Newsletter 205: Gesundheitszustand in der EU

Newsletter von Gesundheit-EU 205 – Fokus

Wie schützen wir die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger? – Europäische Kommission stellt Gesundheitsdiagnose für die EU

Wie können die Gesundheitssysteme der EU effizient, zugänglich und langfristig tragbar bleiben? Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, erörtert einige Ergebnisse der Untersuchungen der Kommission, die auf den Lehren aus dem zweijährlichen Zyklus „Gesundheitszustand in der EU“ beruhen. Die Kommission hat jüngst 28 Länderprofile zusammen mit einem Begleitbericht veröffentlicht. Diese Dokumente liefern eine genaue Bewertung der EU-Gesundheitssysteme.

Warum wurden diese Berichte erstellt?

Die Berichte verdeutlichen die Herausforderungen, die allen EU-Gesundheitssystemen gemeinsam sind. Durch Bereitstellung umfassender Daten und Einblicke unterstützen sie die nationalen Gesundheitsbehörden dabei, diese Herausforderungen anzugehen und die richtigen gesundheits- und investitionspolitischen Entscheidungen zu treffen.

Wie entstanden die Berichte?

Die länderspezifischen Gesundheitsprofile wurden in Zusammenarbeit mit der OECD und dem Europäischen Observatorium für Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik ausgearbeitet. Der Begleitbericht der Kommission nennt die gemeinsamen Ziele der Mitgliedstaaten und zeigt Bereiche auf, in denen die Kommission dazu beitragen kann, dass sie voneinander lernen und bewährte Verfahren austauschen.

Was waren die wichtigsten Erkenntnisse?

Wir müssen umdenken, wenn es um den Gesundheitsaspekt in politischen Maßnahmen geht. Die Mitgliedstaaten stehen vor sehr ähnlichen Herausforderungen. Derzeit finden in fünf Bereichen Umwälzungen statt, die von uns allen einen besonderen Einsatz verlangen. Diese sind:

  • 1. Gesundheitsförderung und Prävention von Krankheiten
    Lediglich etwa 3 % der Gesundheitshaushalte werden auf die Prävention verwendet. Doch die oft vermeidbaren, nicht übertragbaren Krankheiten machen bis zu 80 % der Kosten für die medizinische Versorgung aus. Aktive Investitionen in die Förderung eines gesunden Lebensstils und die Bekämpfung der größten Risikofaktoren wie Alkoholmissbrauch, Rauchen und Mangel an körperlicher Bewegung würden die Belastung der Gesundheitssysteme durch nicht übertragbare Krankheiten deutlich senken, Leben retten – und Geld sparen.

  • 2. Leistungsfähige Grundversorgung
    Eine/-r von vier Patientinnen und Patienten begibt sich direkt zu einem Krankenhaus, wenn ein Gesundheitsproblem auftritt, da die medizinische Grundversorgung fehlt. Dies belastet das Krankenhauswesen. Durch Bereitstellung einer hochwertigen medizinischen Grundversorgung für alle und durch die Förderung der Vorbeugung von Krankheiten könnte die Akutversorgung entlastet werden.

  • 3. Integrierte Versorgung
    Vor allem bei älteren Patientinnen und Patienten liegen oft mehrere Gesundheitsprobleme gleichzeitig vor. Sie müssen sich daher an zahlreiche Gesundheitsdienste wenden, um passende Hilfe zu erhalten. Eine integrierte Versorgung könnte ihre Situation deutlich verbessern. Verschiedene Gesundheitsdienstleister müssen zusammenarbeiten, und dazu benötigen sie die passende Infrastruktur.

  • 4. Proaktive Planung des Fachkräftebedarfs im Gesundheitswesen
    Für reibungslos funktionierende Gesundheitssysteme muss auch das Personal gut aufgestellt sein. Die Stärkung der Rolle der Grundversorgung, höhere Gewichtung von Prävention und Gesundheitsförderung sowie integrierte Versorgungssysteme erfordern proaktive Planung und Prognose, damit der Personalbestand im Gesundheitswesen künftigen Entwicklungen gerecht werden kann.

  • 5. Patientenzentrierte Gesundheitsdaten
    Abgesehen vom Patientenüberleben ist oftmals nur wenig über den Behandlungserfolg bekannt. Wie wirkt sich eine bestimmte Krankheit auf das tägliche Leben aus? Wie hat eine Behandlung die Lebensqualität einer Person verbessert? Wir brauchen mehr Gesundheitsdaten, die Erfahrungen und Ergebnisse der Patienten berücksichtigen – mit neuen Technologien ist dies möglich.

Was wird nun, am Ende des ersten Zyklus „Gesundheitszustand in der EU“, getan?

Die Mitgliedstaaten können jetzt auf freiwilliger Basis den nächsten Schritt einleiten und die Expertinnen und Experten treffen, die die Berichte geschrieben haben. Dieser Zyklus ist nun vorbei – doch ein anderer beginnt. In den kommenden zwei Jahren werden weitere Berichte geschrieben, und wir hoffen, dass sie wirkliche Fortschritte dokumentieren und die Art und Weise positiv beeinflussen werden, in der auch in anderen Politikbereichen über Gesundheit nachgedacht wird.