Kulturzentrum als Brücke zwischen alten und neuen Stadtteilen

Sines, der Geburtsort des Seefahrers Vasco de Gamas, beherbergt heute eines der modernsten und attraktivsten Kulturzentren Portugals. Der multifunktionale Komplex der kleinen Küstenstadt wurde im Jahr 2005 fertig gestellt und verfügt über eine geräumige Bibliothek, ein Ausstellungszentrum, ein Auditorium sowie ein Archiv.

 Weitere Extras

 
Fassade des Kunstzentrums in Sines Fassade des Kunstzentrums in Sines

„Das Kulturzentrum, insbesondere seine Integration in das städtische Umfeld, schafft eine neue Perspektive auf das historische Zentrum von Sines, ohne dabei auch nur im geringsten die Menschen, die in der Altstadt leben, arbeiten oder flanieren, auszuschließen.“
Ricardo Nicolau, stellvertretender Direktor des Museums Serralves

Die Einrichtung ist für alle Bewohner ein wichtiges neues Lern-, Begegnungs- und Freizeitzentrum geworden. Das transparent gestaltete Erdgeschoss gewährt den Passanten auch einen Blick ins Innere des Gebäudes.

Zeitgenössische Architektur

Das ca. 100 km südlich von Lissabon auf einem Felsen an der Atlantikküste gelegene Sines ist berühmt für seinen idyllischen Fischerhafen. Die zwar für ihr jährlich stattfindendes World-Music-Festival, das größte in Portugal, bekannte Stadt und ihr Zentrum leiden seit einigen Jahren unter einem wirtschaftlichen Niedergang und zunehmendem Einwohnerschwund.

Das Projekt für ein neues Kulturzentrum mit Bibliothek sollte zur Wiederbelebung des Stadtteils dienen. Ein wichtiges Ziel war es, die lokale Bevölkerung für Kunst und Musik zu begeistern und auch die historische Altstadt mit einem ästhetisch ansprechenden und eindrucksvollen neuen Gebäude aufzuwerten.

Die Hälfte der Gesamtkosten des Projekts wurden aus EU-Mitteln bestritten. Die Arbeiten begannen im November 2001 am Standort des ehemaligen Theaters Vasco da Gama und wurden von der Region Alentejo geleitet. Der Bau hatte mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Beispielsweise musste das harte Gestein mit Sprengstoff abgetragen werden, weil herkömmliche Baugeräte versagten. Das von führenden portugiesischen Architekten entworfene siebenstöckige Gebäude wurde im November 2005 fertig gestellt.

Multifunktionales Zentrum

Das Kulturzentrum von Sines mit der Stadtbibliothek hat mit seiner Fassade aus Glas und großen Ziegeln durchaus etwas Burgartiges. Die innovative Architektur hat dem Gebäude 2006 einen Platz als Finalist des europäischen Mies-van-der-Rohe-Preises eingebracht. Die Einrichtungen sind über 7 Stockwerke verteilt, dazu zählen eine große Bibliothek, ein geräumiges Ausstellungszentrum, ein 190 Sitzplätze fassendes Auditorium für die darstellenden Künste und öffentliche Versammlungen sowie ein frei zugängliches Archiv für lokalgeschichtliche Dokumente. In dem Komplex sind auch zwei Cafeterias und eine Tiefgarage untergebracht.

Das Zentrum hat darüber hinaus die Attraktivität von Sines sowohl für Einheimische als auch für Touristen verbessert und dient auch als Plattform für die Kunst- und Kulturvermittlung. Hier abgehaltene Veranstaltungen konnten zwischen Januar 2006 und August 2009 ca. 121 000 Besucher anziehen. Allein das Ausstellungszentrum konnte mit fast 40 Schauen von Malerei bis Bildhauerei über 36 000 Kunstinteressierte anlocken. Im gleichen Zeitraum verzeichnete das Auditorium 25 900 und die Bibliothek ca. 16 500 Besucher. Die pädagogischen Aktivitäten des Zentrums richten sich an die lokale Bevölkerung, insbesondere Kinder. Es wurden weit über 1 350 Aktionen durchgeführt.


Datum des Entwurfs

17/01/2010