Übersicht

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) unterstützt die Dynamik und wirtschaftliche Vitalität ländlicher Gemeinden durch Maßnahmen für die Entwicklung des ländlichen Raums (die sogenannte zweite Säule).

Die Maßnahmen zur Entwicklung des ländlichen Raums verstärken die Wirkung der Marktmaßnahmen und der Einkommensstützungen im Rahmen der GAP durch Strategien und Finanzmittel für den EU-Agrarlebensmittelsektor und die EU-Forstwirtschaft sowie für den Umweltschutz und das Wohlergehen der ländlichen Räume allgemein.

Die drei langfristigen Ziele der Entwicklung des ländlichen Raums für den Zeitraum 2014-2020 sind:

  • Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft
  • Gewährleistung der nachhaltigen Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen und Klimaschutz
  • Erreichung einer ausgewogenen räumlichen Entwicklung der ländlichen Wirtschaft und der ländlichen Gemeinschaften, einschließlich der Schaffung und des Erhalts von Arbeitsplätzen

Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums

Der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) unterstützt im Rahmen der GAP Strategien und Projekte zur Entwicklung des ländlichen Raums. Er gehört zu den europäischen Struktur- und Investitionsfonds (ESIF).

Der ELER-Haushalt für den Zeitraum 2014–2020 beläuft sich auf rund 100 Milliarden Euro. Die Mittel werden in diesem Zeitraum für die Durchführung von Programmen zur Entwicklung des ländlichen Raums ausgegeben, die bis Ende 2023 laufen.

Die Mittelvergabe erfolgt nach sechs Prioritäten:

  • Förderung von Wissenstransfer und Innovation in der Land- und Forstwirtschaft und den ländlichen Gebieten
  • Verbesserung der Lebens- und Wettbewerbsfähigkeit aller Arten von Landwirtschaft sowie Förderung innovativer Bewirtschaftungsmethoden und nachhaltiger Forstwirtschaft
  • Förderung einer Organisation der Nahrungsmittelkette, des Tierschutzes und des Risikomanagements in der Landwirtschaft
  • Förderung der Ressourceneffizienz und Unterstützung des Agrar-, Ernährungs- und Forstsektors beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen und klimaresistenten Wirtschaft
  • Wiederherstellung, Erhaltung und Verbesserung der mit der Land- und Forstwirtschaft verbundenen Ökosysteme
  • Förderung der sozialen Eingliederung, der Armutsbekämpfung und der wirtschaftlichen Entwicklung in den ländlichen Gebieten

Alle Prioritäten müssen den übergreifenden Zielsetzungen Innovation, Umweltschutz, Eindämmung des Klimawandels und Anpassung an seine Auswirkungen Rechnung tragen.

Weiterführende Informationen

Die Entwicklung des ländlichen Raums in Grafiken und Zahlen

Frühere Programmplanungszeiträume

Programme zur Entwicklung des ländlichen Raums

Um diesen Prioritäten gerecht zu werden, setzen die EU-Länder Programme zur ländlichen Entwicklung um, die auf ihre jeweiligen Herausforderungen und Fähigkeiten zugeschnitten sind. Diese Programme werden aus dem ELER finanziert.

Sie können auf nationaler oder regionaler Ebene durchgeführt werden und müssen sich nach mindestens vier der sechs Prioritäten des ELER ausrichten. Die Länder müssen ihre Ziele für bestimmte Schwerpunktbereiche festlegen und die Maßnahmen und den Finanzbedarf ermitteln, die sie für deren Verwirklichung benötigen.

Während die Europäische Kommission die Programme zur Entwicklung des ländlichen Raums genehmigt und überwacht, ist die Auswahl der Projekte und die Zuteilung von Finanzmitteln Aufgabe der nationalen und regionalen Verwaltungsebenen.

Beispiele für über den ELER finanzierte und im Rahmen von regionalen Programmen durchgeführte Projekte sind:

  • Investitionen für ein kleines Familienunternehmen im Paprikaanbau in Ungarn, das ausschließlich erneuerbare Energien nutzt
  • Einrichtung eines Leitsystems zu entlegenen Häusern für Notdienste in Formentera (Spanien)
  • Wiederaufforstung geschädigter Wälder in Nizna Boca, Slowakei, durch Finanzierung von Rodung, Neubepflanzung und Erhaltung junger Waldbestände

Die Projektdatenbank des Europäischen Netzes für die Entwicklung des ländlichen Raums enthält eine umfassende Liste von Projekten.

Mindestens 30 % der Mittel für jedes Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums müssen für umwelt- und klimarelevante Maßnahmen aufgewendet werden. Ein Großteil davon wird über Finanzhilfen und jährliche Zahlungen an Landwirtinnen und Landwirte geleistet, die auf umweltfreundlichere Bewirtschaftungsmethoden umstellen.

