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13 October 2021

Experten warnen vor erschwerter Integration von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten in Deutschland

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Helen Sundermeyer vom Bundesfachverband für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF) machte dem Evangelischen Pressedienst (epd) gegenüber deutlich, dass sich junge Geflüchtete aus Afghanistan derzeit in einer Extremsituation befinden, die durch starke Belastungen und Ungewissheiten geprägt ist: „Auf jungen afghanischen Geflüchteten liegt mit Blick auf die jüngsten Ereignisse eine echte Doppelbelastung“, so Sundermeyer. Da die Taliban seit Mitte August die Herrschaft über ihre Heimat übernommen haben, ergriffen sie die Flucht und sorgen sich jetzt um Familien, Freunde und um ihre eigene Zukunft.

Die Asylverfahren werden derzeit erst nach langer Wartezeit beschieden, so dass sich die jungen Menschen laut Sundermeyer auch hier in einer sehr schwierigen Lage befinden: „Sie wollen ja irgendwann mal hier ankommen, das geht aber nicht, wenn man nicht weiß, ob man überhaupt bleiben darf.“ Dies habe entsprechend auch Auswirkungen auf die Integrationsprozesse, da sie sich etwa in Schule und Ausbildungsstätte schwer zurechtfinden.

Das BumF macht wiederholt auf die besonderen Probleme und Betreuungsbedarfe im Umgang mit jungen Geflüchteten aufmerksam, was von der Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Bettina Stein vom Frankfurter Arbeitskreis Trauma und Exil bestätigt wird: „Die Betroffenen schweben während der Dauer ihres Asylverfahrens oft jahrelang in einem Zustand, in dem immer wieder neue Probleme auftauchen“, erläutert Stein. Jede schlechte Nachricht führe sinnbildlich dazu, dass Wunden wieder aufgerissen werden. „Das macht eine Heilung nur schwer möglich“, erklärt sie.

Rund 8 800 unbegleitete minderjährige Geflüchtete lebten Ende 2020 in Deutschland, im Jahr 2015 waren es noch knapp 60.000. Trotz der stark rückläufigen Personenzahlen dürfen die Aufgaben nicht aus dem Blick geraten, deren Bewältigung für eine gelingende Integration in Deutschland wesentlich ist.

Ende September protestierten rund 80 afghanische Familien vor dem Auswärtigen Amt, um Aufmerksamkeit für die Situation zu erlangen.

Details

Publication dates
Geographic area
Deutschland
Source
Posted by
Marie Bayat
Country Coordinator

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