Elektronische Gesundheitsdienste (eHealth)

Europäischer Gesundheitsdatenraum

Die Schaffung eines europäischen Datenraums – auch im Gesundheitssektor – ist eine der Prioritäten der Kommission für 2019–2025. Ein europäischer Gesundheitsdatenraum sorgt für einen effizienten Austausch und direkten Zugriff auf unterschiedliche Gesundheitsdaten (elektronische Patientenakten, Genomikdaten, Daten aus Patientenregistern usw.) – und zwar nicht nur in der Gesundheitsversorgung selbst (Primärnutzung), sondern auch in der Gesundheitsforschung und der Gesundheitspolitik (Sekundärnutzung).

Das gesamte Datensystem ist transparent, schützt gemäß Artikel 20 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) die Daten der Bürger/innen umfassend und verbessert die Übertragbarkeit ihrer Gesundheitsdaten.

Die Kommission arbeitet mit den Mitgliedstaaten an der Einrichtung und Entwicklung des europäischen Gesundheitsdatenraums. Eine neue „Gemeinsame Aktion für den europäischen Gesundheitsdatenraum“ soll die Mitgliedstaaten und die Kommission beim Austausch von Gesundheitsdaten für die öffentliche Gesundheit, Behandlung, Forschung und Innovation in Europa unterstützen.

Der europäische Gesundheitsdatenraum stützt sich auf drei Säulen:

  • Starkes Datenverwaltungssystem und Regeln für den Datenaustausch
  • Datenqualität
  • Starke Infrastruktur und Interoperabilität

Verwaltung des europäischen Gesundheitsdatenraums

2020 erfolgten in Form von Workshops und einer Studie erste Arbeiten, um einen Rahmen für die Primär- und Sekundärnutzung von Gesundheitsdaten in den Mitgliedstaaten zu schaffen, insbesondere durch:

  • Darstellung der DSVGO-Umsetzung im Gesundheitswesen der Mitgliedstaaten und Überblick über die jeweils geltenden rechtlichen und technischen Modalitäten für den Austausch von Gesundheitsdaten zur Primär- und Sekundärnutzung
  • Überblick über die bestehenden Verwaltungsstrukturen für die Sekundärnutzung von Gesundheitsdaten in den EU-Ländern
  • Empfehlungen für EU-weite legislative und nichtlegislative Maßnahmen zum leichteren Austausch von Gesundheitsdaten für die Primär- und Sekundärnutzung

Datenqualität und Interoperabilität

Im Sinne eines effizienten Austauschs von Gesundheitsdaten muss die Qualität der Gesundheitsdaten gewährleistet sein. Die verschiedenen Quellen wie elektronische Patientenakten, Register, IT- oder digitale Tools müssen miteinander verknüpft sein. Dies erfordert eine technische und semantische Interoperabilität zwischen den verschiedenen Infrastrukturen und IT-Systemen.

Außerdem muss sichergestellt werden, dass die Gesundheitsdaten auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar sind (FAIR-Grundsatz: Findable, Accessible, Interoperable and Reusable). Die Kommission unterstützt die Bestandsaufnahme und die „FAIR-ifizierung“ bestehender Gesundheitsdatenregister und anderer Datenquellen, um gemeinsame Datensätze für den Austausch zu Zwecken der Gesundheitsforschung und Politikgestaltung zu erstellen.

Infrastruktur und Technologie

Die Infrastruktur auf europäischer Ebene folgt der übergreifenden Strategie des europäischen Datenraums, die im Zuge der europäischen Datenstrategie am 19. Februar 2020 ins Leben gerufen wurde, und bietet gleichzeitig eine eingehende Bewertung der Besonderheiten des Gesundheitssektors. Sie baut auf bestehenden Initiativen wie der digitalen eHealth-Diensteinfrastruktur, den Europäischen Referenznetzen und dem Genomik-Projekt auf und versteht sich als deren Erweiterung.