Die Corona-Pandemie hat schädliche und irreführende Verschwörungstheorien hervorgebracht, die in erster Linie übers Internet verbreitet werden. Die EU-Kommission und die UNESCO wollen den Menschen nun anhand von zehn Schaubildern helfen, Verschwörungstheorien zu erkennen, zu widerlegen und entgegenzuwirken.

Vorsicht: Die Corona-Pandemie hat schädliche und irreführende Verschwörungstheorien hervorgebracht. Man erkennt sie manchmal schwer oder weiß nicht, wie man damit umgehen soll.

Was sind Verschwörungstheorien? Warum haben sie Hochkonjunktur?

1. Was steckt dahinter?

Die Überzeugung, dass bestimmte Ereignisse oder Situationen von geheimen Mächten in negativer Absicht manipuliert werden.

2. Verschwörungstheorien haben diese sechs Dinge gemeinsam:

1. Eine angebliche, geheime Verschwörung.

2. Eine Gruppe von Verschwörern.

3. „Beweise“, die die Verschwörungstheorie zu stützen scheinen.

4. Sie suggerieren, dass nichts von ungefähr geschieht, und dass es keine Zufälle gibt; nichts ist, wie es scheint — und alles gehört zusammen.

5. Sie unterteilen die Welt in Gut und Böse.

6. Sie machen bestimmte Menschen oder Gruppen zu Sündenböcken.

3. Warum haben sie Hochkonjunktur?

Vordergründig bieten sie häufig eine logische Erklärung für komplexe Ereignisse oder Situationen und vermitteln ein falsches Gefühl von Kontrolle und Deutungshoheit. Dieses Bedürfnis nach klaren Verhältnissen ist in Zeiten von Corona besonders stark ausgeprägt.

4. Wie entstehen sie?

Ausgangspunkt von Verschwörungstheorien ist oft ein Verdacht. Die Frage, wem das Ereignis oder die Situation nützt, führt direkt zu den Verschwörern. „Beweise“ müssen die Theorie dann zwangsläufig stützen.

Sind Verschwörungstheorien einmal in Umlauf, können sie ungeheure Formen annehmen. Sie sind deswegen so schwer zu widerlegen, weil jeder, der es versucht, sogleich in den Verdacht gerät, selbst Teil dieser Verschwörung zu sein.

5. Verschwörungstheorien werden aus verschiedenen Gründen verbreitet:

Die meisten glauben tatsächlich, dass sie stimmen. Manche wiederum wollen bewusst provozieren, andere aus politischen oder finanziellen Gründen manipulieren oder ins Visier nehmen. Vorsicht: Verschwörungstheorien kursieren überall — im Internet, im Freundeskreis oder in der Verwandtschaft.

Der erste Schritt gegen Verschwörungstheorien ist das Wissen um ihre Existenz. Also Vorsicht. Nicht weiter verbreiten.

What are they? Why do they flourish?

 

Haben wir es mit einer Verschwörungstheorie zu tun? Nicht ungeprüft weitergeben

1. Verfasser prüfen: Wer schreibt hier — und mit welcher Absicht?

Unwahrscheinlich Wahrscheinlich
  • Der Verfasser ist ein anerkannter Fachmann auf diesem Gebiet.
  • Der Verfasser stützt sich auf nachprüfbare Fakten und wissenschaftlich Belegtes.
  • Der Verfasser ist ein selbsternannter Experte und gehört keiner renommierten Organisation oder Einrichtung an.
  • Der Verfasser gibt Referenzen vor, die sich allerdings als dünn oder überholt erweisen.

2. Quelle prüfen: Ist sie verlässlich und anerkannt?

Unwahrscheinlich Wahrscheinlich
  • Die Quelle wurde von mehreren angesehenen Medien zitiert.
  • Die Informationen werden von Wissenschaft und Forschung gestützt.
  • Unabhängige Faktencheck-Websites bestätigen die Quelle und verwandte Äußerungen.
  • Woher die Information stammt, ist nicht klar.
  • Die Informationen werden nur von selbsternannten Experten weitergegeben.
  • Unabhängige Faktencheck-Websites bestätigen die Quelle nicht und haben verwandte Äußerungen entkräftet.

3. Achten Sie auf Ton und Stil. Ist er ausgewogen und fair oder reißerisch und eindimensional?

Unwahrscheinlich Wahrscheinlich
  • Der Verfasser zeigt die Komplexität und unterschiedliche Perspektiven auf.
  • Der Verfasser gibt zu, an die Grenzen seines Wissens zu stoßen.
  • Der Ton ist objektiv und sachlich.
  • Der Verfasser präsentiert seine Informationen als alleinige Wahrheit.
  • Der Verfasser wirft Fragen auf, anstatt Antworten zu geben.
  • Der Verfasser verteufelt alle, die hinter der vermeintlichen Verschwörung stecken.
  • Der Ton ist subjektiv und emotional aufgeladen.
  • Emotionale Bilder oder Anekdoten sollen die Nachricht veranschaulichen.

