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EU-Kommission investiert 33 Millionen Euro in elf deutsche Umweltprojekte

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Die Europäische Kommission hat heute (Donnerstag) grünes Licht gegeben für Investitionen von insgesamt 223 Mio. Euro aus dem LIFE-Programm der EU für Umwelt- und Klimaschutz-Projekte in 23 Ländern. Davon erhalten elf deutsche Projekte unter anderem in Aachen, Fulda, am Bodensee, in der Region Saale-Unstrut und in Dresden insgesamt 33 Mio. Euro.

03/11/2016

(03.11.2016) - Die EU-Mittel aus dem Programm für die Umwelt und Klimapolitik (LIFE) werden zusätzliche Investitionen anstoßen, sodass insgesamt 398,6 Mio. Euro in 144 neue Projekte fließen werden.

EU-Umweltkommissar Karmenu Vella sagte: „Ich bin erfreut, dass unser Programm LIFE auch in diesem Jahr wieder viele innovative Vorhaben unterstützt, mit denen wir unseren gemeinsamen Umweltherausforderungen begegnen. Im Programm LIFE geförderte Projekte wenden vergleichsweise geringe Finanzmittel auf, um mit einfachen Ideen profitable umweltfreundliche Unternehmen zu schaffen, die zum Übergang zu einer CO2-emissionsarmen Kreislaufwirtschaft beitragen können.“

Der EU-Kommissar für Klimaschutz und Energie, Miguel Arias Cañete, erklärte: „Angesichts des Inkrafttretens des Übereinkommens von Paris in wenigen Wochen müssen wir uns jetzt darauf konzentrieren, unsere Zusagen in die Realität umzusetzen. Diese Projekte werden die richtigen Bedingungen schaffen für die Förderung innovativer Lösungen und für die Verbreitung bewährter Verfahren zur Verringerung der Emissionen und zur Anpassung an den Klimawandel in der gesamten Europäischen Union. Auf diese Weise werden sie die Umsetzung des Pariser Übereinkommens durch die EU unterstützen.“

Die Projekte belegen das fortgesetzte Engagement der Kommission für ihre Leitinitiative zur Kreislaufwirtschaft. Es wird eine erhebliche Zahl von Projekten gefördert, um den Übergang zu einer stärker kreislauforientierten Wirtschaft bestmöglich zu bewältigen. Beispiele für Projekte, die 2016 in die Förderung aufgenommen wurden, sind neue, energiesparende Müllfahrzeuge mit Wasserstoff-Elektro-Antrieb in Belgien, Technologien zur Verringerung der Gesundheitsrisiken von Abwasserschlämmen in einem Pionierprojekt in Italien und ein Projekt, mit dem griechische Stadtverwaltungen, beispielsweise in Olympia, bei der Steigerung der Recyclingraten unterstützt werden.

Im Bereich der Klimapolitik werden Investitionen in Höhe von 75,1 Mio. Euro in Projekte zur Anpassung an den Klimawandel, Klimaschutz sowie Verwaltungspraxis und Information im Klimabereich fließen. Die ausgewählten Projekte sind auf das EU-Ziel einer Senkung der Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 40 Prozent ausgerichtet, womit ein Beitrag zum Übergang zu einer CO2-emissionsarmen und klimaresistenten Wirtschaft geleistet wird.

Die elf geförderten deutschen Projekte

LIFE Natur und biologische Vielfalt (3 Projekte – 13,2 Mio. Euro)

LIFE-Amphibienverbund (Biologische Station StädteRegion Aachen): Das Projekt soll den Erhaltungszustand dreier Krötenarten in Gebieten des Natura-2000-Netzes in der Aachener Region verbessern, nämlich der Gelbbauchunke (Bombina variegata), der Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) und der Kreuzkröte (Bufo calamita). Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören die Verbesserung der Qualität ihrer aquatischen und terrestrischen Lebensräume, auch durch die Schaffung von Vernetzungskorridoren und die Erhöhung ihrer Populationsgrößen. Es werden lokale Aktionspläne aufgestellt, damit die durchgeführten Maßnahmen langfristig Erfolg haben.

Kurzbeschreibung des Projekts

LIFE-Biotope und Korridore (Biologische Station StädteRegion Aachen): Das Projekt soll den Erhaltungszustand der Schmetterlingsart Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle) verbessern, indem kleine Verbindungsgebiete (Biotope) zwischen ihren bevorzugten Lebensräumen (allesamt Erhaltungsprioritäten gemäß der EU-Habitat-Richtlinie) verbessert werden – Auenwälder, Moorwälder und Tilio-Acerion-Wälder in der nördlichen Eifel. Ziel ist der Aufbau eines Lebensraumnetzes innerhalb und zwischen Natura-2000-Gebieten, um die Schmetterlingsteilpopulationen zu stützen. Zur Schaffung von Korridoren und Trittsteinen werden Hindernisse beseitigt und neue Lebensräume eingerichtet.

