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Deutschland: Mehrheit der Bevölkerung zeigt sich weltoffen, tolerant und liberal

Eine repräsentative Befragung des Bonner infas Instituts für angewandte Sozialwissenschaft hat im Auftrag der ZEIT eine repräsentativ ausgewählte Gruppe von 1.501 Bürgern befragt, um kurz vor der Bundestagswahl die Stimmung in Deutschland mit Blick auf Toleranz und Weltoffenheit zu erfassen.

Die Frage, welche Spuren die letzten zwei Jahre etwa in Bezug auf den Zuzug von Flüchtlingen, Anschläge auf Asylunterkünfte und den Auftrieb der Partei AfD hinterlassen haben, war hierbei leitend.

Das Ergebnis zeigt: Deutschland ist insgesamt geprägt von einer Gelassenheit; grassierende Fremdenangst kann die Studie nicht feststellen. In den von infas erhobenen Zahlen spiegelt sich eine Gesellschaft, die in ihrer großen Mehrheit weltoffen ist, tolerant und liberal. Trotz islamistischer Anschläge, vieler Debatten um den Islam und seine Zugehörigkeit zu Deutschland und trotz der zunehmenden Entfremdung von der Türkei sagen 82 Prozent der Befragten, "Menschen anderer Religionen" gehörten zum "Wir" dazu.  Ebenso "Homosexuelle" (80 Prozent), "Menschen mit einem ganz anderen Lebensstil" (73 Prozent), "Ausländer/Migranten" (72 Prozent). Zwei Drittel der Befragten sind überdies der Auffassung, es sei "wichtig, sozial Benachteiligten und gesellschaftlichen Randgruppen zu helfen".

Nach den Erhebungen der Sozialwissenschaftler von infas lässt sich bei etwa 5 Prozent der Bevölkerung "starke Zustimmung" zu rechtspopulistischem Denken feststellen. 18 Prozent zeigen eine Affinität zu dieser Ideologie, allerdings in unterschiedlicher Intensität. Laut Menno Smid von infas könne man allerdings "definitiv nicht sagen", diese insgesamt 23 Prozent der Deutschen seien allesamt potenzielle Wähler der AfD. Eine Affinität zu manchen rechtspopulistischen Thesen gebe es auch bei Wählern anderer Parteien.

Dass die Befragung so positiv in Bezug auf die Toleranz, Weltoffenheit und Liberalität der Deutschen ausfällt, ist überraschend. Neben anderen Studien zeigte erst kürzlich eine Forsa-Umfrage, dass sich die Mehrheit der Deutschen zum Beispiel gegen gleiche Rechte für Flüchtlingskinder ausspricht. Eine weitere Umfrage der Bertelsmann-Stiftung konstatierte zu Beginn des Jahres, dass die Aufnahmebereitschaft und die positive Stimmung gegenüber Flüchtlingen in Deutschland deutlich sinkt.

In Anbetracht dessen ist die Befragung im Kontext weiterer aktueller Studien zu sehen, die insgesamt ein ambivalentes Bild der Deutschen zeichnen, wenn es etwa um die "Willkommenskultur" und die Offenheit gegenüber Migranten geht.