Was ist eine echte Verschwörung?

Echte Verschwörungen gibt es im Großen wie im Kleinen. Sie betreffen in der Regel einzelne, in sich geschlossene Ereignisse oder einzelne Personen, etwa bei einem Attentat oder einem Staatsstreich. Sie werden von Hinweisgebern und den Medien anhand überprüfbarer Fakten und Beweise aufgedeckt.

Ein Beispiel für eine echte Verschwörung? 2006 wurden vom US-Bezirksgericht in Washington DC mehrere große Zigarettenfirmen der Verschwörung für schuldig befunden. Jahrzehntelang hatten sie Gesundheitsrisiken beim Zigarettenkonsum vertuscht, um ihre Verkaufszahlen nicht zu gefährden. (LA Times, 2006)

Quellen prüfen: Im Zweifelsfall nicht teilen. Nicht weiter verbreiten.

Is this one? Check before sharing

 

Verschwörungstheorien: Woran glaube ich eigentlich?

Niemand ist frei von Vorurteilen oder Ängsten, die ihn oder sie empfänglich für Verschwörungstheorien machen könnten.
Wo haben meine Ängste, Überzeugungen und Werte ihren Ursprung?

Hand aufs Herz: Warum glaube ich das, was ich glaube?

  • Worin bestehen meine Ängste, Überzeugungen und Werte? Wie wirken sie sich auf meine Entscheidungen und meinen Umgang mit Menschen aus?
  • Habe ich Vorurteile und denke ich in Stereotypen? Warum?
  • Fühle ich mich benachteiligt? In welcher Form?
  • Muss ich jemand anderen dafür verantwortlich machen? Warum?
  • Wie wähle ich meine Informationsquellen aus?
  • Hat sich in der Corona-Krise daran etwas geändert?

COVID-19 ist besorgniserregend. Es ist also völlig normal, wenn wir uns übermannt fühlen und nach Antworten suchen.
Nicht vergessen: Niemand ist für die Entstehung des Virus verantwortlich, aber wir alle können dazu beitragen, es einzudämmen.

Hüten Sie sich vor einem Überangebot an Informationen. Vertrauen Sie nur überprüften Informationen. Verbreiten Sie nichts ungeprüft.

What about my own beliefs?

 

Verschwörungstheorien können gefährlich sein.

Verschwörungstheorien richten sich oft diskriminierend gegen ganze Gruppen, die als Ursache für eine echte oder vermeintliche Bedrohung wahrgenommen werden. Sie polarisieren die Gesellschaft und schüren gewalttätigen Extremismus. Die meisten Menschen, die Verschwörungstheorien verbreiten, glauben wirklich an sie. Andere bedienen sich ihrer aus reinem Zynismus.

So richten Verschwörungstheorien Schaden an:

  1. Sie machen einen Feind und ein geheimes Komplott aus, das unser Leben oder unsere Überzeugungen bedroht und einen Verteidigungsreflex auslöst, der zu Diskriminierung und Hassverbrechen führen und von gewalttätigen Extremisten ausgenutzt werden kann.
  2. Sie untergraben das Vertrauen in den Staat‚ was zu politischer Apathie oder Radikalisierung führen kann.
  3. Sie höhlen das Vertrauen in wissenschaftliche und medizinische Informationen aus‚ was schwerwiegende Folgen haben kann.

Vorsicht: Als gesellschaftliche „Randgruppen“ wahrgenommene Menschen sind besonders anfällig für Verschwörungstheorien, Hassreden und Lügenkampagnen. Dies gilt unabhängig von Herkunft, Religion oder sexueller Ausrichtung. Im Zusammenhang mit Corona wurden bestimmte Gruppen häufig fälschlicherweise für die Ausbreitung des Virus in Europa verantwortlich gemacht, so Menschen mutmaßlich asiatischer Herkunft, Juden, Muslime, Roma und LGBTI+ (FRA, 2020).

Verschwörungstheorien können schwerwiegende Folgen haben. Nehmen Sie sie also bitte ernst. Nicht ungeprüft weitergeben. Nicht weiter verbreiten.

They can be dangerous

 

Verschwörungstheorien: Die Verbindung zum Antisemitismus

Nicht alle Verschwörungstheorien zielen auf Juden ab. Juden sind aber seit Jahrhunderten Zielscheibe von Verschwörungstheorien. Juden wurden zu unrecht für Seuchen, Kriege oder Wirtschaftskrisen verantwortlich gemacht.

