Vertretung in Deutschland

Die EU gibt mir eine Chance. Dafür bin ich dankbar

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Integration von Flüchtlingen

Hassan Ahmed Issa ist von Somalia nach Deutschland geflüchtet. Dank Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) macht er hier jetzt die ersten Schritte in seinem ursprünglichen Beruf: als Augenoptiker. 

03/12/2015

(03.12.2015) - Kassel: Hassan Ahmed Issas Berufswunsch stand schon früh fest: Nach seinem Schulabschluss wollte er Augenoptiker werden. Seine Ausbildung machte er in Syrien, weil es in seinem Heimatland Somalia diesen Beruf nicht gibt. „2010 bin ich dann vor dem Bürgerkrieg in Somalia nach Deutschland geflohen“, erzählt der 33-Jährige. Mittlerweile lebt er in Kassel und ist dort Praktikant beim Augenoptikerbetrieb „siehste Brillen und Linsen“. „In der Werkstatt schleife ich zum Beispiel Brillengläser. In der Schule lerne ich über die Anatomie des Auges. Alles läuft genau wie bei einem Lehrling nach einem Rahmenlehrplan“, so Issa.

Der Praktikumsplatz von Hassan Ahmed Issa ist Bestandteil des EU-geförderten Projektes „Anpassungsqualifizierung Duale Berufe“ in Hessen. Es richtet sich an Personen mit einer nicht vollständig anerkannten ausländischen Berufsqualifikation im dualen Bereich, die eine Anpassungsqualifizierung zur vollen Anerkennung benötigen. Alle Teilnehmer erhalten eine individuelle, auf sie zugeschnittene Förderung und nach Bedarf auch Deutschunterricht.

Ermöglicht wird dieses Projekt nur aufgrund der Unterstützung durch die Europäische Union. „Ich bin sehr dankbar, dass ich durch die EU diese Chance erhalten habe“, betont Issa. Mit seinem syrischen Zertifikat wurde Hassan Ahmed Issa in der Vergangenheit immer wieder bei deutschen Augenoptikerbetrieben abgelehnt. Über das Bildungszentrum in Kassel erfuhr er dann von einer möglichen Anpassungsqualifizierung. „Anfang dieses Jahres habe ich in der Berufsschule schon einen Test gemacht. Nun muss ich noch ein dreimonatiges Praktikum machen“, so Issa. Während seiner gesamten Qualifizierung wird der Somalier vom Projekt begleitet, das eng mit Betrieben, den zuständigen Stellen wie der Handwerks- bzw. Industrie- und Handelskammer sowie geeigneten Bildungsanbietern kooperiert.

Der Europäische Sozialfonds (ESF) ist Europas wichtigstes Instrument zur Förderung der Beschäftigung – er unterstützt die Menschen beim Zugang zu besseren Arbeitsplätzen und stellt angemessene Berufsaussichten für die Bürger sicher. „Mit dem ESF wollen wir gewährleisten, dass gerade die Schwächsten auf dem Arbeitsmarkt eine Chance bekommen. Hier investiert die EU direkt in den Menschen und hilft denen, die es besonders schwer haben, bei der Integration,“ sagt Steffen Schulz, kommissarischer Leiter der Regionalvertretung der Europäischen Kommission in Bonn.

Der Augenoptiker Olaf Rotermund ist mit seinem Praktikanten aus Somalia sehr zufrieden: „Er hat ein paar Tugenden, die wirklich klasse sind: Er ist super pünktlich, sehr zuvorkommend und er sieht auch alles. Es macht schon Spaß mit ihm zu arbeiten. Er hat gute Fortschritte gemacht.“ Zwischen der deutschen und syrischen Augenoptikerausbildung sieht er große Unterschiede: „In Deutschland beträgt die Ausbildungsdauer drei Jahre und in Syrien nur zwei Jahre. Die ist natürlich auf einem ganz anderen Niveau, vor allem im Bereich der Dienstleistung. Ich würde Herrn Issa jederzeit wieder eine Chance geben. Auch wir profitieren durch das EU-geförderte Projekt. Zurzeit kann ich mir gut vorstellen, ihm nach Abschluss des Projektes eine Chance zu geben“, so Rotermund.

Weitere Informationen:

Europäischer Sozialfond (ESF):

Bis 2020 bekommt Deutschland insgesamt 7,49 Milliarden Euro aus dem ESF. Die Mittel werden zu etwa einem Drittel vom Bund und zu zwei Dritteln von den Ländern verwaltet. Voraussetzung für eine Förderung durch den ESF ist eine anteilige Finanzierung durch Bund oder Länder, die je nach Projekt und Zielsetzung variieren kann.

http://ec.europa.eu/esf/main.jsp?catId=375&langId=de

http://www.esf.de/portal/DE/Ueber-den-ESF/inhalt.html

http://presseportal.eu-kommission.de/index.php?id=162

Weitere EU-Hilfen speziell für Flüchtlinge:

Der Europäische Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) stellt in der Förderperiode 2014 bis 2020 3,1 Milliarden Euro zur Verfügung. Davon gehen rund 221 Millionen Euro für die Jahre 2014 bis 2020 an Deutschland.

Aus dem Fonds für innere Sicherheit (ISF) fließen während derselben Förderperiode weitere 134 Millionen Euro nach Deutschland.

Insgesamt summiert sich der Betrag der EU-Förderung für Deutschland in den Bereichen Asyl und Innere Sicherheit für 2014 bis 2020 auf rund 356 Millionen Euro.

http://ec.europa.eu/deutschland/press/pr_releases/13197_de.htm

http://ec.europa.eu/deutschland/press/pr_releases/13550_de.htm

http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-15-5730_de.htm

Über das IQ Landesnetzwerk Hessen:

Seit Januar 2015 wird das o.g. Projekt „Anpassungsqualifizierung Duale Berufe“ im Rahmen des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ des Bundesministerium für Arbeit und Soziales durchgeführt. Das Projekt erhält Fördermittel durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) in Höhe von 344.000 Euro.

Das Landesnetzwerk Hessen im bundesweiten Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ erhält 6,3 Millionen Euro Fördermittel durch den Europäischen Sozialfonds (ESF). Mit dem Programm sollen Personen mit ausländischen Berufsqualifikationen und ab 2016 auch Flüchtlinge ohne anerkannte Berufsqualifikation besser in den Arbeitsmarkt integriert werden.

http://www.hessen.netzwerk-iq.de/

http://www.hessen.netzwerk-iq.de/qualifizierung-hessen/qualifizierungsangebote/anpassungsqualifizierung-duale-berufe-mittelhessen.html

Kontakt Zentrum für Arbeit und Umwelt Gießen ZAUG gGmbH:

(Informationen zum Projekt und seinen Teilnehmern)

Nicole Brinkmann, Projektleitung, 0641/95225-18, IQ-Hessen@zaug.de

 

Kontakt „siehste Brillen und Linsen“:

(Terminvereinbarung für Interviews mit Herrn Issa, Fotos, Drehs etc.)

Olaf Rotermund, Inhaber, 0561/719107, info@siehste-kassel.de

 

Kontakt Europäische Kommission, Regionalvertretung in Bonn: (Hintergrundinformationen zu EU-Fördermaßnahmen für Migranten und zur EU-Flüchtlingspolitik )

Sandra Fiene, Presse und Kommunikation, 0228/53009-23, sandra.fiene@ec.europa.eu