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Der Keim einer Zukunft mit einer nachhaltigen biologischen Landwirtschaft

Die Landwirtschaft benötigt biologisches, qualitativ hochwertiges Saatgut, jedoch ist dies in Europa Mangelware. Das EU-finanzierte Projekt LIVESEED schaffte durch eine neue Qualitätsstrategie sowie eine EU-weite Datenbank und nachhaltige, an bestimmte Bedingungen angepasste Zuchtverfahren Abhilfe. Alle EU-Bürgerinnen und Bürger werden so von mehr biologischer Landwirtschaft profitieren.

© mizina #277827879, source: stock.adobe.com 2021

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Das 2017 ins Leben gerufene EU-finanzierte Projekt LIVESEED hatte zum Ziel, das Problem der Verfügbarkeit und Qualität des Saatguts aus zahlreichen Blickwinkeln anzugehen – von Aspekten des Marktes bis hin zu den entsprechenden Vorschriften.

„Wir wollten zum Beispiel ermitteln, wie transparent der Markt ist“, erklärt die Projektkoordinatorin Ágnes Bruszik von der europäischen Zentrale der internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen. „Wie ist die aktuelle Lage bezüglich des Angebots an und der Nachfrage nach biologischem Saatgut in der EU? Und welche Faktoren beeinflussen die Landwirtschaft in ihrer Entscheidung für oder gegen biologisches Saatgut?“

Das Projekt brachte Expertinnen und Experten aus 18 europäischen Ländern an einen Tisch und zielte außerdem darauf ab, die Funktionalität bestehender nationaler Datenbanken über die Verfügbarkeit biologischen Saatguts auszuloten und bewährte Verfahren aus der Politik der Mitgliedsländer und der EU als Ganzes zu bewerten. Die Landwirtschaft benötigt eine breite Auswahl an auf die lokalen Begebenheiten zugeschnittenen Saatgutarten. Daher war dem Projekt daran gelegen, Möglichkeiten unter die Lupe zu nehmen, wie die Verfügbarkeit biologischer Sorten mit spezifischen Eigenschaften, etwa einer höheren Stresstoleranz oder Widerstandskraft gegen Schädlinge und Krankheiten, ausgeweitet werden kann.

Maßnahmen zugunsten einer biologischen Landwirtschaft

Das ehrgeizige Projekt plante, seine Ziele durch eine Einteilung in über 60 Unteraufgaben zu erreichen. Dazu zählten, zum ersten Mal Daten über das Angebot an und die Nachfrage nach biologischem Saatgut in Europa zu erfassen und eine Router-Datenbank auf EU-Ebene aufzubauen. So können die Lieferantinnen und Lieferanten von Saatgut ihre Angebote mit nur einem einzigen Eintrag in andere nationale Datenbanken einspeisen. Für das Projekt wurden mehr als 800 Betreiberinnen und Betreiber biologischer Landwirtschaft zu zahlreichen Aspekten befragt, sodass LIVESEED die Wissensplattform über biologische Landwirtschaft erfolgreich um einen eigenen Abschnitt über Saatgut und Zuchtverfahren ergänzen konnte.

„Wir entwickeln darüber hinaus eine neue Strategie für die Gesundheit biologischen Saatguts sowie einen Fahrplan, der vorgibt, wie bis 2036 ausschließlich biologisches Saatgut verwendet werden kann“, so Bruszik. „Diese Strategie wird die Herstellungsbedingungen des Saatguts berücksichtigen und die Reife, das Mikrobiom und die Auswirkungen von sanitären Behandlungen biologischen Saatguts betrachten.“ Das Projektteam entwickelt zudem neue Versuchsmodelle für biologische Sorten, die direkt auf dem Bauernhof angewandt werden können und die Erprobungskapazitäten der Landwirtinnen und Landwirten selbst bei ihren eigenen lokalen Begebenheiten verbessern sollen.

Neben den neuen Zuchtmaterialien ist auch das sogenannte systembasierte Zuchtkonzept von LIVESEED ein weiterer innovativer Aspekt des Projekts. „Dieses lädt die Gemeinschaft der biologischen Pflanzenzucht dazu ein, über ihre Wertschöpfungsketten hinauszublicken und die biologische Züchtung im Rahmen allgemeinerer Ziele der nachhaltigen Entwicklung einzubinden“, merkt Bruszik an. „Die nächsten Schritte werden sich damit befassen, das Konzept in operative Ziele aufzuschlüsseln und diese dann umzusetzen.“

Das Erfüllen biologischer Ziele

LIVESEED wird einen gewissen Beitrag dazu leisten, die Landwirtschaft beim Erreichen der ehrgeizigen europäischen Ziele zu unterstützen. Bis 2030 sollen etwa 25 % der landwirtschaftliche Nutzfläche der EU für die biologische Landwirtschaft verwendet werden. „Für die Landwirtinnen und Landwirte umfassen die Vorteile dieses Projekts unter anderem einen verbesserten Zugang zu einer breiteren Auswahl qualitativ hochwertigen Saatguts, fundierteres Wissen über die Saatgutherstellung sowie die Fähigkeit, neue oder vielversprechende Sorten unter ihren eigenen klimatischen Bedingungen erproben zu können“, fügt Bruszik hinzu. „Neue Zuchtmaterialien, die von Projekten wie LIVESEED eingeführt werden, tragen dazu bei, die Abhängigkeit von synthetischen Saatgutbehandlungen zu reduzieren, indem Sorten gezüchtet werden, die gegen saatgut- und bodenbürtige Krankheiten resistent sind. Das wiederum ermöglicht eine umweltgerechtere Produktion.“

Eine breitere Palette biologischer Sorten, die an lokale und klimatische Verhältnisse angepasst sind, trägt zu einer Diversifizierung der Erzeugung durch Fruchtfolgen bei und ermöglicht der biologischen Landwirtschaft, widerstandsfähig gegenüber den negativen Auswirkungen des Klimawandels zu werden.

Das Projektteam beteiligte sich außerdem an der Erarbeitung neuer EU-Verordnungen zur biologischen Landwirtschaft, indem es beratend und begutachtend für die Europäische Kommission tätig war. Ein wichtiger Schwerpunkt war dabei die Einführung neuer Arten biologischer Vermehrungsmaterialien für Zuchtpflanzen. „Die Kommission hat vor, Kriterien für die Beschreibung der Eigenschaften dieser biologischen Arten festzulegen und ihre Herstellungs- und Vermarktungsbedingungen zu bestimmen“, so Bruszik. „LIVESEED stellte eine Liste positiver Beispiele für Kulturpflanzenarten bereit, die in Erwägung gezogen werden sollten.“

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Einzelheiten zum Projekt

Kurztitel des Projekts
LIVESEED
Projekt-Nr.
727230
Projektkoordinator
Sweden
Projektteilnehmer:
Austria
Bulgaria
Denmark
France
Germany
Greece
Hungary
Italy
Latvia
Netherlands
Poland
Portugal
Romania
Spain
Switzerland
United Kingdom
Aufwand insgesamt
€ 8 997 295
EU-Beitrag
€ 7 454 839
Laufzeit
-

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