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Neuer Vergleichsmonitor zu Kultur und Kreativität in den Städten Europas: München und Stuttgart weit vorne

Wie europäische Städte bei Kreativität und Kultur abschneiden, zeigt ein heute (Donnerstag) von der EU-Kommission vorgestellter Vergleichsmonitor. Auch die Stärken und Verbesserungsmöglichkeiten von 15 deutschen Städten werden in dem Anzeiger analysiert. München und Stuttgart liegen beim Faktor "Kreative Wirtschaft" weit vorne.

(06.07.2017) - Der neue Anzeiger wurde vom wissenschaftlichen Dienst der Kommission entwickelt und vergleicht 168 Städte verschiedener Größe aus den EU-Mitgliedstaaten, der Schweiz und Norwegen miteinander.

Unter den 21 größten „XXL“-Städten belegt München einen hervorragenden zweiten Rang auf dem Feld „Kreative Wirtschaft“. Dazu trägt laut Kommission die Innovationsstärke bei und die Position als einer der weltweit führenden Verlagsstandorte mit etwa 250 Niederlassungen. Auch das große Musikangebot Münchens mit einem Weltklasse-Philharmonieorchester, dem Opernfestival und dem vor allem für Jazz renommierten Plattenlabel ECM wird gewürdigt. Stuttgart belegt unter 34 verglichenen „XL“-Städten Platz eins bei „Kreativer Wirtschaft“ vor allem dank seiner vielen Urheberrechtsanmeldungen. Software- und Spieleentwicklung, Verlage und Werbeagenturen dominierten den kreativen Sektor, heißt es, aber auch die kulturelle Lebendigkeit und die Staatsoper werden hervorgehoben. Karlsruhe kommt unter 36 „L“-Städten auf Rang zwei bei „Kreativer Wirtschaft“. Maßgeblich dazu beigetragen habe der „Karlsruhe Masterplan 2015“, der viele Projekte angestoßen habe wie etwa den Kreativpark „Alter Schlachthof“. Dort würden heute rund 1.600 Kreative arbeiten und es entstünden neue Jobchancen im Kultursektor.

Auch Berlin, Frankfurt, Nürnberg und Heidelberg belegen in ihren Größenklassen Top-Ten-Plätze  bei „Kreativer Wirtschaft“. Weimar kommt in der Klasse der „S-M“-Städte auf Rang fünf bei „Kultureller Lebendigkeit“.

Die wesentlichen Untersuchungsergebnisse

•             Führende Städte in puncto Kultur und Kreativität: Paris, Kopenhagen, Edinburgh und Eindhoven schneiden im Vergleich zu ähnlich großen Städten am besten ab.

•             Kultur, Kreativität und Wohlstand: Kultur und Kreativität sorgen für mehr Wirtschaftswachstum und sind daher für Städte mit geringen Einnahmen von großer Bedeutung.

•             Größe ist nicht alles: Die Größe einer Stadt ist nicht ausschlaggebend für ihre kulturelle und kreative Leistung; im Durchschnitt schneiden kleine und mittlere Städte gegenüber größeren recht gut ab.

•             Hauptstädte sind vorne dabei, aber nicht immer an der Spitze: Die Hauptstädte belegen zwar oft den ersten Platz, werden in Österreich, Belgien, Italien, Deutschland, Polen, Spanien, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich jedoch von anderen Städten überholt.

Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, der auch für die Gemeinsame Forschungsstelle zuständig ist, sagte: „Mein Ziel ist es, Kultur und Kreativität in den Mittelpunkt der europäischen Politikagenda zu rücken. In Zeiten großer gesellschaftlicher Veränderungen und eines immer schärferen globalen Wettbewerbs zwischen den Städten genügt es nicht, sich nur mit den klassischen Wachstumsquellen und dem sozioökonomischen Wohlergehen zu befassen, sondern wir müssen auch die Rolle der Kultur in dynamischen, innovativen und vielfältigen Städten unter die Lupe nehmen. Die Publikation ‚Kultur und Kreativität im Städtevergleich‘ zeigt auf, welche europäischen Städte eigene Wege zur Ausschöpfung ihres kulturellen und kreativen Potenzials gefunden haben, um Entwicklung und Innovation voranzutreiben, Arbeitsplätze zu schaffen und die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger zu verbessern. Das Instrument bietet eine solide Faktengrundlage, anhand derer die politischen Entscheidungsträger feststellen können, wo ihre Städte gut abschneiden und wo Verbesserungen wünschenswert wären.“

Deutlich wird auch, dass es die in kultureller und kreativer Hinsicht „ideale“ Stadt nicht gibt: Sie wäre eine Mischung aus den Städten, die bei den einzelnen Indikatoren Bestleistungen erzielen. Die "ideale" Stadt hätte demnach die Dichte der Kultureinrichtungen des irischen Cork, die kulturelle Attraktivität und das Angebot an kreativen Jobs von Paris, das Innovationspotenzial von Eindhoven, den Zuwachs an kreativen Arbeitsplätzen des schwedischen Umea, die Offenheit und Toleranz von Glasgow, das Verkehrsverbindungen von Utrecht und die Verwaltungsqualität von Kopenhagen. Fünf dieser acht Städte haben weniger als 500.000 Einwohner (Cork, Eindhoven, Umeå, Löwen und Utrecht). Das belegt, dass Hauptstädte nicht automatisch Spitze sind.

Hintergrund

Seit der Annahme der ersten „Europäischen Kulturagenda im Zeichen der Globalisierung“ (2007) hat die Kultur in der Politikgestaltung der EU stetig an Bedeutung gewonnen. Die systematische, vergleichbare europaweite Erfassung der kreativen Ressourcen, ihres Werts und ihrer Wirkung bleibt jedoch eine Herausforderung, da es insbesondere auf kommunaler Ebene keine gemeinsamen Definitionen oder Parameter gibt.

Die Gemeinsame Forschungsstelle (JRC) der Europäischen Kommission hat den Städtevergleich „Kultur und Kreativität“ entwickelt, um diese Informationslücke zu füllen. Das Instrument beruht auf drei zentralen Aspekten (kulturelle Dynamik, Kreativwirtschaft und Kulturumfeld), für die neun Dimensionen identifiziert wurden. In diesen Dimensionen wird die Leistung mit 29 Indikatoren gemessen, die von der Anzahl der Museen und Konzerthallen bis hin zur Beschäftigung im Kultur- und Kreativsektor sowie von den IKT-Patentanmeldungen bis hin zum Vertrauen der Menschen in andere Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt reichen. Es wurden Daten aus verschiedenen öffentlichen Quellen (u. a. Eurostat und Eurobarometer) sowie experimentelle Daten (z. B. von TripAdvisor) zusammengeführt.

Der Städtevergleich soll alle zwei Jahre aktualisiert werden, damit er sowohl konzeptionell als auch statistisch für alle Länder und Städte auf dem neuesten Stand bleibt und auch die Entwicklung der Städte erfasst wird.

Weitere Informationen:

Pressemitteilung: Florierende Städte durch Kultur und Kreativität – neues Vergleichsinstrument gibt Hilfestellung

Vollständiger Bericht

Factsheet: Kultur und Kreativität im Städtevergleich

Kultur und Kreativität im Städtevergleich: interaktives Online-Tool

Länderspezifische Datenblätter

Infografik

Gemeinsame Forschungsstelle

Pressekontakt: Gabriele Imhoff, Tel.: +49 (30) 2280-2820

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.