Einwanderung in die europäische Gesellschaft – ein Überblick

Am 1. Januar 2020

  • circle image 2 people with European flag

    zählte die EU 447,3 Mio. Einwohner

 

  • inhibitants image icon 23 Mio. davon waren Nicht-EU-Bürger (5,1 % der EU-Gesamtbevölkerung)
  • inhibitants image icon Fast 37 Mio. Menschen wurden außerhalb der EU* geboren (8,2 % der EU-Gesamtbevölkerung)

* Hierzu zählen keine Geburten in einem anderen Mitgliedstaat.

Der Anteil der im Ausland geborenen Bevölkerung ist in der EU niedriger als in den meisten Ländern mit hohen Einkommen.

Anteil der im Ausland geborenen Einwohner pro Land (in %)

Quelle: Eurostat, OECD, UNDESA, Daten von 2020
Hinweis: im Falle der EU: außerhalb der EU geborene Personen (d. h. in einem anderen Mitgliedstaat geborene Personen sind nicht mitgerechnet); würden innerhalb der EU mobile Personen einbezogen, so würde sich der Anteil auf 12,2 % belaufen.

Gründe für den Weg nach Europa

Sämtliche gültigen Aufenthaltstitel Ende 2019 – nach Gründen

Quelle: Eurostat

Ende 2019 waren für Personen im Besitz eines gültigen Aufenthaltstitels familiäre Gründe der wichtigste Beweggrund für die Einreise in die EU.

Beschäftigung von Einwanderern

2020 waren durchschnittlich 188,9 Mio. Menschen zwischen 20 und 64 Jahren auf dem EU-Arbeitsmarkt beschäftigt; 8,7 Millionen davon (4,6 %) waren Nicht-EU-Bürger.

In der EU ist die Beschäftigungsquote im erwerbsfähigen Alter bei EU-Bürgern im Jahr 2020 höher (73,3 %) als bei Nicht-EU-Bürgern (57,4 %).

Hinweis: Bei vielen Nicht-EU-Bürgern handelt es sich um „systemrelevantes Personal“.

Überrepräsentierte Wirtschaftszweige

2020 waren Nicht-EU-Bürger in folgenden Wirtschaftszweigen überrepräsentiert:

Bereich Gesamtbeschäftigung von Nicht-EU-Bürgern Gesamtbeschäftigung von EU-Bürgern
Beherbergung und Gastronomie 11,4 % 3,8 %  
Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen 7,1 % 3,7 %
Tätigkeiten im Haushalt 6,5 % 0,7 %
Baugewerbe 8,6 % 6,4 %

Überrepräsentation nach Art der Beschäftigung

Nach Art der Beschäftigung waren Nicht-EU-Bürger in folgenden Sparten überrepräsentiert:

Bereich Gesamtbeschäftigung von Nicht-EU-Bürgern Gesamtbeschäftigung von EU-Bürgern
Reinigungspersonal und Hilfskräfte 11,9 %

3,1 %

Berufe im Bereich personenbezogener Dienstleistungen 9,0 % 4,2 %
Betreuungsberufe 5,1 % 2,9 %
Bauarbeiter 5,8 % 3,6 %
Hilfsarbeiter im Bergbau, Baugewerbe, verarbeitenden Gewerbe und Transportwesen 5,6 % 2,4 %
Hilfskräfte in der Nahrungsmittelzubereitung 2,7 % 0,5 %
Arbeitskräfte in Landwirtschaft und Fischerei 2,6 % 0,6 %

Unterrepräsentierte Wirtschaftszweige

Nicht-EU-Bürger waren in folgenden Wirtschaftszweigen unterrepräsentiert:

Bereich Gesamtbeschäftigung von Nicht-EU-Bürgern Gesamtbeschäftigung von EU-Bürgern
Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung 1,2 % 7,5 %
Bildung 3,7 % 7,6 %
Gesundheits- und Sozialwesen 7,6 % 10,9 %
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen 1,1 % 2,8 %

Unterrepräsentation nach Art der Beschäftigung

Nicht-EU-Bürger waren in folgenden Sparten unterrepräsentiert:

Bereich Gesamtbeschäftigung von Nicht-EU-Bürgern Gesamtbeschäftigung von EU-Bürgern
Lehrkräfte 2,5 % 5,6 %
Nicht akademische betriebswirtschaftliche und kaufmännische Fachkräfte und Verwaltungsfachkräfte 2,5 % 6,8 %
Allgemeine Büro- und Sekretariatskräfte 1,4 % 4,0 %
Ingenieurtechnische und vergleichbare Fachkräfte 2,0 % 4,1 %
Betriebswirte und vergleichbare akademische Berufe 2,1 % 4,2 %
Fachkräfte in der Landwirtschaft 1,3 % 3,1 %

Quelle: Eurostat

Flüchtlinge in Europa

Ende 2019 gab es laut Zahlen des UNHCR weltweit:

  • 26 Mio. Flüchtlinge und
  • 45,7 Mio. Binnenvertriebene.

