Beschäftigung, Soziales und Integration

Länderprofile - Dänemark: Maßnahmen und Fortschritte bezüglich Investitionen in Kinder

Proaktive Maßnahmen zur Unterstützung gefährdeter Kinder und ihrer Familien

Der dänische Wohlfahrtsstaat versucht die Chancengleichheit für alle Bürger durch eine Reihe von Dienstleistungen und Zuschüssen zu erreichen. Die dänische Familienpolitik setzt auf das Prinzip der „Doppelverdiener-Familie“ und unterstützt damit die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Neben Investitionen in Universaldienstleistungen und -zuschüsse zielen die meisten Sektoren auf die Förderung gezielter Maßnahmen ab, um angemessene Lebensbedingungen für alle zu gewährleisten, z. B. anhand von Sozialwohnungen, Gleichstellung in der Gesundheitspolitik, Missbrauchsverhütung etc.

Gewährung von Sozialleistungen und einem flexiblen Elternzeitsystem

Das dänische Elternzeitsystem zählt zu den am großzügigsten bemessenen und flexibelsten in der EU. Mütter haben Anspruch auf 4 Wochen Mutterschaftsurlaub vor dem voraussichtlichen Geburtstermin und 14 Wochen Mutterschaftsurlaub nach der Geburt. Väter haben Anspruch auf 2 Wochen Vaterschaftsurlaub innerhalb der ersten 14 Wochen nach der Geburt, bei arbeitslosen Vätern innerhalb der ersten 2 Wochen nach der Geburt. Darüber hinaus hat jeder Elternteil Anspruch auf 32 Wochen Elternzeit.

Eltern können vom Staat pro Kind maximal 52 Wochen lang Mutterschaftsgeld erhalten, wenn sie die im Mutterschutzgesetz festgelegten Beschäftigungskriterien erfüllen. Von den 52 Wochen Mutterschaftsgeld sind 32 Wochen für den Elternurlaub reserviert und diese werden zwischen den Eltern aufgeteilt. Die Gesamtzahl der für die Elternzeit vorgesehenen Wochen übersteigt die Anzahl der Wochen, in denen Elterngeld gezahlt wird. Das bedeutet, dass Eltern ihre Elternzeit über die 32-wöchige Bezugsdauer hinaus fortsetzen können, wenn sie dies wünschen.

Im Jahr 2018 beträgt die Höhe des Mutterschaftsgeldes 4.300 DKK pro Woche (578 €). Das Mutterschaftsgeld für die insgesamt 52 Wochen beläuft sich auf 223.600 DKK (30.068 €). Die Leistung wird auf der Grundlage des Stundenlohns und der Anzahl der Arbeitsstunden in den drei Monaten vor der Elternzeit berechnet, darf jedoch den Höchstbetrag von 223.600 DKK nicht überschreiten. Arbeitslose Eltern beziehen weiterhin ihre Sozialleistungen, die unter Umständen niedriger sind als das Mutterschaftsgeld.

Die Arbeitnehmer haben gegebenenfalls auch das Recht, während der gesamten oder eines Teils ihrer Elternzeit Zahlungen von den Arbeitgebern zu beziehen. Dies wird durch Tarifverträge, Einzelverträge oder Betriebsvereinbarungen festgelegt. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil des dänischen Arbeitsmarktmodells. Wenn die Arbeitnehmer Zahlungen erhalten, erhält der Arbeitgeber das Elterngeld als Rückerstattung, wodurch sich die Kosten für die Elternzeit verringern.

Arbeitnehmer sind durch eine Beweislastumkehr gegen Entlassung während des Mutterschafts- oder Vaterschaftsurlaubs oder der Elternzeit geschützt. Das bedeutet, dass eine Kündigung während der Elternzeit als rechtswidrig gilt, es sei denn, der Arbeitgeber kann nachweisen, dass die Kündigung nicht mit dieser zusammenhängt. Der gleiche Schutz gilt für Arbeitnehmer, die angekündigt haben, von ihrem Recht auf Mutterschafts- oder Vaterschaftsurlaub oder Elternzeit Gebrauch zu machen, dieses aber noch nicht in Anspruch genommen haben.