Mindestens 5 % der Mittel müssen für Aktionen auf der Grundlage der LEADER-Methode bereitgestellt werden. LEADER ist ein Bottom-up-Ansatz, bei dem Landwirte, Unternehmen im ländlichen Raum, lokale Organisationen, Behörden und Einzelpersonen aus verschiedenen Sektoren in lokalen Aktionsgruppen (LAG) zusammenkommen. Die LAG erarbeiten ihre eigenen lokalen Entwicklungsstrategien und verwalten auf dieser Grundlage ihre eigenen Haushalte.

Programme zur Entwicklung des ländlichen Raums können auch intelligente Dörfer unterstützen. Diese Initiative stellt ein vielseitiges Instrumentarium zur Verfügung, mit dem Innovationen in ländlichen Gebieten in ganz Europa gefördert und ausgebaut werden sollen, damit die allen Bürgerinnen und Bürgern ländlicher Regionen gemeinsamen Herausforderungen bewältigt werden können.

Mit Hilfe seiner Finanzinstrumente kann der ELER für Empfänger in der Land- und Forstwirtschaft und im ländlichen Raum Darlehen, Mikrokredite, Garantien und Beteiligungen bereitstellen, wenn sie finanziell tragfähige Projekte durchführen, die den Prioritäten des ELER entsprechen.

Genauere Informationen zu den ELER-Finanzinstrumenten sind im Fi-Compass aufgeführt.

Weiterführende Informationen

Programme zur Entwicklung des ländlichen Raums nach Land

LEADER

Intelligente Dörfer

Europäisches Netz für die Entwicklung des ländlichen Raums

Das Europäische Netz für die Entwicklung des ländlichen Raums (ENLR) fungiert als Informationsschnittstelle für die Politik zur Entwicklung des ländlichen Raums. Es beschreibt, wie ihre Programme, Projekte und anderen Initiativen in der Praxis ablaufen und wie sie noch wirkungsvoller gestaltet werden können. Es ist dafür ausgelegt, alle diejenigen einzubinden, die sich für die Entwicklung des ländlichen Raums in Europa einsetzen.

Das ENLR trägt zur wirksamen Umsetzung der Entwicklungsprogramme der Mitgliedstaaten für den ländlichen Raum bei, indem es die Gewinnung und die Verbreitung von Kenntnissen unterstützt, den Austausch von Informationen erleichtert und die Zusammenarbeit in den ländlichen Gebieten Europas fördert.

Zwei Stellen erleichtern diese Aktivitäten: die ENLR-Kontaktstelle und der Europäische Evaluierungs-Helpdesk für ländliche Entwicklung

Europäische Innovationspartnerschaft für die Landwirtschaft

Die Europäische Innovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“ (EIP-Agri) unterstützt ebenfalls die Ziele der Entwicklung des ländlichen Raums durch Förderung von Innovationen in Landwirtschaft und ländlichen Gemeinden.

Die EIP-Agri wurde geschaffen, um die Lücke zwischen den in der Forschung entwickelten innovativen Lösungen und ihrer praktischen Umsetzung durch die in ländlichen Gebieten lebenden und arbeitenden Menschen zu schließen. Durch die Schaffung von Partnerschaften zwischen denjenigen, die neue Technologien letztlich einsetzen werden, und denen, die sie entwickeln, beschleunigt die EIP-Agri den technologischen Wandel.

Zukunft der Entwicklung des ländlichen Raums

Im Hinblick auf den künftigen Programmplanungszeitraum 2021–2027 stellte die Europäische Kommission im Juni 2018 ihre Legislativvorschläge für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2020 vor.

Durch diese Vorschläge soll die GAP aktuelle und künftige Herausforderungen wie Klimawandel oder Generationswechsel besser meistern und gleichzeitig die europäischen Landwirte dabei unterstützen können, ihren Wirtschaftszweig nachhaltig und wettbewerbsfähig zu gestalten.

Weiterführende Informationen

Zukunft der GAP

Rechtsgrundlagen

Verordnung (EU) Nr. 1303/2013 – gemeinsame Vorschriften für die europäischen Struktur- und Investitionsfonds (ESIF)

Verordnung (EU) Nr. 1305/2013 – Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)

Verordnung (EU) Nr. 1306/2013 – Finanzierung, Verwaltung und Kontrollsystem der Gemeinsamen Agrarpolitik

Verordnung (EU) Nr. 1310/2013 – Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)

Verordnung (EU) Nr. 807/2014 – Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und Einführung von Übergangsvorschriften

Verordnung (EU) 640/2014 – Verwaltung, Rücknahme von Zahlungen, Bedingungen für Sanktionen im Rahmen von Direktzahlungen, Entwicklungsmaßnahmen für den ländlichen Raum und Cross-Compliance

Verordnung (EU) 809/2014 – Durchführung der Verordnung (EU) 1306/2013 zum Verwaltungs- und Kontrollsystem, zu Maßnahmen zur Entwicklung des ländlichen Raums und zur Cross-Compliance

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