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Zukunft der Arbeit gestalten: was sollte die EU tun?

Megatrends wie die Digitalisierung, Globalisierung, Migration, Klimawandel und eine alternde Bevölkerung werden auch die Arbeitswelt fundamental verändern. Wie die EU darauf reagieren kann, war gestern (Dienstag) Thema einer hochrangigen Konferenz in Brüssel. „In einer sich verändernden Arbeitswelt können wir nicht einfach von den Menschen erwarten, dass sie sich auf den Wandel einstellen und vorbereiten. Wir, die politischen Entscheidungsträger, müssen unsere sozialen Einrichtungen, unsere Regelwerke und unsere Bildungssysteme anpassen, damit die Menschen auch in der neuen Arbeitswelt vertrauensvoll in ihre eigene Zukunft und die ihrer Kinder schauen können,“ erklärte Marianne Thyssen, die für Beschäftigung, Soziales, Qualifikationen und Arbeitskräftemobilität zuständige EU-Kommissarin.

10/04/2019

Auf Einladung von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Vizepräsident Valdis Dombrovskis und Kommissarin Thyssen waren gestern rund 500 Teilnehmer zusammengekommen, darunter Minister, Vertreter der EU-Organe und -Agenturen, der nationalen Regierungen, der Sozialpartner, der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft und der Medien. Aus ihren Diskussionen ergaben sich folgende zehn Kernbotschaften:

  1. Die Welt verändert sich: Megatrends wie Digitalisierung, Globalisierung, Migration, Klimawandel und demografischer Wandel, insbesondere die Bevölkerungsalterung, verändern die Europäische Union wie auch alle anderen Teile der Welt und stellen sie häufig vor neue Herausforderungen.

  2. Es geht JETZT um die Zukunft der Arbeit: Die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, die sich derzeit vollziehen, sind unumkehrbar – zum Beispiel die Automatisierung und neue Geschäftsmodelle wie die Plattformwirtschaft, die durch die digitale Technik ermöglicht werden.

  3. Die EU bietet einen Bezugspunkt und Unterstützung bei der Bewältigung dieser Herausforderungen: Die europäische Säule sozialer Rechte ist die Richtschnur für neue Rechtsvorschriften oder politische Initiativen auf EU-Ebene, für Reformen auf nationaler Ebene im Rahmen des Europäischen Semesters und für die effiziente Bereitstellung von Mitteln zur Bewältigung der dringendsten sozialen Prioritäten.

  4. Wir müssen definieren, wie die Zukunft der Arbeit aussehen soll, und wie wir dies erreichen: Das europäische Sozialmodell soll bewahrt und gestärkt werden, aber es muss auch auf neue Herausforderungen einer globalisierten Welt reagieren und die Vorteile der technologischen Innovation ausschöpfen können. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir einen Fahrplan mit konkreten Maßnahmen aufstellen.

  5. Wir brauchen eine inklusive digitale Wirtschaft: Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren oder mit einem Arbeitsplatzwechsel konfrontiert sind, brauchen umfassende Unterstützung, und zwar in Form von Weiterqualifizierung und Umschulung, Zugang zu Leistungen der Arbeitsverwaltung, Einkommensunterstützung und Sozialleistungen während ihrer gesamten Berufslaufbahn. Eine hochrangige Gruppe hat die Auswirkungen der digitalen Transformation auf die EU-Arbeitsmärkte untersucht und im Vorfeld der Konferenz Vorschläge zu drei Hauptthemen vorgelegt: qualifizierte Arbeitskräfte, neue Arbeitsbeziehungen und ein neuer Sozialvertrag.

  6. Wir brauchen angemessene Investitionen: Es wird von entscheidender Bedeutung sein, dass wir den langfristigen EU-Haushalt 2021-2027 optimal nutzen, auch für den Europäischen Sozialfonds Plus, aus dem künftige bildungs- und ausbildungspolitische Strategien und Maßnahmen zur Unterstützung von Arbeitsmarktübergängen finanziert werden sollen.

