Erkundung des Untergrunds im Nordseeraum zur Einschätzung zukünftiger Folgen des Klimawandels

Es wurde eine neue Methode zur Erfassung der Untergrundbeschaffenheit entwickelt, mit der deutlich gemacht wird, wie der Boden und das Grundwasser unter uns auf steigende Temperaturen reagieren. Dies ermöglicht es Experten in den Niederlanden, Belgien, Dänemark, Deutschland und Großbritannien, besser abzuschätzen, zu welchen Entwicklungen der Klimawandel in bestimmten Gebieten führen wird.

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tTEM measurements on a lake. ©Esben Auken tTEM measurements on a lake. ©Esben Auken

" TOPSOIL erkundet den Boden unter unseren Füßen, um herauszufinden, wie sich der Klimawandel auf bestimmte Gebiete auswirken wird. Wir sind nun in der Lage vorherzusagen, ob in einem Gebiet die Wahrscheinlichkeit, dass zukünftig Ereignisse wie Trockenheit oder Hochwasser eintreten, höher ist. TOPSOIL integriert dieses Wissen in neue Lösungen und Governance-Modelle, die im Nordseeraum und darüber hinaus auf ein enormes Interesse und große Akzeptanz stoßen. "

Flemming Jørgensen, Projektmanager von TOPSOIL

Die Erderwärmung im Nordseeraum könnte extreme Dürreperioden und Überschwemmen infolge von übermäßig starken Regenfällen und eines steigenden Grundwasserspiegels verursachen. Das Wissen darüber, wie sich dies auf Boden und Grundwasser auf lokaler Ebene auswirken wird, ist ungenügend, was es schwer macht, sich auf die Folgen dieser Veränderungen vorzubereiten. Das Projekt bietet entsprechende Kenntnisse hierzu und sorgt so für Widerstandsfähigkeit gegenüber den schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels.

Im Rahmen des Projekts wurden neue Lösungen zur Anpassung an das Klima entwickelt. Diese basieren auf fünf Aspekten, die hinsichtlich der Grundwasserbewirtschaftung anzugehen sind: Grundhochwasser, Salzwasserintrusion und angepasste Bodenbewirtschaftung für bessere Bodenverhältnisse, Wissen in Bezug auf die Fähigkeit des Oberbodens, Nährstoffe und schädliche Substanzen abzubauen, und eine entsprechende Bewirtschaftung, sowie Möglichkeiten der Speicherung von Wasser im Untergrund zur Nutzung während Dürreperioden.

Spitzentechnologie

Die Erprobung, Entwicklung und der Einsatz verschiedener Untersuchungsmethoden erfolgte im Zusammenhang mit der Erkundung der oberen Schichten des Bodens und ihrer Eigenschaften in 16 Pilotregionen. Dabei wird unter anderem ein elektromagnetisches tTEM-System verwendet, mit dem eine detaillierte, dreidimensionale Erfassung der hydrologischen und geologischen Beschaffenheit der Schichten des Untergrunds möglich ist. Mit einem System mit dem Namen FloaTEM können die Wasserqualität und die hydrogeologischen Gegebenheiten unter Seen, Flüssen, Fjorden und dem Meer bestimmt werden. Bisher konnten zehn neue Lösungen zur Anpassung an den Klimawandel präsentiert werden.

Ein weiteres System, das den Namen SkyTEM trägt, nutzt die Messtechnologie in Hubschraubern. Dies wurde in den niederländischen Provinzen Zeeland und Drenthe und im belgischen Poldergebiet durchgeführt. Im Rahmen des landesweiten Projekts „Freshem“ wird man mit SkyTEM über die restlichen Teile der niederländischen Küstengebiete fliegen.

An Boden gewinnen

An dem Projekt sind 72 Unternehmen und 46 Forschungseinrichtungen beteiligt. Dazu zählen Wasserbetriebe, öffentliche Behörden, Landwirte und NRO. Das Projekt ist mit der amerikanischen Geologiebehörde US Geological Survey abgestimmt, die im Mississippi-Delta eine Reihe von Untersuchungen mit der tTEM-Methode durchgeführt hat; die Stanford University setzt diese Methode in Kalifornien ein.

Die bisherigen Ergebnisse von TOPSOIL brachten erhebliche Verbesserungen bei der klimagerechten Planung und Bewirtschaftung im Nordseeraum. In Deutschland bildeten die Ergebnisse in Niedersachsen den Rahmen für neue langfristige Verträge mit Landwirten zur Boden- und Grundwasserbewirtschaftung. Im Rahmen einer Zusammenarbeit des Projekts mit anderen Projekten in Großbritannien konnten mehr als 750 000 Kubikmeter Wasser in die natürliche Umwelt zurückgeführt werden.

In Großbritannien leistet das Projekt Unterstützung bei der strafferen Gestaltung und Optimierung der Grundwasserbewirtschaftung und ist an der Leitung einer neuen nationalen Forschungsgruppe zur Bewirtschaftung von Wasserressourcen beteiligt. Das Projekt präsentierte bei der Tagung des Interreg Climate Change Network, die bei der UN-Klimakonferenz (COP24) im polnischen Katowice stattfand, seine bisherigen Ergebnisse und veranstaltete weiterhin im März 2019 in Brüssel einen Strategietag zum Thema.

Die Gesamtinvestition für das Projekt „TOPSOIL“ beläuft sich auf 7 342 220 EUR, von denen 3 671 110 EUR aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen des operationellen Programms „Nordseeregion“ für den Programmplanungszeitraum 2014-2020 finanziert werden. Die Investition fällt unter die Priorität „Nachhaltige Nordseeregion“.

 

Datum des Entwurfs

29/05/2019