Zu den gängigsten antisemitischen Mustern gehört die Unterstellung, „Juden“ würden Politik, Medien und Banken instrumentalisieren. Trotz umfangreicher historischer Gegenbeweise behaupten einige Antisemiten immer noch, der Holocaust sei von Juden verursacht worden oder habe nie stattgefunden.

Vorsicht bei:

  • eindeutig beleidigendem und erniedrigendem Sprachgebrauch
  • implizit und versteckt antisemitischen Formulierungen (z. B. „Ostküsteneliten“ in den Vereinigten Staaten)
  • mutmaßlichen Verschwörungen, die jüdischen Individuen oder Gruppen wie dem Philanthropen George Soros oder der Familie Rothschild angehängt werden
  • Verweisen auf die Protokolle der Weisen von Zion, ein gefälschtes Pamphlet, das die angeblichen Pläne zur Übernahme der Weltherrschaft beweisen soll

Antisemitismus ist eine Form der Diskriminierung. Nicht ungeprüft weitergeben. Nicht weiter verbreiten.

The link to antisemitism

 

Verschwörungstheorien präventiv widerlegen und entzaubern

Die Verbreitung von Verschwörungstheorien zu stoppen, ist nicht immer einfach. Eine Patentlösung für dieses Problem gibt es nicht. Es hängt davon ab, wie anfällig man ist. Menschen, die fest an Verschwörungstheorien glauben, sind extrem schwer zu erreichen.

Stufe 1: Geringe Anfälligkeit gegenüber Verschwörungstheorien

PRÄVENTIVES WIDERLEGEN – Aufgeklärte Menschen sind weniger anfällig:

  1. Die Menschen frühzeitig davor warnen, dass es Verschwörungstheorien gibt.
  2. Zu kritischem Denken, Hinterfragen und Faktenchecks anregen.
  3. Behauptungen hinter den gängigsten Corona-Verschwörungstheorien und die zentralen Merkmale konspirativen Denkens – Misstrauen gegenüber offiziellen Accounts, Immunität bei Gegenbeweisen, Deutung zufälliger Ereignisse als Elemente eines breitangelegten Musters – aufzeigen.

Stufe 2: Hohe Anfälligkeit gegenüber Verschwörungstheorien

ENTLARVUNG – Was zählt, sind Fakten und Logik

JA:

  1. Konzentrieren Sie sich auf die Fakten, die Sie kommunizieren möchten, nicht auf das Lügenmärchen, das Sie aufdecken möchten.
  2. Gehen Sie zielgerichtet vor – Verfasser, Quelle oder Logik hinter der Verschwörungstheorie.
  3. Betonen Sie stets, dass die Informationen falsch sind, bevor Sie von einer Verschwörungstheorie sprechen.
  4. Bieten Sie eine faktengestützte alternative Erklärung an.
  5. Verdeutlichen Sie Ihre Sicht der Dinge möglichst anhand von Anschauungsmaterial.

NEIN:

  1. Konzentrieren Sie sich nicht als erstes auf die Verschwörungstheorie. So bekräftigen Sie sie nur.
  2. Dosieren Sie die Informationen.

Richtig an die Sache herangehen. Nicht weiter verbreiten.

Prebunking and debunking

 

Wie man mit einem Verschwörungstheoretiker spricht

Die meisten Verschwörungstheoretiker sind zutiefst von ihrer Meinung überzeugt. Sie prägt nämlich das Weltbild dieser Menschen.

Bei Diskussionen mit Verschwörungstheoretikern sollten Sie Folgendes bedenken:

  • Jedes Argument gegen eine Verschwörungstheorie kann als Beweis dafür angesehen werden, dass Sie selbst Teil der Verschwörung sind, und Wasser auf deren Mühlen sein.
  • Sie glauben womöglich an mehr als nur eine Verschwörungstheorie.
  • Sie werden ihre Überzeugungen wahrscheinlich vehement verteidigen.

Was können wir also tun?

  • Ein offenes Gespräch und Fragen anregen.
  • Detaillierte Fragen zu ihrer Theorie stellen, um eine Selbstreflexion in Gang zu setzen.
  • Ehemalige Verschwörungstheoretiker anführen, die früher einmal das Gleiche glaubten.
  • Behutsam vorgehen und eine Vielzahl von Quellen rund um das Thema nennen.
  • Nicht ins Lächerliche ziehen. Versuchen, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen.
  • Einfühlungsvermögen zeigen. Vielleicht ist Ihr Gegenüber einfach nur ängstlich und in Not.
  • Ein Schritt nach dem anderen. Konzentrieren Sie sich auf einfache Fakten und Logik. Keine unnötigen Details.
  • Üben Sie keinen Druck aus. Massiver Druck kann nach hinten losgehen. Lassen Sie das Ganze sacken und versuchen Sie es dann erneut.

