Antibiotikaresistenz

EU-Maßnahmen zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen

Die Resistenz gegen antimikrobielle Mittel (AMR) – die Fähigkeit von Mikroorganismen, Behandlungen mit antimikrobiellen Mitteln, insbesondere Antibiotika, zu überleben – wirkt sich direkt auf die Gesundheit von Mensch und Tier aus und stellt aufgrund der höheren Behandlungskosten und der krankheitsbedingten Produktivitätsverluste eine schwere Belastung für die Wirtschaft dar. Jahr für Jahr sterben in der EU schätzungsweise 33 000 Menschen an den Folgen von AMR. Ferner wird davon ausgegangen, dass die Resistenz gegen antimikrobielle Mittel in der EU jährlich 1,5 Milliarden Euro an Gesundheitskosten und Produktivitätsverlusten verursacht.

Laut dem Mandatsschreiben an Kommissionsmitglied Stella Kyriakides muss die Zunahme oder die Rückkehr hochinfektiöser Krankheiten bekämpft werden, was der vollständigen Umsetzung des Europäischen Aktionsplans zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen im Rahmen des Konzepts „Eine Gesundheit“ und der Zusammenarbeit mit internationalen Partnern für ein globales Abkommen über den Einsatz antimikrobieller Mittel und den Zugang dazu besonderen Stellenwert verleiht.

Der EU-Aktionsplan zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen

Europäischer Aktionsplan zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen im Rahmen des Konzepts „Eine Gesundheit“

Im Juni 2017 verabschiedete die EU-Kommission den EU-Aktionsplan zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen, wie in den Schlussfolgerungen des Rates am 17. Juni 2016 von den EU-Ländern gefordert. Dieser Plan schließt an den Aktionsplan von 2011 an (siehe unten) und berücksichtigt dessen Evaluierung sowie die Rückmeldungen zu einem Fahrplan der Europäischen Kommission zu AMR und einer öffentlichen Konsultation.

Hauptziele dieses Plans sind:

  1. Etablierung der EU als künftige Best-Practice-Region

  2. Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation

  3. Gestaltung der globalen Agenda

Die Kommission hat bereits die ersten Ergebnisse des Plans angenommen, zum Beispiel die EU-Leitlinien für die umsichtige Verwendung antimikrobieller Mittel in der Humanmedizin (in allen EU-Amtssprachen). Ziel dieser Leitlinien ist es, die unsachgemäße Verwendung antimikrobieller Mittel zu reduzieren und ihre umsichtige Verwendung zu fördern. Sie richten sich an alle Akteure, die am Einsatz antimikrobieller Mittel beteiligt sind.

Zweimal jährlich veröffentlicht die Europäische Kommission einen Fortschrittsbericht über den „EU-AMR-Aktionsplan“ von 2017.

Seit seiner Umsetzung wurden für den Plan von 2017 wichtige Aktualisierungen vorgenommen, um die Maßnahmen der EU gegen Resistenzen gegen antimikrobielle Mittel zu verstärken, zum Beispiel:

