Beschäftigung, Soziales und Integration

Weiterbildungspfade - neue Chancen für Erwachsene

Beinahe jeder fünfte Erwachsene in Europa hat Probleme

  • beim Lesen und Schreiben,
  • beim Rechnen,
  • bei der Verwendung digitaler Technik im Alltag.

Ungefähr ebenso viele Erwachsene (etwa 22 %) haben höchstens einen Schulabschluss der Sekundarstufe I.

Ohne diese Grundkompetenzen und aufgrund ihrer geringen Qualifikation sind diese Menschen stärker von Arbeitslosigkeit, Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht.

Deswegen hat der Europäische Rat 2016 die Empfehlung für Weiterbildungspfade angenommen.

Die Weiterbildungspfade sollen Erwachsene dabei unterstützen, ein Mindestniveau an Lese-, Schreib-, Rechen- und digitalen Kompetenzen und/oder ein breiteres Spektrum von Kenntnissen und Fertigkeiten zu erwerben, indem sie eine Qualifikation der Sekundarstufe II (entspricht je nach nationalen Gegebenheiten dem Niveau 3 oder 4 des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) anstreben.

Auf der Grundlage der von den Mitgliedstaaten übermittelten Informationen veröffentlichte die Kommission im Februar 2019 einen Fortschrittsbericht mit einer Bestandsaufnahme der Umsetzungspläne.

Zielgruppe

Die Weiterbildungspfade richten sich an Erwachsene mit einem niedrigen Kompetenzniveau, beispielsweise an Personen ohne Abschluss der Sekundarstufe II, die nicht im Rahmen der Jugendgarantie gefördert werden können.

Sie können berufstätig, arbeitslos oder nicht erwerbstätig sein; wesentlich ist, dass die Notwendigkeit zur Verbesserung der Grundfertigkeiten besteht. Je nach den nationalen Gegebenheiten können die EU-Länder vorrangige Zielgruppen für diese Initiative festlegen.

Unterstützung von Betroffenen

Um Erwachsenen mit einem niedrigen Kompetenzniveau den Zugang zu hochwertigen Lernangeboten und deren Inanspruchnahme zu ermöglichen, sollte das Konzept der Weiterbildungspfade drei zentrale Schritte umfassen:

  • Schritt 1: Bewertung der Kompetenzen

Die Erwachsenen sollen die Möglichkeit erhalten, festzustellen, über welche Kompetenzen sie verfügen und in welchen Bereichen es Verbesserungsbedarf gibt. Dies kann beispielswiese in Form einer „Kompetenzbewertung“ (skills audit) erfolgen. Sie gibt Auskunft darüber, auf welchen vorhandenen Kompetenzen ein maßgeschneidertes Lernangebot für eine bestimmte Person aufbauen könnte.

  • Schritt 2: Lernangebot

Der bzw. die Betroffene erhält ein Bildungs- bzw. Berufsbildungsangebot, das dem in der Kompetenzbewertung ermittelten Bedarf entspricht. Das Angebot sollte auf die Verbesserung der Lese-, Schreib-, Rechen- oder digitalen Kompetenzen abzielen und/oder es ermöglichen, höhere Qualifikationen zu erwerben, die den Erfordernissen des Arbeitsmarktes entsprechen.

  • Schritt 3 – Validierung und Anerkennung

Der bzw. die Betroffene erhält die Möglichkeit, die erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen validieren und anerkennen zu lassen.  

Wie funktioniert das in der Praxis?

Für die Umsetzung werden bestehende Strukturen genutzt, weshalb die Abläufe in den verschiedenen EU-Ländern unterschiedlich sind. Viele Länder verfügen bereits über Angebote, die Elemente der Weiterbildungspfade umfassen und auf denen sie bei der Umsetzung dieser neuen Initiative aufbauen können. Dabei arbeiten sie mit den Sozialpartnern, Bildungs- und Berufsbildungsanbietern, lokalen und regionalen Behörden usw. zusammen.

