Sektorübergreifender Aktionsbereich

Worum geht es?

Am 11. Dezember 2013 verabschiedeten das Europäische Parlament und der Rat die Verordnung Nr. 1295/2013 zur Einrichtung des Programms Kreatives Europa (2014–2020). Die Verordnung umfasst einen sektorübergreifenden Aktionsbereich, der KMU und Organisationen im gesamten Kultur- und Kreativsektor den Zugang zu Finanzierungen erleichtern und die länderübergreifende politische Zusammenarbeit fördern soll. Der sektorübergreifende Aktionsbereich unterstützt Folgendes:

„länderübergreifender Austausch von Erfahrungen und Know-how für neue Geschäfts- und Managementmodelle, Peer Learning Vernetzung von Kultur- und Kreativorganisationen und Politikverantwortlichen im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung des Kultur- und Kreativsektors, gegebenenfalls unter Förderung der digitalen Vernetzung“

Im sektorübergreifenden Aktionsbereich des Programms Kreatives Europa werden verschiedene Maßnahmen unterstützt:

  1. Einrichtung einer Bürgschaftsfazilität für den Kultur- und Kreativsektor
  2. Förderung der länderübergreifenden politischen Zusammenarbeit
  3. Unterstützung eines Netzwerks von „Kreatives-Europa“-Desks

Warum ist das notwendig?

Mit den vorgesehenen Maßnahmen werden drei horizontale Ziele des Programms verwirklicht.

  1. Bürgschaftsfazilität

Die Bürgschaftsfazilität für den Kultur- und Kreativsektor ist das erste EU-Investitionsinstrument mit breitem Anwendungsbereich in der Kultur- und Kreativbranche. Sie wird vom Europäischen Investitionsfonds (EIF) im Namen der Europäischen Kommission verwaltet. Sie kommt Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) der Kultur- und Kreativwirtschaft zugute, die häufig Schwierigkeiten haben, einen Kredit zu bekommen. Finanzmittler erhalten auf diese Weise Anreize zur Bereitstellung von Finanzmitteln in einer ihnen weniger vertrauten Branche. Sie erhalten im Rahmen der Fazilität außerdem maßgeschneiderte Schulungen, um ihre Kapazitäten in diesem Bereich auszubauen. Das Programm zum Kapazitätsaufbau wird dem Finanzsektor einen besseren Einblick in die Kreativbranche verschaffen und Finanzmittler ermutigen, künftig aktiver Kredite an kreative KMU zu vergeben. 

Seit dem Startschuss für dieses innovative Finanzinstrument im Juli 2016 wurden in verschiedenen Mitgliedstaaten Vereinbarungen mit Finanzmittlern unterzeichnet, die voraussichtlich Darlehen von insgesamt über 1 Milliarde Euro an Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft vergeben werden; weitere Vereinbarungen sind geplant.

 
  1. Länderübergreifende politische Zusammenarbeit

Die Aktivitäten zur länderübergreifenden politischen Zusammenarbeit sollen den Austausch von Erfahrungen und Know-how zu neuen Geschäfts- und Managementmodellen fördern und Folgendes unterstützen:

  • die Erhebung von Marktdaten, die Durchführung von Studien und Analysen in Bezug auf den Arbeitsmarkt- und Qualifikationsbedarf, Strategien sowie statistische Erhebungen;

  • die Entrichtung des Beitrags für die Mitgliedschaft der EU in der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle;

  • die Erprobung neuer und sektorübergreifender Unternehmenskonzepte für Finanzierung, Vertrieb und Monetarisierung von Werken;

  • die Organisation von Konferenzen und Seminaren sowie eines politischen Dialogs, unter anderem im Bereich der Kultur- und Medienkompetenz, und Förderung der digitalen Vernetzung.

