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Verlorene Mitte – Feindselige Zustände. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2018/19

Asylsuchende stoßen in der deutschen Bevölkerung auf wachsende Ablehnung. Das ist ein zentrales Ergebnis der Studie „Verlorene Mitte – Feindselige Zustände. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2018/19“ der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES). Jeder zweite Befragte äußert Vorbehalte gegenüber Asylsuchenden. Im Vergleich zum Jahr 2016 wuchs diese Gruppe, obwohl die Zahl der Asylsuchenden rückläufig ist.

Der Studie zufolge zeigen seit dem Jahr 2014 rund ein Fünftel der deutschen Bevölkerung feindliche Einstellungen gegenüber "Fremden". Die Werte sind stabil und auf einem hohen Niveau, so die Wissenschaftler. Zugenommen hat hingegen die Bereitschaft der Befragten, sich in Antworten negativ über Asylsuchende zu äußern. Der Wert stieg von 49,5 Prozent im Jahr 2016 auf aktuell 54,1 Prozent an. Es ist das höchste Ergebnis, seitdem 2011 erstmals Meinungen über Asylsuchende abgefragt wurden.

Rechtspopulistische Einstellungen sind laut der Studie geprägt von sind Skepsis gegenüber der Demokratie, Zustimmung zu Law-and-Order-Autoritarismus, sowie Abwertungen von Eingewanderten, Muslimen, Asylsuchenden und Sinti und Roma. Jeder fünfte Befragte neigt demnach deutlich zu rechtspopulistischen Einstellungen, bei 42 Prozent lässt sich immerhin eine Tendenz dazu feststellen. Diese Werte haben sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert. Laut den Wissenschaftlern haben sich auch hier Äußerungen aus diesem Bereich in der breiten Bevölkerung manifestiert und gelten teilweise als normal.

Rechtsextreme Einstellungen werden hingegen vom Großteil der Deutschen abgelehnt: Lediglich zwei bis drei Prozent der Befragten sind als rechtsextrem zu kategorisieren. In den vergangenen Jahren kam es bei den Werten kaum zu Veränderungen. Auffällig ist jedoch, dass die Zustimmungswerte in Ostdeutschland in den vergangenen zwei Jahren gesunken sind.

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Befragung sind Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland: In den neuen Bundesländern sind rechtspopulistische Einstellungen stärker verbreitet als im Westen. Das gilt vor allem für die Abwertung von "Fremden", wie Franziska Schröter von der FES erläutert.

Erstmals haben die Wissenschaftler auch die Zustimmung und Ablehnung zu Verschwörungstheorien abgefragt. Die Ergebnisse offenbaren eine zunehmende Skepsis gegenüber Staat, Politikern und Medien. Verschwörungstheorien sind häufig in terroristischen und rechtsextremen Milieus beliebt. Das Forschungsteam zieht aber auch positive Schlüsse aus den Studienergebnissen: Der Großteil der Deutschen befürwortet demnach die Demokratie, begrüßt Vielfalt und fordert eine Stärkung der EU.

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Authors:
Andreas Zick, Beate Küpper, Wilhelm Berghan
Posted by:
Country Coordinator Germany