Wesentliche Stützpfeiler bei der Umsetzung der Initiative sind

  • eine wirksame Sensibilisierung der Zielgruppe für das Angebot,
  • die Formulierung von Leitlinien,
  • Unterstützungsmaßnahmen.

Unterstützung der EU für die Mitgliedstaaten

Voneinander lernen

Bei den Voneinander-Lernen-Workshops handelt es sich um Veranstaltungen zum Kapazitätsaufbau, die aus dem EaSI-Programm finanziert werden, um die Mitgliedstaaten bei der Umsetzung der Empfehlung für Weiterbildungspfade zu unterstützen, indem sie nationale Netzwerke aufbauen:

  • 2017/2018 nahmen Bulgarien, Kroatien, Griechenland, Italien, Polen, Rumänien und Spanien teil.
  • 2018/2019 nahmen Belgien (französischsprachige Gemeinschaft und Flandern), die Tschechische Republik, Finnland, die Niederlande, Portugal und die Slowakei teil.

Den Vorsitz der Delegationen führten Vertreter der Bildungs- und/oder Arbeitsministerien; vertreten waren außerdem Schlüsselakteure wie Anbieter von Erwachsenenbildung, öffentliche Arbeitsverwaltungen, Sozialpartner und die Verwaltungsbehörden des Europäischen Sozialfonds. Unterstützt wurden sie von einem unabhängigen Länderexperten.

Umsetzung der Weiterbildungspfade – Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen im Rahmen des EaSI

Die Europäische Kommission hat außerdem im Rahmen des EaSI-Programms gezielte Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen veröffentlicht. Die ausgewählten Projekte sind im Abschnitt Finanzhilfen der Website aufgeführt.

Programm zur Unterstützung von Strukturreformen (SRSP)

Im Zuge der Umsetzung der Weiterbildungspfade können die Mitgliedstaaten auch Strukturreformprojekte im Rahmen des Programms zur Unterstützung von Strukturreformen einreichen, das vom Generalsekretariat der Europäischen Kommission verwaltet wird.

Außerdem fördert die EU die Umsetzung der Weiterbildungspfade durch

Zwischen 2014 und 2020 sollen im Rahmen des ESF 27 Mrd. EUR in die allgemeine und berufliche Bildung sowie das lebenslange Lernen investiert werden; darüber hinaus stehen weitere 21,2 Mrd. EUR für die soziale Inklusion und 30,8 Mrd. EUR für nachhaltige und hochwertige Beschäftigung zur Verfügung.

Mit den Mitteln des ESF zur Finanzierung der allgemeinen und beruflichen Bildung wollten die Mitgliedstaaten rund 8 Millionen gering qualifizierte Personen erreichen.

Europäische Säule sozialer Rechte

Die Initiative der Weiterbildungspfade ist ein wichtiger Baustein der europäischen Säule sozialer Rechte zur Förderung

  • des gleichen Rechts auf allgemeine und berufliche Bildung und lebenslanges Lernen von hoher Qualität und in inklusiver Form sowie
  • als Beitrag zu fairen und gut funktionierenden Arbeitsmärkten und Sozialsystemen.

Kompetenzagenda

Die Erwachsenenbildung und die Berufsbildung sind wichtige Komponenten der langfristigen Strategie der Kommission.

Die Empfehlung für Weiterbildungspfade ist der zentrale Legislativvorschlag der europäischen Agenda für Kompetenzen, die am 10. Juni 2016 angenommen wurde.

Zusammenwachsen

Die elektronische Plattform für Erwachsenenbildung in Europa (EPALE) ist eine mehrsprachige Plattform für Fachkräfte der Erwachsenenbildung in Europa.

EPALE bietet nicht nur eine Fülle von Informationen über bewährte Verfahren, sondern beherbergt auch praxisbezogene Gemeinschaften („Communities“): In gemeinsamen virtuellen Räumen finden sich Menschen aus dem Erwachsenenbildungssektor mit ähnlichen Interessen zusammen, um Erfahrungen, Meinungen und bewährte Verfahren auszutauschen.

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