Kurzbeschreibung des Projekts

LIFE Rhön Wiesenvögel (Landkreis Fulda, Fachdienst Biosphärenreservat Rhön): Ziel des Projekts ist die Verwirklichung wichtiger strategischer Schutzprioritäten entsprechend dem prioritären Aktionsrahmen (PAF) für die Gebiete des Natura-2000-Netzes in Deutschland. Die geplanten Maßnahmen betreffen die beiden prioritären Grünlandlebensräume gemäß der EU-Habitat-Richtlinie (wichtige Orchideengebiete) und die Optimierung der Lebensräume von acht Wiesenbrütern gemäß der EU-Vogelrichtlinie. Im Zuge der Projekttätigkeiten soll ein etwa 1000 Hektar großes Gebiet wiederhergestellt, neu eingerichtet oder optimiert werden.

Kurzbeschreibung des Projekts

LIFE Umwelt und Ressourceneffizienz (1 Projekt – 1,8 Mio. Euro)

ISOBEL (BEW Bayerische Elektrizitätswerke GmbH): Das Projekt wird ein neues Herangehen an die Renaturierung der frei fließenden Teile des Flusses Iller in Deutschland demonstrieren. Mithilfe des zu installierenden Geschiebemanagementsystems soll der Fluss in einen guten ökologischen Zustand versetzt werden, wie er von der Wasserrahmenrichtlinie verlangt wird. Der Hauptnutzen des Systems besteht in seinen geringeren Umweltauswirkungen, weil aggressive Aushubarbeiten vermieden werden, um den Fluss und die Flussufer weniger zu stören. Durch die Schaffung vielfältiger Strukturen und Lebensräume wird das Ökosystem auch widerstandsfähiger und klimaresistenter gemacht. Das Projekt wird einen Leitfaden für die Förderung der Umsetzung seines Systems in ganz Europa veröffentlichen.

Kurzbeschreibung des Projekts

LIFE Umwelt und Verwaltungspraxis (2 Projekte – 3,9 Mio. Euro)

LIFEBioStandards (Global Nature Fund−GNF): Das Projekt LIFEBioStandards dient der Verbesserung der biologischen Vielfalt in der Nahrungskette durch die Aufnahme von Biodiversitätskriterien in Standards und Qualitätssiegel der Lebensmittelbranche, die von Vorreiterunternehmen in der Lebensmittelwirtschaft verwendet werden. Zur Demonstration der Anwendbarkeit von Biodiversitätskriterien werden Pilotprojekte in zertifizierten Ackerbau-, Pflanzen-, Milch- und Fleischbetrieben durchgeführt. Außerdem werden nahrungsmittelverarbeitende Unternehmen und Einzelhandelsunternehmen dazu ermuntert, wirksame Biodiversitätskriterien in ihre Beschaffungsrichtlinien aufzunehmen. An dieser Initiative „Leistungen der biologischen Vielfalt in der Lebensmittelwirtschaft“ werden sich vierzig Organisationen beteiligen.

Kurzbeschreibung des Projekts

LIFE Rechtliche Schritte für saubere Luft (DUH): Das Projekt soll nichtstaatliche Organisationen und Bürger in die Lage versetzen, sich an partizipativen öffentlichen Prozessen zur Entwicklung oder Änderung von Luftqualitätsplänen zu beteiligen, ihnen durch Hilfe bei der Beantragung von Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität den Zugang zur Justiz erleichtern, und die Beziehung zwischen Bürgern und staatlichen Stellen verbessern. Außerdem sollen politische Entscheidungsträger besser informiert werden über einschlägige Fördermöglichkeiten auf EU-Ebene und auf nationaler Ebene für die Verbesserung der Luftqualität, die umweltfreundliche Vergabe öffentlicher Aufträge und Beispiele für bewährte Verfahren. Die Tätigkeiten finden in sieben EU-Mitgliedstaaten statt, wobei der besondere Schwerpunkt auf Deutschland und der Tschechischen Republik liegt. Die Ergebnisse sollen in der gesamten EU Anwendung finden.

Kurzbeschreibung des Projekts

LIFE Anpassung an den Klimawandel (3 Projekte – 6,7 Mio. Euro)

LIFE AGRI ADAPT (LCF-Bodensee-Stiftung): Das Projekt arbeitet in vier ländlichen Pilotgebieten, die besonders vom Klimawandel bedroht sind, und soll eine Wissensbasis für die Beurteilung und Überwachung der Klimawandelanfälligkeit landwirtschaftlicher Betriebe aufbauen. Ziel ist die Förderung nachhaltiger Anpassungsmaßnahmen bei Landwirten und künftigen Landwirten, durch Sensibilisierung und Schulungsangebote. Außerdem werden Wissen und bewährte Verfahren an Beteiligte in Politik, Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft weitergegeben.