Im sektorübergreifenden Aktionsbereich werden verschiedene politische Maßnahmen finanziert, die den jährlichen Arbeitsprogrammen des Programms „Kreatives Europa“ zu entnehmen sind, zum Beispiel:

Kultur für Städte und Regionen – Peer-Learning-Projekt für Städte und Regionen (1 Million Euro, Durchführung GD EAC). Ziel des Projekts war die Untersuchung aktueller kultureller Initiativen und ihrer Wirkung auf die lokale und regionale Entwicklung. Zur Förderung des Wissensaustauschs und -transfers wurden bewährte Verfahren in ganz Europa katalogisiert, um anhand dieser Bestandsaufnahme erfolgreiche kulturelle Investitionen besser nachzuvollziehen und mehr über Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Unterstützung der Kultur- und Kreativwirtschaft, des Kulturerbes und der Inklusionskultur zu erfahren. Das Projekt mit einem Budget von 1 Million Euro wurde von Januar 2015 bis September 2017 im Auftrag der Europäischen Kommission von EUROCITIES und KEA European Affairs in Zusammenarbeit mit ERRIN (Forschungs- und Innovationsnetz europäischer Regionen) durchgeführt. Es entstand ein sehr interessanter Katalog aus 71 Fallstudien, es fanden 15 thematische Studienbesuche statt und 10 Städte/Regionen erhielten Unterstützung (Coaching) durch Experten. 

Europäisches Netzwerk „Creative Hubs“ – zuschussfinanziertes Projekt im Rahmen des sektorübergreifenden Aktionsbereichs des Programms „Kreatives Europa“ mit einer Laufzeit von zwei Jahren (Februar 2016 bis Februar 2018, 1 Million Euro, Durchführung GD EAC). Das Projekt wurde vom British Council und einem Konsortium kleiner Kreativzentren in verschiedenen Städten (Factoria Cultural in Madrid, Kulturni Kod/Nova Iskra in Belgrad, BIOS in Athen, Creative Edinburgh, Betahaus in Berlin sowie European Business Network (EBN) in Brüssel) durchgeführt. Ziel des Projekts ist die stärkere Vernetzung von Kreativzentren auf europäischer Ebene und der Erfahrungsaustausch zwischen Leitern der Kreativzentren, Unternehmern und Fachleuten aus dem Kultur- und Kreativbereich zwecks Kapazitätsaufbau. Es wurde eine Plattform eingerichtet und ein Mobilitätsplan für Peer-to-Peer-Austausche aufgestellt. Außerdem entstanden mehrere Publikationen und Strategiepapiere. Durch die sektorübergreifende Zusammenarbeit und Nutzung der Vorteile der Digitalisierung können wichtige Akteure in den Städten direkter Einfluss nehmen und so zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen. 

Master-Modul in Kunst und Wissenschaft – Förderung interdisziplinärer Lehrpläne und politischer Innovationen durch Kombination von Technologie und Kunst; Zuschussfinanzierung (1,5 Millionen Euro, Durchführung GD CNECT); Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen 2017; Entwicklung interdisziplinärer Module für Masterstudiengänge, die Kunst und IKT mit unternehmerischen Fähigkeiten und Marketing kombinieren.

Die Maßnahme umfasst Entwurf und Umsetzung innovativer Module, die in bestehende Masterstudiengänge in Kunst, Kultur, Naturwissenschaften, Maschinenbau, Technologie oder anderen relevanten Bereichen integriert werden. Dies dürfte sich langfristig positiv auf die Entwicklung interdisziplinärer Lehransätze mit einer Kombination aus Kunst, audiovisuellen Inhalten, Unternehmergeist und IKT und damit auch auf die Innovationsfähigkeit von Hochschulen auswirken.