  • Am 25. November 2020 verabschiedete die Kommission die Arzneimittelstrategie für Europa, mit der verschiedene mit AMR verbundene Herausforderungen angegangen werden, darunter der Mangel an Investitionen in die Antibiotikaforschung und der unsachgemäße Einsatz von Antibiotika. Mit der Strategie werden auch Maßnahmen zur Sensibilisierung von Beschäftigten im Gesundheitswesen und der Öffentlichkeit für das Thema AMR abgedeckt.
  • Im November 2020 wurde der neue Durchführungsbeschluss (EU) 2020/1729 der Kommission zur Überwachung und Meldung von antimikrobieller Resistenz bei zoonotischen und kommensalen Bakterien veröffentlicht. Dieser Beschluss stützt sich auf die neuesten wissenschaftlichen Stellungnahmen und greift bekannte Umsetzungsfragen auf. Gleichzeitig wird eine wissenschaftliche Reaktion und die Kontinuität bei der Bewertung künftiger AMR-Entwicklungen gewährleistet.
  • Die Europäische Kommission kündigte die Einrichtung einer neuen Behörde für die Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen (Health Emergency Response Authority – HERA) an, mit der in Europa die Fähigkeit und Bereitschaft zur Reaktion auf natürliche oder von Menschen verursachte grenzüberschreitende Bedrohungen und Notfälle unterstützt werden soll. Die Behörde wird sich mit Industrie, Wissenschaft, Hochschulen und Einrichtungen der klinischen Forschung vernetzen, um erfolgreiche öffentlich-private Partnerschaften zu verwirklichen.
  • Das neu aufgelegte Programm EU4Health (2021–2027) stellt die Reaktion der EU auf die COVID-19-Pandemie dar, die erhebliche Auswirkungen auf das medizinische und Pflegepersonal, auf die Patienten und die Gesundheitssysteme in Europa hatte. Mit einer Mittelausstattung von 5,1 Milliarden Euro ist es das bisher größte Gesundheitsprogramm. EU4Health stellt Finanzmittel für EU-Länder, Gesundheitsorganisationen und NRO bereit, zum Beispiel für dringende gesundheitspolitische Prioritäten, um die Anzahl der Infektionen mit antimikrobiell resistenten Keimen zu verringern und die Impfraten zu erhöhen
  • Im Mai 2020 nahm die Europäische Kommission die Strategie „Vom Hof auf den Tisch“ an, um die Entstehung nachhaltiger Lebensmittelsysteme in der EU zu unterstützen. Ziel ist es, bis zum Jahr 2030 den Gesamtverkauf von antimikrobiellen Mitteln für Nutztiere und in der Aquakultur um 50 % zu senken. Zur Verwirklichung dieses Ziels tragen zwei neue Verordnungen, Verordnung (EU) 2019/6 zu Tierarzneimitteln („TAM-Verordnung“) und Verordnung (EU) 2019/4 zu Arzneifuttermitteln, bei. Sie enthalten zahlreiche Maßnahmen zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen und fördern einen vernünftigeren und verantwortungsvolleren Einsatz antimikrobieller Mittel bei Tieren.
  • Ein besserer Tierschutz verbessert die Tiergesundheit, senkt den Bedarf an Medikamenten und trägt zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei. Die Kommission überarbeitet die Tierschutzvorschriften, um sie mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen in Einklang zu bringen, ihren Anwendungsbereich auszuweiten, die Durchsetzung zu erleichtern und so letztlich ein höheres Tierschutzniveau sicherzustellen.
  • Im März 2019 verabschiedete die Kommission einen strategischen Ansatz für Arzneimittel in der Umwelt. Ziel war es, die Umweltauswirkungen aller Phasen des Lebenszyklus von (Human- und Veterinär-) Arzneimitteln zu überprüfen – von Konzeption und Herstellung bis zu Gebrauch und Entsorgung. Mehrere Maßnahmen dieses strategischen Ansatzes sollen zu den Zielen des EU-Aktionsplans zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen im Rahmen des Konzepts „Eine Gesundheit“ beitragen. 

„Eine Gesundheit“-Netz der EU zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen

Das „Eine Gesundheit“-Netz der EU zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen, dem die Europäische Kommission vorsitzt, besteht aus Regierungsexperten für Gesundheit von Mensch und Tier, den wissenschaftlichen Agenturen der EU (Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA)) sowie Sachverständigen der Kommission. Dieses Netz hält halbjährliche Sitzungen ab, die den Mitgliedern eine Plattform geben, um nationale Aktionspläne und Strategien vorzustellen und einander über die Fortschritte auf dem Laufenden zu halten sowie bewährte Verfahren auszutauschen und politische Optionen und Möglichkeiten zur Verbesserung der Zusammenarbeit und Koordinierung zu erörtern.

Informationen zur Verarbeitung und zum Schutz personenbezogener Daten im Rahmen der Sitzungen des „Eine Gesundheit“-Netzes zur Bekämpfung von AMR sind in einer speziellen Datenschutzerklärung zusammengefasst.

Siehe auch: