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EU-Kommissar Vella erreicht 10-Jahres-Verpflichtung zur Rettung der Fischbestände im Mittelmeer

Nach monatelangen Verhandlungen hat die Europäische Kommission eine 10-Jahres-Verpflichtung der Mittelmeer-Anrainer erreicht, um die Fischbestände im Mittelmeer zu erhalten und den ökologischen und wirtschaftlichen Reichtum der Region zu schützen. Der für Fischerei zuständige EU-Kommissar Karmenu Vella sagte dazu gestern (Donnerstag): „Heute haben wir Geschichte geschrieben. Mit der Unterzeichnung der MedFish4Ever-Erklärung von Malta bekräftigen wir unseren politischen Willen zu konkreten Maßnahmen in Bezug auf die Fischerei und andere sich auf die Fischereiressourcen auswirkende Tätigkeiten, die blaue Wirtschaft, die soziale Inklusion und die Solidarität zwischen den nördlichen und südlichen Anrainerstaaten des Mittelmeers.

(31.03.2017) – Die Erklärung wurde von Vertretern von Ministerien der nördlichen und südlichen Küstenstaaten des Mittelmeers unterzeichnet - eine Unterschrift, die politische Verantwortung an ein Thema knüpft, das bisher auf technischer Ebene verwaltet wurde. Sie ist das Ergebnis eines von der Europäischen Kommission im Februar 2016 in Catania (Sizilien) eingeleiteten Prozesses.

Bei der MedFish4Ever-Ministerkonferenz auf Malta waren acht EU-Staaten (Spanien, Frankreich, Italien, Malta, Slowenien, Kroatien, Griechenland, Zypern) und sieben Drittstaaten (Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten, Türkei, Albanien, Montenegro) vertreten.

Sie einigten sich auf ein detailliertes Arbeitsprogramm für die nächsten zehn Jahre auf der Grundlage ehrgeiziger, aber realistischer Ziele. Konkret verpflichteten sie sich zu folgenden Schritten:

  • Bis 2020 Sicherstellung, dass für alle wichtigen Bestände im Mittelmeer angemessene Daten erhoben werden und diese Bestände regelmäßig wissenschaftlich bewertet werden. Insbesondere müssen Fischer in der handwerklichen Fischerei eine größere Rolle bei der Erhebung der erforderlichen Daten zur Erweiterung der wissenschaftlichen Kenntnisse spielen;
  • Einführung mehrjähriger Bewirtschaftungspläne für alle wesentlichen Fischereien. Die Kommission hat diesen Prozess bereits mit ihrem Vorschlag für einen mehrjährigen Plan für die Fischerei auf kleine pelagische Bestände im Adriatischen Meer eingeleitet;
  • bis 2020 Unterbindung der illegalen Fischerei, indem gewährleistet wird, dass alle Staaten über den rechtlichen Rahmen und die erforderlichen personellen und technischen Kapazitäten verfügen, um ihre Kontroll- und Inspektionspflichten zu erfüllen. Die Allgemeine Kommission für die Fischerei im Mittelmeer (GFCM) wird die Führung bei der Entwicklung der nationalen Kontroll- und Sanktionssysteme übernehmen;
  • Förderung nachhaltiger handwerklicher Fischerei und Aquakultur durch Vereinfachung von Finanzierungsprogrammen für lokale Projekte wie die Flottenmodernisierung mit schonenden Fanggeräten und -techniken, soziale Eingliederung und die Beteiligung der Fischer am Umweltschutz.

Die wirksame Umsetzung der Erklärung wird möglich durch die Einbindung von Fischern, Küstengemeinden, der Zivilgesellschaft, der industriellen Fischerei, der kleinen und handwerklichen Fischerei und der Freizeitfischerei sowie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen und der GFCM in den Prozess. 

Über 300.000 Personen sind unmittelbar in der Fischfangflotte im Mittelmeer beschäftigt und viele weitere Arbeitsplätze hängen mittelbar vom Fischereisektor ab. Die kleine Küstenfischerei (Schiffe mit einer Länge von weniger als 10 Metern) macht 80 Prozent der Flotte aus und steht für ein Viertel der Gesamtfänge. Die Arbeitsplätze in diesen Bereichen sind gefährdet, da die Fischbestände im Mittelmeer zurückgehen: etwa 90 Prozent der bewerteten Bestände sind überfischt. Existenzgrundlagen und Ernährungssicherheit, regionale Stabilität und Sicherheit sind bedroht.

Weitere Informationen:

MedFish4Ever-Erklärung von Malta

# MedFish4Ever-Kampagne

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