Hinweis: 10 % aller Flüchtlinge weltweit und nur ein Bruchteil der Binnenvertriebenen lebten Ende 2019 in der EU.

Der Anteil der Flüchtlinge in der EU liegt bei 0,6 % der Gesamtbevölkerung.

Anzahl der Flüchtlinge – gemessen an der Gesamtbevölkerung

Verschiedene Länder weltweit nehmen eine große Zahl von Flüchtlingen auf:

Quelle: UNHCR
Hinweis: Die Grafik zeigt die zehn Länder, die die meisten Flüchtlinge aufnehmen, und die EU.

Hinweis: Die meisten Flüchtlinge aus Afrika und Asien kommen nicht nach Europa, sondern flüchten in Nachbarländer.

Migration in die EU und aus der EU

2019


  • wanderten 2,5 Mio.
    Menschen in die EU ein

  • wanderten 0,9 Mio. Menschen aus der EU aus

  • Das entspricht einer Nettozuwanderung von insgesamt 1,5 Mio. Menschen in die EU.

Hinweis: Ohne Migration wäre die EU-Bevölkerung bei 4,2 Mio. Geburten und 4,7 Mio. Sterbefällen um eine halbe Million geschrumpft.

2019 wurden in der EU 3 Mio. erste Aufenthaltstitel ausgestellt für:

Quelle: Eurostat

An Staatsangehörige dieser 10 Länder ergingen 2019 die meisten ersten Aufenthaltstitel:

Quelle: Eurostat

Asylanträge in Europa

Erstasylanträge nach Herkunftskontinent (2020)

Quelle: Eurostat

Staatsangehörige dieser 15 Länder stellten 2020 die meisten Erstasylanträge in der EU

Quelle: Eurostat

2020 kamen die Asylsuchenden aus fast 150 Ländern.

In der EU wurden 472 000 Anträge gestellt, davon 417 000 Erstanträge, was einem Rückgang um 33 % gegenüber 2019 entspricht.

Ein wachsender Anteil der Antragsteller reist aus visumfreien Ländern (26 % der Erstanträge 2020) legal in die EU ein, hauptsächlich aus

  • Venezuela (7,3 % aller Erstanträge)
  • Kolumbien (7,0 %)
  • Georgien (1,6 %)
  • Peru (1,5 %)
  • Honduras (1,4 %)
  • asylum application icon

    Die meisten Erstanträge wurden gestellt in

    • Deutschland (102 500)
    • Spanien (86 400)
    • Frankreich (81 800)
    • Griechenland (37 900)
    • Italien (21 200)
  •  

    asylum application icon

    Gemessen an der Bevölkerung wurden 2020 die meisten Erstasylanträge gestellt in

    • Zypern (838 je 100 000 Einwohner)
    • Malta (482)
    • Griechenland (378)

     

Erstanträge je 100 000 Einwohner 2020:

Quelle: Eurostat

2020 waren 141 000 Asylsuchende jünger als 18 Jahre. Fast 10 % von ihnen (13 500) waren unbegleitet. Die meisten unbegleiteten Minderjährigen kamen aus Afghanistan, Syrien und Pakistan.

Anerkennung von Flüchtlingen

2020 fällten die Mitgliedstaaten 521 000 erstinstanzliche Asylentscheidungen. 41 % dieser Entscheidungen fielen positiv aus:

  • 106 000 Personen wurden als Flüchtlinge anerkannt,
  • 50 000 Personen wurde der subsidiäre Schutzstatus zuerkannt und
  • 55 000 Personen erhielten humanitären Status.

Weitere 233 000 endgültige Entscheidungen ergingen nach Einlegung eines Rechtsbehelfs, davon

  • 22 000 zur Zuerkennung des Flüchtlingsstatus,
  • 22 000 zur Zuerkennung des subsidiären Schutzstatus und
  • 25 000 zur Zuerkennung des humanitären Status.  

