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Sicherheit im Straßenverkehr: Zahl der Verkehrstoten geht zu langsam zurück

Sicherheit im Straßenverkehr

Die Zahl der Verkehrstoten geht in jüngster Zeit langsamer zurück: Die durchschnittliche Zahl der Verkehrstoten war 2015 mit 51,5 je 1 Million Einwohner ähnlich hoch wie in den vorangegangenen beiden Jahren.

2015 starben in Deutschland 43 Menschen pro eine Million Einwohner im Straßenverkehr, 2014 waren es 42. Das geht aus den heute (Donnerstag) von der Europäischen Kommission veröffentlichten Statistiken zur Straßenverkehrssicherheit 2015 hervor. "Jeder Tote oder Schwerverletzte ist einer zu viel", sagte die für Verkehr zuständige EU-Kommissarin Violeta Bulc. "Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten beeindruckende Ergebnisse bei der Verringerung der Zahl der Verkehrstoten erzielt, der gegenwärtige Stillstand ist jedoch alarmierend."

"Wenn Europa sein Ziel einer Halbierung der Zahl der Verkehrstoten bis 2020 erreichen soll, muss noch viel mehr getan werden", sagte Bulc weiter. "Ich fordere die Mitgliedstaaten auf, im Hinblick auf die Rechtsdurchsetzung und die Durchführung von Kampagnen größere Anstrengungen zu unternehmen. Dies mag mit Kosten verbunden sein, sie sind jedoch nichts im Vergleich zu den sozialen Kosten in Höhe von 100 Mrd. Euro, die durch Tote und Verletzte im Straßenverkehr entstehen."

Im vergangenen Jahr starben auf den Straßen in der EU 26.000 Menschen, das sind 5500 weniger als im Jahr 2010. Allerdings ist auf EU-Ebene keine Verbesserung gegenüber 2014 zu verzeichnen.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden in der EU große Fortschritte bei der Verringerung der Todesfälle im Straßenverkehr erzielt. So ging die Zahl der Verkehrsunfälle mit Todesfolge zwischen 2001 und 2010 trotz größeren Verkehrsaufkommens um 43 Prozent und seit 2010 um weitere 17 Prozent zurück. Zudem zählt der Anteil der Verkehrstoten mit 51,5 Fällen je einer Million Einwohner - verglichen mit 106 in den Vereinigten Staaten und 174 weltweit  - zu den niedrigsten überhaupt. Dieser Fortschritt hat sich in letzter Zeit jedoch deutlich verlangsamt: So ging die Verbesserung bei der Zahl der Verkehrstoten zwischen 2013 und 2014 auf fast Null zurück, und dieser Trend hat sich 2015 fortgesetzt.

Bei der Zahl der Verkehrstoten in der EU gibt es nach wie vor große Unterschiede zwischen den Mitgliedsländern, auch wenn sich diese Kluft  jedes Jahr verringert. So starben 2015 in Bulgarien und Rumänien 95 Menschen pro eine Million Einwohner im Straßenverkehr, in Schweden 27 und in Malta 26.

Die am stärksten betroffenen Verkehrsteilnehmer

Nur durchschnittlich 7 Prozent aller Todesfälle ereignen sich auf Autobahnen. 38 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle treten innerhalb städtischer Gebiete auf. Die Mehrzahl (55  Prozent) alle Unfälle mit Todesfolge werden in ländlichen Gebieten verzeichnet.

22 Prozent aller Verkehrstoten sind Fußgänger, und diese Zahl ging langsamer zurück als die anderen Verkehrstotenzahlen. Besonders hoch ist der Anteil in Rumänien, Lettland, Estland, Polen und Litauen, wo Fußgänger mehr als ein Drittel aller Verkehrstoten ausmachen. Auf die Radfahrer entfallen 8  Prozent aller Verkehrstoten in der EU. Deren Zahl ging zwischen 2010 und 2014 nur um 4 Prozent zurück – ein viel geringerer Rückgang als bei der Gesamtzahl der Verkehrstoten (18  Prozent).

Männer sind bei den Verkehrstoten überrepräsentiert: Sie machen 76 Prozent aller Unfalltoten aus. Junge Menschen sind im Verkehr am stärksten gefährdet: Der Anteil der 15- bis 24jährigen an der Gesamtbevölkerung beträgt 11 Prozent, bei den Verkehrstoten jedoch 16 Prozent. Zwischen 2010 und 2014 ging die Verkehrstotenzahl bei diesem Personenkreis jedoch um 32 Prozent zurück; dies ist mehr als in jeder anderen Altersgruppe. Dagegen verringerte sich der Anteil alter Menschen (9 Prozent) in dieser Statistik nur um 3 Prozent.

Erhöhung der Straßenverkehrssicherheit in der EU

Um die Zahl der Straßenverkehrstoten im Zeitraum 2010-2020 wenigstens zu halbieren, sind hauptsächlich die Mitgliedstaaten gefragt, da die meisten laufenden Maßnahmen auf nationaler und lokaler Ebene durchgeführt werden: sie betreffen die Durchsetzung der Straßenverkehrsvorschriften sowie Ausbau und Instandhaltung der Infrastruktur, aber auch Bildungs- und Sensibilisierungskampagnen. Die Europäische Kommission wird dort tätig, wo ein eindeutiger EU-Mehrwert besteht, beispielsweise durch den Erlass von Rechtsvorschriften, die die grenzüberschreitende Ahndung von Verkehrsdelikten ermöglichen, oder die Festlegung technischer Sicherheitsnormen für Infrastruktur und Fahrzeuge. Die Kommission überwacht die Lage aktiv, gibt Anregungen und unterstützt die Mitgliedstaaten bei der Verbesserung ihrer Leistung durch den Austausch von Daten, Kenntnissen und Erfahrungen sowie bewährter Verfahren.

Dank technologischer Durchbrüche in den letzten zehn Jahren wurde die Fahrzeugsicherheit stark verbessert. Die erheblichen Fortschritte bei Innovation und Technologie haben das Potenzial, die Sicherheit im Straßenverkehr in Zukunft wesentlich zu erhöhen, insbesondere im Bereich der Fahrzeugautomatisierung und Konnektivität. Um den Weg für die Automatisierung und ein besseres Verkehrsmanagement zu bereiten, wird die Kommission, im zweiten Halbjahr 2016 einen Masterplan für die Einführung kooperativer intelligenter Verkehrssysteme (ITS) für die wechselseitige Kommunikation zwischen Fahrzeugen bzw. Fahrzeugen und der Straßeninfrastruktur entwickeln.

Weitere Informationen in der ausführlichen Pressemitteilung und einem Memo, zur Statistik gelangen Sie hier.

Pressekontakt: Nikola John, Tel.: +49 (30) 2280 2410

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet der Infopunkt der Berliner Vertretung der Europäischen Kommission per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.