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Juncker gedenkt Westerwelle: "In Sachen Europa blieb er dran"

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EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat bei der Gedenkfeier im Auswärtigen Amt heute (Montag) in Berlin den früheren deutschen Außenminister Guido Westerwelle als großen Europäer gewürdigt.

04/04/2016

"Er hatte Haltung, war standhaft – vor allem in Sachen Europa, das ihm eine Herzensangelegenheit war. Europa war für ihn nicht eine gehobene Freihandelszone, nicht ein Warenbinnenmarkt", sagte Juncker. "Europa war für ihn viel mehr, nämlich eine Wertegemeinschaft: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die Werte der Aufklärung und der Friedensrevolutionen im ausgehenden 20. Jahrhundert bildeten für ihn den normativen Kern der europäischen Gesellschaften."

So erkläre sich auch Westerwelles Präsenz bei den Revolten auf dem Maidan in Kiew und dem Tahrir-Platz in Ägypten, sagte Juncker. "Er hat Europa nicht nur für ein Angebot an uns selbst empfunden, sondern auch für eine Offerte an den Rest der Welt; und deshalb hat er spontan gefühlt, dass er auch dort sein müsste, wo europäische Werte angestrebt wurden."

Konstanter Einsatz für gemeinsame Außen- und Verteidigungspolitik

Westerwelle habe sich konstant für die deutsch-französische Freundschaft eingesetzt, die für ihn Motor aller europäischen Bewegungen war. Er habe wie seine Amtsvorgänger auch stets versucht, Polen einzubinden, als festen Bestandteil des europäischen Einigungsgedankens. Westerwelle habe sich für einen stabilen Euro eingesetzt und auch um eine europäische Außen- und Verteidigungspolitik bemüht.

"Früh und später auch noch hat er sich für eine europäische Armee eingesetzt. Das trägt nicht zu erhöhter Popularität bei, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Aber er hat das gemacht, weil er über den Tellerrand hinaussah, weil er Dinge in Bewegung bringen wollte. Dies hat er getan, obwohl er sich eigentlich der Kultur der militärischen Zurückhaltung verschrieben hatte", so Juncker.

"Immer trat er – wenn es um Europa ging – für das Gemeinsame ein, für eine "Gemeinschaft unter Gleichen". Er hat keinen Unterschied gemacht zwischen Groß und Klein, ist besonders den Kleinen mit hohem Respekt begegnet, was ihm sehr viel Sympathie bei den nicht so ganz Großen in Europa eingebracht hat." 

"In Sachen Europa blieb er dran, hat nie aufgegeben"

"In Sachen Europa blieb er dran", sagte Juncker. "Er hat nie aufgegeben, nicht in Europa, nicht in seinem eigenen Leben - bis ganz zum Schluss. Er hat Mut gehabt und er hat anderen Mut gemacht - bis ganz zum Schluss. Nun hat er aufgehört Zukunft zu gestalten. Aber wir müssen an der Zukunft, die er uns geschenkt hat, weiter arbeiten; in Europa, mit Beharrlichkeit und Tag für Tag aufs Neue." 

Rede von Präsident Juncker bei der Gedenkfeier für Guido Westerwelle.

Pressekontakt: Reinhard Hönighaus, Tel.: +49 (30) 2280-2300

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet der Infopunkt der Berliner Vertretung der Europäischen Kommission per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.