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Antidiskriminierungsstelle des Bundes erweitert ihr Beratungsangebot aufgrund starker Nachfrage

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) hatte ihre Telefonberatung für fast ein Jahr eingestellt, weil sie nach dem starken Anstieg der Beratungsanfragen aufgrund der Pandemie nach eigenen Aussagen nicht mehr nachkommen konnte. Gab es im Jahr 2019 noch 3600 telefonische Abfragen, stiegen diese im Jahr 2020 um knapp 79% auf Im Corona-rund 6.400 Anfragen.

Laut des aktuellen Jahresberichts der ADS verteilen sich die Anfragen auf die einzelnen Diskriminierungsmerkmale wie folgt:

  • Behinderung: 41 %
  • Ethnische Herkunft: 33 %
  • Geschlecht: 17 %
  • Alter: 9%
  • Religion: 5 %
  • Sexuelle Identität: 4 %
  • Weltanschauung: 2 %

Gerade in der Anfangsphase der Corona-Pandemie standen Beratungsanfragen aufgrund rassistischer Diskriminierung bzw. aufgrund der Diskriminierung der (vermuteten) ethnischen Herkunft im Zentrum. Besonders betroffen waren und sind Personen, bei denen eine asiatische Herkunft angenommen wird. Ratsuchende berichten etwa davon, dass sie öffentlich rassistisch angefeindet und für die Pandemie verantwortlich gemacht werden. Auch Hassbotschaften am Arbeitsplatz, die Verweigerung von Dienstleistungen oder Terminstornierungen beim Arzt aufgrund eines vermuteten chinesischen Migrationshintergrunds gehören zu den gemeldeten Diskriminierungen.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wurde 2006 eingerichtet und ist erste Anlaufstelle für Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind. Personen, die aufgrund der ethnischen Herkunft, Religion, Weltanschauung, sexuellen Identität, des Alters, einer Behinderung oder des Geschlechts diskriminiert worden sind, können sich hier eine rechtliche Erstberatung einholen.

Ab dem 28. September soll die telefonische Erreichbarkeit nun wieder gewährleistet werden. Wegen des zunehmenden Beratungsbedarfs wurde das Angebot deutlich ausgeweitet: Verlängerte Beratungszeiten, eine Aufstockung der Personalstellen für die Beratung sowie ein neuer  Online-Wegweiser und eine neue Website sollen Hilfesuchende besser unterstützen als zuvor.

„Wir sind sehr froh, dass wir endlich mit verstärkter Kraft für die Menschen da sein können, die Diskriminierung erleben", sagte Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle, am Freitag in Berlin. „Für uns ist es wichtig, Menschen mit Diskriminierungserfahrungen online wie auch am Telefon ein hochwertiges Beratungsangebot machen zu können", so Franke.

Oppositionspolitiker werfen der Bundesregierung schon lange vor, der ADS nicht die nötige Priorität und die dafür notwendigen Mittel einzuräumen. Auch die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) hatte bereits die knappen Mittel der ADS kritisiert.