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Winterprognose 2020: Stabiles, aber gedämpftes Wachstum

Die heute veröffentlichte Winterprognose 2020 bestätigt den stetigen, gemäßigten Wachstumskurs der europäischen Wirtschaft. Das Euro-Währungsgebiet erlebt derzeit seine längste Phase nachhaltigen Wachstums seit der Einführung des Euro im Jahr 1999. Nach der Prognose wird das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Euro-Währungsgebiet in den Jahren 2020 und 2021 stabil bei 1,2 Prozent bleiben. Für Deutschland rechnet die Kommission in beiden Jahren mit einem Wachstum von je 1,1 Prozent. Für die EU insgesamt wird ein geringfügiger Rückgang des Wachstums auf 1,4 Prozent in den Jahren 2020 und 2021 prognostiziert - in der Herbstprognose 2019 wurde noch von 1,5 Prozent ausgegangen.

13/02/2020

Valdis Dombrovskis, Exekutiv-Vizepräsident für eine Wirtschaft im Dienste der Menschen, erklärte: „Trotz des schwierigen Umfelds ist die europäische Wirtschaft nach wie vor auf einem stetigen Wachstumspfad, es werden Arbeitsplätze geschaffen und die Löhne steigen. Wir sollten jedoch die potenziellen Risiken beachten, die von den sich verändernden geopolitischen Verhältnissen in Verbindung mit Handelsunsicherheiten ausgehen. Die Mitgliedstaaten sollten daher noch die Gelegenheit für Strukturreformen nutzen, um Wachstum und Produktivität anzukurbeln. Länder mit hoher Staatsverschuldung sollten sich verstärkt schützen, indem sie eine umsichtige Haushaltspolitik verfolgen.“

Der EU-Kommissar für Wirtschaft, Paolo Gentiloni, sagte: „Das stabile, allerdings gedämpfte Wachstum der europäischen Wirtschaft dürfte sich in den kommenden zwei Jahren auf gleichem Niveau fortsetzen. Damit wird sich die bisher längste Expansionsphase seit der Einführung des Euro im Jahr 1999 noch weiter verlängern, was gut für die Beschäftigung ist. Weitere positive Entwicklungen waren die Verringerung der Handelsspannungen und die Vermeidung des Brexit ohne Abkommen. Allerdings belastet die beträchtliche politische Unsicherheit weiterhin den verarbeitenden Sektor. Was das Coronavirus angeht, so ist es noch zu früh, um zu bewerten, in welchem Ausmaß es sich negativ auf die Wirtschaft auswirken wird.“

Weiterhin stabiles Wachstum dank Binnennachfrage

Die außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen gestalten sich weiterhin schwierig. Dank der kontinuierlichen Schaffung von Arbeitsplätzen, eines robusten Lohnwachstums und eines unterstützenden Policy-Mix dürfte die europäische Wirtschaft jedoch auf einem gemäßigten Wachstumspfad bleiben. Der private Konsum und private Investitionen, insbesondere im Bausektor, werden das Wirtschaftswachstum weiter ankurbeln, während davon auszugehen ist, dass eine Reihe von Mitgliedstaaten außerdem verstärkt öffentliche Vorhaben verwirklichen und insbesondere in Verkehr und digitale Infrastruktur investieren werden. Mit einer sich abzeichnenden Stabilisierung des verarbeitenden Gewerbes und der mutmaßlichen Überwindung des Rückgangs der globalen Handelsströme dürfte dies der europäischen Wirtschaft zu weiterer Expansion verhelfen. Gleichzeitig erscheinen diese Faktoren jedoch nicht ausreichend, um das Wachstum signifikant voranzutreiben.

Inflationsprognose leicht nach oben korrigiert

Die Inflationsprognose (der harmonisierte Verbraucherpreisindex) für das Euro-Währungsgebiet wurde für 2020 auf 1,3 Prozent und für 2021 auf 1,4 Prozent korrigiert - eine Steigerung von 0,1 Prozentpunkten für beide Jahre im Vergleich zur Herbstprognose 2019. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die höheren Löhne ersten Anzeichen zufolge nunmehr auf die Preise durchschlagen könnten und die Annahmen bezüglich der Ölpreise leicht nach oben korrigiert wurden.