Kurzbeschreibung des Projekts

LIFE VinEcoS (Landgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH): Das Projekt wird Arbeiten in einem großen Weinanbaugebiet Deutschlands (Saale-Unstrut, Sachsen-Anhalt) durchführen, um die Widerstandsfähigkeit der Weinberge zu erhöhen, und dazu Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel im Weinbau erproben. Dank dieser Erprobungen wird das Projekt in der Lage sein, die Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel im Hinblick auf den Mehrwert der von den Weinbergen erbrachten Ökosystemleistungen zu beurteilen.

Kurzbeschreibung des Projekts

LIFE LOCAL ADAPT (Technische Universität Dresden): Das Projekt erhöht die Fähigkeiten ausgewählter lokaler Verwaltungen in vier EU-Ländern zur Anpassung an den Klimawandel (Deutschland, Österreich, Tschechische Republik und Lettland). Es dient der Integration von Anpassungsmaßnahmen in die Verwaltungspraxis lokaler Behörden und ermuntert diese sodann, diese Maßnahmen auch anzuwenden. Konkrete Ziele sind: bessere Daten über Risiken des Klimawandels und damit zusammenhängende Anfälligkeiten, Bereitstellung von Klimaindizes, Erweiterung des Anpassungswissens in den Kommunen, Durchführung von Maßnahmen zur Steigerung der Widerstandsfähigkeit mittels einer zweckmäßigen Städte- und Landschaftsplanung.

Kurzbeschreibung des Projekts

LIFE Klimaschutz (1 Projekt – 6,0 Mio. Euro)

LIFE Peat Restore (Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V.): Das Projekt dient der Wiederherstellung degradierter Torfmoore in Deutschland, Polen, Litauen, Lettland und Estland. Außerdem wird es einen Wiederherstellungsleitfaden für Naturschützer und Entscheidungsträger aufstellen, in dessen Mittelpunkt die Rolle der Torfmoore als Kohlenstoffsenke und als Quelle von CO2-Emissionen steht. Ziel ist es, einen EU-weiten Konsens über die beste Methode für die Wiederherstellung degradierter Torfmoore als Teil der Klimapolitik und über Leitlinien für die Messung der Treibhausgasströme zu erreichen.

Kurzbeschreibung des Projekts

LIFE Verwaltungspraxis und Information im Klimabereich (1 Projekt – 1,3 Mio. Euro)

LIFE Close the Gap (DUH): Dieses Projekt befasst sich mit einer der großen Umweltherausforderungen Europas im Straßenverkehr, der Lücke zwischen tatsächlichen CO2-Emissionen bzw. tatsächlichem Kraftstoffverbrauch und den in amtlichen Tests angegebenen Werten. Es wird politische Entscheidungsträger auf europäischer und nationaler Ebene in die Lage versetzen, die Rechtsvorschriften und ihre Anwendung auf den von Fahrzeugen verursachten CO2-Ausstoß zu verbessern. Außerdem wird es Verbrauchern helfen, fundierte Kaufentscheidungen zu treffen, und zur Entwicklung von Lösungen für einen besseren Rahmen für Tests auf europäischer Ebene beitragen.

Kurzbeschreibung des Projekts

Hintergrund

Das Programm LIFE ist das Finanzierungsinstrument der EU für die Umwelt und Klimapolitik. Es läuft seit 1992 und hat in der gesamten EU und in Drittländern mehr als 4300 Projekte kofinanziert, dabei 8,8 Mrd. Euro mobilisiert und 3,9 Mrd. Euro zum Schutz von Umwelt und Klima beigetragen. Zu jedem Zeitpunkt sind rund 1100 Projekte im Gange. Die Haushaltsmittel für das Programm LIFE für den Zeitraum 2014 – 2020 belaufen sich auf 3,4 Mrd. Euro zu jeweiligen Preisen und umfassen ein Teilprogramm „Umwelt“ und ein Teilprogramm „Klimapolitik“.

Weitere Informationen:

Pressemitteilung: Kommission investiert mehr als 220 Mio. EUR in umweltfreundliche und CO2-emissionsarme Projekte in den Mitgliedstaaten

Memo mit Beschreibungen aller geförderten Projekte

Programm LIFE

Die Kontaktdaten der zuständigen nationalen Behörden finden Sie hier.

Pressekontakt: Claudia Guske, +49 (30) 2280-2190

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.