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Lehrerbildung in der Einwanderungsgesellschaft Qualifizierung für den Normalfall Vielfalt

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Lehrkräfte werden in den meisten Bundesländern immer noch unzureichend auf den Unterrichtsalltag in der Einwanderungsgesellschaft vorbereitet. In der Lehrerfortbildung gibt es bundesweit immer noch zu wenig Qualifizierungsangebote zu Sprachförderung und kultureller Vielfalt. Auch im Lehramtsstudium sind nur in sechs Bundesländern Kurse zum Umgang mit sprachlicher Vielfalt per Gesetz verpflichtend. Zu diesem Ergebnis kommt die gemeinsame Untersuchung von SVR-Forschungsbereich und Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache. Notwendig ist demnach, dass alle Lehrkräfte Grundkenntnisse der Sprachförderung und interkulturelle Kompetenz erwerben.

Bundesweit hat etwa jedes dritte Schulkind einen Migrationshintergrund. Für einen Großteil der Lehrkräfte ist der Unterricht in Klassen mit Schülern unterschiedlicher Herkunft und Muttersprache längst der Normalfall, doch werden Lehrerinnen und Lehrer in den meisten Bundesländern immer noch unzureichend auf den Schulalltag in der Einwanderungsgesellschaft vorbereitet. Dies gilt für Studium, Referendariat und die Lehrerfortbildung.

In der Lehrerfortbildung gibt es zu wenige und zu wenig wirksame Angebote für die Arbeit mit sprachlich und kulturell vielfältigen Lerngruppen. Das zeigt die Auswertung der zentralen Fortbildungskataloge der 16 Bundesländer, die im Rahmen des Forschungsprojekts durchgeführt wurde. So weisen die Kataloge in Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen einen vergleichsweise niedrigen Anteil an Fortbildungen zu sprachlicher und kultureller Vielfalt auf. Neben der unzureichenden Zahl ist auch die zumeist kurze Dauer der Fortbildungen problematisch: Die meisten Bundesländer bieten vorrangig eintägige Veranstaltungen an. Dieser Zeitraum ist zu kurz, um Lehrkräfte systematisch auf die Anforderungen im multikulturell geprägten Schulalltag vorzubereiten.

An den Hochschulen treffen Lehramtsstudierende auf sehr unterschiedliche Lernangebote: während einige Hochschulen Grundkenntnisse der Sprachförderung von allen Studierenden erwarten und diese entsprechend ausbilden, ist dies an vielen Hochschulen weder verpflichtend noch besteht die Möglichkeit, sich umfassend auf den Unterricht in heterogenen Klassen vorzubereiten. Zwar gibt es derzeit in zwölf Bundesländern Vorgaben, die die Hochschulpraxis vereinheitlichen sollen, doch oft bleiben die Landesvorgaben vage und ohne sichtbaren Effekt in der Praxis. In den meisten Ländern hängt es auch im Referendariat vom Zufall ab, ob junge Lehrkräfte lernen, pädagogisch und didaktisch angemessen mit sprachlichen und kulturellen Unterschieden umzugehen.

Eine bessere Ausbildung würde sich positiv auf die Schul- und Unterrichtsqualität auswirken: Nur wenige Lehrkräfte werden derzeit systematisch darauf vorbereitet, ihren Unterricht so zu gestalten, dass alle Kinder unabhängig von ihrer Herkunft ihre mündlichen und schriftlichen Sprachkenntnisse verbessern können und somit eine Chance auf (höhere) Bildungsabschlüsse haben. Von einer solchen Förderung würden auch Kinder ohne Migrationshintergrund profitieren, die zum Teil ebenfalls deutliche Sprachdefizite aufweisen.

Für den systematischen Ausbau der Lehrerbildung zu sprachlicher und kultureller Vielfalt empfehlen SVR-Forschungsbereich und Mercator-Institut folgende Maßnahmen:

  1. Alle Lehramtsstudierenden sollten eine Grundausbildung in Sprachförderung und im Umgang mit kultureller Vielfalt erhalten. Dies erfordert konkrete Vorgaben der Länder und eine Hochschullehre, die sich stärker am Bedarf der Schulpraxis orientiert.
  2. Deutschlandweit sollten mehr Fortbildungen zu Sprachbildung, interkultureller Kompetenz und anderen akuten Qualifizierungsbedarfen wie z. B. Umgang mit traumatisierten Schülern angeboten werden. Die Angebote sollten verstärkt auf ganze Lehrerteams ausgerichtet sein. Zudem sollten die Länder bessere Rahmenbedingungen für Fortbildungen schaffen, die langfristig angelegt sind.
  3. Mehr Transparenz: Informationen über Aus- und Fortbildungsinhalte sollten nutzerfreundlich und an zentraler Stelle zugänglich sein.

Darüber hinaus sollten Hochschulen, Landesinstitute und weitere Einrichtungen ihre Angebote nicht nur erweitern, sondern bestehende Qualifizierungsmöglichkeiten auch besser miteinander verzahnen. Ziel ist, dass Studium, Referendariat und Fortbildung künftig besser ineinandergreifen.

Source: Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln