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Deutschland: Mehrheit der Deutschen gegen gleiche Rechte für Flüchtlingskinder

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Die Mehrheit der Deutschen findet nicht, dass KInder mit Fluchterfahrung sofort dieselben Möglichkeiten haben wie hier geborene Kinder. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerks.

So sind 42 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Flüchtlingskinder sofort die gleichen Möglichkeiten haben sollten wie in Deutschland geborene Kinder. Die Mehrheit von 52 Prozent ist allerdings der Auffassung, dass man diesen Kindern nicht sogleich die gleichen Möglichkeiten bieten kann. 6 Prozent haben dazu keine Meinung. Damit ist die Zustimmungsrate zu dieser Frage in den letzten zwei Jahren deutlich gesunken, in denen für das Deutsche Kinderhilfswerk entsprechende repräsentative Daten erhoben worden sind.

Lediglich die Gruppe der Unter-30-Jährigen äußert sich laut der Umfrage mehrheitlich für eine Gleichbehandlung. Bei einem Blick auf die Anhängerschaft der Befragten zu den politischen Parteien zeigt sich folgendes Bild: 69 Prozent der Anhänger/innen der Grünen finden, dass Flüchtlingskinder sofort die gleichen Möglichkeiten haben sollten, wie in Deutschland geborene Kinder; bei der SPD sind es 54 Prozent, bei der Linken 48 Prozent, bei der CDU/CSU 44 Prozent und bei der FDP 33 Prozent. Bei den AfD-Anhänger/innen haben etwa null Prozent diese Meinung.

Thomas Krüger, der Präsident des Kinderhilfswerks, ist durch die neuen Umfrageergebnisse alarmiert: „Diese Zahlen sind aus kinderrechtlicher Sicht ein deutliches Warnsignal. Die vor einem Jahr noch überwiegend positive Haltung gegenüber den Bedürfnissen von Flüchtlingskindern in Deutschland hat sich verschlechtert. Für uns ist ganz klar: Nach der UN-Kinderrechtskonvention, die in Deutschland geltendes Recht ist und für alle Kinder unabhängig von Herkunft und Aufenthaltsstatus gilt, haben alle Kinder die gleichen Rechte. Deshalb sehen wir in den Umfragewerten einen klaren Handlungsauftrag für eine Bildungsoffensive in Sachen Kinderrechte."

Mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl sagt Krüger: "Zugleich müssen wir den Menschen auch in Zeiten des Wahlkampfs die Sorgen und Ängste nehmen, dass einheimische Kinder darunter leiden, wenn Flüchtlingskinder, die in Deutschland leben, von Anfang an die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben. Nächstenliebe darf nicht an der geschürten und unbegründeten Angst scheitern, die Herausforderungen durch den Zuzug von geflüchteten Kindern nicht bewältigen zu können."

Obwohl die Meisten der Befragten die Gleichbehandlung von Flüchtlingskindern nicht unbedingt befürwortet, sieht eine Mehrheit Verbesserungsbedarf bei der Integration. So fordern 90 Prozent für gelüchtete Kinder und ihre Familien ausreichend Zugang zu Sprachförderungen und 80 Prozent sehen beim Zugang zu Kitas und Schulen großen Handlungsbedarf.

Bei der Frage des Familiennachzugs für Flüchtlingskinder sind die Deutschen laut der Umfrage uneins: 42 Prozent sprechen sich dafür aus, dass die Eltern und minderjährigen Geschwister der Kinder nach Deutschland kommen dürfen, während 42 Prozent sich dagegen äußern. 16 Prozent der Befragten hat dazu keine Meinung.

Die Bundesregierung hatte 2016 entschieden, den Familiennachzug für Geflüchtete mit dem eingeschränkten Status des subsidiären Schutzes bis März 2018 auszusetzen. Nicht Nicht nur Thomas Krüger sieht es als "eine menschenrechtliche Katastrophe" und einen Bruch mit der UN-Kinderrechtskonvention an, wenn Kinder zeitweise ohne ihre Familien aufwachsen müssen. Auch Nils Muiznieks, der Menschenrechtsbeauftragte des Europarats, kritisierte die Beschränkungen beim Familiennachzug scharf. In einem am Montag veröffentlichten Bericht mahnte er an, dass die Integration nur gelingen könne, wenn Geflüchtete mit ihren Familien vereint seien.