Beschäftigung, Soziales und Integration

Länderprofile - Belgien: Maßnahmen und Fortschritte bezüglich Investitionen in Kinder

Führend in der Vorschulerziehung

In Belgien gibt es einen hohen Prozentsatz von Kindern, die vor Beginn der Pflichtschulzeit in offiziellen Kinderbetreuungseinrichtungen betreut werden, sowie einen geringeren Prozentsatz von Kindern unter 18 Jahren, die im Vergleich zum EU-Durchschnitt von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht sind. Die Erwerbstätigenquote der Frauen in Belgien (58,1 %) lag 2016 etwas unter dem EU-Durchschnitt (61,4 %), wie auch die Erwerbstätigenquote der Männer (66,5 % ggü. 71,9 %). Obwohl Belgien eine führende Position in Bezug auf die Bereitstellung von Kinderbetreuungseinrichtungen und deren Inanspruchnahme einnimmt, sind die Kinderbetreuungseinrichtungen für 0-3-Jährige immer noch nicht dazu in der Lage, der Nachfrage gerecht zu werden. Durch die kurze Dauer des Elternurlaubs erhöht sich die Nachfrage nach Kinderbetreuungsplätzen. 

Notwendigkeit, Initiativen zur Unterstützung der Erwerbsbeteiligung von Eltern weiter zu priorisieren

Im Jahr 2016 lag die Erwerbstätigenquote von Müttern mit einem Kind unter 6 Jahren bei 67,6 % und damit leicht über dem EU-Durchschnitt von 61,4 %. Hingegen lag die Erwerbstätigenquote der Väter mit einem Kind unter 6 Jahren leicht unter dem EU-Durchschnitt (85,8 % gegenüber 88,2 %). Dies ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Beschäftigungsquoten sowohl bei Männern als auch bei Frauen in Belgien etwas niedriger sind.

Im Jahr 2016 arbeiteten 42,1 % der Frauen im Alter von 15-64 Jahren in Teilzeit, das ist mehr als der EU-Durchschnitt von 31,9 %. Demgegenüber arbeiteten in Belgien nur 9,5 % der Männer in Teilzeit, im Gegensatz zu 8,8 % auf EU-Ebene. Das geschlechtsspezifische Lohngefälle hat sich in den letzten zehn Jahren kontinuierlich verringert. Im Jahr 2015 betrug das Gefälle 6,5 % (gegenüber dem EU-Durchschnitt von 16,3 %). Der bezahlte Mutterschaftsurlaub beträgt 15 Wochen und der Vaterschaftsurlaub 10 Tage. In diesem Sinne ist Belgien eines der EU-Länder mit dem kürzesten Mutterschafts-/Elternurlaub bei Geburt eines Kindes.

Angesichts der hohen Zahl von Haushalten mit (sehr) geringer Arbeitsintensität in Belgien sollten Initiativen zur Förderung der Beteiligung der Eltern am Arbeitsmarkt stärker priorisiert werden.

Im Hinblick auf die Gewährleistung eines angemessenen Lebensstandards ist die Übertragung der Kindergeldzahlungen auf verschiedene Regionen bemerkenswert. Sowohl die flämische als auch die wallonische Regierung einigten sich auf eine Pauschale für das Kindergeld, die soziale Anpassungen für Haushalte mit niedrigem Einkommen beinhaltet. Ab 2019 erhalten Eltern von Neugeborenen eine Geburtsprämie von 1.100 € und eine monatliche Beihilfe von 155-165 €. Darüber hinaus erhalten Familien mit Kindern mit einem Einkommen von weniger als 30.000 € vor Abzug der Steuern (60.000 € bei drei Kindern) in Flandern Sozialzuschläge.​

Was die Sozialschutzleistungen betrifft, so wurden 2014 nur 2,2 % des BIP für Familienleistungen ausgegeben, wohingegen der EU-Durchschnitt bei 2,4 % lag. Hinsichtlich der Höhe der Leistungen je Einwohner überträgt Belgien jedoch 716 Kaufkraftstandards (KKS), wohingegen der EU-Durchschnitt 650 KKS beträgt.

