericht) beigetragen. Außerdem haben wir in komplexen Fällen wie der "Operation Calypso" eng mit der EUStA zusammengearbeitet, wobei wir unser Fachwissen sowie unsere grenzüberschreitenden Analysen eingebracht und damit die strafrechtlichen Prozesse ergänzt haben.

In den letzten 15 Jahren hat das OLAF 110 Planstellen verloren, was fast 10 % seines gesamten Personalbestands entspricht. Doch trotz der Ressourcenkürzungen blieb das Amt stabil, professionell und ergebnisorientiert. Für jeden in das OLAF investierten Euro floss mehr als das Neunfache dieses Betrags in den EU-Haushalt zurück. Dies ist dem Engagement der Mitarbeiter zu verdanken, deren Fachwissen und Integrität das Rückgrat dieses Amtes bilden. 

Ich möchte Ville Itälä zu seiner Leitung des OLAF in den vergangenen sieben Jahren gratulieren und ihm dafür danken, ebenso wie Salla Saastamoinen für ihre beständige Führung als amtierende Generaldirektorin. Ihre Arbeit hat dieses Amt gestärkt und ein solides Fundament für die Zukunft gelegt. 

Dies ist ein neues Kapitel – doch unser Auftrag bleibt derselbe. Wir werden weiterhin unabhängig, professionell und entschlossen handeln, um die finanziellen Interessen der Europäischen Union und das Vertrauen ihrer Bürger zu schützen. 

Vielen Dank
Petr Klement