Funktion von Abschlussprüfungen und Ziele der Kommission

Eine Abschlussprüfung ist eine gesetzlich vorgeschriebene Prüfung finanzieller Unterlagen. Die Abschlussprüfung dient der Bescheinigung der Jahresabschlüsse von Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen. Sie bietet Interessenträgern wie Investoren und Anteilseignern eine Stellungnahme zur Richtigkeit von Rechnungsabschlüssen von Unternehmen. So tragen Abschlussprüfungen zum ordnungsgemäßen Funktionieren der Märkte bei und verbessern das Vertrauen in die Integrität von Jahresabschlüssen.

Die Ziele der Kommission im Bereich Abschlussprüfungen sind:

  • mehr Unabhängigkeit der Prüfungsgesellschaften und Abschlussprüfer von dem geprüften Unternehmen
  • Verbesserung des Informationswerts von Prüfungsberichten für Anleger
  • Erleichterung der grenzübergreifenden Bereitstellung von Abschlussprüfungsdienstleistungen in der EU
  • ein dynamischerer Markt für Abschlussprüfungen in der EU
  • bessere Überwachung von Abschlussprüfungen 
  •  mehr Konvergenz und Kooperation mit Nicht-EU-Ländern

Reform der Rechnungsprüfung in der EU

Die aktuell geltenden Regeln wurden im April 2014 verabschiedet. Sie haben zum Ziel, die Abschlussprüfungen in der EU durch unabhängigere Rechnungsprüfer zu verbessern und deren kritische Grundhaltung gegenüber der Geschäftsführung des geprüften Unternehmens zu erhöhen. 

Im Falle von Unternehmen von öffentlichem Interesse werden Rechnungsprüfer regelmäßig rotieren und Kunden, für die sie Abschlussprüfungen vornehmen, bestimmte Nichtprüfungsleistungen nicht mehr erbringen dürfen. Bei Unternehmen von öffentlichem Interesse handelt es sich um börsennotierte Unternehmen, Kreditinstitute, Versicherungen oder andere Unternehmen, die von den EU-Ländern als von öffentlichem Interesse betrachtet werden.

Diese Vorschriften fördern die Angebotsvielfalt auf dem Markt für Rechnungsprüfungen und tragen zu mehr Vertrauen der Anleger in die Finanzinformationen über Unternehmen bei. Dies verbessert wiederum die Bedingungen für grenzübergreifende Investitionen und Wirtschaftswachstum in der EU.

Geltendes Recht:

  • Änderungsrichtlinie (Richtlinie 2014/56/EU) zur Schaffung eines Rahmens für alle Abschlussprüfungen, zur Stärkung der öffentlichen Aufsicht über die Abschlussprüfer und zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Behörden in der EU
  • Verordnung (Verordnung Nr. 537/2014) über spezifische Anforderungen an die Abschlussprüfung bei Unternehmen von öffentlichem Interesse (z. B. börsennotierte Unternehmen, Banken und Versicherungen)

Weitere Informationen zur Richtlinie über Abschlussprüfungen

Zusammenarbeit zwischen nationalen Prüfbehörden in Europa

2016 wurde der Ausschuss der Europäischen Aufsichtsstellen für Abschlussprüfer (CEAOB) eingerichtet, um die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Prüfbehörden in der EU zu verbessern. Der Ausschuss trägt durch die Erleichterung der aufsichtlichen Konvergenz zur vorschriftsmäßigen Umsetzung des EU-Rechnungsprüfungsrechts bei.

Marktüberwachung

Die Verordnung Nr. 537/2014 verpflichtet die für die Beaufsichtigung von Abschlussprüfungen und das Europäische Wettbewerbsnetz zuständigen nationalen Behörden, über die Entwicklungen ihrer nationalen Märkte für Dienstleistungen für Abschlussprüfungen von Unternehmen von öffentlichem Interesse zu berichten. Diese Berichte werden von der Kommission bei der Erstellung von gemeinsamen Berichten über die gesamte EU verwendet.

Im September 2017 veröffentlichte die Kommission ihren ersten gemeinsamen Bericht über die Entwicklungen auf dem EU-Markt für Abschlussprüfungsdienstleistungen für Unternehmen von öffentlichem Interesse.

Beziehungen zu Nicht-EU-Ländern

Unternehmen operieren mehr und mehr auf internationaler Ebene und sind auf mehreren Kontinenten an der Börse notiert. Zur Gewährleistung des Anlegerschutzes durch eine wirksame globale Beaufsichtigung der Abschlussprüfer unterhält die EU auf diesem Gebiet eine internationale Zusammenarbeit.

Die EU hat mehrere Gleichwertigkeitsbeschlüsse verabschiedet, mit denen anerkannt wird, dass die öffentliche Aufsicht über die Rechnungsprüfer in bestimmten Nicht-EU-Ländern den durch die EU-Richtlinie festgelegten Anforderungen entspricht.

Ferner hat sie verschiedene Beschlüsse verabschiedet, wonach die für Abschlussprüfungen zuständigen Aufsichtsbehörden bestimmter Nicht-EU-Länder die Voraussetzungen für einen sachdienlichen Austausch von Arbeitspapieren mit den entsprechenden Behörden in EU-Ländern erfüllen.

Empfehlungen der Kommission

Die Kommission hat folgende Empfehlungen hinsichtlich Abschlussprüfungen und Prüfungsgesellschaften veröffentlicht: