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Taskforce für Finanztechnologie

(28/03/2017)
Taskforce der Europäischen Kommission untersucht Chancen und Risiken von FinTech – die EU-Politik muss mit der Digitalisierung Schritt halten.

Angesichts der raschen Digitalisierung im Bereich der Finanzdienstleistungen sowie der damit verbundenen Neuerungen nicht nur für die Finanzbranche, sondern auch allgemein für Verbraucher, Kunden und Regulierungs- und Aufsichtsbehörden, hat die Europäische Kommission im letzten Jahr eine interne Taskforce für Finanztechnologie eingesetzt. Angesichts der Querschnittsfunktion der Finanztechnologie („FinTech“) musste sich die Taskforce multidisziplinär aufstellen, um so eine breitere Sichtweise der technologischen Innovation zu ermöglichen. Es mussten alle einschlägigen Kommissionsdienststellen mit Fachkompetenz in den verschiedenen Bereichen des Finanzsektors – Bankwesen, Wertpapiere, Vermögensverwaltung, Versicherungen, Finanzberichterstattung usw. – einbezogen werden, ebenso wie die mit Technologie, Daten und Wettbewerb befassten Dienststellen.

Klare Ziele

Die Taskforce nahm sich zu Beginn ihrer Tätigkeit dreierlei vor: sicherzustellen, dass jegliche Arbeit an neuen politischen Maßnahmen in Kenntnis und unter Berücksichtigung technologischer Neuerungen erfolgt; zu prüfen, ob die bestehenden Regeln und die aktuelle Politik im digitalen Zeitalter noch zielführend und angemessen sind; und, drittens, Maßnahmen und Vorschläge zur Nutzung der von FinTech eröffneten Chancen zu erarbeiten, ohne mögliche Risiken zu vernachlässigen. In der Praxis hat die Taskforce die in den EU-Mitgliedstaaten bestehenden Rahmenbedingungen untersucht und dabei Gespräche mit maßgeblichen Interessengruppen geführt und geprüft, ob eine koordinierte europäische Antwort sinnvoll wäre. 

Die Arbeiten sind zwar noch in einer frühen Phase, doch kristallisieren sich bereits eine Reihe wichtiger Fragen heraus: Wie kann die Notwendigkeit gleicher Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen, die regulierten Tätigkeiten nachgehen, mit der notwendigen Förderung technologischer Innovation in Europa in Einklang gebracht werden - unter gleichzeitiger Wahrung der Finanzstabilität und des Anlegerschutzes?  Wie lässt sich sicherstellen, dass Gesetzgebung und Regulierung die Innovation nicht behindern und zukunftsfähig bleiben? Daneben wurde deutlich, wie wichtig es ist, dass die Aufsichtspraxis berücksichtigt, welche Rolle Technologie und Daten beim Erbringen von Finanzdienstleistungen spielen.

Einige Länder haben bereits die Auswirkungen von FinTech auf die Aufsichtspraxis untersucht, um sicherzustellen, dass die Beaufsichtigung weder innovative Finanzierungstechnologien außer Acht lässt noch andererseits die Innovationsfähigkeit der Unternehmen einschränkt. Manche EU-Länder haben gezielt Methoden entwickelt, die der Förderung innovativer Unternehmen dienen und es ermöglichen, von ihnen zu lernen. Sie errichteten dazu FinTech-Innovationszentren und ermöglichten Mitarbeitern von Aufsichtsbehörden durch die Schaffung von „regulatorischen Innovationszonen“ („regulatory sandboxes“) die Zusammenarbeit mit Unternehmen bei der Prüfung ihrer Geschäftstätigkeiten. Der Schutz der Verbraucher und Investoren steht im Zentrum der Arbeit der Taskforce; sie beschäftigt sich auch mit der Rolle, die der EU bei der Verbesserung grenzübergreifender Aufsichtskonzepte und der Erleichterung der Arbeit dieser Innovationszentren und ‑zonen zukommen könnte. Die Taskforce wird sich auch mit einer Reihe von anderen Bereichen befassen, u. a. der Computer- und Netzsicherheit, Plattformen, Cloud-Computing, dezentralen Transaktionsnetzwerken / Blockchaintechnologie.

Finanztechnologiekonferenz

Viele dieser Themen wurden von den rund 430 Teilnehmer/-innen der von der Europäischen Kommission am 23. März in Brüssel veranstalteten Finanztechnologiekonferenz #FinTechEU erörtert. Bei der Konferenz waren die Finanzdienstleistungsbranche (durch Mitarbeiter/-innen sowohl etablierter Anbieter als auch von FinTech-Startups), Verbraucherorganisationen sowie nationale Regulierungs- und Aufsichtsbehörden vertreten, und die Anwesenden nutzten die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussionen über die nächsten Schritte. Der Erfolg der Konferenz verdeutlichte, dass die Akteure in diesem Bereich nicht nur großes Interesse daran haben, dass der politische Rahmen der EU den neuen digitalen Gegebenheiten angemessen ist, sondern auch die Bereitschaft mitbringen, sich dafür einzusetzen.