Einfühlungsvermögen zeigen und Fragen stellen. Nicht weiter verbreiten.

How to talk to somebody who firmly believes in them

 

Verschwörungstheorien: Die Verbindung zu COVID-19

COVID-19 ist eine neue Krankheit, die durch das kürzlich entdeckte Coronavirus verursacht wird. Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen die Übertragung von Coronaviren durch Tiere. Dass auch COVID-19 von Tieren übertragen wird, wurde bislang nicht bestätigt (WHO, 2020).

Unsicherheit, Angst und die Komplexität der COVID-19-Pandemie haben entsprechende Verschwörungstheorien angeheizt. Sie versuchen zu „erklären“, warum die Pandemie aufgetreten ist, und wer daraus Kapital schlägt.

Laut einer in 28 Ländern weltweit durchgeführten Studie glauben über 30 % der Befragten, dass eine ausländische Macht oder eine andere Kraft hinter der Ausbreitung des Coronavirus steckt (Gallup International, März 2020).

Vorsicht — Verschwörungstheorien sind trügerisch: Sie blenden wissenschaftliche Erkenntnisse aus und stellen Einzelpersonen und Gruppen, die nichts mit der Pandemie zu tun haben, an den Pranger. Lassen Sie sich nicht auf Verschwörungstheorien ein.

Warnsignale:

  • Behauptungen, das Virus sei künstlich (z. B. in einem Labor) aus einem bestimmten Interesse heraus (z. B. Dezimierung der Weltbevölkerung) entstanden.
  • Behauptungen, das Virus sei gezielt verbreitet bzw. seine natürliche Ausbreitung künstlich forciert worden, um möglichst großen Schaden anzurichten (z. B. durch 5G-Strahlung).
  • Behauptungen, Impfstoffe und Heilmittel würden vorsätzlich zurückgehalten, um die Ausbreitung nicht einzubremsen und so vielen Menschen wie möglich zu schaden.
  • Behauptungen, bestimmte Anti-Corona-Maßnahmen würden ergriffen, nur um die Gesellschaft zu schikanieren oder zu kontrollieren (z. B. Impfstoffe, Masken).

Nicht vergessen: Niemand ist für die Entstehung des Virus verantwortlich, aber wir alle können dazu beitragen, es einzudämmen.

Vertrauen Sie nur überprüften Informationen. Im Zweifelsfall nicht teilen. Nicht weiter verbreiten.

The link to COVID-19

 

Was kann man konkret gegen Verschwörungstheorien tun?

Sie stoßen auf eine Verschwörungstheorie? Besser reagieren als ignorieren! Zum Beispiel so:

In den sozialen Medien:

  • unter Anführung überprüfter Informationen (z. B. von Faktencheck-Websites) kommentieren
  • den Post NICHT TEILEN

Auf Websites und in Blogs:

  • den Verfasser oder Web-Manager unter Anführung überprüfter Informationen kontaktieren und um Korrektur bitten
  • die Website oder den Blog NICHT TEILEN

In den Medien:

  • Redaktionsleitung kontaktieren
  • lokalen/nationalen Presserat oder Presse-Ombudsstelle kontaktieren
  • das Material NICHT TEILEN

Vertrauen Sie nur überprüften Informationen. Widerlegen Sie Falschinformationen. Nicht weiter verbreiten.

Concrete counter actions

 

In welcher Form können Journalisten über Verschwörungstheorien berichten?

Um der Verbreitung von Verschwörungstheorien und Desinformation entgegenzuwirken, brauchen wir verlässliche Informationsquellen. Journalisten sollten verantwortungsvoll unter Verwendung überprüfter Quellen berichten, um Verschwörungstheorien nicht weiter zu schüren. Dies kann ein schwieriges Unterfangen sein.

Beim Berichten über Verschwörungstheorien sollten Journalisten

  • in der Überschrift die Fakten, nicht die Verschwörungstheorie bringen
  • im Haupttext die zentralen Fakten anhand überprüfter Informationen erneut hervorheben
  • vor kursierenden ähnlichen Verschwörungstheorien warnen, bevor sie darauf eingehen
  • erklären, inwiefern sie faszinieren, aber blenden

Seien Sie eine Vorzeige-Journalistin bzw. ein Vorzeige-Journalist! Stützen Sie sich nur auf gesicherte Informationen. Stoppen Sie die Verbreitung.

How can journalists report on them?

 

Mit Dank an Michael Butter, Co-Autor von Leitfaden Verschwörungstheorien, sowie an John Cook und Stephan Lewandowsky, Verfasser von Widerlegen, aber richtig! und Das Handbuch über Verschwörungsmythen.

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