Stärkung des Bewusstseins für das Erbe der Eisenzeit im Donaubecken

Das Projekt Iron-Age-Danube bringt Partner aus fünf Ländern der Donauregion zusammen, um gemeinsame Strategien für Erforschung, Schutz und nachhaltige Nutzung des gemeinsamen Erbes aus der Eisenzeit zu entwickeln und umzusetzen. Die früheisenzeitlichen Kulturstätten und Landschaften der Region sind oft teilweise verborgen und werden von städtischer Entwicklung und intensiver Landwirtschaft bedroht. Das vom Projekt ins Leben gerufene Netzwerk soll das Bewusstsein für die Bedeutung und die Anziehungskraft solcher Stätten stärken und bei deren Einbindung in den Kulturtourismus helfen.

 Weitere Extras

 
The last free-standing princely tumulus from the Early-Iron Age in Großklein ©Universalmuseum Joanneum/M. Mele The last free-standing princely tumulus from the Early-Iron Age in Großklein ©Universalmuseum Joanneum/M. Mele

" In der frühen Eisenzeit, vor 2700 Jahren, bestatteten die Menschen im Donaubecken ihre Toten unter imposanten Grabhügeln, die auch heute noch in vielen Teilen der Region erhalten sind. Sie stellen nicht nur außergewöhnliche Monumente dar, sondern sind auch Teil eines sehr fragilen archäologischen Erbes. Für ihre Untersuchung, ihren Schutz und ihre nachhaltige Verwendung müssen wir sie mithilfe moderner Technologien sichtbar machen. Im Rahmen des Projekts Iron-Age-Danube möchten wir nicht lediglich einzelne Monumente visualisieren, sondern ganze frühere Landschaften zum Vorschein bringen, die über die modernen Grenzen hinweg gefördert werden. "

Dr. Marko Mele, Projektleiter, Iron-Age-Danube

Im Rahmen des Projekts erarbeitete Strategien werden in neun ausgewählten Regionen bei internationalen archäologischen Camps auf die Probe gestellt. Mithilfe modernster Technologie erforschen die Partner das archäologische Erbe aus dem 9.-4. Jahrhundert v. Chr. und führen Aufklärungsmaßnahmen durch.

Im Jahr 2017 werden in den österreichischen Orten Großklein und Judenburg sowie in Jalžabet und Kaptol in Kroatien Camps durchgeführt. Weitere Camps werden 2018 in Slowenien und Ungarn stattfinden. Die Ergebnisse fließen in die Entwicklung digitaler Werkzeuge für Touristen und in Pläne für deren Umsetzung ein, was wiederum zur Schaffung neuer Fremdenverkehrsprodukte in der Donauregion führt.

Eine europäische Dimension historischer, kultureller Phänomene

In prähistorischer Zeit existierten die uns heute bekannten Grenzen nicht. Dementsprechend sind ähnliche kulturelle Phänomene über viele Länder und Regionen hinweg verbreitet. Dies erfordert die Entwicklung eines grenzüberschreitenden Ansatzes, der ein umfassenderes Bild und eine europäische Dimension bietet. Das Projekt Iron-Age-Danube hält sich nicht an Landesgrenzen und behandelt die eisenzeitliche Landschaft in Zentraleuropa als Einheit.

In den vergangenen Jahrzehnten versuchte die europäische Archäologie, markante Stätten größeren grenzüberschreitenden Netzwerken zuzuordnen. Dies vereinfachte deren Schutz, Förderung und Nutzung. Mithilfe des Know-how aller Partner in den Bereichen archäologisches Erbe und kultureller Tourismus, greift Iron-Age-Danube diese Arbeit auf und geht einen neuen Weg: Es konzentriert sich auf komplexe prähistorische Landschaften und weniger auf Einzelstätten.

Ein lebendiges Bild der Archäologie

Das Projekt zielt darauf ab, ein lebendiges Bild der archäologischen Forschung zu zeichnen und die Bedeutung archäologischer Monumente für die Menschheitsgeschichte bekannter zu machen. Dafür ist mehr als die bloße Ausgrabung historischer Artefakte nötig. Fachmännische Prospektion und Schutz der Stätten und Landschaften sowie eine sorgfältige Dokumentation sind ausschlaggebend. Ein wichtiges Ergebnis des Projekts ist das Gewinnen detaillierter Daten, um die Monumente schützen und sie für den Tourismus nachhaltig nutzen zu können.

Die archäologischen Camps beinhalten Programme für Schulen, Gruppen und Einzelbesucher und schließen Workshops, Vorträge und Führungen ein. Die Projektpartner tauschen Informationen und Erfahrungen untereinander und mit der Öffentlichkeit aus.

Erkenntnisse aus der Feldarbeit und aus den Begegnungen mit Besuchern während der Camps werden für die Erarbeitung konkreter öffentlicher Mittel eingesetzt. Dies schließt Programme für Museumsbesucher, wiederbelebte archäologische Parks und Pfade sowie eine online frei zugängliche Forschungsdatenbank ein.

Begünstigte

„In der heutigen globalisierten Welt ist es für Kinder besonders wichtig, das kulturelle Erbe ihrer Heimatregion zu kennen. Das Projekt Iron-Age-Danube  bietet neue Möglichkeiten, das verborgene archäologische Erbe zu entdecken und anzufassen: Öffentliche archäologische Seminare während der Grabungen, neue thematische Wanderwege und eine digitale App wurden ins Leben gerufen, um nicht nur die jüngere Generation anzulocken. Auf diese Weise unterstützt das Projekt nicht nur den aktiven Geschichtsunterricht an Schulen, sondern sorgt auch für Wertschätzung und Verständnis des kulturellen Erbes. Diese Aspekte sind für seinen zukünftigen Erhalt von wesentlicher Bedeutung.“
  

Darinka Šarh, Lehrerin am Srednja ekonomska šola in gimnazija  in Maribor, Slowenien

  

„Das Projekt Iron-Age-Danube bildet einen perfekten Rahmen für die Arbeit unseres lokalen Verbandes HistAK Neumarkt, der versucht, ein Bewusstsein für das Erbe des Neumarkter Hochtals in Österreich zu schaffen.. Durch Visualisierung der wissenschaftlichen Ergebnisse führt das Projekt Iron-Age-Danube Wissenschaft mit einem breiten Publikum zusammen, wodurch ein größeres Interesse am kulturellen Erbe der Region, insbesondere an den Siedlungen der Eisenzeit, geweckt  und ein Grundpfeiler für darauf aufbauende lokale Projekte errichtet wird. Durch dieses Projekt ist unser Hochtal auf der geschichtlichen Karte der Eisenzeit zu finden!“

 

Christa Fürnkranz, Historischer Arbeitskreis Neumarkter Hochtal, Österreich 

Gesamtinvestition und EU-Mittel

Die Gesamtinvestition für das Projekt „Iron-Age-Danube – Monumentale früheisenzeitliche Landschaften im Donaubecken“ beläuft sich auf 2 552 000 EUR, von denen 2 169 200 EUR aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen des operationellen Programms „Danube“ für den Programmplanungszeitraum 2014-2020 finanziert werden. Die Investition fällt unter die Priorität „Umwelt- und kulturverantwortliche Donauregion“.