Insgesamt gewährten die Mitgliedstaaten 2020 fast 280 000 Asylsuchenden Schutz in irgendeiner Form. Die meisten positiv beschiedenen Anträge stammten von

  • Syrern (27 % aller Personen, denen Schutz gewährt wurde)
  • Venezolanern (17 %)
  • Afghanen (15 %)

Wirksamkeit des Asylsystems

  • Verringerter Rückstau
    Aufgrund des Rückgangs der Anträge konnten die Mitgliedstaaten den Rückstau verringern: Ende 2020 waren 766 000 Asylanträge anhängig, was einem Rückgang um 18 % gegenüber dem Vorjahr entspricht (929 000).
  • Unterschiedliche Bearbeitungszeiten in den Mitgliedstaaten
    Das Verhältnis der anhängigen Fälle zur Gesamtzahl der Anträge ist von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat sehr unterschiedlich, was an den unterschiedlichen Bearbeitungszeiten liegt. Nach Angaben des EASO waren fast zwei Drittel der in erster Instanz anhängigen Fälle seit mehr als sechs Monaten anhängig.

Anzahl der anhängigen Anträge im Vergleich zur Gesamtzahl der im betreffenden Monat gestellten Anträge

Quelle: Eurostat

  • Unterschiedliche Anerkennungsquoten in der EU
    Das Asylsystem der EU steht aufgrund der beträchtlichen Unterschiede bei den Anerkennungsquoten in den Mitgliedstaaten weiterhin unter Druck. So schwankte die Anerkennungsquote von Menschen aus Afghanistan 2020 in erster Instanz zwischen 1 % in Bulgarien und 93 % in Italien.
  • Die Dublin-Regeln in der Praxis
    2020 meldeten die Mitgliedstaaten 93 700 ausgehende Ersuchen nach den Dublin-Vorschriften an andere Mitgliedstaaten mit der Bitte, die Zuständigkeit für die Prüfung eines Antrags auf internationalen Schutz zu übernehmen. Von 84 400 Entscheidungen über solche Ersuchen wurden 49 500 (59 %) positiv beschieden. 12 200 ausgehende Überstellungen wurden ausgeführt, was 25 % der stattgegebenen Ersuchen entspricht.

Neuansiedlung

2020 wurden rund 8 500 Menschen, die internationalen Schutz benötigen, aus Nicht-EU-Ländern in EU-Mitgliedstaaten neu angesiedelt – 60 % weniger als 2019.

Die meisten Ausreisen wurden in der Türkei verzeichnet. Mit 53 % kamen die weitaus meisten der neu angesiedelten Menschen aus Syrien.

Im Rahmen von EU-Neuansiedlungsprogrammen haben seit 2015 über 78 000 Menschen Schutz in der EU gefunden. Die Mitgliedstaaten erhalten für diese Neuansiedlungen Unterstützung aus dem EU-Haushalt.

Irreguläre Grenzübertritte

Gesamtzahlen

Irreguläre Grenzübertritte in die EU 2020 – nach Staatsangehörigkeit

Quelle: Frontex

2020
 
localisation 125 100 irreguläre Grenzübertritte
Rückgang um 12 % gegenüber 2019 – der niedrigste Wert seit 7 Jahren

Hierzu zählen:

  •  

    crossing boat

    86 300 Seeüberquerungen im Jahr 2020

    Rückgang um 19 % gegenüber 2019

  • crossing map

    38 800 Grenzübertritte an den Landgrenzen 2020

    Anstieg um 9 % gegenüber 2019

2021

28 200 illegale Grenzübertritte (Januar-März 2021)

9 % mehr als im Vorjahreszeitraum

Geografische Verteilung

2020

 

  • Anstieg der Überfahrten auf den westlichen Mittelmeerrouten (einschließlich der Atlantikroute von Westafrika zu den Kanarischen Inseln) um 51 % (40 300) und auf den zentralen Mittelmeerrouten um 155 % (35 700)
  • Rückgang der Grenzübertritte über die östliche Mittelmeerroute um 76 % (20 300)
  • Östliche Grenzroute (über die Landgrenzen zu Belarus, Moldau, Russland und der Ukraine): Die irregulären Grenzübertritte gingen im Vergleich zum Vorjahr um 4 % (615) zurück, doch fiel der Rückgang deutlich geringer aus als auf den drei Hauptrouten.
  • 8 % mehr Todesfälle auf See: 2020 wurden auf den drei Hauptrouten 2 268 Ertrunkene oder Vermisste gemeldet – gegenüber 2 095 im Jahr 2019.
2021
  • Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Januar-März) Zunahme der Grenzübertritte über die zentrale Mittelmeerroute um 165 % (10 100) und über die westliche Mittelmeerroute um 43 % (6 400)
  • Rückgang der Grenzübertritte über die östliche Mittelmeerroute um 74 % (3 000)
  • 28 % mehr Todesfälle auf See: 2021 wurden zwischen Januar und März auf den drei Hauptrouten 435 Ertrunkene oder Vermisste gemeldet – gegenüber 340 im Vorjahreszeitraum.

