NO WASTE: Förderung eines der Kreislaufwirtschaft zuträglichen Lebensstils in den Dolomiten

Eine internationale Kooperation in der Grenzregion zwischen Italien und Österreich, die auf die Verarbeitung lokaler Anbaupflanzen in einer Kreislaufwirtschaft abzielt, hat zu mehr Tourismus und Tourismusleistungen geführt. Gleichzeitig betonte das Projekt NO WASTE die Bedeutung einer nachhaltigeren Lebensweise.

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The Rifugio Cercenà mountain cabin in the Dolomites. ©Certottica Scrl The Rifugio Cercenà mountain cabin in the Dolomites. ©Certottica Scrl

" Bislang hat das Projekt zur Identifizierung und Entwicklung eines Netzwerks mit Interessengruppen geführt, das uns die Erstellung der Plattform des geographischen Informationssystems und die Verbreitung des von unseren Partnern produzierten Informationsmaterials ermöglicht. "

Giuseppe Da Cortà, Projektkoordinator

Das Projekt machte sich daran, das bestehende Abfallproblem anzugehen, welches das gesamte beliebte Berghüttennetz in den Dolomiten betrifft, während parallel dazu der regionale Tourismussektor durch die Erstellung einer thematischen Reiseroute für Touristen, die zur Förderung der Kreislaufwirtschaft beitragen sollte, gefördert wurde. 

Im Rahmen des Projekts wurde ein abfallfreies Konzept entwickelt, um Orte und Produkte mit geringen Umweltauswirkungen und einem rundumlaufenden Lebenszyklus zu ermitteln, die Besucher und Touristen dazu anregen, eine gesündere, nachhaltigere Lebensweise in Erwägung zu ziehen. 

Die Geschichte der Region abbilden

Die thematische Touristenroute ist auf drei traditionelle Anbaupflanzen der Region fokussiert: Flachs, Hanf und Brennnesseln. Die Grundbestandteile diese Pflanzen werden zur Herstellung einer Vielzahl von Produkten verwendet, ohne dass über den Lebenszyklus Abfall entsteht. 

Im Zuge des Projekts wurde eine Datenbank mit einem geographischen Informationssystem (GIS) in Bezug auf die im Kreislauf stattfindende Produktion dieser Anbaupflanzen und die Kartierung von Orten von Interesse mit historischen, kulturellen, technologischen und wissenschaftlichen Informationen zu dem grenzüberschreitenden Gebiet entwickelt. 

Das Projekt unterstützte durch Anleitungen, Videos, Artikel, Veranschaulichungsmaterial und Informationsveranstaltungen die Nutzung der Reiseroute für Bildungsaktivitäten von regionalen Schulen oder für Reiseaktivitäten von Tourismusunternehmen. Das Ziel ist es, deutlich zu machen, dass das Ausschöpfen des ganzen Potenzials von Rohstoffen wichtig ist. 

Besucher können das geographische Informationssystem nutzen, um Landwirte, Produzenten, Züchter und kommerzielle Aktivitäten wie auch Museen und historische Orte, welche das Natur- und Kulturerbe der Region zeigen, Restaurants und Hotels sowie Informationsstellen über die Vorhaben und Maßnahmen des Projekts ausfindig zu machen.

Zurück zu den Wurzeln der europäischen Anbaupflanzen

Flachs, Hanf und Brennnesseln stellen das perfekte Beispiel für Produkte mit abfallfreiem Lebenszyklus dar, da sie sehr schnell wachsen, keine ausgiebige Pflege oder Pestizide für ihr Überleben benötigen und jeder Bestandteil ein Grundstoff für andere Produkte ist: Fasern für Papier, Textilien oder Verbundstoffe, Saatgut für herkömmliche Nahrungsmittel und Öle und Extrakte für Kosmetika. Das Projekt fördert das Verständnis über die abfallfreie Verarbeitung dieser Anbaupflanzen und über deren Beitrag zu einer Kreislaufwirtschaft ohne die Einführung destabilisierender und kostenintensiver Änderungen im Produktionsprozess.

Das Projekt wurde vom italienischen Forschungsinstitut Certottica in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich für Biowissenschaften der Universität Triest und Wood K Plus, einem österreichischen Forschungsinstitut, das auf Holz und Holzmaterialien sowie erneuerbare Rohstoffe spezialisiert ist, ins Leben gerufen. Durch die Maßnahmen wurden der Tourismus und die Tourismusleistungen in der Grenzregion zwischen Italien und Österreich gefördert, was zu neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten führte.

Alle drei Anbaupflanzen haben ihre Wurzeln in der Geschichte Europas. Flachs war eine bekannte Anbaupflanze in Italien, deren Fasern für die Leinenweberei verwendet wurden. Italien lag zu Beginn des 20. Jahrhunderts weltweit im Anbau und der Erzeugung von Hanf an zweiter Stelle. Zwischen den beiden Weltkriegen wurden Brennnesseln oftmals als Ersatz für Baumwolle genutzt, die in diesem Zeitraum nicht beschafft werden konnte.

 

Gesamtinvestition und EU-Mittel

Die Gesamtinvestition für das Projekt „NO WASTE – Verbesserte Biodiversität für eine abfallfreie Nutzung traditioneller Nutzpflanzen“ beläuft sich auf 417 825 EUR, an der sich der Europäische Fonds für regionale Entwicklung mit 330 479 EUR im Rahmen des operationellen Programms „Interreg Italia-Österreich“ für den Programmplanungszeitraum 2014-2020 beteiligt. Die Investition fällt unter die Priorität „Energieunion und Klima“.