Übertragbare Krankheiten

Überblick

In den letzten Jahrzehnten konnten die EU-Länder übertragbare Krankheiten durch Behandlung und Prävention erfolgreich bekämpfen. Die Infektionsraten sind entweder gesunken oder stabil geblieben. Heute sind die Mehrzahl der Todesfälle in der EU auf nicht übertragbare Krankheiten wie Krebs und Herzleiden zurückzuführen.

Dennoch stellen übertragbare Krankheiten weiterhin eine Gefahr für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger Europas dar. In unserer globalisierten Welt können sich übertragbare Krankheiten schnell von einem Land in ein anderes bewegen. Die EU muss sich den Herausforderungen des (Wieder-)Anstiegs der übertragbaren Krankheiten, der Antibiotikaresistenzen und der Impfskepsis stellen. Die politischen Maßnahmen der EU in Reaktion auf die Bedrohung durch übertragbare Krankheiten konzentrieren sich auf folgende Bereiche:

  • Überwachung
  • Früherkennung
  • Schnelle Reaktion

Überwachung übertragbarer Krankheiten

Überwachungssysteme liefern die Informationen für die Verfolgung von Trends bei übertragbaren Krankheiten und eine frühzeitige Erkennung von Ausbrüchen sowie für die Ermittlung von Risikofaktoren und von Bereichen, in denen ein Eingreifen erforderlich ist. So können Prioritäten festgelegt und Planung, Umsetzung und Mittelzuweisung für Präventionsprogramme sowie deren Evaluierung und Kontrolle durch Fakten untermauert werden.

Mit der Entscheidung Nr. 2119/98/EG des Europäischen Parlaments und des Rates wurde ein Netz für die epidemiologische Überwachung und die Kontrolle übertragbarer Krankheiten errichtet. Es wurden zahlreiche Durchführungsmaßnahmen eingeleitet und eine Referenzliste für übertragbare Krankheiten mit den damit verbundenen Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit (Entscheidung 2000/96/EG der Kommission) und ihren Falldefinitionen (Entscheidung 2002/253/EG der Kommission) erstellt.

Die Entscheidung Nr. 2119/98/EG wurde aufgehoben und durch den Beschluss Nr. 1082/2013/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2013 zu schwerwiegenden grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren ersetzt. Der neue Beschluss erwähnte erneut das Netz für die epidemiologische Überwachung übertragbarer Krankheiten und der damit zusammenhängenden besonderen Gesundheitsrisiken. In diesem Beschluss werden die Vorschriften für Daten und Informationen festgelegt, die von den zuständigen nationalen Behörden gemeldet und dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zwecks Koordinierung zur Verfügung gestellt werden sollten.

Die Listen der Krankheiten und Falldefinitionen werden regelmäßig aktualisiert, um die Entwicklungen hinsichtlich Inzidenz und Prävalenz abzubilden sowie neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Änderungen von Kriterien und Verfahren bei der Labordiagnose zu berücksichtigen.

Früherkennung

Übertragbare Krankheiten kennen keine Grenzen und können sich schnell ausbreiten, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird. Im Falle eines Ausbruchs muss die EU schnell und koordiniert reagieren.

Das Frühwarn- und Reaktionssystem (EWRS)

Gemäß Artikel 8 des Beschlusses Nr. 1082/2013/EU ist das EWRS ein EU-weites Schnellwarnsystem zur Meldung schwerwiegender grenzüberschreitender Gesundheitsgefahren. Sein vertrauliches Computersystem ermöglicht eine ständige Verbindung zwischen der Europäischen Kommission und den EU-Ländern zum Zwecke der Warnmeldung, der Bewertung von Gesundheitsrisiken und der Festlegung der zum Schutz der öffentlichen Gesundheit notwendigen Maßnahmen.