Dänemark gibt einen großen Teil seines BIP für Sozialschutzleistungen für Kinder und Familien aus (3,5 % im Jahr 2015) – Das ist der höchste Betrag, den ein EU-Mitgliedstaat für die Unterstützung von Familien ausgibt. Die Investitionen in Kinder und Familien haben einen der niedrigsten Prozentsätze von Kindern zur Folge, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind (13,8 % in Dänemark im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 26,4 % im Jahr 2016).

Die Geldleistungen umfassen das Kindergeld, das für jedes Kind unter 18 Jahren gezahlt wird. Das Kindergeld sinkt, wenn das Einkommen der Eltern 765.800 DKK (102.868 €) (2018) übersteigt. Die Leistungen reichen von 1.502 DKK (198 €) pro Monat für Kinder unter 3 Jahren bis 936 DKK (123 €) für Kinder im Alter von 7-17 Jahren. Bei Mehrlingsgeburten beträgt die Zusatzleistung pro Quartal bis zum 7. Geburtstag des Kindes 2.284 DKK (296 €) pro Kind (das erste Kind ausgenommen). Zusätzlich kann das reguläre Kindergeld an Alleinerziehende gezahlt werden. Das reguläre Kindergeld beträgt 1.385 DKK (186 €) pro Quartal für jedes Kind. Als Ergänzung zum normalen Kindergeld erhalten alleinerziehende Eltern, deren Kind bei ihnen lebt, ein zusätzliches Kindergeld. Nur ein zusätzliches Kindergeld wird unabhängig von der Anzahl der Kinder gezahlt und beträgt 1.412 DKK (190 €) pro Quartal (2017).

Bei einigen Adoptionsarten kommt auch eine einmalige Geldleistung in Höhe von 52.615 DKK (7.068 €) (2017) in Betracht. Und ein alleinerziehender adoptierender Elternteil erhält eine Sonderleistung von 3.999 DDK (537 €) pro Quartal (2017), bis das Kind 18 Jahre alt ist.

Verfügbare und erschwingliche frühkindliche Erziehung und Bildung für alle Kinder

Dänemarks Investitionen in das Bildungssystem zählen zu den höchsten in der EU. Ein Großteil dieser Investitionen fließt in den Bereich der frühkindlichen Erziehung und Bildung (early childhood education and care, ECEC) und in das öffentliche Primar- und Sekundarschulwesen („Folkeskolen“).

Das dänische System für frühkindlichen Erziehung und Bildung ist leicht zugänglich und wird von dänischen Eltern sehr häufig in Anspruch genommen. Jeweils 77,3 % der Kinder im Alter von 0-3 Jahren (7,7 % 1-29 Stunden pro Woche, 69,6 % 30+ Stunden pro Woche) und 97,2 % der Kinder im Alter von 3-5 Jahren (9,2 % 1-29 Stunden pro Woche, 88,0 % 30+ Stunden pro Woche) nehmen Einrichtungen für frühkindliche Erziehung und Bildung in Dänemark in Anspruch. Die Zugänglichkeit wird durch die garantierte Verfügbarkeit von Kindertagesstätten nach dem Tagesbetreuungsgesetz sichergestellt, was die Gemeinden verpflichtet, allen Kindern ab 26 Wochen bis zum schulpflichtigen Alter einen Vollzeitplatz in der Tagesbetreuung anzubieten.

Die von den Eltern zu leistenden Zahlungen werden von den Gemeinden niedrig gehalten und dürfen 25 % der durchschnittlichen Bruttobetriebskosten für die jeweilige Betreuungsform in der Gemeinde nicht übersteigen. Um eine noch bessere Zugänglichkeit für benachteiligte Kinder zu gewährleisten, können Eltern mit einem Einkommen unter einer bestimmten Grenze zusätzlich zum allgemeinen Zuschuss für einen Platz in einer Kindertagesstätte von der Kommune eine Ermäßigung auf die Zahlung erhalten, um ihre eigenen Ausgaben zu kürzen. Eltern können eine Zahlungsermäßigung von bis zu 100 % der Kosten erhalten und müssen in diesem Fall gar keine Zahlung leisten. Ein wesentliches Ziel des dänischen Bereiches der frühkindlichen Erziehung und Bildung ist es, zusätzliche, qualitativ hochwertige Lern- und Betreuungsumgebungen für alle Kinder zu schaffen, was besonders für Kinder aus benachteiligten Verhältnissen vorteilhaft ist.