Wie im Arbeitsprogramm 2018 für „Kreatives Europa“ angekündigt, ist für den sektorübergreifenden Aktionsbereich 2018–2020 eine neue Maßnahme zur Förderung kultureller und kreativer Räume und anderer, insbesondere lokaler Akteure geplant (1,5 Millionen Euro, Durchführung GD EAC). Darüber hinaus soll Folgendes untersucht werden:

  • Umfeld von Kreativ- und Kulturzentren (lokal und breiterer Kontext)
  • bessere Nutzung öffentlicher Räume für soziale Wiederbelebung durch Kultur
  • bessere Verknüpfung der städtischen Entwicklung mit sozialer Inklusion, Schaffung von Arbeitsplätzen, Entwicklung von Kompetenzen und Innovationspolitik

Ziel ist es, Raum für die Erprobung politischer Ansätze zu schaffen, neue Ansätze zu fördern und im Kontext der kollaborativen Wirtschaft Ideen in der Kultur- und Kreativwirtschaft auszuprobieren.

Innovative Städte sind also wichtiger Bestandteil der EU-Politikgestaltung in verschiedenen Bereichen.

Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen EAC/S08/2015, Frist: 5.2.2018 

Zur Förderung der länderübergreifenden politischen Zusammenarbeit unterstützt der sektorübergreifende Aktionsbereich des Programms „Kreatives Europa“ (2014–2020): 

„die Erhebung von Marktdaten, Studien, Analysen von Arbeitsmarkt- und Qualifikationsbedarf, Analyse der europäischen und nationalen Kulturpolitik und statistische Erhebungen auf der Grundlage von sektorspezifischen Instrumenten und Kriterien sowie Bewertungen einschließlich Messung aller Aspekte der Auswirkungen des Programms“ (Artikel 15 Absatz 1 Buchstabe b).

Im sektorübergreifenden Aktionsbereich wurden verschiedene Studien finanziert, zum Beispiel:

  • Studie über kreative Wertschöpfungsketten: Analyse der kreativen Wertschöpfungsketten der verschiedenen Kultur- und Kreativbranchen mit Schwerpunkt auf den Unzulänglichkeiten des Marktes, die durch die Digitalisierung der Kultur- und Kreativbranchen verschärft werden, Untersuchung der Auswirkungen der Digitalisierung und daraus sich ergebenden Entwicklung der Einnahmen in der Kultur- und Kreativwirtschaft, Rolle von Vermittlern im Internet (z. B. Plattformen). Veröffentlicht im Mai 2017. 

  • Crowdfunding für die Kultur- und Kreativwirtschaft: Im Rahmen dieses Pilotprojekts werden Daten über den Crowdfunding-Markt im Kultur- und Kreativbereich erhoben und die Verbindungen zwischen den Crowdfunding-Gemeinschaften gestärkt. Als Teil der Marktanalyse wurde eine Online-Umfrage unter Kreativ-KMU, Einzelpersonen, kulturellen Organisationen, Anlegern, Crowdfunding-Plattformen und Entscheidungsträgern gestartet. 

Weitere Informationen über die genannten sowie andere im sektorübergreifenden Aktionsbereich finanzierte Maßnahmen (Studien, Bewertungen, Konferenzen des Ratsvorsitzes, Kommunikations- und Werbemaßnahmen usw.) finden Sie in den jährlichen Arbeitsprogrammen des Programms „Kreatives Europa“. 

 

  1. Unterstützung eines Netzwerks von „Kreatives-Europa“-Desks

Die Kreatives Europa-Desks sollen:

  • Informationen über das Programm „Kreatives Europa“ in ihrem Land bereitstellen und das Programm bekannt machen

  • die Kultur- und Kreativbranche im Zusammenhang mit dem Programm unterstützen und grundlegende Informationen über andere Unterstützungsmöglichkeiten liefern

  • zu grenzüberschreitenden Kooperationen innerhalb der Kultur- und Kreativbranche anregen

  • Unterstützung im Hinblick auf die Kultur- und Kreativbranche in teilnehmenden Ländern leisten

  • die Kommission dabei unterstützen, die Ergebnisse des Programms zu verbreiten und über die Wirkung des Programms informieren

  • die Kommunikation und die Verbreitung von Informationen über in einem Land ausgezahlte Fördermittel und erzielte Ergebnisse sicherstellen