Das System ist Eigentum der Europäischen Kommission und wird vom ECDC betrieben. Das EWRS wurde erfolgreich eingesetzt für Warnungen, Informationsaustausch und die Koordinierung von Maßnahmen bei früheren Ausbrüchen von SARS, Grippepandemien des Typs A (H1N1), Ebola, Zika und anderen grenzüberschreitenden Ausbrüchen übertragbarer Krankheiten.

Im Durchführungsbeschluss (EU) 2017/253 vom 13. Februar 2017 sind die Verfahren für die Übermittlung von Warnmeldungen im Rahmen des Frühwarn- und Reaktionssystems und für den Informationsaustausch, die Konsultation und die Koordinierung der Reaktionen auf die Bedrohungen festgelegt.

Schnelle Reaktion

Schnelle Reaktionen auf schwerwiegende grenzüberschreitende Gesundheitsgefahren werden vom Gesundheitssicherheitsausschuss (HSC) auf EU-Ebene koordiniert. Der HSC und das EWRS sind Plattform und Instrument zur Koordinierung von Maßnahmen und Reaktionen auf schwerwiegende grenzüberschreitende Gesundheitsgefahren. Die Mitglieder des HSC sind Vertreterinnen und Vertreter der EU-Länder. Der Ausschuss unterstützt den Informationsaustausch zwischen ihnen und koordiniert in Zusammenarbeit mit der Kommission ihre Bereitschaftsplanung, ihre Risiko- und Krisenkommunikation sowie ihre Reaktionen.

Der HSC tritt regelmäßig zusammen sowie auf Anfrage der Kommission oder eines EU-Mitgliedstaats auch in besonderen Situationen. Alle Sitzungen werden von einem Vertreter der Kommission geleitet.

Sobald ein EU-Land aufgrund einer schwerwiegenden grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahr Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit ergreifen möchte, muss es die anderen EU-Länder und die Kommission vorab über deren Art, Zweck und Umfang informieren, es sei denn, diese Maßnahmen müssen aus Gründen der öffentlichen Gesundheit unverzüglich beschlossen werden.

Gefahr einer Pandemie

Im Falle einer Grippepandemie übernimmt die Kommission die Koordinierung der EU-weiten Aktionen im Rahmen des Frühwarn- und Reaktionssystems (EWRS), das die nationalen Behörden verpflichtet, einander geplante oder ergriffene Maßnahmen zu melden. Die Kommission ist auch in ständigem Kontakt mit wichtigen Partnern wie dem ECDC, der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), der WHO und der Global Health and Security Initiative (GHSI).

Die Kommission kann auch ein beschleunigtes Verfahren für die Genehmigung von Impfstoffen gegen Influenza erwägen. Eine der Lehren aus der H1N1-Pandemie ist zum Beispiel die verstärkte Zusammenarbeit zwischen der Kommission und den EU-Ländern im Hinblick auf eine bessere Verfügbarkeit von Impfstoffen im Falle einer künftigen Influenzapandemie.

Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC)

Das ECDC wurde im Jahr 2005 gegründet, um die Risiken aktueller und neu aufkommender Bedrohungen für die menschliche Gesundheit durch übertragbare Krankheiten zu erfassen und zu bewerten. Es unterstützt die Arbeit der Europäischen Kommission in den Bereichen Bereitschaftsplanung, Risikomanagement und Krisenbewältigung.

Ein Beispiel für die Überwachungstätigkeit des ECDC ist die Erfassung, Auswertung und Verbreitung von Daten zu übertragbaren Krankheiten und damit zusammenhängenden besonderen Gesundheitsrisiken aus allen EU-Ländern und Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) (Island und Norwegen). Diese Daten werden in der TESSy-Datenbank gesammelt und über den Überwachungsatlas für Infektionskrankheiten verbreitet.

Auf Anfrage der Europäischen Kommission oder eines EU-Landes oder infolge eines internen Beschlusses erstellt das ECDC auch Ad-hoc-Risikobewertungen.

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