Im Alter von 3 Jahren werden die sprachlichen Fähigkeiten aller Kinder beurteilt. Um die pädagogischen Maßnahmen frühzeitig zu fördern, können die Gemeinden nun die sprachliche Beurteilung beschleunigen, wenn die Kinder 2 Jahre alt sind. Die Gemeinden sind verpflichtet, die notwendigen sprachstimulierenden Maßnahmen bereitzustellen, falls die vorhandenen Maßnahmen nicht altersgerecht sind. Eltern riskieren den Verlust des normalen Kindergeldes, wenn sie sich mit der Sprachausbildung nicht einverstanden erklären.

Die Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit der Einrichtungen im Bereich der frühkindlichen Erziehung und Bildung ermöglicht es den Eltern, auf dem Arbeitsmarkt aktiv zu sein. 2016 waren 92,9 % der Väter und 79,3 % der Mütter von Kindern unter 6 Jahren erwerbstätig (im Vergleich zu 88,2 % bzw. 61,4 % im EU-Durchschnitt).

Aufgrund eines politischen Abkommens hat die dänische Regierung 24 verschiedene Maßnahmen vorgestellt, die in drei Themenbereiche gegliedert sind: 1) Erhöhung der Flexibilität und Wahlfreiheit für Familien, 2) Optimierung der Bildungsmöglichkeiten und des Wohlbefindens für alle Kinder sowie ein von Zusammenhalt geprägtes Kinderleben und 3) Schwerpunktliche Ausrichtung auf die hohe Qualität der frühkindlichen Erziehung und Bildung durch Professionalität und Führung. Im Laufe des Jahres 2018 wird ein Gesetzgebungsverfahren stattfinden.

Mit Beginn des Schuljahres 2014 trat eine Reform zur Verbesserung der Standards im öffentlichen Grund- und Hauptschulwesen in Kraft. Sie verfolgt drei Hauptziele: 1) Das öffentliche Schulsystem muss alle Schüler dazu bringen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen, 2) Das öffentliche Schulsystem muss erreichen, dass der soziale Hintergrund für die schulischen Leistungen weniger wichtig wird, und 3) Das Vertrauen in die Schule und das Wohlergehen der Schüler muss durch die Achtung des beruflichen Wissens und der Berufspraxis gestärkt werden.

Folglich zeichnet sich die Folkeskole durch längere und abwechslungsreichere Schultage, mehr Unterrichtsstunden und eine bessere Qualität des Unterrichts in Fächern wie Dänisch und Mathematik, unterstütztes Lernen, Kompetenzentwicklung von Lehrern und Schulleitern, Wissens- und Kapazitätsaufbau, Zielsetzung und Fortschrittskontrolle aus.

In Dänemark sind die Gemeinden gemäß des dänischen Gesetzes über Sozialdienstleistungen für die Unterstützung zuständig. Dazu gehören frühzeitige Präventionsmaßnahmen und eine Sonderförderung für Kinder, Jugendliche und bedürftige Familien. Die Sonderförderung umfasst unter anderem praktische, pädagogische oder sonstige häusliche Unterstützung, Familientherapie oder eine gezielte Behandlung der Probleme des Kindes oder Jugendlichen oder die Unterbringung des Kindes oder Jugendlichen in einer außerhäuslichen Betreuung, z. B. in einer Pflegefamilie. Um Kindern, die in alternative Betreuungsangebote aufgenommen werden, eine bessere Qualität zu bieten, hat das dänische Parlament kürzlich unter anderem beschlossen, die Betreuung und Schulung von Pflegefamilien zu verbessern.

In den letzten Jahren hat das dänische Parlament beträchtliche Mittel bereitgestellt, um eine frühzeitige und präventive Unterstützung für gefährdete und benachteiligte Kinder und Jugendliche zu gewährleisten. Dazu gehört der Ausbau des pädagogischen und psychologischen Beratungsangebots der Kommunen und die Unterstützung der Kommunen bei der Neuausrichtung ihrer Aktivitäten auf eine frühere und effektivere Unterstützung (siehe Textfeld unten).

Angebot von Freizeitaktivitäten für sozial schutzbedürftige Kinder

Mehrere Gemeinden bieten benachteiligten Kindern und Jugendlichen eine „Aktivitäten-Greencard“ an, um ihnen die Teilnahme an verschiedenen Freizeitbeschäftigungen wie Sport, Musikunterricht und Pfadfinderverbänden zu ermöglichen.

Fazit/Ausblick

Dänemark ist eine Gesellschaft, in der betont wird, dass alle Menschen gleiche Chancen haben müssen. Dennoch werden soziale, wirtschaftliche und gesundheitsbezogene Herausforderungen immer noch von Generation zu Generation weitergegeben, und die Ungleichheit unter den Kindern nimmt zu. Maßnahmen zur Verhinderung generationenübergreifender, sich immer wiederholender Armutsprobleme und Probleme sozialer Ausgrenzung sind daher ein wichtiger Schritt, um eine positive Veränderung für Kinder und Jugendliche in Dänemark herbeizuführen.

 

Frühzeitige präventive Unterstützung für benachteiligte Kinder und Jugendliche

Das Präventionspaket: „Frühförderung – Lebenslange Wirkung“ wurde vom dänischen Parlament verabschiedet, um eine frühzeitige und präventive Unterstützung für benachteiligte Kinder und Jugendliche zu gewährleisten. Das Paket bestand aus den folgenden Maßnahmen:

  • Partnerschaft zwischen den Gemeinden und dem Nationalen Ausschuss für Soziale Dienste zur Erneuerung und Umstrukturierung der Kinder- und Jugendförderung.
  • Stärkung der Elternkompetenz durch präventive, familienorientierte Maßnahmen.
  • Strategische Partnerschaften zwischen Gemeinden und Freiwilligenorganisationen zur Prävention in Bezug auf benachteiligte Kinder und Jugendliche.
  • Optimierung der Frühförderung benachteiligter Kinder in der Tagesbetreuung.
  • Ausweitung des Einsatzes von Freizeitaktivitäten durch die Kommunen als Präventivmaßnahme für benachteiligte Kinder und Jugendliche.

Zusätzliche Maßnahmen („Das Ziel einer früheren und wirksameren Förderung im Blick“) wurden angenommen, um das Paket weiterzuverfolgen und die frühzeitige präventive Unterstützung der Gemeinden noch leichter zu machen.

Die dänische Regierung hat zusammen mit den politischen Parteien, die hinter dem Kostenanpassungspool (ein nationaler Sozialfonds, der auf Dänisch als „Satspuljen" bezeichnet wird) stehen, für 2018-2021 fast 300 Mio. DKK (40 Mio. €) bereitgestellt, um ein frühzeitiges, präventives und wirksameres psychiatrisches Angebot für Kinder und Jugendliche zu fördern.

Dies umfasst eine Reihe von Maßnahmen, die sich unter anderem auf Kinder und Jugendliche konzentrieren:

  • Verbesserte frühzeitige Interventionen bei Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen
  • Maßnahmen zum Abbau von Stress im Alltag von Kindern und Jugendlichen
  • Pilotprojekt mit kostenloser psychologischer Betreuung von Jugendlichen mit Depressionen und Angstzuständen (18-20 Jahre).
  • Optimierte Unterstützungsmaßnahmen bei Essstörungen und Selbstverletzung (beziehen sich auf Kinder, Jugendliche und Erwachsene, wobei die Hauptzielgruppe die Jugendlichen sind).

Die Information im Länderprofil wurde zuletzt im Februar 2018 aktualisiert.

 

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