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26 November 2021

Studie: Das Gründungspotenzial von Geflüchteten. Selbstständigkeit als Weg zur Arbeitsmarktintegration?

Friedrich-Ebert-Stiftung

Die aktuelle Studie „Das Gründungspotenzial von Geflüchteten. Selbstständigkeit als Weg zur Arbeitsmarktintegration?" von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) beschäftigt sich mit der beruflichen Selbstständigkeit bei Geflüchteten.

Viele der geflüchteten Menschen, die ab 2013 nach Deutschland kamen, kennen Selbstständigkeit und Unternehmertum aus ihrer Heimat und waren dort häufig selbst als Unternehmerinnen und Unternehmer tätig. Zudem erfüllen sie nicht immer die Bedingungen, die für die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt wesentlich sind. Vor diesem Hintergrund setzt sich das Autoren-Team mit dem Faktor Selbstständigkeit bei Geflüchteten auseinander und folgert, dass Gründungen ein wesentlicher Faktor im Integrationsprozess darstellen und seitens der Politik viel mehr Unterstützung finden sollten.

Insgesamt spielt das Unternehmertum in Deutschland eine untergeordnete Rolle. Lediglich zehn Prozent der Erwerbstätigen ohne Migrationshintergrund sind selbstständig. Während die Politik sich so auch bei Geflüchteten stets darauf konzentriert, sie u. a. mit Integrationskursen auf eine Anstellung auf dem deutschen Arbeitsmarkt vorzubereiten, spielt die Selbstständigkeit entsprechend kaum eine Rolle. Dabei zeigt die aktuelle Untersuchung der FES, dass sich immer mehr Menschen mit Fluchterfahrung selbstständig machen:

Den aktuellem Zahlen nach gingen im Jahr 2019 insgesamt neun Prozent der erwerbstätigen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland einer selbstständigen Tätigkeit nach, das sind rund 700.000 Personen; zehn Prozent (etwa 68.000) dieser Selbstständigen haben eine Fluchterfahrung.

Da viele Geflüchtete sich erst mit zahlreichen Auflagen und Restriktionen vertraut machen und bestimmte Bildungszertifikate erwerben müssen, bevor sie gründen können, macht sich der Großteil erst nach über 20 Jahren Aufenthalt in Deutschland beruflich selbstständig. Dadurch, dass sie die nötigen Bildungsvoraussetzungen oft nicht mitbringen, sind sie anderen Menschen mit Migrationshintergrund gegenüber stark benachteiligt, wenn es um den Schritt in die Selbstständigkeit geht.

In der Untersuchung wird konstatiert, dass es integrationspolitisch sinnvoll sein würde, Hürden für Geflüchtete beim Gründungsprozess abzubauen und sie außerdem mit spezifischen Angeboten besonders zu unterstützen:

„Gründungswillige mit Fluchtbiographie benötigen vor allem zielgruppensensible und professionelle Unterstützung bei der Umsetzung ihres Vorhabens – idealerweise eingebunden in Coaching- und Mentoring-Projekte, die von den Regelinstitutionen kaum angeboten.“

Gelingt der Schritt in die Selbständigkeit, hat dies gleich mehrere positive Effekte: Zum einen erwirtschaften Geflüchtete mit ihrer Selbstständigkeit meist mehr als in einem regulären Angestelltenverhältnis. Bewährt sich die Gründung mittel- und langfristig, werden zudem besonders viele zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.

Das Gründungspotenzial bei Geflüchteten
German
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Details

Authors
René Leicht, Carina Hartmann, Ralf Philipp
Geographic area
Deutschland
Contributor type
Nichtregierungsorganisation/Zivilgesellschaft
Original source
Posted by
Marie Bayat
Country Coordinator

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