Bewertung der Gesundheitstechnologie

Überblick

Eine Reihe von EU-Mitgliedstaaten haben in den letzten Jahren sogenannte Bewertungen von Gesundheitstechnologien (HTA) eingeführt. Mithilfe von HTA wird der Mehrwert einer neuen Gesundheitstechnologie im Vergleich zu den bereits bestehenden Technologien bemessen. Beispiele für Gesundheitstechnologien sind Arzneimittel und medizinische Ausrüstung sowie Methoden zur Diagnose, Behandlung, Rehabilitation und Prävention.

Wie funktioniert die Bewertung von Gesundheitstechnologien (Health Technology Assessment – HTA)?

Wenn HTA-Stellen um die Bewertung einer neuen Gesundheitstechnologie ersucht werden, müssen sie prüfen, ob diese besser, genauso gut oder schlechter funktioniert als die bestehenden Alternativen. Zu diesem Zweck müssen sie üblicherweise die therapeutische Wirkung der neuen Behandlungsmethode, jedoch auch mögliche Nebenwirkungen, den Einfluss auf die Lebensqualität und die Art der Verabreichung bewerten.

Bei der Bewertung von Gesundheitstechnologien werden auch andere Aspekte der Nutzung berücksichtigt, zum Beispiel die Kosten für die Patientin oder den Patienten und die Auswirkungen der Art der Anwendung der neuen Behandlungsmethode auf die Organisation der Gesundheitssysteme. HTA ist also ein multidisziplinäres Verfahren, mit dem die medizinischen, wirtschaftlichen, organisatorischen, sozialen und ethischen Aspekte des Einsatzes einer neuen Gesundheitstechnologie systematisch analysiert werden.

Auswirkungen

Der Hauptzweck der Bewertung von Gesundheitstechnologien besteht darin, den politischen Entscheidungsträgern faktengestützte Informationen zur Verfügung zu stellen, damit diese sichere, wirkungsvolle, patientenorientierte und kosteneffiziente gesundheitspolitische Maßnahmen ausarbeiten können. Die HTA wird auch von den nationalen Behörden eingesetzt, um festzulegen, für welche Technologie den Patienten auf nationaler Ebene die Kosten erstattet werden.

EU-weite Zusammenarbeit bei der HTA

Die HTA spielt in den meisten EU-Ländern eine wichtige Rolle bei der faktengestützten Entscheidungsfindung im Gesundheitsbereich.

Die Zusammenarbeit innerhalb der EU in diesem Bereich erfolgt auf zwei Ebenen:

  • Das HTA-Netzwerk verbindet die nationalen Behörden oder anderen Stellen, die sich mit der Bewertung von Gesundheitstechnologien befassen. Es wurde mit der Richtlinie 2011/24/EU über die Ausübung der Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung eingerichtet, um strategische Leitlinien und politische Orientierung für die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit bereitzustellen.
  • Zwar ist die Beteiligung freiwillig, doch haben sich alle EU-Länder um eine Mitgliedschaft beworben und sind im Netzwerk aktiv. Das HTA-Netzwerk erarbeitet Strategiepapiere und erörtert mögliche Bereiche der Zusammenarbeit, die anschließend gemäß seinem Arbeitsplan im Wege der nachstehend beschriebenen Gemeinsamen Aktion umgesetzt werden.
  • Die Gemeinsame Aktion 3 des EUnetHTA deckt den wissenschaftlichen und technischen Aspekt der EU-weiten Zusammenarbeit bei der Bewertung von Gesundheitstechnologien ab. Sie wurde 2016 eingeleitet und läuft bis 2020. Die Gemeinsame Aktion wird über das EU-Gesundheitsprogramm finanziert. Daran beteiligt sind Regierungsorganisationen aus EU-Ländern, EU-Beitrittsländern sowie EWR- und EFTA-Ländern, außerdem zahlreiche regionale Agenturen und gemeinnützige Organisationen aus dem HTA-Bereich in Europa.

Stärkung der EU-weiten Zusammenarbeit bei der HTA nach 2020

In ihrem Arbeitsprogramm 2017 hatte die EU-Kommission angekündigt, eine Initiative zur Stärkung der EU-weiten Zusammenarbeit bei der Bewertung von Gesundheitstechnologien einzuleiten, um das Funktionieren des Binnenmarkts für Gesundheitsprodukte zu verbessern.