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Internationaler Schlag gegen Mafia gelingt dank europäischer Zusammenarbeit

Mit einer koordinierten Aktion der Behörden in den Niederlanden, Italien, Deutschland und Belgien, die heute (Mittwoch) in den frühen Morgenstunden begann, ist ein entscheidender Schlag gegen die italienische Mafiaorganisation`Ndrangheta gelungen. Die Operation unter dem Decknamen „Pollino“ ist die bisher größte ihrer Art in Europa. Mehrere Hundert Polizisten, darunter Spezialkommandos, Staatsanwälte und Kriminalbeamte, waren daran beteiligt. Um die Aktion vorzubereiten, haben die beteiligten Strafverfolgungsbehörden seit 2016 in einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe eng zusammengearbeitet, unterstützt von der europäischen Justizagentur Eurojust und der EU-Polizeibehörde Europol in Den Haag. In Deutschland konzentrierte sich die Razzia auf den westlichen Teil Nordrhein-Westfalens aufgrund der Nähe zu den Häfen von Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen.

05/12/2018

Die `Ndrangheta ist eine der mächtigsten verbrecherischen Vereinigungen der Welt. Sie kontrolliert den Großteil des europäischen Kokainhandels in Verbindung mit systematischer Geldwäsche, Bestechung und Gewalttaten.

Schon während der Ermittlungen wurden europaweit über vier Tonnen Kokain und beträchtliche Mengen Ecstasy/MDMA beschlagnahmt.  Heute Mittag wurden 84 Verdächtige als festgenommen gemeldet, darunter hochrangige Mitglieder der Mafiagruppe. Es wird damit gerechnet, geschätzte 2 Mio. Euro an kriminellen Vermögenswerten zu beschlagnahmen und es werden zahlreiche Zeugenbefragungen und Hausdurchsuchungen durchgeführt, um wichtige Beweise für die Gerichtsverhandlungen zu sammeln. Es werden auch Aktionen in Suriname durchgeführt. 

Der Fall stammt aus dem Jahr 2014, als der niederländische Nationale Strafverfolgungsdienst (FIOD) Ermittlungen wegen eventueller Geldwäsche an Eurojust weiterleitete. Die Ermittlungen richteten sich gegen Teilhaber italienischer Restaurants in Horst und Venray in den Niederlanden und brachten Verbindungen nach Nordrhein-Westfalen und zu kriminellen Vorgängen in Reggio Calabria in Süditalien zutage.  Deswegen ermutigte die niederländische Abordnung von Eurojust die anderen Länder proaktiv, sich den Fall genauer anzuschauen.

Die `Ndrangheta Mafiagruppe, die in Süditalien beheimatet ist, ist dafür bekannt, zur Tarnung legale Geschäfte in anderen Ländern zu eröffnen, um dann nach Übersee zu expandieren, Drogen zu schmuggeln, illegale Gelder zu waschen und neue Gebiete unter ihre Kontrolle zu bringen. Indem sie ihre Aktivitäten auf mehrere Länder aufteilt, will die Mafiagruppe Differenzen zwischen den Rechtsprechungen bei der Strafverfolgung ausnutzen und sich der Aufmerksamkeit entziehen, da jedes Verbrechen, wenn es nur separat untersucht wird, wie eine einzelne Tat aussieht und nicht wie ein Teil einer internationalen Operation. 

Die Gründung einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe durch die Niederlande, Italien und Deutschland für die Operation Pollino im Oktober 2016 hat die Intensität der Ermittlungen schlagartig erhöht. Eine gemeinsame Ermittlungsgruppe ist in erster Linie eine gesetzliche Rahmenkonstruktion und somit eine Plattform für die Justiz- und Polizeibehörden anderer Länder, in speziellen Fällen direkt zusammenzuarbeiten und Informationen systematisch untereinander auszutauschen. Schritt für Schritt haben so die an der Operation Pollino beteiligten Behörden, inklusive Ermittlungsrichter, sehr eng zusammengearbeitet, um das Puzzle zusammenzufügen und ihr Wissen und ihre Kreativität zu bündeln, um eine gemeinsame Strategie zu erarbeiten und die Reichweite und Komplexität der kriminellen Handlungen der `Ndrangheta aufzudecken. Der Austausch von Beweisen, der von grundlegender Bedeutung für die Vornahme einer stichhaltigen Strafverfolgung ist, war eine wichtige Voraussetzung für die Durchführung der heutigen Aktion. Es ist die erste gemeinsame Ermittlungsgruppe, an der Italien beteiligt war.

Die Unterstützung in der Praxis durch EU-Agenturen wie Eurojust und Europol hat eine wesentliche Rolle bei der Operation Pollino gespielt.  Die Ermittlungsgruppe wurde von Eurojust gegründet und finanziert. Eurojust hat ebenso eine Reihe von Meetings zur Koordination organisiert, die Beteiligten zusammengebracht, die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie unterstützt und das gemeinsame Verständnis der unterschiedlichen Rechtssysteme bei Schnittstellen in den Ermittlungen ermöglicht.

Weitere Informationen:

Pressemitteilung von Eurojust

Pressekontakt: Katrin Abele, Tel.: +49 (30) 2280-2140

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.