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Informationsgesellschaft |
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Wer hat Angst vor Telearbeit? |
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In Europa gibt es über 4 Millionen Telearbeiter. Bis zum Jahr 2002 könnten es 15 Millionen sein, bis 2007 mehr als 40 Millionen (1). Die Personen, die ihren Beruf ·aus der Ferne" ausüben, sind jedoch sehr verschieden. Da ist zunächst einmal die kleine Gruppe der echten Heimarbeiter (Fachleute für Telekommunikation oder Informatik, freiberuflich tätige Journalisten oder Übersetzer). Zahlreicher sind die Nomaden - Ingenieure, Handelsvertreter, Wartungstechniker -, die einen Großteil ihrer Aktivität in engem Kontakt mit den Kunden ausüben und tragbare Computer, groupware(2), Handies usw. benutzen, um mit ihrem Unternehmen in Verbindung zu bleiben, und alle Fragen, die vor Ort auftreten, in Echtzeit bearbeiten. Und schließlich sind da noch diejenigen, die in Telezentren - von den Unternehmen unabhängige Einrichtungen - und Tele-Cottages anzutreffen sind, in denen Telearbeitern unterschiedlichster Art Räume mit leistungsfähigen Geräten zur Verfügung gestellt werden. Gewohnheiten verändern ·Das weitverbreitete, aber sehr einseitige Bild der Heimarbeit lockt die Europäer kaum", meint Horace Mitchell, Leiter von European Telework Development (3), der die europäische Situation anläßlich der IST 98 darlegen wird. ·Viele Leute brauchen den sozialen Kontakt, den die Nähe zu anderen Arbeitnehmern ihnen bietet, und auch die Disziplin, die mit einem formelleren Arbeitsumfeld einhergeht. Darüber hinaus sind die meisten Privatwohnungen zu klein für die Aktivitäten von zwei Telearbeitern, und in den meisten Fällen wohnt man in der Nähe seines Arbeitsplatzes, so daß die Einsparungen in bezug auf Hin- und Rückfahrt nicht sonderlich ins Gewicht fallen." Nicht zuletzt kann auch der fehlende Kontakt mit dem Unternehmen als karriereschädigendes Risiko empfunden werden. Zahlreiche Unternehmensleiter haben ebenfalls ihre Probleme mit Telearbeit, obwohl diese natürlich anders geartet sind. Sie befürchten z. B., daß die Kontrolle über ihre Arbeitnehmer erschwert wird und Organisationsprobleme entstehen. ·Eine vernünftige Kombination der verschiedenen Arten von Telearbeit kann sowohl den Arbeitgebern und Arbeitnehmern als auch der Wirtschaft erhebliche Vorteile bringen", meint dazu Horace Mitchell. ·Unternehmen, die Telearbeit einsetzen, sprechen von Einsparungen bis zu 50% - insbesondere durch die Reduzierung ihrer Kosten für Räume und Ausrüstungen - und von knapp 40%igen Produktivitätssteigerungen." Und dadurch, daß der Faktor Entfernung wegfällt, erweitert sich der Arbeitsmarkt ganz erheblich und bietet Menschen, die nicht unbedingt in der Nähe von Industriegebieten leben, neue Beschäftigungsmöglichkeiten. Europäische Forschung Allerdings läßt sich Telearbeit nicht improvisieren. Im Rahmen des Gemeinschaftsprogramms ACTS (Advanced Communication Technologies and Services) sind verschiedene Technologien und Organisationsmodelle untersucht worden. Das Projekt TECODIS zum Beispiel demonstriert in der Praxis Möglichkeiten für Telearbeit; dabei geht es um die gemeinsame Entwicklung von Softwaresystemen zwischen Ingenieuren der schwedischen Firma Ericsson, die in den Niederlassungen in Aachen, Stockholm und Madrid arbeiten und durch fortgeschrittene Kommunikationssysteme (ATM, RNIS, GSM) und Telematik-Tools miteinander verbunden sind. Auch im Hinblick auf den Einsatz von Multimedia-Videokonferenzsystemen, die sowohl auf den lokalen Netzwerken der Unternehmen als auch auf den öffentlichen Netzen funktionieren, sind bedeutende Fortschritte erzielt worden - nun können Millionen europäischer KMU diese Technologie ohne weiteres nutzen. Das Projekt DIVINE, das von Alcaltel (F), der Universität Nizza, IPK Berlin und Ford Köln gestartet wurde und viele europäische Partner einbezieht, hat beispielsweise demonstrieren können, daß es möglich ist, auf der Basis von einfachen und preiswerten Multimedien-PCs ein interpersonelles Videokonferenzsystem einzusetzen. Schnittstellen-Initiativen Für die Koordination all dieser Aktivitäten sorgt ACTS' Telework Concertation Chain (GAT). Dieses Forum, das als Schnittstelle zwischen den verschiedenen Forschungsprojekten dient, hat erlaubt, in bezug auf verschiedene Aspekte der Telearbeit - Interoperabilität der Dienste, Arbeit auf mehreren Sites, Einsatz im Seeverkehr... - eine Reihe von Leitlinien für Behörden, Unternehmen und Entwickler festzulegen. Letzten Mai hat es rund dreißig ACTS-Projekte bestimmt, die dazu beitragen, die Telekommunikationskosten zu senken, die Kapazität und Interoperabilität der Netzwerke zu steigern, ihre Anwendung zu vereinfachen und die Multisite-Teamarbeit einzuführen (4). Auch die sozialen und industriellen Aspekte der Telearbeit werden von den Forschern nicht vernachlässigt. So versucht das Projekt DIPLOMAT, einen Konsens über die ·neuen, gesellschaftlich attraktiven und wirtschaftlich effizienten Arbeitsformen" zu erreichen und künftigen europäischen Richtlinien in diesem Bereich den Weg zu bereiten. Unter diesem Gesichtspunkt hat DIPLOMAT eine europäische Charta für Telearbeit formuliert, die von Unternehmern, Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften, Experten und Politikern unterzeichnet werden soll. (1) Nach den Zahlen, die von der Europäischen Beobachtungsstelle für Informationstechnologien veröffentlicht wurden - EITO 1998 Report. Dieses Dokument ist bei der EITO erhältlich: http://www.eto.org.uk/eito/ (2) Softwareprogrammgruppen (verschiedene, miteinander kompatible und integrierte Anwendungssoftwareprogramme), die den Austausch von Daten und die Zusammenarbeit innerhalb einer Arbeitsgruppe auf einem Netzwerk ermöglichen und normalerweise einen elektronischen Nachrichtendienst, ein Dokumentenverwaltungssystem und einen Programmierer umfassen. (3) ETD ist eine europäische Initiative, die die einschlägigen Kreise für Telearbeit sensibilisieren soll und im Rahmen des Programms ACTS von der Europäischen Kommission gefördert wird. (4) GAT Survey of ACTS Projects (1998) (http://www.eto.org.uk/gat/actsurv.htm) Kontakt IST 98
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