Rückführungen

Gesamtzahlen

  •  
    2020

    394 000 Menschen aus Drittländern wurden aufgefordert, die EU zu verlassen

    Anstieg um 20 % gegenüber 2019

  •  

     
    2019

    491 000 Menschen aus Drittländern wurden aufgefordert, die EU zu verlassen

     

Zu den Ländern, deren Staatsangehörige verstärkt zur Ausreise aus der EU aufgefordert wurden, gehörten:

  • Algerien
  • Marokko
  • Albanien
  • die Ukraine
  • Pakistan

Wirksamkeit des Rückführungssystems

2020 wurden 69 500 Nicht-EU-Bürger in ein Drittland rückgeführt. Dies entspricht 18 % aller im Laufe des Jahres ergangenen Rückkehrentscheidungen – gegenüber 29 % im Jahr 2019. Die pandemiebedingten Reisebeschränkungen und die begrenzte Verfügbarkeit von Flügen erschwerten 2020 die Durchführung von Rückführungen.

Aus folgenden Herkunftsländern wurden 2020 die meisten Menschen aus der EU rückgeführt:

  • Albanien (14 % aller Rückführungen)
  • Georgien (8,2 %)
  • Ukraine (7,9 %)

Von den Nationalitäten mit mindestens 5 000 Rückkehranordnungen fiel die Rückkehrquote besonders niedrig aus für Menschen aus

  • Mali (2,0 %)
  • Côte d’Ivoire (2,1 %)
  • Guinea (2,5 %)
  • Senegal (3,1 %)
  • Algerien (4,8 %)

In den 15 Mitgliedstaaten, die diese Aufschlüsselung im Jahr 2020 meldeten, handelte es sich in 25 % der Fälle um unterstützte Rückführungen, d. h. die rückgeführten Personen erhielten logistische, finanzielle und/oder sonstige materielle Unterstützung. Bei 75 % handelte es sich um nicht unterstützte Rückführungen.

Der Anteil der unterstützten Rückführungen war besonders hoch in:

  • Ungarn (90 %)
  • Österreich (62 %)
  • der Slowakei (57 %)

Visum für den kurzfristigen Aufenthalt

2020 gingen in über 1 700 Konsulaten der Mitgliedstaaten 2,9 Mio. Visa-Anträge von Nicht-EU-Bürgern für Kurzaufenthalte ein – um 83 % weniger als 2019.

Insgesamt wurden 2,5 Mio. Kurzaufenthaltsvisa ausgestellt und 0,4 Millionen abgelehnt, was einer EU-weiten Ablehnungsquote von 13,6 % entspricht (Anstieg um 9,9 % gegenüber 2019).

Die meisten Anträge wurden gestellt in:

  • Russland (654 000) 
  • der Türkei (229 000)
  • China (209 000)
  • Marokko (180 000)
  • Indien (168 000)

Die meisten Visumanträge wurden bearbeitet von

  • Frankreich (658 000)
  • Deutschland (412 000)
  • Spanien (340 000)
  • Italien (294 000)
  • Tschechien (177 000)

62 % aller Visa wurden für die mehrfache Einreise ausgestellt. Kurzaufenthaltsvisa gelten für Reisen in den 26 Schengen-Ländern für maximal 90 Tage innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen.

Migrations-Atlas

Das Wissenszentrum der Europäischen Kommission für Migration und Demografie veröffentlicht einen Atlas zur Migration in Form einer interaktiven Internetseite mit harmonisierten, aktuellen und validierten Daten über den Stand der Migration und Demografie in 27 EU-Mitgliedstaaten und 171 Nicht-EU-Ländern und -Gebieten.

Hier finden Sie Daten für 198 Länder und Gebiete zu mehr als 60 verschiedenen Indikatoren in Bezug auf Demografie, Migration, Asyl, Integration und Entwicklung: Atlas zur Migration

 

Europäische Statistiken über Migration und Asyl 

Aktuelle europäische Statistiken zu:

sowie weitere Informationen sind auf der Eurostat-Website verfügbar.

Eurostat erhebt Daten von den nationalen Statistikämtern der EU-Mitgliedstaaten und der EFTA-Länder auf der Grundlage von Statistikverordnungen des Europäischen Parlaments und des Rates. Die Daten und zugehörigen Metadaten sind im Einklang mit dem Verhaltenskodex für europäische Statistiken qualitätsgesichert und werden je nach Datensammlung regelmäßig aktualisiert. Statistische Ergebnisse werden im Rahmen der Artikelserie „Statistics Explained“ und in anderen Formaten veröffentlicht.

Haftungsausschluss: Die oben genannten Daten basieren auf den neuesten verfügbaren Informationen, die vierteljährlich aktualisiert werden. Letzte Aktualisierung: 18. Juni 2021