Hohe Quoten bezüglich der Inanspruchnahme von Bildungs- und Betreuungsangeboten für Kinder im Vorschulalter 

In Belgien gibt es einen sehr hohen Prozentsatz von Kindern, die sich vor Beginn der Pflichtschulzeit in Einrichtungen für die frühkindliche Bildung und Erziehung befinden. Insgesamt besuchten im Jahr 2015 50,1 % der 0-3-Jährigen eine offizielle Kinderbetreuungseinrichtung, wohingegen der entsprechende Anteil auf EU-Ebene nur 30,3 % betrug. Im Hinblick auf 3-6-Jährige, die eine beliebige Anzahl von Stunden in der Vorschule verbringen, liegt die Quote in Belgien bei 98,8 % gegenüber 83,3 % in der EU. Eine detailliertere Aufschlüsselung ergibt folgendes Bild: Der Anteil der jüngeren Kinder (0-3-Jährige), die bis zu 29 Stunden pro Woche eine offizielle Kinderbetreuungseinrichtung besuchen, beträgt 23,3 % (gegenüber dem EU-Durchschnitt von 14,7 %), wohingegen 26,8 % mehr als 30 Stunden pro Woche eine solche Einrichtung besuchen (im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 15,6 %). Von den 3-6-Jährigen besuchen 21,7 % die Vorschule weniger als 29 Stunden pro Woche (verglichen mit dem EU-Durchschnitt von 33,9 %), 77,1 % besuchen die Einrichtungen für die frühkindliche Bildung und Erziehung jedoch mehr als 30 Stunden pro Woche (der EU-Durchschnitt hingegen beträgt nur 49,4 %). Belgien behauptet seine Position als führendes Land im Bereich der Vorschulerziehung und der Einschulung und weist eine verbesserte Erfolgsbilanz bei der Tagespflege für jüngere Kinder auf. Wartelisten stellen jedoch nach wie vor ein großes Hindernis bezüglich der Zugänglichkeit dar. Darüber hinaus sind sozioökonomisch benachteiligte und zugewanderte Kinder in der Kinderbetreuung und in geringerem Maße auch im Vorschulbereich stark unterrepräsentiert. Anbieter und Einrichtungen für die frühkindliche Bildung und Erziehung sollten diese Gruppen aktiver ansprechen und sie bevorzugt behandeln.

Der Mangel an Sozialwohnungen stellt eine weitere Herausforderung für Belgien dar. Die drei Regionen haben sich Ziele für verstärkte Investitionen in den sozialen Wohnungsbau gesetzt, aber das Niveau bleibt im Vergleich zum aktuellen Bedarf niedrig. 

Unterstützung bedürftiger Familien bei der Finanzierung ihrer Freizeitaktivitäten

Insgesamt wurde den Kinderrechten in Belgien relativ wenig Beachtung geschenkt.

Durch finanzielle Schwierigkeiten werden die Freizeitmöglichkeiten für Familien in Armut stark eingeschränkt. Wichtige Arbeit leistet in diesem Zusammenhang das Steunpunt Vakantieparticipatie, ein Programm, das von flämischen und Brüsseler Tourismusagenturen durchgeführt wird und Familien bei der Organisation von Ausflügen unterstützt. Das Programm richtet sich an Personen und Familien in Armut, die aus unterschiedlichen Gründen nicht in der Lage sind, Urlaub zu machen. 

Fazit/Ausblick 

Trotz der unbestreitbaren Zunahme des Bewusstseins und des Engagements für das Thema Kinderarmut gibt es mehrere Probleme, die besonders prioritär behandelt werden sollten.

Verstärkte Investitionen in Sozialwohnungen sind notwendig, um die Häufigkeit der Obdachlosigkeit von Kindern zu verringern und die Qualität der Unterbringung von Kindern zu optimieren.

Die sozialen und ethnischen Ungleichheiten im Bildungsbereich sind in Belgien nach wie vor sehr ausgeprägt. Außerdem sind sozioökonomisch benachteiligte und zugewanderte Kinder in der Kinderbetreuung und in geringerem Maße auch in der Vorschule stark unterrepräsentiert. Anbieter und Einrichtungen für die frühkindliche Bildung und Erziehung sollten diese Gruppen aktiver ansprechen und sie bevorzugt behandeln. 

Die Information im Länderprofil wurde zuletzt im November 2017 aktualisiert.

Bildungsprogramme, durch die der Kontakt zu Fachkräften hergestellt wird, damit potenzielle Karrierepfade aufgezeigt werden können

In der Region Brüssel-Hauptstadt bietet die zweisprachige (niederländisch-französische) gemeinnützige Organisation Toekomst Atelier/Atelier d'Avenir (TADA) eine ergänzende, freiwillige, motivierende und gesellschaftlich orientierte Bildungsmaßnahme für Kinder im Alter von 10-14 Jahren, die aus den sozial und wirtschaftlich am stärksten benachteiligten Stadtteilen Brüssels stammen. Im Laufe von drei Schuljahren entdecken die TADA-Schüler in wöchentlichen experimentellen Unterrichtsstunden verschiedene Aspekte der Gesellschaft. Kinder aus benachteiligten Verhältnissen haben in der Regel kaum Gelegenheit, Menschen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen zu treffen. Die Unterrichtsstunden für die TADA-Schüler werden jedoch von inspirierenden Fachkräften aus allen Bereichen des Arbeitsmarktes gehalten.

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