Fünf Länder unternehmen gemeinsame Anstrengungen zur Wiederverwertung von Bau- und Abbruchabfällen

Unter Einbeziehung von Interessengruppen im Bauwesen aus ganz Nordwesteuropa stellt das Projekt „Secondary Raw Materials for Concrete Precast Products“ (Seramco) Betonfertigteile aus recycelten Bau- und Abbruchabfällen her. Ziel ist es, einen Markt für diese Produkte zu schaffen und sie in ganz Europa zu vertreiben, wovon nachhaltige Bauunternehmen wirtschaftlich profitieren und Arbeitsplätze geschaffen werden.

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The Seramco project uses construction and demolition waste to make precast concrete products. ©Seramco The Seramco project uses construction and demolition waste to make precast concrete products. ©Seramco

" Seramco strebt an, die Verwendung von Bau- und Abbruchabfällen in der Zement- und Betonherstellung in Nordwesteuropa zu steigern. Primärrohstoffe werden durch hochwertige recycelte Rohstoffe ersetzt, was eine nachhaltigere Praxis darstellt, die den Druck auf die natürlichen Ressourcen verringert und zum Übergang Europas zu einer Kreislaufwirtschaft beiträgt. "

Christian Glock, Leiter des Fachbereichs Bauingenieurwesen, Lehrstuhl für Massivbau und Baukonstruktion, Technische Universität Kaiserslautern

Um das Recycling von Bauabfällen zu verbessern, analysierte und verbesserte Seramco Sortier- und Behandlungsmethoden, bevor Betonmischungen aus recyceltem Material entwickelt und getestet wurden. Anschließend wurde Zement aus recycelten Gesteinskörnungen gefertigt und daraus wurden Betonfertigteile hergestellt, die in Bezug auf Kosten und Qualität einem Vergleich mit konventionellen Produkten standhalten.

Um die Sicherheit und die Erschwinglichkeit der Produkte zu demonstrieren, werden sie vor ihrer Vermarktung an drei Standorten getestet: in einem Parkour-Park in Seraing, Belgien, auf einer 40 m² großen Bühne in Pirmasens sowie an einer 20 m langen Stützmauer auf einem Autobahnrastplatz in Ostfrankreich.

Ein ressourcenintensiver Sektor

Das Baugewerbe ist der ressourcenintensivste Industriesektor der EU, auf den etwa die Hälfte des gesamten Verbrauchs von Primärrohstoffen und ein Drittel aller Abfälle entfallen, von denen nur 4 % wiederverwendet werden. Seramco bewertete bestehende Wasch- und Zerkleinerungsverfahren für Bau- und Abbruchabfälle, einschließlich ihrer Energieeffizienz. Auf dieser Grundlage wurden zwei Behandlungsmethoden entwickelt, um aus dem Abfall hochwertige Zuschlagstoffe zu gewinnen.

Vier Betonmischungen für strukturelle und nicht-strukturelle Elemente aus Recyclingbeton, Ziegeln, Fliesen und Keramik wurden optimiert und für ihre industrielle Herstellung angepasst. Ihre Haltbarkeit, Kosten und ökologischen Auswirkungen wurden mit denen konventioneller Gesteinskörnungen verglichen. Es wurde auch eine neue Art der Zementherstellung aus recyceltem Sand unterschiedlicher Qualität erarbeitet.

Über 1 000 Tonnen Zement wurden hergestellt, während mehr als 10 Prototyp-Produkte, darunter 130 m² Pflastersteine, hergestellt wurden, um die neuen Mischungen zu testen. Die Produkte erfüllten alle relevanten Festigkeitsanforderungen.

Als Teil der Entwicklung auf dem Weg zur Kommerzialisierung analysierte Seramco die Märkte und die rechtlichen Rahmenbedingungen in jedem teilnehmenden Land. Außerdem treffen sich die Partner regelmäßig mit den Behörden, um die Konformität der Produkte mit den Vorschriften zu erörtern.

Erprobung der Produkte

Die Arbeit von Seramco im Parc des Marêts in Seraing, Belgien, umfasst den Aufbau von Produkten aus etwa 100 Tonnen Betonfertigteilen, um einen öffentlichen Erholungsraum neu zu gestalten. Im Rahmen des Projekts wurde das Gebiet für Menschen mit Behinderungen leicht zugänglich gemacht. In Deutschland dient die Bühne auf dem Campus Pirmasens der Hochschule Kaiserslautern als Kulisse für Musik- und Theateraufführungen.

Die Projektergebnisse werden unter Recycling-, Beton- und Zementunternehmen, Industrieverbänden, Behörden und Forschenden verbreitet. Seramco teilt sein Fachwissen mit acht Firmen, um bei der Produktion von recycelten Zuschlagstoffen zu helfen, und mit weiteren 20, um die Herstellung von Betonfertigteilen zu unterstützen.

Eine zusätzliche Verbreitung erfolgt über Newsletter, Veranstaltungen, Schulungen zur Anwendung der Seramco-Produkte und die Einbeziehung von Wissen aus dem Projekt in Universitätsvorlesungen.

Bis 2021 rechnet Seramco mit einer verstärkten Verwendung von recycelten Zuschlagstoffen in Zement und Betonfertigteilen um fast 50 000 Tonnen pro Jahr. Basierend auf dem erarbeiteten Geschäftsmodell soll diese Zahl bis 2026 auf 1 Million Tonnen steigen und damit die Deponierung einer gleichwertigen Abfallmenge verhindern.

Die Abschlusskonferenz des Projekts „Betonfertigteile in der Kreislaufwirtschaft“ findet nun am 15. und 16. Februar 2021 in Kaiserslautern statt.

Gesamtinvestition und EU-Mittel

Die Gesamtinvestition für das Projekt „Secondary Raw Materials for Concrete Precast Products“ beläuft sich auf 7 276 838 EUR, an der sich der Europäische Fonds für regionale Entwicklung mit 4 366 103 EUR im Rahmen des operationellen Programms „Nordwesteuropa“ für den Programmplanungszeitraum 2014-2020 beteiligt. Die Investition fällt unter die Priorität „Optimierung der (Wieder-)Verwendung von materiellen und natürlichen Ressourcen“.

Datum des Entwurfs

31/08/2020