Die Arche NOAH

Das Kooperationsprojekt NOAH entwickelt ein innovatives Werkzeug für die Verwaltung und die Übermittlung hochwasserrelevanter Informationen. Dieses deutsch-niederländische Experiment entlang des Rheins könnte auch auf andere hochwassergefährdete Regionen ausgeweitet werden.

 Weitere Extras

 
Hochwasser bei Karlsruhe (Deutschland). Hochwasser bei Karlsruhe (Deutschland).

Hintergrund

Die schweren Hochwasserkatastrophen der letzten Jahre im Nordwesten Europas (Rhein, Maas, Schelde, Elbe…) haben gezeigt, dass ein beträchtlicher Informationsfluss innerhalb, aber auch zwischen den betroffenen Einsatzkräften sowie zwischen den Einsatzkräften und der Öffentlichkeit stattfand. Der „von Kirchbach-Bericht“ zur Elbe-Flut im Jahre 2002 hat jedoch ergeben, dass viele relevante Informationen zwar verfügbar waren, jedoch nicht effizient oder an die richtige Stelle weitergeleitet worden waren. Eine Koordination der Informationen ist aber wesentlich, um auf das Ansteigen der Wasserpegel reagieren zu können. Das ist das Ziel des Projekts NOAH: verlässliche Informationen vor und während einer durch Hochwasser ausgelösten Krisensituation schnell bereitstellen zu können.

Partnerschaft entlang des Rheins

Die Partner dieses Projekts sind niederländische und deutsche Organisationen entlang des Rheins. Außerdem werden Organisationen aus Irland, Frankreich, England, Schottland und Polen als Beobachter und Experten eingebunden. Die niederländischen Partner sind der Koordinator des Projekts STOWA (Forschungsverband für Wasserwirtschaft, eine öffentlich-rechtliche Stiftung), vier Wasserbehörden („Waterschap“) sowie das Institut für Wassermanagement und Abwasseraufbereitung „Rijkswaterstaat-RIZA“. Von deutscher Seite sind die Hochwasserschutzzentrale Köln und für das Land Baden-Württemberg das Regierungspräsidium Karlsruhe vertreten, über das sechs Stadt- und Landkreise zwischen Iffezheim und Mannheim entlang des Rheins in das Projekt einbezogen werden.

Anlässlich der Ausweitung des NOAH-Projektes von einem reinen Fluss- hin zu einem Küstensystem wurden als neue Projektpartner aus Irland das Office of Public Works (OPW) und der Dublin City Council (DCC) , der Erftverband (Deutschland) und aus den Niederlanden sowohl die Oberste Wasserschutzbehörde Rijkswaterstaat, Abteilung Straßen- und Wasserbau, sowie der Wasserverband Hoogheemraadschap Delfland hinzugewonnen werden.

Die relevante Information zur rechten Zeit an der richtigen Stelle

Das Hauptziel von NOAH besteht darin, die Informationsflüsse während eines Hochwassers verwalten und kontrollieren zu können. Die relevanten Informationen müssen vor, während und nach einer Hochwasserkatastrophe schnell verfügbar, verlässlich und klar sein und an die richtige Stelle weitergeleitet werden. Zielgruppen sind einerseits alle Entscheidungsträger und Fachbehörden und andererseits die breite Öffentlichkeit und die Medien. Das auf einer engen Zusammenarbeit zwischen den Wasserbehörden und den Einsatzkräften basierende Informations- und Kommunikationssystem „FLIWAS“ schließt die Lücke zwischen den Frühwarn- und Vorhersagesystemen auf der einen Seite und den verschiedenen Katastrophenszenarien auf der anderen Seite.

Das zweite Ziel des Projektes ist die Einrichtung von „Hochwasserpartnerschaften“ zwischen den Behörden vor Ort, der breiten Öffentlichkeit und Akteuren aus Gesellschaft und Wirtschaft, die von einem Hochwasser betroffen sein können. Im Krisenfall wird dadurch die Koordination der Einsätze erleichtert. Außerhalb einer akuten Gefahr dienen sie zur Sensibilisierung.

Ergebnis: das Informationssystem FLIWAS

Die Projektpartner haben auf der Basis von bestehenden Systemen und Informationen das telematische Hochwasserinformationssystem „FLIWAS“ (FLut Informations- und WArnSystem) entwickelt. FlIWAS wird die folgenden Daten bündeln: Vorhersagesysteme, Geo-Informationen, Alarm- und Einsatzpläne, Hochwassergefahrenkarten, Katastrophenszenarien,… Alle diese Informationen werden über eine Website vom Typ webGIS sogar über mobile Geräte zugänglich sein. Sie werden so eingeteilt und strukturiert, dass die Entscheidungsträger, die Wasserbehörden, die Einsatzkräfte und die Öffentlichkeit die für ihre jeweiligen Bedürfnisse und Verantwortung relevante Information (auf deutsch, englisch, niederländisch und eventuell sogar auf anderen Sprachen) erhalten. Die Einteilung der Daten in verschiedene Module (anfangs sind es 9) ermöglicht eine zielgerichtete Vorgehensweise und die Aktualisierung der Daten. Es ist auch möglich, noch weitere Module hinzuzufügen.

In einer ersten Zeit – ab dem Frühjahr 2007 – wird FLIWAS in den Regionen der Projektpartner eingesetzt. Nach einer Schulung aller betroffenen Beteiligten und drei für 2007/2008 geplanten internationalen Vollübungen wird FLIWAS allen Bewohnern der entsprechenden hochwassergefährdeten Gebiete zugänglich sein. Wenn das System einmal voll einsatzfähig ist, kann es auch an andere interessierte Regionen weitergegeben werden. In dieser Hinsicht haben bereits einige Akteure, vor allem aus dem Donaudelta, ihr Interesse an dem Projekt NOAH und dem System FLIWAS bekundet. Außerdem ist ein Verfahren geplant, um den Fortbestand des Systems FLIWAS über das Projekt NOAH hinaus zu sichern.


Datum des Entwurfs

01/03/2006