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Europäischer Forschungsrat erreicht Meilenstein von 10.000 Forschungsförderungen

Der Europäische Forschungsrat (ERC) feiert einen neuen Meilenstein: Inga Berre von der Universität Bergen ist die zehntausendste Forscherin, die über den ERC gefördert wird. Knapp 1.200 ERC-Preisträgerinnen und Preisträger mit deutscher Staatsangehörigkeit, die an deutschen Forschungsinstituten oder Universitäten forschen, wurden seit 2007 vom ERC gefördert. Mit Hilfe der ERC-Förderung wird Inga Berre ihre Forschung in der Geothermie weiter vorantreiben können und Modelle für die Erschließung und Produktion von geothermischen Hochtemperatur-Ressourcen entwickeln. Diese vielversprechende Forschung soll den Weg zu sauberer und nachhaltiger Energie für zukünftige Generationen voranbringen.

07/05/2021

Mariya Gabriel, Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend, sagte: „Herzlichen Glückwunsch an Professorin Inga Berre - sie ist die 10.000ste Forscherin, die einen ERC-Grant erhält! Heute feiern wir alle 10.000 ERC-Preisträgerinnen und Preisträger. Diese klugen Köpfe aus Europa verschieben die Grenzen unseres Wissens. Die Pandemie hat uns daran erinnert, dass sich langfristige Investitionen in die Grundlagenforschung in Krisenmomenten als entscheidend erweisen. Die jahrelange Forschung hinter der mRNA-Technologie ermöglichte die Entwicklung neuer Impfstoffe in Rekordzeit. Gerade weil wir nicht alle Herausforderungen von morgen vorhersehen können, müssen wir weiterhin in die Pionierforschung investieren. Wir tun dies durch den Europäischen Forschungsrat, der vierzehn Jahre nach seiner Gründung eine weithin anerkannte Erfolgsgeschichte für Europa ist. “

Vorläufige Bilanz des Europäischen Forschungsrats seit 2007

Die Investitionen des ERC in bahnbrechende, risikoreiche und gewinnbringende Forschung haben sich ausgezahlt. Sie hat zu zahllosen Durchbrüchen geführt - vom ersten Bild eines schwarzen Lochs über neue Erkenntnisse zu Infektionskrankheiten bis hin zu einem neuen Verständnis sozialer Phänomene.

  • Zwei Drittel der bisher 10.000 ERC-Geförderten sind weniger als 40 Jahre alt.
  • Über 75.000 Teammitglieder, meist Doktoranden und Post-Docs, werden durch die ERC-Projekte unterstützt - der ERC hilft damit, die nächste Generation von Forschern auszubilden.
  • 7 Nobelpreise, 4 Fields-Medaillen (höchste wissenschaftliche Auszeichnung für Mathematiker), 9 Wolf-Preise (für Verdienste zum Wohle der Menschheit und freundschaftliche Beziehungen unter den Völkern) und andere Preise, wurden an ERC-Geförderte vergeben.
  • Rund 80 Prozent der abgeschlossenen ERC-Projekte führten zu wissenschaftlichen Durchbrüchen oder großen Fortschritten, wie mehrere Studien belegen.
  • ERC-Grants unterstützten über 200.000 wissenschaftliche Publikationen, darunter mehr als 6.100 Artikel, die zu den 1 Prozent der meistzitierten Publikationen gehören.
  • Innovation: Die ERC-Förderung führte zu über 2.200 Patenten und anderen Anmeldungen von Rechten an geistigem Eigentum sowie zu etwa 300 neuen Unternehmen.

Hintergrund

Der 2007 von der EU gegründete Europäische Forschungsrat (ERC) investiert in Spitzenforscherinnen und -forscher in Europa und gibt ihnen die Freiheit, ihrer wissenschaftlichen Neugierde zu folgen. Dieser einzigartige "Bottom-up"-Ansatz, der keine thematischen oder politischen Prioritäten setzt, stärkt die Wissenschaftler und hat internationale Anerkennung gefunden.

Der ERC unterstützt Pionierforschung in allen Bereichen. In seinen Förderwettbewerben werden die besten Kandidatinnen und Kandidaten auf der Grundlage eines Kriteriums ausgewählt: wissenschaftliche Exzellenz. Die Projektvorschläge werden von renommierten Forschern aus der ganzen Welt bewertet. Das internationale, hochwertige Peer-Review-Verfahren ist das Rückgrat des ERC.

ERC-Grants sind offen für Spitzentalente aus aller Welt. Er hilft Europa, die klügsten Köpfe zu halten und anzuziehen, und sich als wissenschaftliches Kraftzentrum zu etablieren.