  7. Wir brauchen eine bessere aktive Arbeitsmarktpolitik, die von leistungsstarken öffentlichen Verwaltungen umgesetzt wird, die die Dienstleistungen anbieten, die unsere Bürger und Gesellschaften benötigen. Dies erfordert eine bessere Einbeziehung und Zusammenarbeit der Arbeitsverwaltungen, der Ausbildungseinrichtungen, der Sozialdienste und der Unternehmen.

  8. Niemand darf zurückgelassen werden: Wirtschaftliche Vorteile sollten allen Europäerinnen und Europäern zugute kommen, auch denjenigen, die in benachteiligten Stadtvierteln von Großstädten oder in abgelegenen ländlichen Gebieten leben. Der Erfolg jeder Politik sollte daran gemessen werden, wie sie sich auf die am stärksten benachteiligten Menschen und auf den sozialen Zusammenhalt auswirkt.

  9. Die Stärkung weltweit gleicher Wettbewerbsbedingungen ist äußerst wichtig: Die EU befindet sich in einer guten Ausgangsposition, um die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Partnern wie der Internationalen Arbeitsorganisation auszubauen, menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu fördern und sicherzustellen, dass internationale Verpflichtungen umgesetzt werden.

Wir sind gemeinsam für die Zukunft verantwortlich: Alle Regierungsebenen (internationale, EU-, nationale, regionale und lokale Ebene) müssen mit den Sozialpartnern und der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, um den Erwartungen der Bürger und Arbeitnehmer in der EU gerecht zu werden.

Die rasanten Veränderungen haben die Europäische Union bereits dazu veranlasst, Maßnahmen zu ergreifen, um die Beschäftigungs- und Sozialpolitik Europas an die Welt von heute und morgen anzupassen. Mit der Proklamation der europäischen Säule sozialer Rechte hat die EU 20 Grundsätze und Rechte festgelegt, die für faire und gut funktionierende Arbeitsmärkte und Sozialsysteme im 21. Jahrhundert von grundlegender Bedeutung sind. Jetzt geht es um die Umsetzung der Säule auf Ebene der EU und der Mitgliedstaaten.

„Der rasante technologische Fortschritt und die digitale Transformation können das Wirtschaftswachstum steigern. Dieses Wachstum muss aber inklusiv sein – und der Schlüssel dazu besteht darin, Europa auf dem Weg der Aufwärtskonvergenz zu halten. Indem wir den „Wettlauf nach oben“ gewinnen, können wir den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt in der EU verbessern“, erklärte Valdis Dombrovskis.

Bereits am Vortag der Konferenz hatte die Hochrangige Gruppe „Auswirkungen der digitalen Transformation auf die EU-Arbeitsmärkte“ ihren Abschlussbericht veröffentlicht. Zu den wichtigsten Empfehlungen zählen persönliche Lernkonten, Arbeitsmarktvermittler zur Verringerung struktureller Qualifikationsdefizite und ein vom Beschäftigungsstatus unabhängiger Zugang zum Sozialschutz.

Die hochrangige europäische Konferenz fand im Vorfeld der Veranstaltung zum hundertjährigen Bestehen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) im Juni in Genf statt, auf der die Diskussion über die Zukunft der Arbeit auf internationaler Ebene fortgesetzt wird.

Weitere Informationen:

Pressemeldung: Die Zukunft der Arbeit: Hochrangige Konferenz: Wie kann die EU Herausforderungen meistern und Chancen nutzen?

Abschlussbericht der Hochrangigen Gruppe zu den Auswirkungen der digitalen Transformation auf die Arbeitswelt

Factsheet: Wichtige Beschäftigungsfragen

Factsheet: Soziale Prioritäten der Kommission Juncker

Weitere Factsheets zu Initiativen der Kommission im sozialen Bereich.

Pressekontakt: Gabriele Imhoff, Tel.: +49 (30) 2280-2820

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.