Auch die Inflationsprognose für die gesamte EU wurde für 2020 um 0,1 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent angehoben. Die Prognose für 2021 bleibt unverändert bei 1,6 Prozent.

Risiken für die Prognose

Einige Abwärtsrisiken haben sich zwar abgeschwächt, gleichzeitig sind jedoch neue entstanden, und insgesamt überwiegen die Abwärtsrisiken weiterhin.

Das Handelsabkommen zwischen den USA und China hat die Abwärtsrisiken etwas verringert, doch die hohe Unsicherheit in Bezug auf die Handelspolitik der USA ist nach wie vor ein Hindernis für die Entwicklung eines besseren Geschäftsklimas. Soziale Unruhen in Lateinamerika könnten die wirtschaftliche Erholung dieser Region beeinträchtigen, während vermehrte geopolitische Spannungen im Nahen Osten die Konfliktgefahr erhöhen.

Zwar herrscht nun Klarheit hinsichtlich der Handelsbeziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich während des Übergangszeitraums, doch bleibt sehr ungewiss, wie die neue Partnerschaft mit dem Vereinigten Königreich aussehen wird. Ein weiteres Abwärtsrisiko ist der Ausbruch des Coronavirus (COVID-19) und dessen Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit, Wirtschaft und Handel, insbesondere in China. Es wird davon ausgegangen, dass seine Verbreitung im ersten Quartal ihren Höchststand erreichen wird und andere Teile der Welt nur in begrenztem Maße betroffen sein werden. Mit fortschreitender Dauer erhöht sich allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass Konjunkturerwartungen und die globalen Finanzierungsbedingungen beeinträchtigt werden. Außerdem können Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel auch auf kurze Sicht nicht ausgeschlossen werden, obwohl sie überwiegend langfristiger Natur sind.

Andererseits könnte die europäische Wirtschaft von einer expansiveren und wachstumsfreundlicheren Haushaltspolitik profitieren, und durch günstigere Finanzierungsbedingungen in einigen Mitgliedstaaten des Euro-Währungsgebiets könnten positive Spillover-Effekte entstehen.

Rein technische Annahme für das Vereinigte Königreich

Da die künftigen Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich noch nicht geklärt sind, beruhen die Projektionen für 2021 auf einer rein technischen Annahme des Status quo in Bezug auf die Handelsbeziehungen. Sie dient ausschließlich Prognosezwecken und ist keine Vorwegnahme oder Vorhersage des Ergebnisses der Verhandlungen über die künftigen Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich.

Hintergrund

Diese Prognose basiert auf einer Reihe technischer Annahmen über Wechselkurse, Zinssätze und Rohstoffpreise mit Stichtag 29. Januar. Bei allen anderen herangezogenen Daten, auch den Annahmen zu staatlichen Maßnahmen, wurden Informationen bis einschließlich 4. Februar berücksichtigt. Den Projektionen liegt die Annahme einer unveränderten Politik zugrunde, es sei denn, es wurden glaubwürdig konkrete politische Maßnahmen angekündigt.

Die Europäische Kommission veröffentlicht jedes Jahr zwei umfassende Prognosen (im Frühjahr und im Herbst) und zwei Zwischenprognosen (im Winter und im Sommer). Die Zwischenprognosen enthalten jährliche und vierteljährliche BIP- und Inflationszahlen für das laufende und das folgende Jahr für alle Mitgliedstaaten sowie die aggregierten Zahlen für die EU insgesamt und für das Euro-Währungsgebiet.

Als nächste Wirtschaftsprognose wird die Europäische Kommission ihre Frühjahrsprognose 2020 vorlegen, die am 7. Mai 2020 veröffentlicht werden soll.

Weitere Informationen:

Die Prognose in voller Länge: Winterprognose 2019

Pressekontakt: Reinhard Hönighaus, Tel.: +49 (30) 2280-2300

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.