Unter dem Motto „für Wissenschaftler, von Wissenschaftlern“ wird der ERC von einem unabhängigen wissenschaftlichen Rat geleitet, dem 22 renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angehören, die die wissenschaftliche Gemeinschaft in Europa repräsentieren. Die Exekutivagentur des ERC ist der ausführende Arm.

Als Flaggschiff des EU-Programms für Forschung und Innovation Horizont Europa (2021-2027) verfügt der ERC über ein Budget von mehr als 16 Mrd. Euro.

Von der Neugierde zu konkreten Ergebnissen - Zwei deutsche Erfolgsgeschichten der ERC-Förderung

Uğur Şahin - Optimierung des Potenzials von mRNA für die menschliche Gesundheit

Vor zwei Jahrzehnten stellte Uğur Şahin, Onkologe und Immunologe, eine karrierebegründende Frage: “Ist es möglich, Behandlungen zu entwickeln, die so einzigartig sind wie die Krebspatienten?“

Seitdem widmete sich Şahin der Erforschung der molekularen Zusammensetzung und Manipulation von mRNA. Im Jahr 2010 hat er ein Team zusammengestellt, das an der Translationalen Onkologie der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (TRON) an mRNA-Impfstoffen arbeitet.

Şahins Forschung wurde durch verschiedene Teile der EU-Rahmenprogramme für Forschung und Innovation unterstützt, darunter ein Advanced Grant des ERC in Höhe von 2,5 Mio. Euro im Jahr 2017. Außerdem erhielt er 2020 eine Finanzierung von der Europäischen Investitionsbank im Zusammenhang mit den COVID-19-Impfstoffstudien von BioNTech.

Mit der bis 2023 geplanten ERC-Förderung treibt das Team um Şahin in Zusammenarbeit mit akademischen und industriellen Partnern die klinische Umsetzung ihrer mRNA-Impfstoff-Forschung weiter voran. Der ERC-Grant ermöglichte es Şahins Team es auch, eine Open-Source-KI-Software mit einem Algorithmus zu entwickeln, der Tumormutationen und neue Antigene verfolgt und vorhersagt. Die Software wird nun von anderen Forschungsteams genutzt, um neue Varianten von COVID-19 zu sequenzieren, zu verfolgen und möglicherweise vorherzusagen.

„Wir haben angefangen, einen Impfstoff für das Individuum zu machen, aber am Ende haben wir einen für die Menschheit gemacht“, sagte Şahin.

Katerina Douka - Unsere gemeinsame Vergangenheit durch archäologische Funde aufdecken

Bahnbrechende neue Methoden zur Identifizierung alter menschlicher Knochenfragmente haben beigetragen, zu beweisen, dass sich menschliche Spezies miteinander gekreuzt haben. Die von der ERC-Geförderten Katerina Douka vom Max-Planck-Institut für die Erforschung der Menschheitsgeschichte in Jena entwickelten Techniken werden derzeit in einem wachsenden globalen Netzwerk von Forschern verbreitet und könnten Erkenntnisse liefern, die weit über die historische Analyse hinausgehen. Douka ist spezialisiert auf Radiokarbondatierungen und die Anwendung chronometrischer und biomolekularer Methoden. Im Jahr 2016 gewann sie einen ERC Starting Grant.

„Diese Arbeit ist so faszinierend und auch heute noch so relevant", sagt Douka. „Diese Knochenfragmente gehörten zu Menschen, die vor Tausenden von Jahren gestorben sind, die aber jetzt helfen, ein Licht auf die moderne Menschheit zu werfen.“

Der moderne Mensch hat viel genetisches Material von Menschenarten geerbt, die nicht mehr existieren. Die Erforschung des SARS-CoV-2-Virus hat zum Beispiel gezeigt, dass Gene, die von Neandertalern geerbt wurden, die Reaktion eines Individuums auf eine Infektion beeinflussen können.

Diese neue Ära der wissenschaftlichen Archäologie erreicht jeden Winkel der Welt, auch dank der Forschung von Douka. Dabei entsteht ein beeindruckendes globales Netzwerk von Forscherinnen und Forschern und wissenschaftlichen Einrichtungen.

Weitere Informationen:

Pressemitteilung: European Research Council funds 10 000th researcher

Aufzeichnung der Veranstaltung

Pressekontakt ERC: Madeleine Drielsma, Tel.: +32 2 298 76 31; Marcin Mońko, Tel.: +32 2 296 66 44

Pressekontakt Vertretung: Gabriele Imhoff, Tel.: +49 (30) 2280-2820

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.