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Neue Regeln für Staubsauger ab 1.9.: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Staubsauger

Warum gibt es neue EU-Vorgaben für Staubsauger, was bringen sie, und was heißt das konkret für die Verbraucher?

29/08/2014

Die wichtigsten Fragen und Antworten hier im Überblick.

Warum beschäftigt sich die EU mit dem Stromverbrauch von Elektrogeräten? 

Weil sich die EU-Staaten 2007 – übrigens unter der Regie von Bundeskanzlerin Angela Merkel als EU-Ratspräsidentin und ihrem damaligen Umweltminister Sigmar Gabriel – zum Ziel gesetzt haben, ihre Energieeffizienz bis 2020 um 20 Prozent zu verbessern.

Das geht nicht ganz von alleine. Um besseren Elektrogeräten am Markt den Durchbruch zu verschaffen, hilft die EU mit Gesetzen nach. So machen das in vielen vergleichbaren Fällen auch die USA und Japan. Unter der sogenannten Ökodesign-Richtlinie werden die stromfressenden Haushaltsgeräte nach und nach abgearbeitet – vor einigen Jahren die Glühbirnen, nun eben die  Staubsauger. 

Zusätzlich machen es Energie-Label dem Verbraucher leichter, energieeffiziente Geräte von Stromfressern zu unterscheiden.

Welche neue Regeln gelten für Staubsauger ab 1. September 2014?

Erstens: Ab 1. September 2014 dürfen Staubsauger, die neu auf den Markt kommen, eine maximale Stromaufnahmeleistung von 1600 Watt aufweisen, ab 2017 nur noch 900 Watt. Momentan liegt der Durchschnitt bei 1800 Watt. Zudem gibt es Vorgaben für den jährlichen Energieverbrauch und Mindestanforderungen für die Staubaufnahme auf Teppichen und harten Böden.

Zweitens: Ab 1. September 2014 gibt es neue Energie-Label auf Staubsaugern. Dank derer kann jeder Verbraucher sofort sehen, wie gut ein Staubsauger in Sachen Energieeffizienz, Reinigungskraft, Staubemissionen und Lärmpegel abschneidet.

Werden Staubsauger, die weniger Strom verbrauchen, nicht auch weniger leistungsfähig sein?

Nein. Mehr Watt bedeutet nicht automatisch mehr Leistung, sondern zuallererst mehr Stromverbrauch. Wichtig ist, wie effizient der aufgenommene Strom in Leistung übertragen wird. Deshalb setzen die Ökodesign-Vorgaben auch Mindeststandards für die Staubaufnahme, also für die tatsächliche Leistung der Staubsauger.

Sind die neuen Vorgaben überhaupt technisch machbar?

Ja. Die Industrie wurde in jahrelanger Vorarbeit konsultiert. Die Techniker sagen: es wird kein Problem sein, die besseren Geräte mit vergleichbarer Saugkraft zu entwickeln.

Mehr Leistung trotz weniger Strom kann zum Beispiel durch Verbesserungen an der Düse erzielt werden. Wichtig ist auch, wie der Luftweg im Gerät verläuft: wenn die Saugluft nicht komplett durch den Staubsaugerbeutel muss, sondern ein zusätzlicher Kanal nur zum Ansaugen eingebaut wird, spart das erheblichen Kraftaufwand, sagen die Techniker.

Was bringt das alles konkret?

Jedes Jahr werden allein in Deutschland Millionen Staubsauger verkauft, da ist die Energieersparnis keine Kleinigkeit. Ab 2020 rechnet die Europäische Kommission dadurch europaweit mit einer Stromersparnis von 19 Terrawattstunden jährlich. Das entspricht der Leistung von vier Atomkraftwerken.  

Und die Verbraucher sparen bares Geld: Sie erhalten bessere Staubsauger, die mit weniger Stromverbrauch mehr Leistung erzielen.

Müssen jetzt alle alten Staubsauger entsorgt werden?

Nein. Wie bei allen anderen Geräten, für die über die Ökodesign-Richtlinie neue Anforderungen festgesetzt werden, gelten diese nur für Geräte, die ab dem Stichtag (also hier dem 1. September 2014) neu auf den Markt kommen. Altbestände dürfen weiter verkauft werden. Und natürlich muss auch kein alter Staubsauger daheim entsorgt werden.

Was steckt hinter dem Stichwort "Ökodesign" und funktioniert die Idee überhaupt?

Das Prinzip hinter den Ökodesign-Regeln ist folgendes: Die besten Produkte setzen den Standard. So verschwinden in einem überschaubaren Zeitraum die Energiefresser vom Markt. Ein konkretes Beispiel sind Waschmaschinen. Für die gibt es seit 1995 Labelling-Vorschriften und Mindeststandards. Ein Haushalt mit einer Waschmaschine der Energieeffizienzklasse "A" hat über die Jahre mehr als 1000 Euro Stromkosten sparen können. Und: Die Hersteller haben seitdem die Leistung der Waschmaschinen verbessert und ihren Stromverbrauch gesenkt. Heute sind mehr als 90 Prozent der Waschmaschinen in der besten Klasse "A" - 1995 waren es gerade mal zwei Prozent.

Hat sich das die Europäische Kommission einfach so ausgedacht?

Natürlich nicht. Zum einen gingen den neuen Regeln umfassende Diskussionen mit Industrie, Umweltorganisationen und Verbraucherverbänden voraus. Zudem wurden die neuen Regeln natürlich demokratisch entschieden. Die Regierungen der EU-Staaten und das Europäische Parlament waren beteiligt und haben die neuen Ökodesign-Anforderungen für die Staubsauger mitgetragen.

Wo finde ich die entsprechenden Gesetzestexte?

Die Verordnung, in der Ökodesign-Anforderungen für Stausauger festgelegt sind, gibt es hier zum Download. Die Verordnung zum neuen Energieeffizienzlabel finden Sie hier.