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Von individuellen und institutionellen Hürden. Der lange Weg zur Arbeitsmarktintegration Geflüchteter

Das Berlin-Institut hat in seinem Discussion Paper die Hürden untersucht, die Geflüchteten ihren Weg in Arbeit erschweren. Das Papier basiert auf zwei Workshops und zahlreichen Einzelinterviews mit Geflüchteten sowie mit Experten aus Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten erfordert erfahrungsgemäß einen langen Atem, gelingt derzeit aber besser als anfangs erwartet. Im Februar 2019 hatte fast jede dritte Person aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern eine sozialversicherungspflichtige Arbeit gefunden. „Das ist unzweifelhaft ein Erfolg, der aber mit Vorsicht zu genießen ist“, so Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, „denn viele der Geflüchteten arbeiten in Branchen, in denen die Fluktuation hoch ist, der größte Teil von ihnen ist in der Leiharbeit und in Helfertätigkeiten untergekommen.“

Aufgrund der Fluchtsituation haben die Menschen individuelle Hürden zu überwinden, zum Beispiel mangelnde Sprachkenntnisse oder fehlendes Wissen über den deutschen Arbeitsmarkt. In Deutschland angekommen, finden sie dann zusätzliche, institutionelle Hürden vor, die Politik und Verwaltung aufbauen. Die Sachlage in letzterem Bereich lässt sich in drei Thesen zusammenfassen: Die Zuständigkeiten sind über zu viele Akteure verteilt, die Gesetzeslage ist zu komplex und die Anforderungen an die Geflüchteten sind zu restriktiv.

Während für die meisten mitgebrachten Hürden mittlerweile bewährte Angebote und Strukturen existieren, welche die Geflüchteten dabei unterstützen, diese zu überwinden, sind die vorgefundenen bürokratischen Hürden hausgemacht und damit vermeidbar. „In den Gesprächen haben die Geflüchteten wie auch die Experten übereinstimmend geäußert, dass die institutionellen Hürden mindestens ebenso hoch sind wie die individuellen“, so Klingholz weiter.

Das Berlin-Institut fordert daher unter anderem, dass die Politik Reformen und Gesetze stärker von ihrer Umsetzbarkeit her planen muss, um den ohnehin langen Weg der Geflüchteten in den Arbeitsmarkt nicht durch unpraktikable Regelungen zusätzlich zu erschweren.

Authors:
Dr. Tanja Kiziak, Frederick Sixtus, Dr. Reiner Klingholz
Posted by:
Country Coordinator Germany